Trans World Airlines (Kurzform TWA, ursprünglich Transcontinental and Western Air) war eine US-amerikanische Fluggesellschaft mit Sitz in St. Louis. Sie wurde im April 2001 von American Airlines aufgekauft und mit ihr zusammengelegt.

Geschichte Gründung Auf Drängen von Walter Folger Brown, dem damaligen United States Postmaster General, mussten sich die bis dahin selbständigen Fluggesellschaften Western Air Express und Transcontinental Air Transport am 16. Juli 1930 zusammenschließen. Aus der Fusion ging die Transcontinental and Western Air (T&WA) hervor,The Pocket Guide to Airline Markings and Commercial Aircraft, David Donald, London 1985 die Flugverbindungen von Küste zu Küste anbot – mit einer Übernachtung in Kansas City, wohin die Gesellschaft 1931 ihren Sitz aus New York verlegte. mini|250 px|Douglas DC-1, 1934

Howard Hughes mini|250 px|Lockheed L-049 Constellation, Flughafen Phoenix 1960

Im Jahr 1939 kaufte Howard Hughes die Gesellschaft auf und machte sie zur größten Fluggesellschaft der Welt. Obwohl er im Unternehmen nie eine offizielle Position bekleidete, bestimmte er in den folgenden 25 Jahre wesentlich den Kurs von TWA. Im Jahr 1946 nahm TWA mit einer Lockheed Constellation den Transatlantikverkehr auf der Route New York–Gander–Shannon–Paris auf, kurz darauf wurden die Ziele Rom, Athen, Kairo, Lissabon und Madrid aufgenommen. Damit war TWA neben Pan Am und American Overseas Airlines eine von drei amerikanischen Gesellschaften, die Transatlantikflüge anboten. Um diese neue, interkontinentale Bedeutung zu unterstreichen, wurde die Firma 1950 in Trans World Airlines geändert.

Von 1954 bis 1958 wurden die meisten Führungspositionen nach New York verlegt; Wartung, Schulung und Verwaltungsbüros verblieben in Kansas City. Im Jahr 1957 bezog TWA seinen neuen Wartungsbetrieb am heutigen Kansas City International Airport, nachdem der bisherige am Fairfax Municipal Airport 1951 durch eine Missouri-Flut beschädigt worden war.

Im Jahr 1961 reichte das Management von TWA eine Klage gegen den mehrheitlichen Besitzer Howard Hughes und die Hughes Tool Company wegen Verstößen gegen den Sherman Antitrust Act und den Clayton Antitrust Act ein. Hintergrund war, dass Hughes sich mit dem Management nicht über die Finanzierung der neuen Strahlflugzeuge einigen konnte und überdies kaum erreichbar war. Der Streitwert wurde auf 150 Millionen Dollar festgelegt. 1964 erzielte TWA einen Gesamtumsatz von 575 Millionen US-Dollar und einen Gewinn von 37 Millionen US-Dollar. Im Jahr 1966 verkaufte Hughes die Gesellschaft für 546 Millionen US-Dollar.

Jet-Zeitalter mini|250 px|links|Ehemaliges TWA Flight Center (NY)

Das markante TWA Flight Center nach Plänen des Architekten Eero Saarinen am heutigen John F. Kennedy International Airport in New York wurde im Mai 1962 eröffnet, um den steigenden Passagierzahlen gerecht zu werden. Im Jahr 1967 wurde die letzte Constellation ausgemustert; TWA war damit die erste US-Fluggesellschaft mit einer reinen Jet-Flotte. Zwei Jahre später wurden die ersten Routen über den Pazifik und eine Round-the-World-Verbindung eröffnet.

TWA diversifizierte in weitere Branchen und gründete dazu am 1. Januar 1979 die Trans World Corporation als neue Dachgesellschaft, in die neben der Fluggesellschaft unter anderem Hilton International, Canteen Corporation, Spartan Food Service und Century 21 Real Estate eingebracht wurden.

Carl Icahn mini|250 px|Boeing 727-200 der TWA Im Jahr 1985 kaufte Carl Icahn TWA von der Holding Trans World Corporation. Ein Jahr später wurde Ozark Air Lines übernommen. Im Jahr 1988 wurde TWA (zugunsten Icahns) von der Börse genommen, was die Schulden um 539 Millionen Dollar steigen ließ. Ein Jahr später wurde der Firmensitz von New York City in ein Gebäude Icahns in Mount Kisco im Bundesstaat New York verlegt. Im Jahr 1991 verkaufte TWA seine Streckenrechte von New York, Los Angeles, Boston und Chicago nach London für 445 Millionen Dollar an American Airlines. Ein Jahr später musste TWA erstmals Insolvenz nach Chapter 11 anmelden. Es folgte der Verkauf weiterer Streckenrechte an USAir sowie die Aufnahme von Verhandlungen mit den drei größten Gewerkschaften, die schließlich für ihre Zugeständnisse einen Anteil von 45 % an TWA erhielten. Im Januar 1993 verließ Icahn das Unternehmen und ein von Mitarbeitern, Gewerkschaften und Gläubigern ernanntes Management-Komitee übernahm die Verantwortung.

