mini|Flagge der Aq Qoyunlu

Die Aq Qoyunlu (oghusisch: oder , deutsch: „(jene) mit weißen Hammeln“) war eine turkmenische Stammesföderation, die nach der Mongolenherrschaft in Diyar Bakr aufstieg. Sie beherrschte anfänglich Teile Ostanatoliens, später auch Aserbaidschan und weite Teile des Irak und Irans (1389–1507). Das Herrscherhaus der Aq Qoyunlu gehörte dem Oghus-Clan der Bayındır an. Die Föderation bestand neben den Bayındır aus verschiedenen weiteren oghusischen Clans (Bayat, Döğer, Çepni etc.), die mit den Seldschuken aus Zentralasien angekommen waren und unter der späteren Mongolenherrschaft ein unscheinbares Dasein geführt hatten.Vladimir Minorsky in Encyclopaedia of Islam (2nd Edition), Artikel AK KOYUNLU - […]The federation consisted of various Oghuz (Turkmen) tribes (Bayat, Döger, Cepni etc.) who had apparently arrived with the Saldjuks but, under the Mongols, led an inconspicuous existence. Among these clans must be particularly distinguished the Bayundur clan, to which belonged the rulers, who, with their immediate followers, must have taken the leadership and organised the federation. […]

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Herkunft

275x275px|mini|Die nördlichen Provinzen des Reichs unter Uzun Hasan, nach der Eroberung der Qara Qoyunlu in den Jahren 1466/67. Die Karte beinhaltet das mit den Aq Qoyunlu verbündete Kaiserreich Trapezunt, welches jedoch bereits 1461 an das Osmanische Reich gefallen war.

Die Aq Qoyunlu waren ein nomadisierender Turkmenenstamm, aus dem in späterer Zeit eine Stammeskonföderation hervorging. Sie waren die Rivalen der Qara Qoyunlu („jene mit schwarzen Hammeln“), eines weiteren Turkmenenstammes. Die Herkunft der Bezeichnungen ist nicht geklärt. Entweder versteht man darunter Totemtiere oder man nimmt an, dass die jeweilige Farbe (schwarz/weiß) bei den Schafherden überwog.

Über die frühen Jahre der Aq-Qoyunlu- und der Qara-Qoyunlu-Stämme berichtet das türkische Epos Dede Korkut. In byzantinischen Quellen wird die Bayundur-Familie (das Herrscherhaus der Aq Qoyunlu) erstmals im Jahr 1340 erwähnt. Hier wird von Bayundur Khan als Nachfahre des legendären Oghuz Khan und Herrscher der Oghus Stammesföderation berichtet. Zuvor war der Clan der Bayundur neben sechs weiteren Stämmen wie bspw. den Kiptschaken Teil der Kimek Stammesföderation gewesen, die nach dem Zusammenbruch des Zweiten Khaganats der Kök-Türken entstanden war und sich über einen Großteil der kasachischen Steppe erstreckte. Die Bayundur wurden später vom persischen Gelehrten Gardizi explizit als Stamm der Kimek erwähnt. Nach der Auswanderung des Stammes von Seldschuk aus dem ursprünglichen Siedlungsgebiet der Oghus am Aralsee über Iran nach Anatolien verließen nach und nach auch die anderen Clans ihre Heimat und siedelten sich vom 11. bis 13. Jahrhundert in Teilen Irans, des Iraks, Aserbaidschans und vor allem der Türkei an, so vermutlich auch der Clan der Bayundur. Ihre Auswanderung fand vermutlich während der Herrschaft des Argun Khan (1284–1291) aus dem Gebiet Chorasan in das historische Aserbaidschan statt. links|mini|Tamgha (offizielles Erkennungssymbol) des Stammes der Bayundur, überliefert nach Mahmūd al-Kāschgharī im 11. Jahrhundert. Der Name der herrschenden Sippe Bayundur (oder Bayındır) ist (ebenso wie bei den Qara Qoyunlu die Herrschersippe Baharlu bzw. Barani) auch schon für die vormongolische Zeit belegt und wird von Raschid ad-Din (um 1303) mit den 24 Oghusenstämmen in Verbindung gebracht. Die Dynastiechronik (um 1470) führt die Herkunft über 51 Geschlechter auf den legendären Oğuz Khan zurück, wobei jene Chronik vermutlich zur politischen Legitimation der Aq-Qoyunlu-Herrschaft beitragen sollte und weniger als Beleg für die Herkunft der Herrscherfamilie zu verstehen ist.

Vom Fürstentum zur Großmacht

Konsolidierung als Regionalmacht unter Qara Osman Bey mini|Die Stadtmauer von Diyarbakır.

