Guyana – amtlich Kooperative Republik GuyanaInformationen auf den Seiten des Auswärtigen Amtes. () – ist ein Staat an der Atlantikküste Südamerikas. Er grenzt im Süden und Westen an Brasilien, im Nordwesten an Venezuela und im Osten an Suriname.

Guyana (früher Britisch-Guayana) ist das westlichste der drei Länder, die „Guyana“ als Namensbestandteil haben oder hatten. Das östlich angrenzende Suriname hieß früher Niederländisch-Guayana. Östlich von Suriname folgt das französische Übersee-Département Guyane bzw. Französisch-Guayana.

Geografie

Guyana liegt zwischen 1° und 8,5° nördlicher Breite und zwischen 57° und 61° westlicher Länge. Der tiefste Punkt befindet sich an der Atlantik-Küste, höchster Punkt ist der Berg Roraima-Tepui mit 2810 m. An der Grenze zu Venezuela und Brasilien erhebt sich das Bergland von Guayana, nach dem der Staat benannt wurde. Der Hauptfluss ist der Essequibo, der im Süden des Landes entspringt und im Norden in den Atlantik mündet. Im Nationalpark Potaro befinden sich die 225 m hohen Kaieteur-Fälle.

85 % des Landes sind dünn besiedelter tropischer Regenwald. Der Westen und Süden sind von Gebirgsketten durchzogen, in denen die wichtigsten Flüsse des Landes entspringen. An der Küste findet man einen sumpfigen Küstenstreifen. Dahinter befindet sich eine 20 bis 70 km breite Schwemmlandzone, die teilweise auf Meeresspiegelniveau liegt und im 18. Jahrhundert von niederländischen Siedlern eingedeicht sowie durch zahllose Entwässerungskanäle trockengelegt wurde. Hier befindet sich der Agrargürtel des Landes mit Anbau von Reis, Zuckerrohr, Kokosnüssen und Zitrusfrüchten.

Klima Das Klima ist tropisch mit Niederschlägen bis 3000 mm pro Jahr; Temperaturen im Jahresmittel 27 °C, Höchsttemperaturen um 34 °C, Niedrigsttemperaturen um 20 °C; Luftfeuchtigkeit 73 bis 88 %. Es gibt zwei Regenperioden: stark von April bis August, schwächer September bis November, wieder stärker bis Ende Januar, danach Trockenheit bis Anfang April.

Umwelt Nach Ansicht von Klimaexperten der Weltbank gehört Guyana zu den Staaten im südamerikanisch-karibischen Raum, die von einem Anstieg des Meeresspiegels im Zuge des Klimawandels besonders stark betroffen sein werden. Ein Meeresspiegelanstieg von einem Meter würde in Guyana ein Gebiet überschwemmen, in dem 70 % der Bevölkerung leben und 40 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes liegen.Der Fischer Weltalmanach 2010, Frankfurt 2009, S. 240. Im Südwesten von Guyana stellte die Regierung 2004 ein Gebiet von rund 4.000 Quadratkilometern unter Schutz, in dem das indigene Volk der Waiwai lebt.

Nach dem im Januar 2021 veröffentlichten Environmental Performance Index, Zustand und Dynamik des Umweltsystems, belegt Guyana den 126. Platz von 180 Ländern. englisch, abgerufen am 19. Dezember 2021. Im WeltRisikoBericht 2021 liegt das Land auf Rang 7 von 181 Staaten mit dem höchsten Risiko, dass ein extremes Naturereignis zu einer Katastrophe führt.

Städte Im Jahr 2023 lebten 27 Prozent der Einwohner Guyanas in Städten. Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2017): Georgetown 235.017 Einwohner Linden 44.690 Einwohner New Amsterdam 35.039 Einwohner Anna Regina 12.448 Einwohner

Die Agglomeration Georgetown hatte bei der Volkszählung 1991 151.679 Einwohner, bei der letzten Volkszählung am 15. September 2002 waren es 137.330. Damit konzentrieren sich rund 20 Prozent der Menschen des Landes in der Hauptstadtregion.

Bevölkerung Demographie Im Jahr 2022 hatte Guyana 809.000 Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 0,5 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 19,9 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 9,8 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 2,4, die der Region Lateinamerika und die Karibik betrug 1,8. Die Lebenserwartung der Einwohner Guyanas ab der Geburt lag 2022 bei 66 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 25,5 Jahren. Im Jahr 2023 waren 28,5 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 6,5 Prozent der Bevölkerung betrug.

