Die Bahnstrecke München–Lenggries ist eine Eisenbahnstrecke in Bayern. Sie verläuft zunächst als Hauptbahn von München über Deisenhofen und Holzkirchen nach Bad Tölz, von dort dann als Nebenbahn weiter nach Lenggries. Bis Holzkirchen ist sie zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert.

Geschichte Bau und Eröffnung links|mini|Verlauf wichtiger Eisenbahnstrecken um München (1861) Gebaut wurde der Streckenabschnitt München–Holzkirchen zusammen mit der Bahnstrecke Holzkirchen–Rosenheim als ein Teil der Bayerischen Maximiliansbahn. Der Abschnitt zwischen München und Rosenheim wurde zwischen 1840 und 1850 geplant. Der erste gebaute Abschnitt war der von München bis Hesselohe, der ab dem 28. Juni 1854 in Betrieb war. Die Strecke zweigte damals in Höhe Max-Friedländer-Bogen/Schrenkstraße von der Augsburger Strecke nach Süden ab. In der heutigen Ganghoferstraße verlief das Gleis dann nach Süden und traf östlich des Bahnhofs Heimeranplatz auf die Strecke zur Großhesseloher Brücke. Das Streckenstück wurde um 1860 durch die heutige Trasse ersetzt und später stillgelegt. 1854–1860 Für die weitere Strecke nach Rosenheim war zuerst eine Führung über Glonn und Kirchdorf am Haunpold vorgesehen. Nach der Genehmigung 1850 wurde die Strecke schließlich über Holzkirchen gebaut. Dies kam den Plänen des 1850 von Joseph Anton von Maffei gegründeten Eisenbahnvereines entgegen, der die Strecke näher an den Kohlerevieren bei Miesbach führen wollte. Baubeginn für die Großhesseloher Brücke war 1851, bei ihrer Eröffnung war sie die zweithöchste Eisenbahnbrücke der Welt. Ab 1852 war der Bayerische Staat für die Finanzierung verantwortlich, da der Verein in finanzielle Schwierigkeiten kam. Die Verlängerung nach Holzkirchen samt Anschlussstrecke nach Rosenheim wurde am 31. Oktober 1857 eröffnet. 1865 wurde die Strecke von München bis Großhesselohe zweigleisig.

Mit der Eröffnung der kürzeren Bahnstrecke München–Rosenheim über Grafing 1871 verlor der Streckenabschnitt an Verkehr.

Verlängerung und Ausbau 1861 kamen die Eisenbahnkomitees aus Schongau, Kaufbeuren, Weilheim in Oberbayern und Tölz in Schongau zusammen, um die Planung einer Eisenbahnverbindung von Kaufbeuren über Schongau und Penzberg nach Tölz einzuleiten. Dabei wurden verschiedene Varianten einer südlich von München verlaufenden Eisenbahnstrecke geprüft. Eine Variante sah eine sogenannte Gebirgsgürtelbahn von Rosenheim über die bereits seit 1857 bestehende Bayerische Maximiliansbahn nach Holzkirchen und weiter über Tölz, Penzberg, Weilheim, Peißenberg und Schongau nach Kaufbeuren vor. Die Eisenbahnbausektion München der Königlich Bayerischen Verkehrsanstalten entschied sich jedoch für eine andere Variante, die Pachtbahn Starnberg–Tutzing–Penzberg/–Unterpeißenberg. Für die Gemeinde Tölz war ein Eisenbahnanschluss erst später vorgesehen.

Zunächst standen dafür zwei Varianten, Holzkirchen–Tölz und Penzberg–Tölz, zur Diskussion. Um einen eigenen Eisenbahnanschluss zu erhalten, forderten die Gemeinden im oberen Isartal eine Bahnstrecke von München nach Tölz. 1870 gründete Baumeister Friedrich Fischer eine Eisenbahnkommission, die sich für die Variante durch das obere Isartal einsetzte. In der ersten Sitzung arbeiteten die Mitglieder und die Gemeinden im Isartal eine mögliche Streckenführung von München Süd über Großhesselohe, Pullach, Icking, Wolfratshausen und Tölz nach Lenggries aus. Für den Bau der Strecke wurden vier Millionen Gulden veranschlagt. Im Januar 1871 diskutierte der Münchner Magistrat über eine Bahnstrecke nach Tölz, dabei wurde eine Stichbahn von Holzkirchen nach Tölz als wirtschaftlicher gesehen als eine neue Bahnstrecke von München über Wolfratshausen nach Tölz. Die Strecke von Holzkirchen nach Tölz wurde schließlich realisiert, das Bahnprojekt für das obere Isartal war vorerst gescheitert.

