Das Ascher Ländchen (tschechisch Ašsko oder Ašský výběžek) ist ein historisches Gebiet im äußersten Westen der heutigen Tschechischen Republik. Verwandte Begriffe sind Ascher Land, Herrschaft Asch, Bezirk Asch, Landkreis Asch sowie, wegen seiner geografischen Form (das früher böhmische und jetzt tschechische Gebiet ragt dornenartig in deutsches Staatsgebiet hinein), despektierlich Ascher Zipfel.

Benannt ist es nach seinem größten Ort Asch (tschechisch Aš), der sich über die Jahrhunderte von einer unbedeutenden Siedlung zur Stadt entwickelte. Vermutlich im 11. Jahrhundert gegründet und 1263 als Ascha erstmals urkundlich erwähnt, leitet Heinrich Gradl den Namen vom mittelhochdeutschen „ask“ mit der Bedeutung Esche oder Eschenbaum und der Endung „â“ für Wasser oder Bach ab. Eine Herleitung des Namens vom auch in diesem Gebiet vorkommenden Fisch Aesche (Thymallus thymallus) gilt hingegen als widerlegt, auch wenn das Stadtwappen von Asch seit dem 17. Jahrhundert drei silberne Fische auf blauem Grund zeigt.

Den längsten Teil seiner Geschichte umfasste das Ascher Ländchen eine Fläche von etwa 142 Quadratkilometern und die Orte bzw. Siedlungen Asch, Nassengrub (Mokřiny), Evangelisch Himmelreich (Nebesa), Wernersreuth (Vernéřov), Oberreuth (Horní Paseky), Niederreuth (Dolní Paseky), Schönbach (Krásná), Engerlein, Schildern (Štítary), Mähring (Újezd), Steinpöhl (Kamenná), Elfhausen (Smrčina), Neuberg (Podhradí), Krugsreuth (Kopaniny), Grün (Doubrava), Thonbrunn (Studánka), Friedersreuth (Pastviny), Roßbach (Hranice), Gottmannsgrün (Trojmezí) und Kaiserhammer (Císařský Hamr). 1850 wurden dem Ascher Bezirk einige Orte des Egerlandes mit einer Fläche von etwa 13 Quadratkilometern zugeordnet, die vorher zum Elbogner bzw. Saazer Kreis gehörten, nämlich Haslau (Hazlov), Katholisch Himmelreich (Nebesa), Halbgebäu (Podílná), Hirschfeld (Polná), Lindau (Lipná), Rommersreuth (Skalka), Neuenbrand (Nový Žďár), Neuengrün, Ottengrün (Otov) und Steingrün (Výhledy).mini|Die verschiedenen deutschen Ortsnamen im Bezirk Asch mini|hochkant=2.5|Das Ascher Ländchen entsprach etwa dem Landkreis Asch im Reichsgau Sudetenland, bzw. dem Vorläufer Bezirk Asch im Königreich Böhmen und in der Tschechoslowakei.

Geografie, Geologie, Klima Der Bezirk Asch liegt zwischen 50,09 und 50,19 Grad nördlicher Breite und zwischen 29,45 und 29,58 östlicher Länge. In Nord-Süd-Richtung beträgt die größte Ausdehnung 19,8 und in West-Ost-Richtung 15,2 Kilometer. Die Mittelgebirgslandschaft ist von Ausläufern des Fichtelgebirges und des Elstergebirges geprägt. Höchster Punkt ist der Háj (Hainberg) bei Aš mit 753 Metern, tiefste Punkte sind die frühere Siedlung Císařský Hamr und die frühere Hammermühle am Slatinný potok (Schladabach) bei Hazlov mit 515 Metern.

Vor der Kultivierung eine bewaldete Hochfläche mit vielen Hochmooren und dürftigem Graswuchs entwickelte sich mit der Besiedlung eine Landwirtschaft bei der der Anbau von Roggen, Hafer, Lein und später Kartoffeln dominierte. Erhalten blieben ausgedehnte Waldgebiete.

Die Fließgewässer gehören über die Weiße Elster (Bílý Halštrov), die an einem Höhenzug zwischen Výhledy und Vernéřov entspringt, die Sächsische Saale und die Eger (Ohře) zum Flusssystem der Elbe. Von den zahlreichen Bächen des Ascher Gebiets verdienen neben der Weißen Elster die Regnitz (Rokytnice), der Schladabach (Slatinný potok), der Aschbach oder Äsch (Ašský potok), der Frauenbach (Hazlovský potok) und der Leithenbach (Stodolský potok) Erwähnung. In mehreren der etwa 80 Teiche wird Fischzucht (im Wesentlichen Karpfen und Forellen) betrieben. Mineralwasserquellen finden sich in Doubrava und Dolni Paseky.

