mini|Selbstporträt Raffaels, 1506, Palazzo Pitti zentriert|rahmenlos|Raffaels Signatur mini|Selbstbildnis, Detail aus Selbstporträt mit einem Freund, 1519, Louvre

Raffaello Sanzio da Urbino, auch Raffael da Urbino, Raffaello Santi [], Raffaello Sanzio [] oder kurz Raffael (* 6. April oder 28. März 1483 in Urbino; † 6. April 1520 in Rom) war ein italienischer Maler und Architekt. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler der italienischen Hochrenaissance.

Raffael erlangte vor allem als Maler für seine harmonischen und ausgewogenen Kompositionen und lieblichen Madonnenbilder Berühmtheit. Zu Lebzeiten genoss er das Privileg, nur unter seinem Vornamen bekannt zu sein, und noch heute kennen die wenigsten seinen Nachnamen. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein galt er als der größte Maler aller Zeiten.„Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein gilt er als größter Maler aller Zeiten. »Raffael war nicht nur der größte unter den Malern: er war die Schönheit selbst, er war gut, er war alles!« Jean-Auguste-Dominique Ingres über Raffael.“ Siehe Antonio Forcellino: Raffael. Biographie (2008). Er wurde von seinen Bewunderern sogar als „Il divino“ (der Göttliche) bezeichnet. Siehe Wolfgang Schöne: Raphael, Berlin und Darmstadt 1958, S. 5. Neben seiner Laufbahn als Maler in Florenz und am päpstlichen Hof in Rom wurde er auch Bauleiter des Petersdoms und Aufseher über die römischen Antiken.

Leben Kindheit Raffaels Geburt im Jahr 1483 wird für den 28. März oder 6. April angenommen. Diese Annahme geht auf die 1550 veröffentlichten Künstlerbiografien oder Vite Giorgio Vasaris zurück, der schrieb, dass Raffael am Karfreitag, dem 6. April 1520, starb, „an dem Tag, an dem er geboren worden ist“: Wegen dieser unklaren Formulierung ist umstritten, ob Vasari den Karfreitag meinte (der im Jahr 1483 auf den 28. März fiel), oder den 6. April. Generell sind viele von Vasaris Angaben ungenau und von der modernen Forschung korrigiert worden, auch das genaue Datum von Raffaels Geburt gilt somit als nicht gesichert. Unumstritten ist hingegen, dass Raffaels Eltern der Goldschmied und spätere Maler Giovanni Santi und Magia Ciarla waren.

Lebensgeschichte 1491 verlor Raffael im Alter von acht Jahren seine Mutter. Der Vater starb 1494 und soll dem jungen Raffael zuvor die erste Malereiausbildung gegeben haben. Nach Vasari war Raffael beim Tod seines Vaters erst elfjährig verwaist. Um 1500, vielleicht aber schon 1494, ging der junge Raffael nach Perugia und trat als Schüler in die Werkstatt von Pietro Vanucci (genannt Perugino) ein. Dort gelang es ihm, sich so weit an den Stil Peruginos anzunähern, dass eine Unterscheidung der Werke oft nur mit Mühe gelingt. Sein malerisches Können war schon in jungen Jahren so ausgeprägt, dass Raffael bereits 1500, also im Alter von 17 Jahren, in dem ältesten seiner uns überlieferten Verträge, einer Abmachung über ein Altarwerk in Città di Castello, magister (Meister) genannt wurde.

Frühe Meisterschaft mini|Madonna Connestabile (1502–1504), Eremitage St. Petersburg mini|Die Heilige Familie mit dem Lamm (1504), Privatbesitz

Sein erstes dokumentiertes Werk war das Baronci-Altarbild für die Kirche des Heiligen Nikolaus von Tolentino in Città di Castello, einer Stadt auf halber Strecke zwischen Perugia und Urbino. Raffael erhielt den Auftrag am 10. Dezember 1500 gemeinsam mit Evangelista da Pian di Meleto, der für Raffaels Vater Giovanni Santi gearbeitet hatte. Das Altarbild wurde im September 1501 fertiggestellt. Bei einem Erdbeben im Jahr 1789 wurde das Werk schwer beschädigt, heute sind nur noch einige Fragmente der Haupttafel, zwei Predellentafeln und eine vorbereitende Zeichnung erhalten.

Um 1502/1503 vollendete Raffael sein erstes großes eigenständiges Gemälde: die Londoner Kreuzigung. Auf diesem Bild betrauern Maria, der hl. Hieronymus, Johannes und Maria Magdalena den von zwei Engeln flankierten Gekreuzigten. Etwa zur gleichen Zeit malte er für die Kirche San Francesco in Perugia Die Krönung Mariä (heute Rom, Pinacoteca Vaticana). Beide Kompositionen lehnen sich eng an Bilder von Raffaels Lehrer Perugino an, sind in eine irdische und eine himmlische Zone gegliedert und werden von geometrischen Grundformen, vor allem Kreisen, beherrscht.

