mini|Das Brandenburger Tor mit dem Pariser Platz in westlicher Blickrichtung zur Straße des 17. Juni, 2007 mini|Das Brandenburger Tor in östlicher Blickrichtung zur Zeit der Berliner Mauer, 1985 mini|Das Brandenburger Tor um 1855
Das Brandenburger Tor in Berlin ist ein frühklassizistisches Triumphtor, das an der Westflanke des quadratischen Pariser Platzes im Berliner Ortsteil Mitte steht. Es wurde als Abschluss der zentralen Prachtstraße der Dorotheenstadt, des Boulevards Unter den Linden, in den Jahren 1789von Siefart 1912, S. 6 bis 1793von Siefart 1912, S. 42 auf Anweisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. nach Entwürfen von Carl Gotthard Langhans errichtet. Die das Tor krönende Skulptur der Quadriga ist ein Werk nach dem Entwurf des Bildhauers Johann Gottfried Schadow. Westlich des Brandenburger Tores befinden sich die ausgedehnten Grünflächen des Großen Tiergartens, die in gradliniger Verlängerung der Straße Unter den Linden von der Straße des 17. Juni durchquert werden. Die Platzfläche unmittelbar westlich des Tores trägt den Namen Platz des 18. März.
Das Tor ist das einzig erhaltene von zuletzt 18 Berliner Stadttoren.Cullen/Kieling 1990, S. 8 In der Formensprache stellt es die Hinwendung vom römischen zum griechischen Vorbild dar. Es ist eines der ersten klassizistischen Bauwerke in Preußen und markiert hiermit den Beginn des Klassizismus als staatstragende Architektur in Preußen.
Das Tor ist das bekannteste Berliner Wahrzeichen und ein deutsches Nationalsymbol, mit dem viele wichtige geschichtliche Ereignisse des 19. und 20. Jahrhunderts verbunden sind. So wurde bis zum Zweiten Weltkrieg vor allem das Ende der napoleonischen Herrschaft 1813–1815 mit dem Bauwerk verbunden. Bis zur Öffnung des Eisernen Vorhangs stand es unmittelbar an der Grenze zwischen Ost- und West-Berlin im Ostsektor und symbolisierte so während des Kalten Krieges das Aufeinandertreffen von Warschauer Pakt und NATO an der weltpolitisch heikelsten Stelle ihres gemeinsamen Grenzverlaufes. Entsprechend wird das Brandenburger Tor seit 1990 auch als Symbol der Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas angesehen.
Nach Beschädigung im Zweiten Weltkrieg wurde das Tor bis 1958 wiederhergestellt. Eine umfassende, knapp zweijährige Sanierung fand bis 2002 durch die Stiftung Denkmalschutz Berlin statt.
Vorgängerbau mini|Zeichnung des alten Brandenburger Tores von Daniel Chodowiecki, 1764
Mit der Errichtung der Dorotheenstadt um 1670 und deren Einbeziehung in die Stadtbefestigung Berlins entstand das erste Tor. Es bestand aus einem Durchbruch durch den aufgeschütteten Wall und einer Zugbrücke über den ausgehobenen Graben und befand sich ungefähr auf der Höhe der heutigen Schadowstraße.Laurenz Demps: Der Pariser Platz. Der Empfangssalon Berlins. Henschel, Berlin 1995, ISBN 3-89487-215-2, S. 24
Mit der Erweiterung der Dorotheenstadt nach Westen und dem Bau der Zollmauer der Stadt Berlin wurde 1734 ein Vorgängerbau an der Stelle des heutigen Brandenburger Tores als Stadttor an der Straße nach Brandenburg an der Havel durch Philipp Gerlach errichtet.Demps 1991, S. 20 Die Toranlage bestand aus zwei mit Pilastern und Trophäen geschmückten barocken Pylonen, an denen die Torflügel befestigt waren. Neben dem Schmucktor befanden sich einfache Durchgänge für Fußgänger in der Mauer, die an dieser Stelle mit Schmuckvasen verziert waren. Bereits innerhalb der Zollmauer befanden sich südlich des Tores das Gebäude für die Wache und nördlich das für die Steuerbehörde.
Für den bevorstehenden Neubau des Tores wurde zuerst ab Mai 1788 das nördlich des Steuerhauses befindliche Spritzenhaus abgebrochen, um an dessen Stelle eine provisorische Umfahrung der Torbaustelle anzulegen. Der Abbruch des alten Brandenburger Tores begann anschließend im Sommer 1788.