Die Aq Qoyunlu als eigenständige staatliche Einheit sind seit dem 14. Jahrhundert um Diyarbakır einwandfrei fassbar und haben sich wahrscheinlich nach dem Untergang des Rum-Seldschukenreiches formiert. Ab 1340 unternahmen die Aq Qoyunlu unter der Führung von Tur Ali Beg (1340–63) Raubzüge gegen Mesopotamien, Syrien und in besonderem Maße gegen Trapezunt. Tur Ali war bereits zu Ilchan Ghazans Zeiten ein Emir. Im Jahre 1348 erschienen die Aq Qoyunlu vor Trapezunt. Vier Jahre später verheiratete Kaiser Alexios III. seine Schwester mit Tur Alis Sohn Kutlu Beg im Zuge eines Kompromissfriedens. In der Folgezeit wurden unter der Herrschaft von Kutlu (1362–89) noch weitere Ehen zwischen den Aq Qoyunlu und dem Kaiserhaus Trapezunts geschlossen, sodass eine Annäherung zwischen beiden Reichen stattfand. Dieses Bündnis zwischen dem christlich geprägten Kaiserreich Trapezunt und dem muslimisch geprägten Fürstentum Aq Qoyunlu sollte im Laufe des 15. Jahrhunderts entscheidend sein für die Außenpolitik der Turkmenen gegenüber den aufsteigenden Osmanen in Anatolien.

Als eigentlicher Gründer des Staates ist Qara Yoluq Osman Bey (oder auch Qara Yülük ʿOṯmān Beg, reg. 1389–1435) bekannt, Sohn von Kutlu Beg. Er machte 1399 Timur in Karabag seine Aufwartung, als sich die übrigen Turkmenenführer (insbesondere sein Rivale Qara Yusuf von den Qara Qoyunlu) gegen diesen stellten. Als Timurs Verbündeter wurde er mit Diyarbakır belehnt und nahm 1402 durch die Schlacht bei Ankara an dessen Feldzug gegen die Osmanen teil, verlor aber mit Timurs Tod viel Rückhalt und bekam erneut Probleme mit seinem Rivalen Qara Yusuf. In der Zeit von Qara Yoluq Osman Bey sind diplomatische Kontakte der Turkmenen nach Europa belegt. So pflegten die Aq Qoyunlu gute Beziehungen zu König Sigismund und waren dessen politisch wichtigster Verbündeter im Kampf gegen das Osmanische Reich, wenngleich es sich um ein loses Bündnis handelte und womöglich symbolischer Natur war. Nach dem Auftreten von Iskander, einem Prinzen der Qara Qoyunlu, zog Qara Yoluq ab 1432 erneut in die Schlacht gegen die Rivalen im Osten und kam 1435 bei einem Gefecht gegen Iskanders Truppen nahe Erzurum ums Leben. Nach Qara Yoluqs Tod im Alter von 80 Jahren geriet die Föderation unter den Druck der Qara Qoyunlu und verlor viele der beherrschten Gebiete.

Qara Yoluq prägte das Reich der Aq Qoyunlu sowohl aufgrund seiner aktiven Außenpolitik, die Eroberungen umfasse, als auch durch seine innenpolitischen Handlungen. So erwarb die Konföderation nicht nur mehr Territorium, sondern gewann auch die Unterstützung durch zusätzliche Stämme, die von Qara Yoluqs Erfolgen angezogen wurden. Es gibt Anzeichen dafür, dass die überwiegend christlichen sesshaften Bewohner nicht völlig von den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Aktivitäten des Staates Aq Qoyunlu ausgeschlossen waren und ihnen durchaus Teilhabe am Staat zugesprochen wurde. Außerdem verfügte Qara Yoluq über einen rudimentären bürokratischen Apparat iranisch-islamischer Prägung. Dennoch blieb die turkmenische Militärelite eindeutig der dominante Faktor in staatlichen Angelegenheiten. In der Hoffnung, den einer Stammeskonföderation innewohnenden zentrifugalen Tendenzen entgegenzuwirken und den Zusammenhalt des Fürstentums zu stärken, wies Qara Yoluq seit 1424 neu eroberte Gebiete seinen Söhnen statt individuellen Stammesführern außerhalb der Familie zu, doch diese Politik führte nicht zu den erwarteten Ergebnissen.

Die Söhne Qara Yoluqs zerstritten sich, ihr Territorium schrumpfte wieder auf das Ausgangsgebiet um Diyarbakır zusammen und die Qara Qoyunlu erlangten die Vorherrschaft. Daran änderte sich auch unter Qara Yoluqs Enkel Jahangir nichts, der gegen seine Onkel und Vettern antreten musste. 1453 wurde Jahangir von seinem Bruder Uzun Hasan in einem Handstreich entmachtet.