1504 vollendete Raffael für die Kirche San Francesco in Città di Castello sein frühes Meisterwerk Die Vermählung der Maria (heute Mailand, Pinacoteca di Brera). Mit diesem Gemälde, das nicht mehr durch ein Übereinander von Zonen, sondern durch eine deutliche perspektivische Tiefenstaffelung gekennzeichnet ist, übertraf er seinen Lehrer Perugino, der zur selben Zeit ebenfalls eine Vermählung Mariä malte.

Noch im selben Jahr ging der junge Raffael mit einem Empfehlungsschreiben des urbinischen Hofes nach Florenz, wo bereits Michelangelo und Leonardo da Vinci Berühmtheit erlangt hatten. Ihre Meisterwerke, wie auch die Bilder von Masaccio und Fra Bartolommeo, übten einen bedeutenden Einfluss auf Raffaels weitere künstlerische Entwicklung aus. Dort erhielt er zahlreiche Aufträge von Florentinern. Besonders seine Madonnenbilder waren hoch geschätzt. 1505 kehrte er nach Perugia zurück.

Da eine weitere Vervollkommnung in der Malkunst, nach der er strebte, in Perugia nicht möglich war, zog es ihn 1506 zum zweiten Mal nach Florenz, um seine Studien der älteren Meister fortzusetzen. Hier malte er weitere Madonnenbilder, etwa die Wiener Madonna im Grünen (1506), aber auch einige Porträts. Insbesondere an Fra Bartolommeo orientierte er sich beim Aufbau seiner Gruppengemälde. Von ihm lernte er auch jene Bewegtheit bei aller strengen Symmetrie, wie sie sich zum Beispiel in seinen Madonnenbildern ausdrückt. Vorübergehend besuchte er von Florenz aus Bologna und Urbino.

Maler in Rom mini|Baldassare Castiglione, 1514–1515, Louvre, Paris mini|hochkant=1.8|Die Schule von Athen (1510/1511), Stanza della Segnatura, Vatikan

Ab 1508 hielt er sich in Rom auf. Papst Julius II. hatte als Förderer der Künste den Baumeister Donato Bramante, den Bildhauer Michelangelo und den Maler Raffael in Rom zusammengeführt. Vasari berichtet, Raffael sei auf Empfehlung Bramantes, der wie Raffael aus Urbino stammte, dorthin gerufen worden. Dieser war damals unter Julius II. mit dem Neubau von Sankt Peter beauftragt worden.

In Rom traten bald die berühmtesten Männer, unter ihnen Graf Castiglione und Pietro Bembo, mit ihm in vertraute Verbindung, und die Päpste Julius II. und Leo X. ehrten ihn mit Auszeichnungen. Etliche berühmte Persönlichkeiten ließen sich von Raffael porträtieren, darunter Tommaso Inghirami, Graf Castiglione, Kardinal Bernardo Dovizi da Bibbiena, Papst Julius und Papst Leo. Daneben entstanden auch einige größere Altarbilder, so die Madonna di Foligno (1512) und – als letztes Hauptwerk – die Transfiguration (1518–1520). Sein Ruhm verbreitete sich in ganz Italien und zog zahlreiche Schüler herbei.

Raffael erhielt aber in Rom vor allem den Auftrag, im Apostolischen Palast die päpstlichen Gemächer (Stanzen) mit monumentalen Wandgemälden auszuschmücken. Es entstanden zwischen 1509 und 1517 seine berühmtesten Werke: in der Stanza della Segnatura etwa der Parnass, die Disputa del Sacramento und Die Schule von Athen, welche die Künste, die Religion und die Philosophie preisen und als absolute Meisterwerke der Hochrenaissance angesehen werden, sowie in der Stanza di Eliodoro Die Messe von Bolsena, Die Vertreibung des Heliodor und Die Befreiung Petri, in denen religiöse Themen mit den politischen Ereignissen der Zeit in Verbindung gebracht werden. Daneben entwarf Raffael die Kartons für die Apostelteppiche der Sixtinischen Kapelle. Die Apostelteppiche zur „Bekleidung“ der unteren Wände der Sixtinischen Kapelle, in Brüssel ausgeführt von Pieter Coecke van Aelst und Bernard van Orley, zeigen zehn Kompositionen aus der Apostelgeschichte (Paulus, Petrus sowie die Steinigung des Stephanus) und zählen zu Raffaels Hauptwerken. Anton Springer nannte sie „die Parthenonskulpturen der neueren Kunst“. Die (beim Sacco di Roma beschädigten) Originale befinden sich in der Vatikanischen Pinakothek, weitere Exemplare in Mantua, Dresden.Siehe Madrid und Hampton Court. Die Berliner Exemplare sind im Zweiten Weltkrieg verschollen. Andere Wand- und Deckengemälde für die päpstlichen Gemächer schufen im Auftrag von Papst Leo X. Raffaels Schüler.