Am 1. Juni 1874 nahmen die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen die 21,43 Kilometer lange Bahnstrecke von Holzkirchen nach Tölz, seit 1899 Bad Tölz, als Vizinalbahn in Betrieb. Diese hatte ursprünglich eine eigene Streckenkilometrierung mit dem Nullpunkt in Holzkirchen. Der Endbahnhof Tölz war so ausgerichtet, dass eine Verlängerung nach Penzberg im Rahmen der Gebirgsgürtelbahn zunächst möglich blieb. 1879 wurde die Gebirgsgürtelbahn jedoch endgültig durch die Abgeordnetenkammer abgelehnt.

Ab 1883 zweigte in Schaftlach die privat betriebene Bahnstrecke nach Tegernsee ab, wodurch die Strecke weiter an Bedeutung gewann. Ab 1891 wurde die Bahnstrecke höhenfrei beim Bahnhof Großhesselohe von der Isartalbahn gekreuzt, die parallel zum Fluss verlief.

Am 12. Mai 1900 wurde das zweite Streckengleis zwischen Deisenhofen und Holzkirchen in Betrieb genommen. 1905 wurde eine Kraftpostlinie von Bad Tölz nach Lenggries eingerichtet. Die Großhesseloher Brücke wurde 1909 erneuert. Der Abschnitt Holzkirchen–Bad Tölz wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg zur Hauptbahn aufgewertet.

Im Jahre 1918 beschloss der Bayerische Landtag den Bau der Lokalbahn Bad Tölz–Lenggries. Dazu musste der bisherige Endbahnhof Bad Tölz aus topografischen Gründen aufgegeben und an heutiger Stelle neu errichtet werden. Die Verlängerung der Bahnstrecke nach Lenggries ging am 3. September 1924 als Lokalbahn in Betrieb.

Seit 1945 Zwischen den damaligen Bahnhöfen Großhesselohe, Deisenhofen, Sauerlach und Otterfing wurde 1952 und 1953 jeweils eine Blockstelle eingerichtet. Diese waren nach den Orten Grünwald, Lanzenhaar und Arget benannt und blieben bis zum Ersatz durch Selbstblocksignale 1969 in Betrieb.

Zum Fahrplanwechsel am 29. September 1957 wurde die Strecke bis München-Solln elektrifiziert, zum 28. September 1968 folgte der Abschnitt bis Holzkirchen.www.mangfalltal-bahn.de Geschichte der Erschließung (abgerufen am 6. September 2011)www.ganz-muenchen.de 150 Jahre Maximiliansbahn München–Holzkirchen–Rosenheim — Festprogramm vom Freitag 25. Mai bis Montag 28. Mai 2007 (abgerufen am 6. September 2011), auf hpw-modellbahn.de, abgerufen am 6. September 2011

Seit 1975 ist die Bahnstrecke bis Holzkirchen in das Netz der S-Bahn München integriert. Am Abend des 8. Juni 1975 kam es zwischen Warngau und Schaftlach zum Eisenbahnunfall von Warngau. Bei einem Frontalzusammenstoß zweier Eilzüge wurden 41 Menschen getötet und 126 verletzt. Zum damaligen Zeitpunkt war Warngau noch ein Bahnhof. Mittlerweile ist er zum Haltepunkt abgestuft worden und verfügt nur noch über ein Gleis.

1981 wurde der Personenverkehr im Bahnhof Großhesselohe aufgegeben, da nach mehreren Umbauten die Isartalbahn mit ihrem Großhesseloher Isartalbahnhof voll in das S-Bahn-Netz einbezogen wurde.

Am 29. November 1998 übernahm die Bayerische Oberlandbahn im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft den Personenverkehr auf der Strecke (seit 2020 unter der Marke Bayerische Regiobahn). Die Fahrzeit von München bis Lenggries liegt bei 67 Minuten. Bei Störungen dient der Abschnitt München–Holzkirchen ferner als Umleitung von und nach Rosenheim.

Zukunftsaussichten

Da die Infrastruktur für die steigende Nachfrage Richtung München nicht mehr ausreicht, beauftragte die Bayerische Staatsregierung die Deutsche Bahn am 1. August 2023 mit der Entwurfs- und Genehmigungsplanung für eine Elektrifizierung sowie einen Ausbau des eingleisigen, nicht elektrifizierten Abschnitts Holzkirchen–Lenggries. Die Pläne beinhalten die Errichtung einer Oberleitungsanlage und eine Anpassung des Unterwerks Holzkirchen für den Ersatz der Diesel- durch Elektrozüge, die Reduzierung von Langsamfahrstellen durch technische Sicherung oder Auflassung von Bahnübergängen, eine Erneuerung der Stellwerkstechnik, der Neubau eines Kreuzungsbahnhofes im Bereich Gaißach sowie Bahnsteigverlängerungen in Warngau und Schaftlach für bis zu 220 Meter lange Züge. 2023 war das Ziel die Inbetriebnahme der Oberleitung Anfang der 2030er Jahre.