Symbolik Die Neuerrichtung des Brandenburger Tores erfolgte zur innen- und außenpolitischen Herrschaftsrepräsentation Friedrich Wilhelms II. In ersten Entwürfen gab es daher den Vorschlag, in bronzenen Lettern Federigo daranzuschreiben.Kurt Bauch: Das Brandenburger Tor. Verlag Bruno Hessling, Berlin 1968, S. 30. Mit der Gestaltung des Tores nach dem Vorbild der Propyläen der Akropolis des Parthenon-Tempels in Athen verglich sich Friedrich Wilhelm II. mit Perikles und stellte sich als Herrscher dar, der Preußen ein goldenes Zeitalter bringen würde.Pöthe 2014, S. 400 Perikles stand für eine kluge Bündnispolitik verbunden mit einer langen Friedenszeit und für die Vorherrschaft Athens im Attischen Seebund. Genau so wollte Friedrich Wilhelm II. wahrgenommen werden, nachdem er 1787 die Republik der Vereinigten Niederlande durch den Einmarsch preußischer Truppen gewaltsam befriedet und eine Allianz zwischen Preußen, den Niederlanden und Großbritannien herbeigeführt hatte.
Ganz in diesem Sinne war der ursprünglich für das Tor gewählte Name „Friedenstor“. Neben Friedrich Wilhelm II. sollte seine Schwester Wilhelmine von Oranien, Erbstatthalterin der Republik der Niederlande, als Friedensbringerin gepriesen werden. Sie war es, die durch ihre Taktik Friedrich Wilhelm II. zum Eingreifen in den Niederlanden bewegte und letztendlich dadurch eine Vormachtstellung Preußens in Europa herbeiführte. Der Begriff des „Friedenstores“ steht nicht im Widerspruch zur Krönung des Tores mit einer Siegesgöttin, sondern harmoniert mit der absolutistischen Herrschaftsvorstellung des 18. Jahrhunderts.Pöthe 2014, S. 221
Sowohl von der baulichen Anlage der Flügelbauten als auch von der schmückenden Ausstattung her war das Tor nach innen gerichtet. Es sollte somit nicht dem Ankommenden, sondern dem in der Stadt Wohnenden die Herrschermacht verdeutlicht werden. Gleich einer Theaterkulisse diente das Tor dazu, dem König bei der Ankunft in Berlin schmückendes und erhöhendes Beiwerk zur Seite zu stellen.
Architektur Beschreibung mini|Vergleich zwischen den Propyläen als Vorbild und der preußischen Neuinterpretation,Stich um 1795 mini|Grundriss des Brandenburger Tores im ursprünglichen Zustand
Das Brandenburger Tor ist ein frühklassizistisches Bauensemble eines Triumphtores, bestehend aus dem eigentlichen Torbauwerk und zwei flankierenden Flügelbauten. Die Flügelbauten stellen nicht nur den Übergang zwischen dem Tor zur angrenzenden Bebauung her, sondern bilden durch ihre vorgezogene Position eine Art barocken Ehrenhof.Ralph Paschke: Das Tor und seine architekturgeschichtliche Stellung. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 19.
Carl Gotthard Langhans war von Friedrich Wilhelm II. als Leiter des Oberhofbauamtes eingesetzt worden und somit mit der Umsetzung betraut. Er erhielt, wahrscheinlich direkt von Friedrich Wilhelm II.Michael Bollé: »Antiquites of Berlin?« Carl Gotthard Langhans und die Architektur in Berlin um 1800. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 72.Pöthe 2014, S. 187. die Vorgabe, das Tor nach dem Vorbild der Propyläen, dem Eingangstor zur Akropolis in Athen, zu errichten. Da Langhans selbst nicht in Griechenland war, dienten ihm die Beschreibungen und Zeichnungen von Julien-David Le Roy sowie von James Stuart und Nicholas Revett als Vorlage.von Siefart 1912, S. 4. Weiterhin forderte Friedrich Wilhelm II. „die großen und schönen Partien der Stadt und des daran liegenden Thiergartens dergestalt miteinander zu verbinden, dass dem Thor soviel möglich freye Öffnung und viel Durchsicht gegeben werde.“ Schon deshalb mussten diverse Veränderungen gegenüber dem Vorbild vorgenommen werden. Langhans reduzierte die Tiefe des Tores deutlich. Außerdem führte er die Säulen schmaler und höher als im Vorbild aus. Die Säulen verdecken somit weniger Fläche und der höher liegende Architrav ließ genügend freien Blick auf den Horizont.
