Rettenbach ist eine Ortschaft im Westen der Gemeinde Deutschlandsberg im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Kloster im österreichischen Bundesland Steiermark. Sie liegt zu einem großen Teil in der Katastralgemeinde Rettenbach-Kloster.
Geografie Rettenbach umfasst den Südhang des Schwarzkogels entlang der Hebalmstraße und ihrer Nebenstraßen westlich und südlich der Ortschaft St. Oswald in Freiland. Im Süden bildet die Grenze das Tal der Laßnitz und des Rettenbaches, im Norden der Kamm des Schwarzkogels (mit Wolfsriegel und Hochriegel/Blochriegel).
Das Siedlungsgebiet Rettenbach ist flächenmäßig größer als die Katastralgemeinde. Ob ein Gebäude, eine Grundfläche usw. zu Rettenbach gehört, wird unterschiedlich beantwortet, je nachdem, ob die Frage eher in geografischen oder eher in amtlichen Zusammenhängen gestellt wird. Diese Unterschiede beruhen auf einer Grenzveränderung im Jahr 1891.
Rettenbach hat nach den amtlichen Statistikunterlagen auf Basis der Volkszählung 2001 79 Gebäude, davon 27, in denen Menschen ihren Hauptwohnsitz haben. In Rettenbach gab es 2001 34 Haushalte und 82 Wohnungen. In Rettenbach wurden 2001 36 Nebenwohnsitze gezählt, eine Arbeitsstätte und vier land- und forstwirtschaftliche Betriebsstätten.Statistik Austria: Ortsverzeichnis Steiermark 2001. Herausgeber und Hersteller: Statistik Austria. Bundesanstalt Statistik Österreich. Wien 2005. Kommissionsverlag: Verlag Österreich GmbH, Wien, ISBN 3-902452-45-5, S. 63–64.
Siedlungsgebiet Zu Rettenbach wird im Alltag auch der südöstliche Teil der Katastralgemeinde Klosterwinkel gerechnet, der an die Laßnitz grenzt. Die Südseite des Schwarzkogelzuges wurde bereits in einem Urbar aus 1410 vollständig zu Rettenbach gezählt. Rettenbach grenzte direkt an das heutige Freiland (damals: Mitterspiel).Maximilian Riederer, Gunther Riedlsperger, Johann Tomaschek: Freiländer Ortschronik. Eigenverlag der Gemeinde Freiland bei Deutschlandsberg, 1988, keine ISBN, S. 51.
Rettenbach ist eine Streusiedlung ohne eigenen Ortskern. mini|200px|Rettenbach in der Gemeinde Kloster ca. 1930 Dass auf LandkartenKompass Wanderkarte 1:50.000. Blatt 218 Koralpe Pack-Soboth Auflage 01-94, ISBN 3-87051-650-X. (auch elektronischen Darstellungen, wie im InternetGeografisches Informationssystem GIS des Landes Steiermark im Rahmen des Digitalen Atlas Steiermark, Basiskarten und Bilder, Topografische Karten, abgerufen am 5. Oktober 2012.) westlich von St. Oswald das Wort „Rettenbach“ zweimal aufscheint, hat technische Gründe, aber keine inhaltliche Aussage: Dort stießen zwei Kartenblätter der amtlichen österreichischen Karte 1:50.000 zusammen188 Wolfsberg und 189 Deutschlandsberg im früheren System der österreichischen Landesvermessung (MGI, Bessel-Ellipsoid, Gauß-Krüger-Abbildung), das erst um 2000 auf das weltweit standardisierte „Universale Transversale Mercator System“ (UTM) umgestellt wurde. (Blattschnitt), wobei der Name in der Randzone jedes dieser Kartenblätter angeführt war und beim Zusammenführen der beiden Kartenblätter damit zweimal aufschien. Es gibt aber nur eine Ortschaft Rettenbach im Gebiet von Kloster.
Der westliche Teil der Katastralgemeinde Rettenbach wurde nach den Katastermappen im 19. Jahrhundert als „Winkel“ bezeichnet, ebenso wie der südlich angrenzende Teil der Gemeinde Osterwitz. Angaben, eine Siedlungsstelle läge „im Winkl“, enthalten damit keine Aussage über dessen Gemeindezugehörigkeit.
