Calau (ältere Schreibweise: Kalau), , ist eine Kleinstadt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Süden des Landes Brandenburg. Sie liegt südlich des Spreewaldes und wird als Heimat der Kalauer bezeichnet.

Die Stadt zählt gemäß Landtagsbeschluss von 2016 zum angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden in Brandenburg. Abgerufen am 21. April 2016.

Geografie Calau liegt in der Niederlausitz, ungefähr 25 Kilometer westlich von Cottbus, am östlichen Rand des Naturparks Niederlausitzer Landrücken, sowie am südlichen Rand des Spreewaldes. Das Stadtgebiet grenzt im Norden an Lübbenau, im Osten an Vetschau, im Süden an Luckaitztal und Bronkow, im Südwesten an Massen-Niederlausitz im Landkreis Elbe-Elster und im Westen an Luckau im Landkreis Dahme-Spreewald. Die Gemarkung ist 14,94 km² groß. Die höchsten Erhebungen sind der Kesselberg mit und der zehn Meter niedrigere Kuhringsberg.

mini|links|Calauer Schweiz bei Cabel Unmittelbar südlich von Calau liegt die Calauer Schweiz. Im nordwestlich angrenzenden Naturpark Niederlausitzer Landrücken, der zum Teil nach der Rekultivierung eines Braunkohletagebaus entstand, werden viele Bereiche der Natur überlassen. Die Heinz-Sielmann-Stiftung hat zahlreiche Flächen übernommen, andere werden durch die Landesforstverwaltung naturnah und schonend bewirtschaftet. Westlich von Calau an der Stadtgrenze mit Luckau liegt der Drehnaer See, nördlich von Zinnitz liegt der Lichtenauer See.

Stadtgliederung Zur Stadt Calau gehören folgende Ortsteile, bewohnte Gemeindeteile und Wohnplätze (sorbische Bezeichnungen und Einwohnerzahlen in Klammern; Stand der Einwohnerzahlen ist der Zensus 2022 mit Stichtag 15. Mai 2022Zensusatlas 2022. Statistische Ämter des Bundes und der Länder, abgerufen am 22. April 2025.):Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Stadt Calau Bolschwitz (Bólašojce; 96) mit dem Gemeindeteil Erlenau (Wólšyna; 32) Buckow (Bukow; 159) mit dem Wohnplatz Altemühle (Stary Młyn) Craupe (Kšupow; 61) mit den Gemeindeteilen Radensdorf (Radowańk; 34) und Schrakau (Žrakow; 39) Gollmitz (Chańc; 149) mit dem Gemeindeteil Settinchen (Žytym; 34) und dem Wohnplatz Gollmitzer Ausbau (Chańcańske Wutwaŕki) Groß Jehser (Jazory; 117) mit den Gemeindeteilen Erpitz (Śerpšow; 15) und Mallenchen (Jazorce; 91) Groß Mehßow (Změšow; 105) mit dem Gemeindeteil Klein Mehßow (Změšowk; 67) und dem Wohnplatz Großmühle (Wjeliki Młyn) Kemmen (Kamjeny; 70) mit den Gemeindeteilen Säritz (Zarěc; 102) und Schadewitz (Škódow; 21) Mlode (Młoźe; 116) mit dem Gemeindeteil Rochusthal (Rochusowy Doł; 4) Saßleben (Zasłomjeń; 198) mit den Gemeindeteilen Kalkwitz (Kałkojce; 86) und Reuden (Rudna; 102) und dem Wohnplatz Alte Schäferei (Stara Šapaŕnja) Werchow (Wjerchownja; 428) mit den Gemeindeteilen Cabel (Kobłej; 86) und Plieskendorf (Wjelchna; 88) und den Wohnplätzen Alte Ziegelei (Stara Cyglownja), Lindenhof (Lipowy Dwór), Stegschänke (Pśidrozna Kjarcma) und Vollsacksmühle (Vollsackowy Młyn) Zinnitz (Synjeńce; 201) mit dem Gemeindeteil Bathow (Batowk; 63)

Zum ortsteilfreien Kerngebiet von Calau gehören die Wohnplätze Altnau (Hołtna) und Friedrichsfeld (Frycowe Pólo). Ein abgegangener Wohnplatz ist die Kleine Mühle auf der Gemarkung von Groß Mehßow.

Geschichte Ersterwähnung und Mittelalter mini|Marktplatz im Stadtzentrum mini|Ruine der Dunkelsburg Calau Das Gebiet der Lusitzi wurde um 963 von dem Markgrafen Gero unterworfen und um 970 dem Bistum Meißen unterstellt. Zu dieser Zeit war vermutlich bereits die Burg vorhanden, deren Reste bis heute erhalten sind. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Calau am 6. Oktober 1279 mit dem Namen Calowe in einem Dokument Heinrich des Erlauchten. Der Ortsname stammt aus der sorbischen Sprache und bezeichnet eine Siedlung an einer „sumpfigen, morastigen Stelle“.Ernst Eichler: Die Ortsnamen der Niederlausitz. Domowina-Verlag, Bautzen 1975, S. 34.