Niedergang mini|250 px|Boeing 767 der TWA, Frankfurt/Main Im Jahr 1994 verlegte TWA ihren Sitz nach St. Louis, Missouri, und nutzte den nahegelegenen Lambert-Saint Louis International Airport als Drehkreuz für Inlandsflüge sowie den John F. Kennedy International Airport als internationales Drehkreuz. Im Jahr 1995 erklärte sich TWA erneut für insolvent. Im Jahr 1998 bestellte TWA 50 Airbus A318 (zur Auslieferung ab 2003) und 50 Boeing 717 (zur Auslieferung ab 2000).JP airline-fleets international, Edition 1999/2000 Ende Dezember 1999 übernahm TWA die letzte fabrikneue McDonnell Douglas DC-9-83 (MD-83) ab Werk in Long Beach. Im April 2001 übernahm American Airlines die faktisch zahlungsunfähige TWA. Am 1. Dezember 2001 flog TWA zum letzten Mal und ging danach in American Airlines auf.

Nachwirkungen mini|250 px|TWA Museum und Airline History Museum in Kansas City Das TWA Flight Center am Flughafen JFK in New York stand von 2001 bis 2005 leer und wurde danach von JetBlue Airways übernommen. Der neue Besitzer baute es für 800 Mio. Dollar um, die Wiedereröffnung folgte 2008.Die Terminal 5 Website von Jetblue Airways TWA machte außerdem in zahlreichen Filmen durch Produktplatzierung mit Flugzeugen, Personal oder Werbetafeln (wie auch der heute ebenfalls nicht mehr bestehende Konkurrent Pan Am) auf sich aufmerksam.

Am Charles B. Wheeler Downtown Airport in Kansas City betreiben ehemalige Mitarbeiter von TWA mit Spendenunterstützung das TWA Museum mit etlichen Memorabilia. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Airline History Museum mit einer original erhaltenen TWA Lockheed Super Constellation.

Als Reminiszenz an die einst bekannte und prestigeträchtige Fluggesellschaft setzt American Airlines eine Boeing 737-800 (N915NN) ein, die das zuletzt gültige Farbkleid der TWA trägt.

TWA in Deutschland mini|250 px|Neben Flugzeugen des Typs Boeing 727-200 wurde im Berlin-Verkehr z. B. auch diese Boeing 727-31 (N839TW) eingesetzt.

Aus den USA bzw. auf den Flugstrecken zwischen Westdeutschland und West-Berlin wurden von TWA Berlin-Tegel, München-Riem (später Flughafen München), Hamburg, Stuttgart und Flughafen Frankfurt Main angeflogen. Auf den europaweiten Kurzstrecken von Berlin-Tegel aus (neben den Flügen nach Westdeutschland u. a. auch nach Brüssel und Wien) setzte TWA Maschinen vom Typ Boeing 727 ein. Mit Ausnahme von Frankfurt wurden die Flüge von und nach Deutschland (d. h. bis zum 3. Oktober 1990 Westdeutschland und West-Berlin) 1994 eingestellt. Am 13. Januar 1997 stellte TWA mit dem letzten Flug TWA 741 von Frankfurt nach New York sämtliche Flüge von und nach Deutschland ein.

Vielfliegerprogramm 1979 wurde ein Vielfliegerprogramm namens „Frequent Flyer Bonus Program“ aufgesetzt. Es wurde 1995 durch das neue Vielfliegerprogramm Aviator ersetzt. Damit war TWA nach American Airlines eine der ersten Fluggesellschaften mit einem solchen Kundenbindungsprogramm.