+ Bevölkerungsentwicklung in GuyanaQuelle: UN:Jahr EinwohnerzahlJahr Einwohnerzahl 1950 407.000 2000 753.000 1960 572.000 2010 747.000 1970 705.0002020787.000 1980 780.0002023813.837 1990 743.000 mini|Bevölkerungsdichte (Einwohner pro km²)

Am stärksten besiedelt ist der Küstenraum. Im Hochland siedeln einzelne indigene Stämme. Im Jahr 2020 lebten 27 Prozent der Einwohner Guyanas in Städten.

Bevölkerungsstruktur Nach der Volkszählung 2002 setzt sich die Bevölkerung entsprechend ihrer ethnischen Herkunft wie folgt zusammen:Ergebnisse Census 2002, siehe: PDF 43,4 % Inder aus dem ehemaligen Britisch-Indien 30,2 % Kreolen, auch Afro-Guyaner 16,7 % gemischter Herkunft 9,2 % Indigene Völker 0,2 % Chinesen 0,2 % Portugiesen 0,1 % übrige Europäer

Religionen Anteile der Religionen an der Bevölkerung: 56,7 % Christen 17,0 % Pfingstler 8,1 % Katholiken 7,0 % Anglikaner 5,0 % Siebenten-Tags-Adventisten 1,7 % Methodisten 1,1 % Zeugen Jehovas 17,9 % andere Christen 28,8 % Hindus 7,3 % Muslime 4,3 % Atheisten 0,5 % Rastafaris 0,1 % Bahai 1,3 % andere

Im Hochland leben nach wie vor Indigene, die ihre eigenen ethnischen Religionen praktizieren.Michel Dylong: Religion in Guyana. erschienen: In: Markus Porsche-Ludwig, Jürgen Bellers (Hrsg.): Handbuch der Religionen der Welt, Bd. 1: Amerika und Europa, Teilband 3: Amerika. Traugott Bautz, Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-755-8, S. 569.

Sprachen Umgangssprache ist vor allem ein teilweise kreolisiertes Englisch, daneben indische Sprachen (unter anderem Hindi) sowie indigene Sprachen. Außer dem Englischen haben elf weitere Sprachen den Status einer amtlich anerkannten Sprache.Blickpunkt Lateinamerika: Guyana: Totempfähle für Unabhängigkeitsjubiläum 2016, 26. November 2015.

Gesundheit Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 4,9 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2018 praktizierten in Guyana 18 Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 26,6 pro 1000 Lebendgeburten.

Geschichte

Herkunft des Namens „Guyana“ Der Name „Guyana“ wurde vom ursprünglichen Namen der Region Guiana abgeleitet. Laut dem Oxford English Dictionary bedeutet der Name „Land der vielen Gewässer“.

Kolonialzeit

Es gab im 17. und 18. Jahrhundert die durch die Niederlande gegründeten Kolonien Essequibo, Demerara und Berbice. 1763 kam es in Berbice zum Sklavenaufstand unter dem heute als Nationalheld angesehenen Cuffy.

Die Entwicklung des Frauenwahlrechts ist mit der Kolonialgeschichte des Gebietes verknüpft. 1812 wurde auch Frauen das Stimmrecht zugestanden, wenn sie Sklaven besaßen oder Einkommensteuer auf mindestens 10.000 Gulden zahlen konnten; in der Quelle finden sich keine Angaben dazu, ob damit Gleichheit zwischen Frauen und Männern hergestellt wurde.

Der Besitz dieser Gebiete wechselte bis 1814 mehrmals zwischen den Kolonialmächten Niederlande, Großbritannien und Frankreich. Aufgrund des 1814 in London geschlossenen Britisch-Niederländischen Vertrages wurden die drei Kolonien Essequibo, Demerara und Berbice an das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland übertragen.George W. Bennett: An illustrated history of British Guiana, compiled from various authorities. Richardson & Co., Georgetown 1866, S. 22. Der Vertrag bestätigte den Niederlanden ihre früheren Handelsrechte in diesen drei Kolonien. 1831 wurden die drei Kolonien zur Kolonie Britisch-Guayana vereinigt.

Am 1. August 1834 trat die Abschaffung der Sklaverei in Kraft. Nach Ablauf der anschließenden Arbeitspflicht für die ehemaligen Sklaven am 31. Juli 1838 und nach dem Verlust von Arbeitskräften vor allem auf den Plantagen verpflichteten die Briten Kontraktarbeiter aus Britisch-Indien als Ersatz.Forced Labour. In: The National Archives, nationalarchives.gov.uk, abgerufen am 16. Februar 2024.

