Vibrionen ist die eingedeutschte Bezeichnung für Bakterien der Gattung Vibrio, die mäßig bis stark salzbedürftig sind.Centrum für Reisemedizin (CRM): Vibrionen-Infektion nach Baden in Ost- und Nordsee? Bei starken Schmerzen nach kleinen Hautverletzungen sofort zum Arzt. Pressemitteilung vom 9. Juli 2020 (Volltext als PDF). Es handelt sich um gramnegative Bakterien, fakultativ anaerobe, gekrümmte Stäbchen. Die Geißeln sind meist polar angeordnet. Überdauerungsorgane wie Sporen werden nicht erzeugt. Humanpathogen sind neben dem bekannten Choleraerreger Vibrio cholerae auch Vibrio parahaemolyticus und Vibrio vulnificus, die beide in warmem Salzwasser vorkommen und für schwere Magendarminfektionen und Weichteilinfektionen verantwortlich sein können.

Merkmale Die bekannteste Art, Vibrio cholerae, ist Erreger der Cholera. Es gibt zwei Stämme, den klassischen Stamm und den El-Tor-Stamm. Infektionen mit dem El-Tor-Stamm verlaufen in der Regel leichter und enden viel seltener tödlich. Ein weiterer wichtiger Krankheitserreger ist Vibrio parahaemolyticus, eine Art, die besonders in Japan durch Meeresfrüchte oder rohen Fisch übertragen wird und Brechdurchfall-Erkrankungen (Gastroenteritis) erzeugt.

In der Umwelt werden mehr als 70 Vibrio-Arten beschrieben; sie kommen vor allem in warmem Brackwasser vor, haften an Plankton und Algen und können sich in filtrierenden Muscheln wie Venusmuscheln und Austern anreichern.

Einige marine Arten wie Vibrio anguillarum können bei Fischen Krankheiten hervorrufen und somit in Fischfarmen große Schäden verursachen. Auch Vibrio ordalii wurde bei kranken Fischen gefunden.

Auch Produzenten des starken Nervengiftes Tetrodotoxin (TTX) oder anhydro-TTX wurden bei dieser Gattung nachgewiesen. anhydro-TTX ist eine im molekularen Aufbau leicht abweichende Variante dieses Giftes. Produktion von TTX wurde beispielsweise bei Vibrio alginolyticus nachgewiesen, anhydro-TTX auch bei Vibrio fischeri. Dieses Bakterium wird nach aktueller Systematik nun als Aliivibrio fischeri bezeichnet. Vermutlich sind Arten von Vibrio für die Giftproduktion verschiedener Kugelfische (Tetraodontidae) verantwortlich. So wurde Vibrio alginolyticus bei dem Kugelfisch Takifugu vermicularis gefunden. Allerdings wurde die Tetrodotoxinbildung durch Vibrionen wieder in Frage gestellt.

Arten (Auswahl) Zu den Vibrionen-Arten gehören gemäß LPSN (Stand 8. September 2026, Auswahl):LPSN: GenusVibrio Pacini 1854 (Approved Lists 1980). Vibrio aerogenes et al. 2000 Vibrio algarum et al. 2024 Vibrio alginolyticus ( et al. 1961) 1968 – Siehe Kugelfische Vibrio algivorus et al. 2016 Vibrio anguillarum 1909 Vibrio brasiliensis et al. 2003 Vibrio campbellii ( et al. 1971) et al. 1981 Vibrio cholerae 1854 (Approved Lists 1980) – Typusart Vibrio chaetopteri et al. 2025 Vibrio coralliilyticus et al., 2010Karen D. Weynberg, Christian R. Voolstra, Matthew J. Neave, Patrick Buerger, Madeleine J. H. van Oppen: From cholera to corals: Viruses as drivers of virulence in a major coral bacterial pathogen. In: Scientific Reports, Band 5, Nr. 17889, 2016, Epub: 8. Dezember 2015; doi:10.1038/srep17889 (). Vibrio diabolicus et al. 1997 Vibrio diazotrophicus et al. 1982 Vibrio echinoideorum et al. 2019 Vibrio eleionomae et al. 2023 Vibrio floridensis et al. 2023 Vibrio fluvialis et al. 1981 Vibrio glycogenivorans et al. 2026 Vibrio harveyi et al. 1981 – siehe Quorum Sensing §Die Bedeutung der Autoinduktoren im QS und Krabben §Bakterien Vibrio injensis corrig. et al. 2021 Vibrio japonicus et al. 2017 Vibrio kanaloae et al. 2003 Vibrio lentus et al. 2001 Vibrio madracius et al. 2015 Vibrio mangrovi et al. 2011 Vibrio mediterranei 1986 Vibrio methylphosphonaticus et al. 2023 Vibrio metoecus et al. 2014 Vibrio metschnikovii 1888 (Approved Lists 1980) – siehe Krabben §Bakterien Vibrio mimicus et al. 1982 Vibrio natriegens ( et al. 1961) et al. 1981 Vibrio ordalii et al. 1982 Vibrio parahaemolyticus ( et al. 1951) et al. 1963 (Approved Lists 1980) – siehe Artikel „Thermolabiles Hämolysin“, „Thermostabiles direktes Hämolysin“, „Lebensmittelvergiftung“ §Lebensmittelinfektionen, „Seeigel“ §Fressfeinde und „Krabben“ §Bakterien Vibrio pectenicida et al. 1998 – siehe Pycnopodia helianthoides (Sonnenblumen-Seestern) Vibrio pomeroyi et al. 2003 Vibrio qingdaonensis et al. 2023 Vibrio rhizosphaerae 2007 Vibrio salinus et al. 2023 Vibrio shilonii corrig. et al. 2001 – siehe Bart-Feuerborstenwurm $Biologie Vibrio splendidus et al. 1981 Vibrio tasmaniensis et al. 2003 Vibrio thalassae et al. 2014 Vibrio ulleungensis 2021 Vibrio viridaestus et al. 2020 Vibrio vulnificus ( et al. 1979) 1980 – siehe Artikel „Lebensmittelvergiftung“ §Lebensmittelinfektionen, Austern (Lebensmittel) §Gefahren und Krabben §Bakterien Vibrio xiamenensis et al. 2012 Vibrio zhanjiangensis et al. 2026 Vibrio zhuhaiensis et al. 2026