Rometzen Am Südhang des Wolfsriegels befindet sich ein Gebiet, das im 19. Jahrhundert „Rometzen“ (Rametz, Ramsn) genannt wurde. Dieser Name stammt aus dem Lateinischen und bezeichnet ein kleines Wäldchen oder ein Gebiet mit Büschen.J(oseph) Thaler : Tirols Alterthümer in dessen geographischen Eigennamen (Fortsetzung). In: Neue Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg. Herausgegeben von den Kuratoren desselben. Zwölftes Bändchen. Innsbruck 1846. S. 1–130 (), hier: Seite 101. Stichwort: Rometz, Rametz. Ableitung von mittellateinisch rameta = Sylvula (Wäldchen). Siehe auch lat. Ramus – Zweig: Duden Band 5. Fremdwörterbuch. 9. Auflage Seite 877 und frz. rameau Zweig, ramée Buschwerk. Die zweite Deutung in der Ferdinandeumszeitung italienisch: romano-mezzo = medium romanum = wälsches Besitzthum ist aus der Geschichte der Gegend nicht begründbar, es sind dort keine Besitzer aus Südeuropa belegbar.
Katastralgemeinde Die Katastralgemeinde Rettenbach ist außer im Süden von der Katastralgemeinde Klosterwinkel umgeben. Die Grenze verläuft u. a. durch den Ort St. Oswald und ist außerhalb der Katastermappe nicht bezeichnet (auf dieser amtlichen Aufzeichnung beruhen allerdings die Grundbucheintragungen und damit die Eigentumsverhältnisse an den Gebäuden und Grundflächen). Flächen südöstlich von St. Oswald in Freiland gehören in diesem Zusammenhang nicht zu Rettenbach.
Zur Unterscheidung von den Katastralgemeinden „Rettenbach“ in der Gemeinde Hollenegg und in der Gemeinde Seggauberg wird die Katastralgemeinde in amtlichen Unterlagen „Rettenbach-Kloster“ genannt.
Hebalmstraße Die Hebalmstraße (Landesstraße 606) durchläuft Rettenbach und verbindet die Ortschaft mit der Bezirkshauptstadt Deutschlandsberg im Osten und mit Preitenegg in Kärnten an der B 70 Packer Straße und der Autobahnanschlussstelle Pack der A 2 Südautobahn.
mini|500px|Äcker, Wiesenflächen und Waldgebiete der Bauernhöfe in Rettenbach am Hang des Schwarzkogels
Rettenbach steigt gegen Westen zur Hebalm nicht regelmäßig, sondern stufenförmig an, an den fünf bis ca. zwanzig (Zachthoma: ca. 100 Meter) hohen Geländekanten liegen die Bauernhöfe: Die Hebalmstraße überwindet diese Geländekanten in Steigungen, die in der Umgangssprache nach dem jeweiligen Bauernhof benannt sind: Es gibt westlich von St. Oswald die Marxbauer-, Faustner-, Kriegl-, Ircher-, Strehly-, Gratzen- und Zachthoma-Höhe (in der Umgangssprache [] ausgesprochen). Auch wenn die Hebalmstraße (seit ca. 1965) zweispurig gut ausgebaut ist, können diese Straßenstücke je nach Straßenzustand große Herausforderungen für ungeübte Kraftfahrer bilden (falls z. B. rechtzeitiges Herunterschalten oder Schneekettenanlegen vergessen wurde – einige Strecken sind unübersichtlich oder münden in scharfe Kurven).
Die abwechslungsreiche Straßenführung aufgrund dieser geologischen Situation, die relativ geringe Verkehrsbelastung und die weiten Ausblicke haben dazu geführt, dass die Hebalmstraße eine beliebte Strecke für Motorradausflüge, aber auch Trainingsstrecke für Radfahrer wurde. mini|150px|Aus dem Aufnahmeblatt der 3. Landesaufnahme: Bis 1891 grenzte Rettenbach an die Gemeinde Mitterspiel (heute: Freiland)
Die Verbindung ist in Straßenkarten als landschaftlich besonders schöne Strecke hervorgehoben.Straßenkarte Steiermark 1:200.000. Verlag freytag & berndt, Wien, ISBN 3-85084-344-0.
Eine Fahrwegverbindung von der Rettenbach über den Rücken des Schwarzkogels in den Klosterwinkel bestand bis Anfang des 20. Jahrhunderts, danach noch einige Jahrzehnte als Fußweg („Bettlersteig“). Sie zweigte beim Bauernhof vlg. Strehly bergauf schräg nach Nordosten ab und verlief über die Huben Kauzhube und Bachbauerhube (in den Katasterunterlagen „Kauz“ und „Rambacher“ genannt) auf den Wolfsriegel. Weitere Wegabzweigungen (auch entlang alter Wasserleitungs-Trassen – „Wasserleitungswege“), alte Kohlstraßen und frühere Trassen der Hebalmstraße sind im Gelände erkennbar.
Kartenhinweis: Strelly (Strehly) und Ircher Der Name „Strelly“ ist in manchen Landkarten irrtümlich beim östlichen Nachbarhof eingetragen (siehe z. B. den Kartenausschnitt am Beginn dieses Textes). Dieser Hof hat aber den Hausnamen „Ircher“. Strelly (oder Strehly) ist der in der Karte unbezeichnete Hof westlich davon.