Ab 1849 durften nur noch männliche britische Staatsbürger wählen; durch Anforderungen an das Vermögen war das Wahlrecht weiter eingeschränkt.Frank A. Narain: Historical Information Events and Dates on the Parliament of Guyana from 1718 to 2006 Parliament of Guyana, 2009, S. 112.

Der britische Geologe und Topograph Charles B. Brown bereiste von 1868 bis 1871 im Auftrag der Kolonialverwaltung das meist unerforschte Hinterland der Region zwischen Suriname und Venezuela. Brown war mit der exakten Vermessung der Flussläufe und geologischen Untersuchungen beauftragt. Dank seiner 40-monatigen Forschungsreisen im tropischen Urwald wurden zahlreiche Einheimischensiedlungen, Lagerstätten von Bodenschätzen und topographische Besonderheiten im Landesinnern dokumentiert. Nach den Forschungsergebnissen von Schomburgk von 1841 bis 1844 war auch die Arbeit von Brown für die exakte Bestimmung der Grenzverläufe mit den Nachbarstaaten Suriname, Brasilien und Venezuela von Bedeutung.Charles B. Brown: Canoe and Camp Life in British Guiana. London 1876.

1928 erhielten die Frauen das Wahlrecht zurück, es war aber weiterhin an ein bestimmtes Vermögen gekoppelt. Eine andere Quelle nennt 1945 als Jahr für die Einführung des aktiven Frauenwahlrechts zum gesetzgebenden Gremium von Britisch-Guayana.

Im Jahre 1953 intervenierten britische Truppen in Britisch-Guayana, da befürchtet wurde, die durch das Ehepaar Janet und Cheddi Jagan gegründete People’s Progressive Party (PPP) wolle in Guyana einen kommunistischen Staat einrichten.

Unabhängigkeit Guyana erreichte die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich schließlich am 26. Mai 1966 und wurde am 23. Februar 1970 unter Premier Forbes Burnham vom People’s National Congress (PNC) zur Kooperativen Republik erklärt.

Seit den 1960er Jahren spielen ethnische Konflikte zwischen den Afro-Guyanern und den Indisch-Guyanern in Gesellschaft und Politik immer wieder eine Rolle. 1978 kam Guyana durch das Jonestown-Massaker in die Weltnachrichten. Sektenführer Jim Jones vom Peoples Temple gab nach der Ermordung eines US-amerikanischen Politikers seinen Anhängern den Auftrag zum kollektiven Selbstmord. Über 900 Menschen kamen ums Leben.

Im Jahre 1980 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Hierbei wurden die Macht des Premierministers eingeschränkt und die Rolle des Präsidenten in der Exekutive gestärkt.

Freie Marktwirtschaft, Wahlen 1989 begann die Regierung Guyanas ein Wirtschaftsprogramm, das eine drastische Wende weg von staatlich kontrollierter Planwirtschaft hin zu einer freien Marktwirtschaft mit offenen Märkten beabsichtigte.

Nach den Präsidentschaftswahlen von 1992, die Cheddi Jagan von der PPP gewann, kam es durch militante Anhänger der unterlegenen PNC zu heftigen Ausschreitungen in der Hauptstadt Georgetown. Nachdem Jagan 1997 gestorben war, wurde im Dezember 1997 seine Witwe Janet Jagan zur neuen Präsidentin gewählt. Im August 1999 trat sie aus gesundheitlichen Gründen ab, und Bharrat Jagdeo wurde neuer Staatspräsident von Guyana. Am 2. September 2006 wurde Bharrat Jagdeo in seinem Amt als Präsident bestätigt. Nach dem erneuten Wahlerfolg der PPP im Jahre 2011 wurde ihr Kandidat Donald Ramotar am 3. Dezember 2011 neuer Präsident und Nachfolger des bisherigen Amtsinhabers Bharrat Jagdeo, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte.

Die Wahlen zur Nationalversammlung am 11. Mai 2015 gewann das Oppositionsbündnis A Partnership for National Unity (APNU) und Alliance for Change (AFC) unter Führung des ehemaligen Brigadegenerals David Granger. Damit verlor die PPP nach 23 Jahren die Macht.Tjerk Brühwiller: Machtwechsel in Guyana. Multiethnisches Bündnis siegt. In: Neue Zürcher Zeitung vom 18. Mai 2015, S. 5. Granger wurde am 16. Mai 2015 als Präsident vereidigt.Neuer Präsident Granger tritt Amt an, 18. Mai 2015, abgerufen am 20. Mai 2020.