Verschiebungen Nicht mehr zur Gattung Vibrio gehören die früher als Vibrio fischeri bezeichnete Spezies Aliivibrio fischeri ( et al. 2007. die früher als „Vibrio coli“, „Vibrio jejuni“ und „Vibrio fetus“ bezeichneten Campylobacter-Spezies C. coli 1973 (Approved Lists 1980) respektive C. jejuni ( et al. 1931) 1973 (Approved Lists 1980) bzw. Campylobacter fetus 1963 (Approved Lists 1980)

Viren Zu den Vibrionen befallenden Viren, d. h. Bakteriophagen, gehören (Auswahl mit Stand 8. September 2026):

helikale Viren Helikalen Aufbau haben die Vibrio-Phage CTXφ (Spezies Affertcholeramvirus CTXphi, Familie Inoviridae), sowie Vibrio-Phage pre-CTX und pre-CT aus derselben Gattung. CTXφ infiziert einige Stämme von Vibrio cholerae, sowie Vibrio mimicus. die Vibrio-Phagen fs1, ND1-fs1, VEJ [VEJph], VSK, VSKK, VGJ, VP24, VP24-2_Ke (Gattung Fibrovirus, Familie Inoviridae, per Vorschlag „Protoinoviridae“) die Vibrio-Phagen fs2 und VFJ (Spezies Saetivirus, Familie Inoviridae, per Vorschlag „Protoinoviridae“) den Vibrio-Phagen KSF1 (Spezies Capistrivirus KSF1, Familie Inoviridae) den Vibrio-Phagen VAI1 (Spezies Vasivirus VAI, Familie Inoviridae) die Vibrio-Phagen VALG_phi6, VfO3K6, VfO4K68, … (Gattung Versovirus, Familie Inoviridae) den Vibrio-Phagen VCY (Spezies Vicialiavirus VCY, Familie Inoviridae) die Vibrio-Phagen vB_VpI_FR1, V5, VALG_phi8, Vf33, Vf12 (Gattung Villovirus, Familie Inoviridae) den Vibrio-Phagen XacF13 (Spezies Xylivirus XacF13, Familie Inoviridae)

Myoviren Kopf-Schwanz-Aufbau (Klasse Caudoviricetes mit Morphotyp der Myoviren) haben die Vibrio-Phage KVP40, ValKK3, VH7d (Gattung Schizotequatrovirus, Familie Straboviridae ) der Vibrio-Phage nt-1 (Spezies Mylasvirus persius, Familie Straboviridae) der Vibrio-Phage CP-T1 (Spezies Comeauvirus CPT1) ud der Vibrio-Phage vB_VchM-138 (Spezies Comeauvirus cv138), beide „dwarf“ oder „small myoviruses“ (Plpelikevirus-Gruppe oder Myovirus-Mu-ähnliche Phagen). der Vibrio-Phage VP882 (Spezies Hapunavirus VP882) der Vibrio-Phage ICP1 (Spezies Mohonavirus ICP1) die Vibrio-Phagen vB_VpaM_MAR, VHML und VP585 (Gattung Oonoonbavirus , früher Vhmlvirus)

Podoviren Kopf-Schwanz-Aufbau (Klasse Caudoviricetes mit Morphotyp der Podoviren) hat der Vibrio-Phage VpV262 (Spezies Vipivirus canadense, Familie Zobellviridae)