Geschichte Allgemein Hinweise auf historische Fakten, insbesondere angebliche archäologische Fundstellen in Rettenbach, können missverständlich sein, wenn in Wahrheit nicht diese Katastralgemeinde, sondern die gleichnamige Ortschaft Rettenbach bei Hollenegg, einige Kilometer weiter südöstlich gemeint ist.Als Beispiel: Diether Kramer: Vom Neolithikum bis zur römischen Kaiserzeit. Untersuchungen zur ältesten Besiedlungsgeschichte der Steiermark, mit besonderer Berücksichtigung der mittelsteirischen Höhensiedlungen, Teil I, Dissertation an der Universität Salzburg 1981, S. 120. Dort ist eine Fundstelle, nämlich das Hügelgräberfeld Rettenbach-Stadelhoferwald der römischen Kaiserzeit, bestehend aus fünf Grabhügeln nicht nach Rettenbach-Hollenegg, sondern irrtümlich der Gemeinde Kloster zugeordnet. (Abgerufen am 31. März 2025).
Im Urbar des Stiftes Admont aus 1548 ist Rettenbach eines der drei Siedlungsgebiete der Besitzungen dieses Klosters im Bereich von Freiland: „im unteren Ort“ (= das heutige Freiland), „im Rötenpach“ und „im Kloster“ (heute Klosterwinkel). Rettenbach begegnet hier als früheste namentlich überlieferte Teilregion des Freiländer Gebietes.Maximilian Riederer u. a.: Freiländer Ortschronik. S. 55.
Die Blätter des Franziszeischen Katasters sind Belege der wirtschaftlichen Nutzung.Grau=Wald, grün=Wiese, Gestrüpp, W.=Weide, H=Hutweide, hellgelb (in diesen Blättern aus dem Jahr 1825 ist der Farbton von der Papierfarbe schwer zu unterscheiden)=Almweide bzw. gering produktiv, dünkleres gelb=Ackerland, braun=Wegeparzellen. Gelbe Gebäude=Holzbauten, rote Gebäude=Steinbauten. J.M.=Jungmais, M.H.=Mittelholz, S.H.=Stangenholz, H.S.=hochstämmig schlagbarer Wald. Nachträge bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts sind rot gezeichnet.
Bis zum Jahr 1891 grenzte Rettenbach an den Ortsteil „Ober Mitterspiel“ der Gemeinde Freiland (damals: Mitterspiel genannt). Danach wurde dieses Gebiet der Katastralgemeinde Klosterwinkel angeschlossen.
mini|Rettenbach und Kloster „In der Osterwitz“, 18. Jahrhundert
Rettenbach war ab 1770 bis zur Entstehung der Gemeinde Kloster eine selbstständige Konskriptionsgemeinde. Die Steuereinhebung und die Erfassung der Soldaten erfolgte in solchen Gemeinden. Zu Rettenbach wird entsprechend manchen KartenangabenBezirkshandkarte 1:100.000 Deutschlandsberg (Gerichtsbezirke: Deutschlandsberg, Eibiswald und Stainz). Verlag Freytag-Berndt & Artaria, Wien. Nr. 047777028119. Keine Jahresangabe, aber nach Straßenstand vor 1982 (Packautobahn noch in Bau). (siehe Kartenbild ca. 1930) das Gebiet der Bauernhöfe gezählt, die westlich der Katastralgemeinde im Talschluss des Rettenbachtals in der Gemeinde Osterwitz (Ortsteil Osterwitz-Winkel) liegen. Heute sind davon nur mehr der große Hof vlg. Pöschl und die Stoffhütte auf der Hebalm bewohnt, früher lagen im Einzugsgebiet des Stoffbaches auch vlg. Stoff/Blasifranzl, vlg. Stefflpeter und vlg. Stefflpeterkeusche/Pust, am Rettenbachlauf vlg. Nikljosl. Diese Höfe hatten kürzere bzw. bessere Wegeverbindungen in die Gemeinde Kloster, was auch zu – nicht erfolgreichen – Wünschen nach Umgemeindung von Osterwitz nach Kloster führte.Gerhard Fischer: Osterwitz. ain wunderthätig Ort im hochen gepürg. Leben, Freude und Leid einer Gegend und ihrer Bewohner. Osterwitz 2002. Herausgeber und Verleger: Gemeinde Osterwitz, S. 48.
Im Sommer 2023 kam es im Zuge eines Hochwassers zu Vermurungen im Ort.Alpen werden unbewohnbar Kronenzeitung, Steirerkrone, 13. Juli 2024, Print, S. 12 f.
Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte sind in Namen dokumentiert