An Gesteinen dominieren Granit, Glimmerschiefer und Tonschiefer. Von geologischer Bedeutung ist ein das Ascher Gebiet durchquerender Quarzgang, der sogenannte Egerländer Pfahl, ein Ausläufer des Böhmischen Pfahls. Er beginnt bei Kamenná und zieht sich bis weit nach Böhmen hinein. Auf spektakuläre Weise sichtbar wird er in Gestalt des Goethefelsens (Goethova skalka) bei Skalka. In früheren Zeiten wurde im bescheidenen Umfang Bergbau betrieben. Dazu gehörten der Abbau von Zinn bei Wernersreuth, von Bleiglanz bei Steinpöhl und Thonbrunn und von Limonit bei Halbgebäu. In der Gegend von Haslau führte bereits Goethe geologische Untersuchungen durch und wies dabei unter anderem auf das Vorkommen von Egeran hin.

In der Vergangenheit war das Klima geprägt von langanhaltenden Wintern mit starkem Schneefall sowie heißen Sommern mit einer Temperaturspanne zwischen −20 und +30 Grad. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts betrug die durchschnittliche Jahrestemperatur +6,1 Grad Celsius.

Geschichte

Bis zum 12. Jahrhundert In Westböhmen finden sich vereinzelt Siedlungsspuren aus der Stein- und Bronzezeit. In dem nahe dem Ascher Ländchen gelegenen Dorf Žírovice (Sirmitz) wurden 1929 ein bronzezeitliches Urnenfeld sowie später Reste einer Siedlung der Urnenfelderkultur (etwa 1300 v. Chr. bis 800 v. Chr.) entdeckt. alt=Goethefelsen, 2023|mini|Goethova skalka, 2023 Zu Zeiten des Römischen Reiches siedelten antiken Quellen zufolge in dem waldreichen Mittelgebirgsland um das Quellgebiet der Elster zunächst keltische Boier und später germanische Markomannen und Narisker.

Ein sicherer Beleg für eine slawische Besiedlung in dem Gebiet stammt aus dem Jahr 805 n. Chr., als Karl der Große die „Wenden in Böhmen“ unterwarf. Die nunmehr so genannte Nordmark wurde dem Herzogtum Bayern und kirchlich dem Bistum Regensburg zugeordnet. Eine Kolonisation des bis dahin nur spärlich bewohnten Landes durch deutsche Siedler, vornehmlich aus der Oberpfalz, erreichte ihren Höhepunkt unter dem Markgrafen Diepold III. von Vohburg (1075 – 1146). Dieser hatte auch wesentlichen Anteil an der Gründung des Klosters Waldsassen im Jahr 1133, das in der Folge zu einem Träger dieser Kolonisation wurde. Ein Großteil der Orts- und Flurnamen im Ascher Ländchen geht auf diese Zeit zurück. Die historische deutsche Mundart der Gegend war eng mit nordbayerischen Dialekten verwandt. Zu jener Zeit galt das spätere Ascher Ländchen als Teil des Egerlandes.

Nach dem Tod des Markgrafen Diepold III. von Vohburg im Jahr 1146 trennte König Konrad III. das Egerland mit dem Ascher Ländchen von der bayerischen Nordmark ab und stellte es, wie auch das später so genannte benachbarte Vogtland, als staufischen Besitz unmittelbar unter die Reichsgewalt. Diese Maßnahme blieb allerdings nicht ganz unumstritten: Nachdem König Konrad dem Kloster Waldsassen ein großes Waldgebiet im nördlichen Egerland gewidmet hatte, wurde dasselbe im Jahr 1165 noch einmal vom böhmischen König Vlasialav II. geschenkt. Die Schenkungsurkunde vom 28. Juni 1165 gilt als älteste das Ascher Ländchen betreffende Urkunde. Als kaiserliche Ministerialen zur Erschließung und Verwaltung des Gebietes gewann das Geschlecht der Vögte von Weida, später auch von Gera und Plauen, zunehmend an Bedeutung. alt=Burgruine Podhradi, 2008|mini|Burgruine Podhradi, 2008

13. und 14. Jahrhundert Die urkundlich erstgenannten Orte im Ascher Ländchen sind Asch im Jahr 1262, Neuberg 1286, Elfhausen 1290 und Oberreuth 1291. Bereits 1224 erwähnt sind die erst 1850 dem Ascher Bezirk hinzugefügten Orte Haslau, Rommersreuth und Grün (vermutlich, wenn auch nicht letztlich gesichert, Steingrün).