1512 schuf Raffael auch sein berühmtestes Madonnenbild, die Sixtinische Madonna für den Hochaltar der Klosterkirche San Sisto in Piacenza (heute Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister im Zwinger). Nach dem Tode von Papst Julius 1513 arbeitete Raffael mit seinen Schülern für Leo X. in den Stanzen und Loggien des Vatikans weiter. Raffael war aber nicht nur für den Papst tätig, sondern arbeitete in Rom auch für weltliche Auftraggeber wie den reichen Bankier Agostino Chigi (siehe unten).

Kupferstiche mit Raimondi mini|Marcantonio Raimondi: Urteil des Paris (nach Raffael), um 1515/1516, Kupferstich

Etwa 1510 lernte Raffael in Rom den Kupferstecher Marcantonio Raimondi kennen. Mit ihm arbeitete er in den folgenden Jahren intensiv zusammen. Raimondi stellte in großer Zahl Stiche nach Zeichnungen, Kartons und Gemälden von Raffael her. Thematisch umfassten diese Werke Madonnen- und Heiligenbildnisse, biblische und mythologische Szenen aus der Antike. Diese Reproduktionen ließ Raffael gezielt anfertigen, um seine Werke einem größeren Publikum auch jenseits der Alpen zugänglich zu machen. Nicht zuletzt aufgrund dieser Drucke erlangte Raffael einen hohen Bekanntheitsgrad und eine verbreitete Wertschätzung. Manche Werke sind nur durch die Reproduktionen von Raimondi bekannt, ebenso wie Entwürfe zu Gemälden, die Raffael nie ausführte. Als Höhepunkt der Zusammenarbeit zwischen Raimondi und Raffael gilt Das Urteil des Paris.

Dombaumeister in Rom Nach dem Ableben Bramantes wurde Raffael 1514 dessen Nachfolger und zum Architekten und Bauleiter der neuen Peterskirche ernannt. Unter seiner Leitung wurde nur der Unterbau begonnen. Er vollendete den von Bramante begonnenen Hof von San Damaso im Vatikan. Auch fertigte er mehrere Pläne zu Privatgebäuden an, darunter auch zu seinem eigenen Haus im Borgo Nuovo.Vgl. zu Raffaels architektonischem Werk ausführlich: Christoph Luitpold Frommel, Stefano Ray und Manfredo Tafuri: Raffael, das architektonische Werk. DVA, Stuttgart 1987.

Arbeiten für weltliche Auftraggeber in Rom Daneben führte er Aufträge für Agostino Chigi aus: Den Triumph der Galatea und die Dekorationen in der „Loggia der Psyche“ sowie den – heute verschwundenen – Marstall in der Villa Farnesina und die Capella Chigi in der Kirche Santa Maria del Popolo.

Zunehmende Mitwirkung von Schülern an Raffaels späteren Werken Raffaels Aufgaben als Bauleiter des Petersdoms und als Aufseher über die Antiken ließen ihm kaum Zeit, seine späten Malwerke selbst anzufertigen. So ließ er seine Aufträge überwiegend von seinen Mitarbeitern, im Falle der Villa Farnesina vor allem Raffaellino del Colle und Giulio Romano, ausführen. Auch die Ausmalung der „Sala di Costantino“ im vatikanischen Palast überließ er größtenteils seinen Schülern.

Letztes Gemälde mini|Verklärung Christi (1520), Raffaels letztes Werk

Sein letztes Werk, das er weitgehend eigenhändig malte, war die Verklärung Christi (Vatikanische Pinakothek).

Privatleben Raffael blieb unverheiratet. Jedoch war er lange Zeit mit Maria da Bibbiena verlobt, einer Nichte des Kardinals Bernardo Dovizi da Bibbiena. Sie starb 1520. Seine Geliebte Margherita Luti ist unter dem Namen Fornarina bekannt. Sie war die Tochter eines Bäckers in Rom. Raffael hat sie in mehreren seiner Werke verewigt. Sie soll bis zu seinem Tod in seinem Haus in Rom gelebt haben.

Früher Tod und Bestattung