Ein Gutachten im Rahmen des Projektes „Bahnausbau Region München“ befand im Juli 2024 die perspektivische Eingliederung der gesamten Bahnstrecke in das geplante Regional-S-Bahn-Netz für positiv. Im Rahmen des Gutachtens wurde eine Geschwindigkeitsanhebung zwischen Deisenhofen und Holzkirchen für positiv befunden. Darüber hinaus wurde auch ein zusätzlicher Bahnhalt Menterschwaige untersucht und ebenfalls für positiv befunden.

Streckenbeschreibung

Verlauf Die Strecke verlässt den Münchner Hauptbahnhof Richtung Westen entlang der S-Bahn-Stammstrecke. Vor dem Bahnhof München Donnersbergerbrücke wird das stadtauswärtsführende Gleis der Strecke mit einem Überwerfungsbauwerk über das stadteinwärtsführende Gleis der S-Bahn-Stammstrecke geführt, um an der Donnersbergerbrücke bahnsteiggleiche Anschlüsse zu ermöglichen. Direkt nach der Donnersbergerbrücke verschwinden die Gleise im Untergrund und unterqueren sowohl die vom Hauptbahnhof nach Westen führenden Strecken als auch die Bahnstrecke München–Rosenheim (Südring), der die Strecke dann folgt. Nach dem Heimeranplatz wendet sich die Strecke vom Südring ab und verläuft in südlicher Richtung, wobei sie die Grenze zwischen den Stadtbezirken Sendling und Sendling-Westpark bildet. Zwischen den Haltepunkten Harras und Mittersendling fädelt die Verbindungsstrecke vom Bahnhof München-Pasing in die Strecke ein, die seit dem Heimeranplatz westlich der Strecke verläuft. Anschließend erreicht sie Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. Nach dem Haltepunkt Solln liegt heute eine Abzweigung der Strecke nach Wolfratshausen. Dabei handelt es sich um den südlichen Ast der Isartalbahn, die hier ursprünglich die Maximiliansbahn ohne Gleisverbindung querte. Der Nordast der Isartalbahn ist aufgelassen. Die Strecke Richtung Holzkirchen verläuft nun Richtung Osten, überquert auf der Großhesseloher Brücke die Isar und durchquert den Perlacher Forst. In Deisenhofen trifft sie auf die Bahnstrecke München Ost–Deisenhofen. Bis zum nächsten Haltepunkt Sauerlach verläuft die Strecke in südöstlicher Richtung wieder durch ein Waldgebiet, um sich dann wiederum nach Süden zu wenden, um entlang der Westseite des Hofoldinger Forstes Otterfing und kurz danach Holzkirchen zu erreichen.

Anschließend verlässt die Strecke den Bahnhof Holzkirchen in südöstlicher Richtung. Nach Osten zweigt hier die Mangfalltalbahn Richtung Rosenheim ab. Bis zum südlichen Ortsrand verläuft parallel die Bahnstrecke Holzkirchen–Schliersee, die sich dann ebenfalls nach Osten wendet. Die Strecke verläuft in Richtung Süden und erreicht den ersten Haltepunkt Warngau. Nach der Durchquerung eines Waldstückes wird in südöstlicher Richtung Schaftlach erreicht. Bis Schaftlach steigt die Strecke mit bis zu 11 ‰ an und erreicht dort ihren Scheitelpunkt. In Schaftlach zweigt die Strecke nach Tegernsee ab. Im weitern Verlauf in Richtung Süden fällt die Strecke mit etwa 10 ‰ und wendet sich bei Waakirchen nach Westen. Über Reichersbeuern erreicht die Strecke den Bahnhof Bad Tölz. Im Anschluss an den Bahnhof Bad Tölz fällt die Bahnstrecke in mehreren Bögen bis zum Haltepunkt Gaißach ab. Die Strecke folgt bis zum Endbahnhof Lenggries dem Tal der Isar in südlicher Richtung.

Betriebsstellen

Holzkirchen

Der Bahnhof Holzkirchen () wurde 1857 als Teil der Bayerischen Maximiliansbahn errichtet. Er liegt rund einen Kilometer nördlich des historischen Ortskerns.

Schaftlach

Der Bahnhof Schaftlach () ist seit 1883 Ausgangspunkt der Bahnstrecke in Richtung Tegernsee. Durch diese betriebliche Funktion bestanden in der Vergangenheit recht umfangreiche Bahnanlagen. Der Bahnhof wurde rund 600 Meter nördlich des historischen Ortskerns errichtet. Schaftlach ist der einzige Bahnhof der Gemeinde Waakirchen. Das Pfarrdorf Waakirchen liegt rund 2,5 Kilometer südlich von Schaftlach.

Bad Tölz mini|Erstes Tölzer Bahnhofsgebäude, mittlerweile abgerissen mini|Erhaltenes Dienstwohngebäude in Bad Tölz