Während des 13. Jahrhunderts gelangte das Geschlecht derer von Neuberg (belegt sind auch verschiedenste andere Schreibweisen) zu namhaftem Grundbesitz in der Gegend um Neuberg und Asch und bezeichnete sich als reichsfrei, also direkt dem König untertan. Spätestens in diese Zeit fällt auch der Bau der Burg Neuberg, deren Rundturm bis heute erhalten ist. Die Neuberg waren vermutlich Reichsministerialen. Wie sie in den Besitz ihrer Güter gelangten und worauf sich ihre behauptete Reichsfreiheit gründete, ist nicht gesichert. Andererseits wurde diese Reichsfreiheit in der Folgezeit aber auch nicht infrage gestellt.

Der böhmische König Ottokar nutzte die Schwäche der Reichsgewalt nach dem Tod des Kaisers Friedrich II. im Jahr 1250 und bemächtigte sich noch vor dem Tod des letzten Staufers Konradin im Jahr 1268 gewaltsam des Egerlandes und fügte seinen Titeln den eines Herrn von Eger zu. Ottokar strebte selbst den Kaiserthron an, unterlag aber in der Wahl am 1. Oktober 1273 Rudolf von Habsburg. Als Ottokar sich weigerte diesem zu huldigen, erfolgte die Achterklärung gegen ihn und König Rudolf zog im Jahr 1276 mit einem Heer bis vor Wien. Nun lenkte Ottokar ein, schwor den Treueeid, nahm seine Erbländer Böhmen und Mähren vom König zu Lehen und räumte die vorher rechtswidrig an sich gerissenen Reichslehen, darunter das Egerland mit dem Ascher Ländchen.

Den Vögten von Plauen wurde als Dank für ihre Treue gegenüber König Rudolf im Jahr 1281 die Märkte Asch und Selb verpfändet. Als ein Mitglied der verzweigten Familie von Neuberg, Albrecht von Neuberg, 1288 verstarb, fielen dessen Güter an die Krone zurück. König Rudolf verlieh dieses Land den Vögten von Plauen „zu dauerndem Besitz“. Dessen ungeachtet verfügten die Neuberg weiterhin über erheblichen Besitz um Neuberg und Asch. Sie betrachteten sich weiterhin als nur dem Deutschen König untertänige „Freie Herren“. Neben den Vögten und den Neuberg waren zu dieser Zeit auch andere Familien mit kleineren Gütern im Ascher Ländchen belehnt.

Mit Urkunde vom 4. Oktober 1322 verpfändete König (ab 1328 Kaiser) Ludwig der Bayer das Egerland an König Johann von Böhmen als Dank für dessen Waffenhilfe. Diese Verpfändung sollte wohl auch das Ascher Ländchen umfassen, aber dieses Detail war von Anfang an umstritten. Zum einen war der Markt Asch im Jahr 1322 vom König bereits an die Vögte von Plauen verpfändet und konnte demnach nicht erneut vergeben werden. Und bezüglich der Herrschaft Neuberg herrschte zumindest Unsicherheit, denn die Feste Neuberg wurde in der Verpfändungsurkunde – anders als die Festen Hohenberg, Seeberg und Königsberg – nicht aufgeführt.

Wohl um sich gegenüber seinen expansionsfreudigen Nachbarn, die Landgrafen von Thüringen und die Markgrafen von Meißen, abzusichern, trug Vogt Heinrich von Plauen König Johann 1327 das Vogtland – darunter auch den Markt Asch – zu Lehen auf. Dies entsprach einem Schutz- und Treuebündnis, aber nicht einer Einverleibung des Vogtlandes durch die Krone Böhmen, welche ohne die Zustimmung des deutschen Königs auch gar nicht möglich gewesen wäre. 1331 tat es ihm Albrecht von Neuberg gleich und begab sich ebenfalls in ein Lehens-, nicht jedoch in ein Untertanenverhältnis zu Böhmen. In der Urkunde ist festgehalten, dass dies aus eigenem Antrieb und freiwillig geschehe. Die Neuberg sollten ihre Rechte und Freiheiten, welche ihnen von den Deutschen Königen und Römischen Kaisern oder deren Fürsten gewährt worden seien, ewig behalten und insbesondere von allen Landsteuern und Kontributionen befreit bleiben, welche dem Egerland zukünftig möglicherweise auferlegt würden. Unter Verweis auf diesen Lehensvertrag hielten die Herrscher über das Ascher Ländchen über Jahrhunderte hinweg ihren Standpunkt aufrecht, reichsfrei und nur dem Deutschen König untertan zu sein, während sie zwar Vasallen, aber keineswegs Untertanen der Krone Böhmens seien und dass König Johann diese Sichtweise anerkannt habe.

Ein beabsichtigter Erwerb der Märkte Asch und Selb von den Vögten durch König Johann kam nicht zustande, weil der Kaufpreis nicht in dem verabredeten Zeitraum gezahlt wurde.