Aufstieg zur Großmacht unter Uzun Hasan Erst unter Uzun Hasan (reg. 1453–1478) kam es erneut zum Aufstieg und letztlich zur Glanzzeit der Aq Qoyunlu. Nach über einem Jahrzehnt der militärischen Ruhephase begann er 1467 mit der Eroberung der Gebiete östlich und südöstlich seines Reiches. Seine Armee konnte die Qara Qoyunlu unter Dschahan Schah vernichtend schlagen und deren Reich im westlichen Iran, Aserbaidschan und dem Irak erobern. Deshalb sah sich Uzun Hasan selbst als „Wahrer der türkischen Einheit“ und verglich sich mit Timur, dessen ehrgeizigen Nachfolger und Timuriden Abu Said er 1469 besiegte und tötete. Zwar eroberte Uzun Hasan nicht das gesamte Territorium, das aus historischer Sicht der persischen bzw. iranischen Einflusssphäre entspricht und stieß nach der Auslöschung der Timuriden nicht weiter nach Osten vor. Allerdings nahm er dennoch, sich selbst in Tradition der Perser sehend, den altiranischen Titel Padishah-i-Iran (Großkönig von Iran) an und besiegelte mit der Verlegung seiner Hauptstadt von Diyarbakır nach Täbriz die Errichtung eines transnationalen und multiethnischen Großreichs, das sich in seiner größten Ausdehnung vom Kaspischen Meer bis Syrien und von Aserbaidschan bis Bagdad erstreckte. mini|358x358px|Größte Ausdehnung unmittelbarer Herrschaft und stärkeren Einflusses der Aq Qoyunlu im Jahr 1478. Die Herrschaft Uzun Hasans war den nomadischen Traditionen entsprechend indirekt. Er forderte die jährlichen Tribute und Steuern von den örtlichen Fürsten, baute aber bis zur Verlegung der Hauptstadt nach Täbriz keine feste Residenz und errichtete keine tragfähigen Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen. Gleichwohl stieß er eine Reihe von hauptsächlich wirtschaftlichen Reformen an, die im nur fragmentiert erhaltenen Werk des sog. qanun nama qänün-i Hasan padishah erhalten sind und die Bevölkerung im Reich vor übermäßigen Steuerabgaben und der Willkür lokaler Herrscher schützen sollten. Diese Anordnungen hatten zumindest in Teilen Persiens mindestens bis in die Zeit des Safaviden-Herrschers Tahmasp (reg. 1524–1576) Bestand. Bis heute sind einige wenige Auszüge aus den von Uzun Hasan erstellten Regularien erhalten geblieben, sie beziehen sich unter anderem auf die Provinzen Diyarbakir, Mardin, Ergani, Urfa, Erzincan und Harput, die zusammen den Nordwesten des Reichs der Aq Qoyunlu bildeten.

Die Außenpolitik des neuen Großreichs entspricht einer gewissen Kontinuität mit Blick auf die außenpolitischen Tätigkeiten von Uzun Hasans Vorgängern. Während die Beziehungen zum Kaiserreich Trapezunt weiterhin Bestand hatten – Uzun Hasans Ehefrau war Theodora Megale Komnene, Tochter des trapezuntinischen Kaisers Alexios IV. – pflegten die Turkmenen vor allem ihre Verbindungen zu jenen Staaten, die sich vom Osmanischen Reich bedroht sahen. Die Eroberung des verbündeten und familiär eingeflochtenen Trapezunt durch die Osmanen 1461 konfrontierte nun auch die Aq Qoyunlu mit diesem neuen Gegner. Die Turkmenen schmiedeten schließlich Pläne, um die osmanische Gefahr einzudämmen. Zu diesem Zwecke nahm Uzun Hasan mit Ländern der christlichen Welt Beziehungen auf, um sich die gefürchteten Feuerwaffen zu verschaffen, über welche die Osmanen ebenfalls verfügten. Dies beweisen zahlreiche Briefe an christliche Herrscher und Politiker in Venedig und anderswo, die Uzun Hasans Ambitionen in Anatolien unterstreichen. So wandte er sich am 21. Februar 1471, kurz nach der Eroberung der Qara Qoyunlu im Irak und in Iran, an Giovanni Orsini, Großmeister von Rhodos, und forderte ihn zur Unterstützung des anatolischen Beyliks Karaman gegenüber den Osmanen auf. Die Karamaniden wurden in jener Zeit zunehmend von den Osmanen bedrängt und fürchteten sich vor einer Annexion. Uzun Hasan wandte sich daher in höchster Dringlichkeit an Orsini: