mini|Karte miniatur|Blick über die nördliche Totenstadt vom Dach der Grabmoschee Sultan Qaitbays (im Hintergrund sind u. a. die Kuppeln und Minarette der Grabkomplexe Sultan Barsbays und Sultan Faradschs zu erkennen) Als Stadt der Toten werden zwei ausgedehnte von etwa 300.000 Menschen bewohnte Friedhofsbezirke am Ostrand Kairos bezeichnet.

Lage Das von den Einheimischen meist einfach al-Qarafa (), d. h. „der Friedhof“, genannte Gebiet am Fuß der Mokattam-Berge erstreckt sich über mehrere Kilometer sowohl nördlich (nördliche Totenstadt) als auch südlich (südliche Totenstadt) der Zitadelle und wurde zu einer informellen Siedlung (Slum), als im 20. Jahrhundert immer mehr Menschen auf der Suche nach Arbeit in die ägyptische Hauptstadt strömten und wegen des akuten Platzmangels zum Teil auch das historische Friedhofsgelände besiedelten, welches im Mittelalter noch außerhalb Kairos in der Wüste lag.

Die heute von einem dichten Wege- und Straßennetz durchzogene Qarafa birgt neben einfachen Grabanlagen und Wohnhäusern auch eine Vielzahl historisch höchst bedeutsamer Bauten aus fast allen Epochen der islamischen Geschichte Ägyptens. Die wichtigsten dieser sehenswerten Monumente sind den folgenden Listen zu entnehmen. miniatur|Das 1946 errichtete Ahmad-Hasanain-Pascha-Mausoleum in der nördlichen Totenstadt (direkt an der Salah-Salim-Straße gegenüber der Maschyachat al-Azhar gelegen) miniatur|Gasse in der südlichen Totenstadt

Ereignisse Die Stadt der Toten mit der nördlichen (Nekropole von Qaitbay) und südlichen Totenstadt (Nekropolen von Saiyida-Nafisa und Imam asch-Schafii) gehört seit 1979 als Teil des „Historischen Kairo“ zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der portugiesische Regisseur Sérgio Tréfaut drehte 2009 mit A Cidade dos Mortos (The City of the Dead) einen beachteten Dokumentarfilm über die Stadt der Toten.

Im Zusammenhang mit der Verkehrsanbindung der neuen Verwaltungshauptstadt Ägyptens wurden ab dem Jahr 2020 Teile des Areals planiert, wodurch auch die Verkehrslage für Kairo verbessert werden sollte. Trotz starker Proteste und Rücktritten von Denkmalschützern wurde das Projekt nach einigen Monaten Pause fortgesetzt. Betroffen war insbesondere der Bereich mit Grabstätten des 19. und 20. Jahrhunderts. Mehrere hundert Grabstätten wurden abgerissen. Beim Bau einer Brücke im Jahr 2022 wurde dabei u. a. das Grabmal von Tāhā Husain beschädigt, dessen beschlossener Abriss zuvor zurückgenommen wurde. Viele Gräber mussten kurzfristig umgebettet werden, darunter das von Farida von Ägypten.

Nördliche Totenstadt Die sog. nördliche Totenstadt, in der sich die Mausoleen von gleich fünf Sultanen finden, liegt nordöstlich der Zitadelle zwischen der Salah-Salim-Straße () und der an-Nasr-Straße (). Monument Baujahr oder -zeit Epoche (Dynastie) Grab des Emirs Tasch-Temür 1334 Bahri-Mamluken Grab der Prinzessin Tughay (Umm Anuk) vor 1348 Bahri-Mamluken Grab der Prinzessin Tul(u)bay 1363/64 Bahri-Mamluken Grabkomplex des Sultans Faradsch ibn Barquq 1400–1411 Burdschi-Mamluken Grab des Emirs Guzal 1403 Burdschi-Mamluken Grab des Emirs Dschani-Beg 1427 Burdschi-Mamluken Grabkomplex des Sultans Barsbay 1432 Burdschi-Mamluken Grab von (Sultan Barsbays Mutter) Chadidscha Umm al-Aschraf ca. 1430–1440 Burdschi-Mamluken Grab von Emir Nasrallah (Kuz al-Asal) 1441 Burdschi-Mamluken Grab des Sufi-Scheichs ar-Rifai Mitte 15. Jh. Burdschi-Mamluken Grabkomplex des Sultans Inal 1451–1456 Burdschi-Mamluken Grab des Emirs Barsbay al-Badschasi 1456 Burdschi-Mamluken Grabkomplex des Sultans Qaitbay 1472–1474 Burdschi-Mamluken Grab des Sultans Qansuh I. 1499 Burdschi-Mamluken Grab des Emirs Azrumuk 1503 Burdschi-Mamluken Grabkomplex des Emirs Qurqumas 1506/07 Burdschi-Mamluken Grab des Emirs Qurqumas 1511 Burdschi-Mamluken Grab des Emirs Sulaiman 1544 Osmanenherrschaft Grabkomplex des Sufi-Scheichs Sidi al-Afifi und des Chediven Muhammad Taufiq Pascha 1894 Muhammad-Ali-Dynastie

Südliche Totenstadt Die sog. südliche Totenstadt, welche noch größer ist als die nördliche, liegt im Süden der Zitadelle, östlich der Ibn-Tulun-Moschee. Sie reicht bis zum Stadtteil Maadi und lässt sich grob in das Gebiet zwischen der Saliba-Straße () und dem Saiyida-Nafisa-Platz (), einen Zentralbezirk (direkt südlich der Zitadelle) und die sog. kleine Qarafa (noch weiter südlich gelegen) unterteilen. Monument Baujahr oder -zeit Epoche (Dynastie) Kenotaph von Chadidscha um 959 Ichschididen al-Luʾluʾa-Moschee („Perlen-Moschee“) 1016 Fatimiden al-Dschuyuschi-Moschee (Schrein des Wesirs und Emirs Badr al-Dschamali) 1085 Fatimiden Grab der Saiyida Atika (angeblich eine Tante des Propheten Muhammad) 1122 Fatimiden Grab des Muhammad al-Dschafari (Sohn des 6. Imams Dschafar as-Sadiq) 1122 Fatimiden Grab von Umm Kulthum (Urenkelin des 6. Imams Dschafar as-Sadiq) 1122 Fatimiden Ichwat-Yusuf-Mausoleum („Mausoleum der Brüder Josephs“) 1125–1150 Fatimiden Grab der Saiyida Ruqaiya (Tochter des 4. Kalifen Ali) 1133 Fatimiden Schrein (Maschhad) des Yahya asch-Schabihi 1150 Fatimiden Grab des al-Hasawati ca. 1150 Fatimiden Mausoleum des Rechtsgelehrten asch-Schafii 1211 Aiyubiden Tor und Iwan des Emirs Ismail ibn Thalab 1216 Aiyubiden Mausoleum der Abbasidenkalifen (incl. der Gräber des Botschafters Abu Nadla und zweier Söhne Sultan Baybars’) 1242 Aiyubiden Grab der Sultanin Schadschar(at) ad-Durr 1250 Aiyubiden Mausoleum von Fatima-Chatun (Umm as-Salih, eine Frau Sultan Qalawuns) 1283/84 Bahri-Mamluken Grab des as-Sawabi 1286 Bahri-Mamluken Mausoleum des Sultans Chalil 1288 Bahri-Mamluken Zawiya und Mausoleum des Ober-Qādī Zain ad-Din Yusuf 1298 Bahri-Mamluken Grab des Badr ad-Din Ali al-Qarafi 1300 Bahri-Mamluken Grab der Prinzessin Urdutakin (Turbat as-Sitt) ca. 1315 Bahri-Mamluken Mausoleum-Chanqa-Komplex des Emirs Qausun 1335 Bahri-Mamluken Mausoleum-Chanqa-Komplex der „Sultaniya“ (gemeint ist wohl die Mutter Sultan Hasans) ca. 1350 Bahri-Mamluken Grab des Emirs Tankiz-Bugha 1359 Bahri-Mamluken Moschee des Emirs Chuschqadam al-Ahmadi (zuvor Empfangssaal (Qaa) des Emirs Tasch-Temür al-Alai) 1366–1377 u. 1480–1489 Bahri- u. Burdschi-Mamluken Grabkomplex des Sufi-Scheichs Umar ibn al-Farid ca. 1460 Burdschi-Mamluken Mausoleum des Abdullah ad-Dakruri 1466 Burdschi-Mamluken Grab des Emirs Sudun ca. 1505 Burdschi-Mamluken Grab des Radwan Bey 1686 Osmanenherrschaft Grab und Sabil-Kuttab (öffentlicher Trinkwasserbrunnen und Koranschule) des Radwan Bey ar-Razzaz 1754 Osmanenherrschaft Moschee der Saiyida Aischa (Tochter des 6. Imams Dschafar as-Sadiq) 1762 (Neubau 1895) Osmanenherrschaft Grab des Uthman Bey Qazdaghli 1766 Osmanenherrschaft Gräber von Ali Bey al-Kabir und Ismail Bey al-Kabir 1773 Osmanenherrschaft Grab des Polyhistors Dschalal ad-Din as-Suyuti 1796 Osmanenherrschaft Hosch al-Bascha (Grabkomplex der Familie Muhammad Alis) 1854 Muhammad-Ali-Dynastie Saiyida-Nafisa-Moschee 1897 Muhammad-Ali-Dynastie

Siehe auch Qubba Islamische Architektur

Literatur Salah Ahmed El-Banasi: Mamluk Art – Splendour And Magic During The Reign Of The Sultans. Museum With No Frontiers, 2001, ISBN 1-874044-37-6. Doris Behrens Abouseif: The Minarets of Cairo. The American University in Cairo Press, Cairo 1985, ISBN 977-424-035-9. Doris Behrens Abouseif: Islamic Architecture in Cairo. Brill, Leiden 1989, ISBN 90-04-08677-3. Hani Hamza: The Northern Cemetery of Cairo. The American University in Cairo Press, Cairo 2001, ISBN 977-424-618-7. Helen Watson: Women in the City of the Dead. Africa World Press, London 1992, ISBN 978-0-8654-3281-9. Caroline Williams: Islamic Monuments in Cairo – The Practical Guide. 6. Auflage. The American University in Cairo Press, Cairo 2008, ISBN 978-977-416-205-3.

Weblinks

Informationen und Bilder auf ArchNet allgemeine Informationen und bebilderte Artikel zu den wichtigsten Monumenten auf touregypt Melanie Biggeleben: Die Totenstadt Kairos – wenn Gräber zum Lebensraum werden. ethmundo.de – Online-Magazin für Kultur und Gesellschaft, 31. Mai 2007 Cairo's Historic Cemetery of al-Suyuti Conflicting Claims. Suyuti Research Project: A Getty Collaborative Project 2011 Fotos (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Friedhof in Ägypten Kategorie:Islamische Architektur Kategorie:Bestandteil der Welterbestätte „Historisches Kairo“ Kairo