Das Tor besteht aus zwei Säulenreihen mit jeweils sechs kannelierten und mit Basen versehenen dorischen Säulen, wobei die zwischen den Kanneluren eingefügten Stege der ionischen Ordnung entsprechen. Zwischen den Säulenpaaren steht jeweils eine gemauerte und verputzte Wand. Diese war nötig, da die schlanken Säulen alleine die Last des oberen Bauteils mit der Quadriga nicht hätten tragen können.Ralph Paschke: Das Tor und seine architekturgeschichtliche Stellung. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 16. Die sechs Säulen-Mauer-Reihen bilden fünf Durchfahrten, von denen die mittlere – analog zu den Propyläen – breiter ist. Über den Säulen befindet sich das Gebälk, das, anders als beim griechischen Vorbild, nicht aus großen Steinquadern gebildet, sondern waagerecht gemauert wurde. Um das auf den Säulen aufliegende Gewicht zu reduzieren, ist das Gebälk nicht massiv gearbeitet, sondern es umschließt (zusammen mit der Attika) einen etwa 250 m² großen Raum, die sogenannte „Soldatenkammer“, die über das Dach des Torhauses zugänglich ist. Das Gebälk ist beidseitig mit einem Metopen-Triglyphen-Fries verziert, das vom Geison gefolgt wird. Über dem Geison folgt nicht der griechische flache Dreiecksgiebel, sondern eine Attika. Durch der Attika vorgesetzte flache Stufen, die zum Zentrum des Baus hinaufführen, wird aber der griechische Dreiecksgiebel symbolisiert. Auf der Attika steht als krönender Abschluss über der mittleren Tordurchfahrt die Quadriga.
Beiderseits des Tores schlossen sich ursprünglich kurze Mauerstücke mit Nischen für die Skulpturen von Mars und Minerva an, die somit vom Quarrée (heute Pariser Platz) aus gesehen rechts und links das Tor flankierten. Weiter nach außen folgten zweietagige Remisen, die dann in die Akzisemauer übergingen. Die Remisen standen direkt hinter den Flügelbauten, sodass sie vom Quarrée aus nicht zu sehen waren. Remisen und Flügelbauten waren durch ein gemeinsames Dach verbunden, das den inneren Weg an der Stadtmauer überspannte und somit die Fläche vor dem Tor einfasste. Mit dem Fall der Akzisemauer 1867/1868 wurden auch die Remisen abgerissen und das Tor wurde 1868 mit den Flügelbauten durch neue Säulenhallen verbunden, die nach Entwürfen von Heinrich Strack ausgeführt wurden. Hierbei wurde auf beiden Seiten des Tores ein zusätzlicher Durchgang für Fußgänger geschaffen. Die Skulpturen von Mars und Minerva verloren bei diesem Umbau ihre prominenten Positionen und wurden in den Außenwänden des Tores „abgestellt“. Die heutigen Flügelbauten entsprechen nicht mehr den Originalen. Diese schlossen mit ihren Außenflanken an die Bebauung an und hatten nur vor den Fassaden zum Platz dorische Kolonnaden. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Flügelbauten zerstört und anschließend mit komplett umlaufenden Kolonnaden wieder aufgebaut. Durch dieses Freistellen ergibt sich ein weiterer Fußgänger-Durchgang auf der dem Tor abgewandten Seite der Flügelbauten.
Abmessungen Das Bauwerk ist 20,3 m hoch, die Spitze der Quadriga reicht bis zu einer Höhe von etwa 26 m. Die Breite des Tores beträgt 62,5 und die Tiefe 11 m. Die Säulen sind 13,5 m hochLaurenz Demps: Zur Baugeschichte des Tores. In: Das Brandenburger Tor 1791–1991. Eine Monographie. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1991, ISBN 3-922912-26-5, S. 57. und haben an der Basis einen Durchmesser von 1,73 m.Architekten-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Berlin 1877, S. 97. Die mittlere Durchfahrt hat eine Breite von 18 Fuß (5,65 m), die übrigen von 12 Fuß und 1 Zoll (3,80 m).
Baugesteine