Von 1319 bis 1368 befand Calau sich im Besitz derer von Ileburg und gelangte von 1370 bis 1635 in den Besitz der Habsburger. Im 13. Jahrhundert entstand der Vorgängerbau der Stadtkirche. Im 15. Jahrhundert bauten Handwerker – von der Herrenheide ausgehend – eine Wasserleitung aus Holzrohren, um die Stadt mit Trinkwasser zu versorgen. Das Wasser gelangte in acht Röhrkasten, von denen im 21. Jahrhundert noch zwei erhalten geblieben sind. Einer davon dient am Rathaus als Springbrunnen. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden mehrfach Niederlausitzer Landtage in Calau abgehalten.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 457–459. Zwei Stadtbrände in den Jahren 1565 und 1573 führten zu großen Zerstörungen. Die inzwischen leerstehende Burg diente ab 1576 als Steinbruch für den Wiederaufbau der Stadt. Eine weitere Zerstörung erfolgte im Dreißigjährigen Krieg durch die Truppen Wallensteins. In den Jahren 1635 und 1658 brannte die Stadt erneut und wieder fiel auch das Rathaus den Flammen zum Opfer. Weitere Großbrände ereigneten sich in den Jahren 1664 und 1665. Das Rathaus wurde erst 1681 aufgebaut.

mini|Stadtplan von Calau aus dem Jahr 1758 Nach Daten der Gesellschaft für Leprakunde existierte in Calau ein mittelalterliches Leprosorium, das sich „vor dem Cottbusser Tor“ befand. Es wurde als Siechenhaus bezeichnet und war der Heiligen Katharina geweiht. 1627 wurde es zerstört und 1649 wieder aufgebaut, ein Jahr der Ersterwähnung ist nicht bekannt. Nach dem Prager Frieden von 1635 kam die Stadt Calau zum Kurfürstentum Sachsen. Im Jahr 1755 verzeichnete man in Calau und der angrenzenden Siedlung Altnau 1132 Einwohner. Im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert waren die Bierbrauerei und die Branntweinbrennerei die Haupterwerbszweige der Einwohner Calaus.Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 1: Die Kreise Luckau, Lübben und Calau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-8305-4297-1, S. 291ff. Das Kurfürstentum wurde 1806 zum Königreich Sachsen erhoben.

Calau als preußische Stadt Während der Koalitionskriege belasten die Kontribution sowie die Einquartierung französischer Truppen die Stadt schwer. Napoleon Bonaparte kam auf seinem Weg nach Sachsen am 21. Juli 1813 durch Calau und legte eine Rast am Cottbuser Tor ein. Nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses im Jahr 1815 wurde die Niederlausitz preußisch. Bei der im folgenden Jahr durchgeführten Verwaltungsreform wurde Calau zur Kreisstadt des neuen Kreises Calau in der Provinz Brandenburg, der durch die Vergrößerung des bisherigen Calauischen Kreises entstand. Für das Jahr 1844 werden 2255 Einwohner in der Stadt verzeichnet. In diese Zeit fiel auch das Wirken des Politikers und Apothekers Carl Anwandter, der seit 1848 Mitglied der Preußischen Nationalversammlung war und ein Jahr später zum Bürgermeister der Stadt gewählt wurde. Er wanderte 1850 nach Chile aus und gründete dort die Kolonie Valdivia.

Im Mai 1848 erschien die erste Ausgabe der Satirezeitschrift Kladderadatsch, die aufgrund ihrer Rubrik „Aus Kalau wird berichtet…“ wegweisend für den Kalauer werden sollte. Am 18. Oktober 1870 wurde die Freiwillige Feuerwehr in Calau offiziell gegründet, bereits zuvor gab es einen organisierten Löschdienst in der Stadt.Ortswehr Calau – Historisches. Feuerwehr Calau, abgerufen am 20. Mai 2023. Das Calauer Rathaus wurde 1879 durch einen Neubau ersetzt. Im Zuge der ersten Industriellen Revolution entstand in Calau 1892 eine Schuhfabrik von Robert Schlesier. Dort wurde zunächst nur auf mechanischem Wege Schuhwerk produziert. Dies änderte sich jedoch mit dem Bau eines Elektrizitätswerks, das ab 21. Januar 1897 erstmals Strom für die Straßenbeleuchtung Calaus lieferte. Zwischen 1901 und 1903 wurde das Kreishaus als Verwaltungsgebäude für den Kreis Calau neu gebaut. Am 22. Oktober 1908 wurde ein neues Schulgebäude eingeweiht. Im Jahr 1925 entstand das Finanzamt, dessen Gebäude heute als Polizeistation genutzt wird. Die katholische Kirchengemeinde wurde 1930 gegründet, sechs Jahre später bezog sie ein Pfarrhaus.