Flotte Flotte bei Betriebseinstellung mini|250 px|Douglas DC-2 der TWA, Oakland 1941 mini|250 px|Fairchild C-82 Packet der TWA, Paris-Orly 1970. Diese Maschine wurde zum weltweiten Transport von Ersatztriebwerken eingesetzt. mini|250 px|Boeing 707 der TWA, Los Angeles 1982 mini|250 px|Boeing 747SP der TWA, Paris-Charles de Gaulle 1980

Im Jahr der Betriebseinstellung bestand die Flotte der TWA aus 190 Flugzeugen der folgenden Typen:Ulrich Klee, Frank Bucher et al.: jp airline-fleets international 2001. Zürich-Airport 2001, S. 464f. 30 Boeing 717 28 Boeing 757-200 6 Boeing 767-200 9 Boeing 767-300. 14 Douglas DC-9-30 103 McDonnell Douglas DC-9-83

Zuvor eingesetzte Flugzeuge Vorher setzte TWA auch folgende Flugzeugtypen ein:Ulrich Klee, Frank Bucher et al.: jp airline-fleets international. Zürich-Airport 1966–2000.Jennifer M. Gradidge: The Douglas DC-1/DC-2/DC-3: The First Seventy Years, Volumes One and Two. Tonbridge, Kent, UK: Air-Britain (Historians) Ltd., 2006, ISBN 0-85130-332-3, S. 238.Bernhard Isidor Hengi, Herausgeber Josef Krauthäuser: Fluggesellschaften Weltweit. Nara-Verlag, Allershausen, 3. Auflage 1997, ISBN 3-925671-23-4, S. 289.

Boeing 247 Boeing 307 Boeing B-17 Boeing 707 Boeing 720 Boeing 727 Boeing 747-100, -200, 747SP Cessna Skymaster Convair 880 Douglas DC-1 Douglas DC-2 Douglas DC-3 Douglas DC-4 Fairchild C-82 Packet Lockheed Modell 12 Electra Junior Lockheed L-049 Constellation Lockheed L-749, L-749A Constellation Lockheed L-1049, L-1049G, L-1049H Super Constellation Lockheed L-1649 Starliner Lockheed L-1329 JetStar Lockheed L-1011 TriStar Martin 2-0-2 Martin 4-0-4 McDonnell Douglas DC-9-82 (MD-82) Northrop Alpha

Zwischenfälle Von 1950 bis zur Betriebseinstellung 2001 kam es bei Trans World Airlines zu 34 erfassten Totalschäden von Flugzeugen. Bei 18 davon kamen 940 Menschen ums Leben.Unfallstatistik Trans World Airlines, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 7. März 2019. Beispiele von Zwischenfällen:

Am 31. März 1931 stürzte eine Fokker F.10 (Luftfahrzeugkennzeichen NC999E) im Bundesstaat Kansas ab, nachdem sie im Flug eine Tragfläche verloren hatte. Alle acht Insassen kamen ums Leben (siehe auch Transcontinental-and-Western-Air-Flug 5).

Am 16. Januar 1942 wich eine Douglas DC-3-382 der TWA (NC1946) nach dem Abflug vom damaligen Flughafen Las Vegas (Nevada, USA) so weit vom Kurs nach Burbank ab, dass sie in einer Höhe von 7770 Fuß (2370 Metern) direkt in eine fast senkrechte Felsklippe des Potosi Mountain geflogen wurde. Durch diesen CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 22 Insassen getötet, drei Besatzungsmitglieder und 19 Passagiere. Darunter war die zu der Zeit bekannte Schauspielerin Carole Lombard (33) (siehe auch Transcontinental-and-Western-Air-Flug 3).

Am 15. Januar 1943 stürzte eine Douglas DC-4/C-54-DO der United States Army Air Forces (USAAF) (41-32939), die durch die Trans World Airlines betrieben wurde, 40 Kilometer ostnordöstlich von Paramaribo (Suriname) in den Dschungel, nachdem sie in der Luft zerbrochen war. Die Ursache konnte nicht ermittelt werden. Alle 35 Insassen, zehn Besatzungsmitglieder und 25 Passagiere, kamen ums Leben. Dies war der erste Totalverlust einer DC-4 und auch der erste tödliche Unfall dieses Typs.

Am 20. Juni 1944 wurde eine Douglas DC-4/C-54A-DO der United States Army Air Forces (USAAF) (41-37277), geflogen von der Trans World Airlines, in einer Höhe von 3900 Fuß (rund 1200 Meter) in den Berg Fort Mountain (Maine, USA) geflogen, 55 km nordwestlich von Millinocket. Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 7 Insassen, sechs Besatzungsmitglieder und ein Passagier, getötet.

Am 4. November 1944 geriet eine Douglas DC-3-454 der TWA (NC28310) in einer Flughöhe von 10.000 Fuß (3.050 Metern) in eine rasch wachsende Cumulonimbus-Gewitterwolke. In der extremen Turbulenz wurde das Flugzeug auf den Rücken geschleudert, zerbrach in der Luft und schlug in der Nähe von Hanford (Kalifornien) (USA) auf. Die Maschine hatte sich auf dem Flug von San Francisco nach Burbank befunden. Alle 24 Insassen, 3 Besatzungsmitglieder und 21 Passagiere, kamen ums Leben (siehe auch Transcontinental-and-Western-Air-Flug 8).