Siphoviren Kopf-Schwanz-Aufbau (Klasse Caudoviricetes mit Morphotyp der Siphoviren) haben die Vibrio-Phagen vB_VpaS_ MAR10 und SSP002 (Gattung Mardecavirus, früher Ssp2virus) alle Phagen der Unterfamilie Ermolyevavirinae und Gattung Pogseptimavirus (beides FamilieDemerecviridae)

Viren mit ikosaedrischem Kapsid Virionen mit dieser Morphologie haben Phagen der beiden Gattung Livvievirus und Paulavirus (Familie Autolykiviridae, Klasse Belvinaviricetes)

Vorkommen Insbesondere die sogenannten Nicht-Cholera-Vibrionen kommen in der Ost- und Nordsee, vereinzelt auch in leicht salzhaltigen Binnengewässern, als Bestandteil der natürlichen Bakterienflora vor. Sie vermehren sich stark bei Wassertemperaturen über 20 °C und einem Salzgehalt von 0,5 bis 2,5 Prozent. In der internationalen Literatur wird eine Zunahme der Vibrio-Häufigkeit bereits ab Meerwassertemperaturen über etwa 15 °C und bei moderaten Salzgehalten beschrieben; marine Hitzewellen, regenbedingte Salzgehaltsänderungen und Nährstoffeinträge können die Häufigkeit zusätzlich erhöhen. Muscheln, insbesondere Austern, sind ein wichtiger Übertragungsweg, weil sie als Filtrierer Mikroorganismen aus der Wassersäule anreichern können.

Infektionen mit Vibrionen in der Ostsee gibt es regelmäßig in den Sommermonaten bei höheren Wassertemperaturen. Zur Risikogruppe gehören immungeschwächte, ältere Personen mit offenen Wunden, durch die beim Baden Bakterien eindringen können. Auch Todesfälle kommen vor. Der starke Anstieg von Vibrio-Infektionen in der Ostsee im Juli 2014 fiel mit einer Hitzewelle zusammen, die das flache Meer rasch erwärmte.

Durch die Erwärmung der Meere werden Vibrio-Arten auch in Regionen nachgewiesen, die früher für sie zu kalt waren; an der Ostküste der Vereinigten Staaten wurden sie inzwischen bis in den Bundesstaat Maine beobachtet. Für die Vereinigten Staaten schätzen Gesundheitsbehörden rund 80.000 Vibriosen und etwa 100 Todesfälle pro Jahr; die meisten Erkrankungen werden dort Vibrio parahaemolyticus zugeschrieben, während die meisten Todesfälle mit Vibrio vulnificus verbunden sind. Besonders gefährdet für schwere Verläufe sind Personen mit Lebererkrankungen, Immunsuppression, höherem Lebensalter oder Diabetes.

Die Spezies Vibrio pectenicida ruft bei einer Reihe von Meerestieren Krankheiten hervor: der Referenzstamm A365 alias CAIM:594 bei Larven von Austern wie der Europäischen Auster (Ostrea edulis) und der Pazifischen Auster (Crassostrea (Magallana) gigas) der Stamm 99-46-Y bei der Felsenbohrer-Muscheln wie der Elefantenrüsselmuschel (Panopea generosa) der Stamm FHCF-3 beim Sonnenblumen-Seestern (Pycnopodia helianthoides): Seestern-Auszehrungskrankheit (sea star wasting disease, SSWD) Allein der Krankheit SSWD sind seit 2013 Milliarden von Seesternen aus 10 verschiedenen Arten zum Opfer gefallen, wobei der Sonnenblumen-Seestern die am schwersten betroffene Art ist.

Lebensmittelsicherheit und Klimawandel Für rohe oder nur kurz erhitzte Meeresfrüchte ist das Vorkommen von Vibrio eine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit, weil Temperatur, Salzgehalt und Handhabung nach der Ernte bestimmen, ob sich Keime vermehren können. In einer 2026 veröffentlichten Modellstudie zur tasmanischen Austern-Lieferkette erhöhten steigende Luft- und Wassertemperaturen sowohl die Vibrio-Häufigkeit im Meerwasser als auch die Anreicherung in Austern, wobei höhere Lufttemperaturen besonders stark auf Risiken nach der Ernte wirkten. Die Studie deutete außerdem darauf hin, dass Extremniederschläge vor allem Risiken im Zusammenhang mit Antibiotikaresistenz über Verschmutzungs- und Nährstoffpfade beeinflussen. Als besonders beeinflussbare Punkte nannte die Modellierung die Integrität der Kühlkette, Verbraucheraufklärung und sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen Umweltüberwachung, Lebensmittelaufsicht, Austernwirtschaft und öffentlicher Gesundheit. Im US-amerikanischen Muschelsektor sollen sogenannte Vibrio control plans die Vermehrung nach der Ernte begrenzen, indem Muscheln nach dem Fang rasch gekühlt und innerhalb festgelegter Fristen in Kühlung gebracht werden.

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