Bei Kampfhandlungen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges am 19. und 20. April 1945 (Cottbus-Potsdamer Operation) starben 130 Calauer Bürger, teilweise durch Freitod, Erschießung oder bei Kampfhandlungen. Insgesamt 108 Gebäude wurden vollständig zerstört und 38 beschädigt; es kam zu Plünderungen und Brandschatzungen durch die Rote Armee.Kleine Calauer Chronik. Stadt Calau, abgerufen am 19. März 2023. Unter anderem wurde das Kreishaus durch einen Brand zerstört, auch die Stadtkirche brannte vollständig aus.

Zeit der Deutschen Teilung mini|Das rekonstruierte Calauer Kreishaus Nach dem Ende des Krieges gehörte Calau zur Sowjetischen Besatzungszone und dort zum Land Brandenburg. Im Jahr 1948 zählte die Stadt 5320 Einwohner, etwas mehr als ein Viertel davon waren Umsiedler aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches. Am 7. Oktober 1949 erfolgte auf dem Boden der SBZ die Gründung der DDR. Nach der weitgehenden Zerstörung des Kreishauses im Krieg hatte Calau den Status als Verwaltungssitz des Landkreises Calau zwischenzeitlich an die Stadt Senftenberg verloren, am 1. Juli 1950 wurde der Kreis in Landkreis Senftenberg umbenannt. Im Zuge der Verwaltungsreform von 1952 wurde der neue Kreis Calau im Bezirk Cottbus gebildet. Dieser umfasste 81 Gemeinden, einschließlich der Städte Vetschau und Lübbenau. Das Kreishaus wurde in der Zwischenzeit wieder aufgebaut.

mini|Blick vom Turm der Stadtkirche auf das neue Baugebiet „Sonnenseite“ mini|hochkant|Der 1985 gebaute Fernmeldeturm Calau Am 30. Januar 1956 weihten die Stadtverordneten die Poliklinik an der Karl-Marx-Straße ein. Am 24. Dezember 1958 wurde erstmals das erste Programm des Deutschen Fernsehfunks vom Vorgängerbau des heutigen Fernmeldeturms ausgestrahlt. Am 31. Mai 1959 gründete sich die Arbeitsgemeinschaft Junge Brandschutzhelfer, der Vorläufer der heutigen Jugendfeuerwehr. In den 1960er und 1970er Jahren herrschte eine rege Bautätigkeit in der Stadt. Ab 1961 begannen die Arbeiten für den Bau der Neustadt in der Otto-Nuschke-Straße mit 622 Wohnungen, Kaufhalle und Kindergarten; in den Jahren 1977 und 1978 für das Wohngebiet Sonnenseite in der Innenstadt mit 402 Wohnungen. Im Jahr 1982 gründete sich die neuapostolische Gemeinde, die 1985 ein Grundstück in der Schlossstraße erwarb und dort nach dreijähriger Bauzeit einen Raum für den Gottesdienst einweihen konnte. Am 14. September 1985 gaben die Stadtväter den Startschuss für den Neubau des Fernsehturms, der im April 1987 in Betrieb genommen wurde.

Seit der Wiedervereinigung Im Zuge der Wende kam es zu zahlreichen Beratungen und Friedensgebeten in der Stadtkirche. Die Bürger wählten Herbert Dönau als ersten Bürgermeister nach der Wende. Die am 6. Februar 1990 aufgenommenen Kontakte nach Viersen führten am 3. Oktober 1991 zum Abschluss eines Städtepartnerschaftsvertrages. Seit 1992 bildete die Stadt Calau zusammen mit zwölf umliegenden Gemeinden das Amt Calau. Mit der Kreisgebietsreform 1993 verlor Calau mit Wirkung zum 6. Dezember 1993 seine Funktion als Kreisstadt. Die Stadt gehört seitdem zum Landkreis Oberspreewald-Lausitz und ist Sitz einiger Außenstellen der Kreisverwaltung. Im Jahr 1996 benannte die Stadt das zuvor namenlose Gymnasium in „Carl-Anwandter-Gymnasium“ um. Im Jahr 2002 belegte Calau zusammen mit dreizehn weiteren Städten den 3. Platz im Bundeswettbewerb Stadtumbau Ost, 2003 wurde Calau als Sportlichste Stadt in Brandenburg ausgezeichnet. Am 26. Oktober 2003 wurde das Amt Calau aufgelöst, nachdem die sechs verbliebenen Gemeinden in die Stadt Calau eingemeindet wurden.