Die Europäische Schule Karlsruhe (kurz: ESK, ESKA oder Eskar) ist eine von dreizehn Europäischen Schulen, die gegründet wurden, um für Kinder von Eltern, die in Institutionen der EU arbeiten, einen Unterricht in der eigenen Muttersprache zu gewährleisten. Sie wurde 1962 in der Karlsruher Waldstadt für die Kinder der Angestellten des Instituts für Transurane (ITU) eröffnet. Heutzutage kann jeder, auch Angehörige von Nicht-EU-Staaten, kostenpflichtig hier in die Schule gehen, die von allen EU-Mitgliedern kontrolliert wird und eine öffentlich-rechtliche Institution ist. Das Angebot reicht vom Kindergarten bis zur Hochschulreife, die als Europäisches Baccalaureat abgelegt wird. In der ESK gibt es die Sprachsektionen D (deutsch), E (englisch) und F (französisch). In diesen Sektionen werden alle Fächer von muttersprachlichen Lehrern unterrichtet.

Unabhängig von der Sprachsektion können Schüler eine andere der 24 Amtssprachen der Europäischen Union als Muttersprache wählen und erhalten dann nach Möglichkeit eine Stunde muttersprachlichen Unterricht an jedem Unterrichtstag. Die Schüler können bis zu fünf moderne Sprachen lernen und zusätzlich Latein.

Klassenstufen Im Europäischen Schulsystem gibt es zwölf Schuljahre, wobei die 1. bis 5. Klasse Grundschule (GS) sind. Danach folgen die 6. bis 12. Klasse Oberschule (OS). Im Europäischen Schulsystem beginnt die Zählung in der Oberschule neu, d. h. die – nach üblicher Zählung – 6. Klasse ist die S1 (Sekundarklassenstufe 1), die letzte Jahrgangsstufe ist die S7.

Kindergarten Kinder ab vier Jahren, d. h. zwei Vorschuljahrgänge, können den Kindergarten der ESK besuchen. Die Gruppen werden in erster Linie nicht nach Alter, sondern nach Sprache eingeteilt. Die Lernziele entsprechen in ihren Grundzügen denen einsprachiger Kindergärten: Soziale Kompetenzen, Leben in der Gruppe, spielerische Annäherung an Buchstaben und Zahlen, Basteln und Malen. Für noch jüngere Kinder besteht mit der unmittelbar benachbarten Kita Polyglott der Karlsruher AWO eine Kooperation.

Grundschule In die Grundschule der ESK werden Kinder im Alter von sechs Jahren aufgenommen (oder das Kind erreicht im Kalenderjahr des laufenden Schuljahres das Alter von sechs Jahren, d. h. im Regelfall sind die Kinder einer Klassenstufe alle im selben Kalenderjahr geboren). Der Unterricht setzt sich aus den Hauptfächern Muttersprache, zweite Sprache (bzw. erste Fremdsprache) und Mathematik und den Nebenfächern Kunst, Musik, Sport und Religion oder Ethik zusammen. Daneben werden ab der 3. Klasse so genannte „Europäische Stunden“ angeboten, in denen unterschiedliche Aktivitäten in gemischten sprachlichen Gruppen unternommen werden. Die Zielsetzungen in der Grundschule der ESK entsprechen, über den Unterricht in der ersten Fremdsprache und die Bildung des Verständnisses für andere Sprachen und Kulturen hinaus, denen der einsprachigen Grundschule: Alphabetisierung, Rechnen, Lesen, Schreiben, selbständiges Arbeiten.

Oberschule

Unterstufe (1 bis 3) Die 1. bis zur 3. Klasse Oberschule werden „Beobachtungsstufe“ genannt.

In der 1. Klasse gibt es noch keine Wahlfächer, und außer in der zweiten Sprache wird nur in der Muttersprache unterrichtet. Das Fach Sachkunde fällt weg und stattdessen wird Humane Science (auch SH genannt; Geographie und Geschichte) und Integrated Science (auch IS genannt; Biologie, Chemie und Physik) unterrichtet. Außerdem kommt die dritte Sprache hinzu. Zur Auswahl stehen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch. In der 1. Klasse der Oberschule kann man zudem statt normalem Musikunterricht (2h) die Bläserklasse (3h) wählen. Diese wird in der 2. (und optional in der 3.) OS weitergeführt.

In der 3. Klasse gibt es verschiedene Änderungen: Human Science wird in der zweiten Sprache unterrichtet Informatik ist ein Wahlfach Drei Auswahlmöglichkeiten: Kunst (2 h) und Musik (2 h) und Latein (4 h).

Mittelstufe (4 und 5) Pflichtfächer: Sprache 1, Sprache 2, Religion/Ethik, Sport, Informatik, Kunst, Musik, Mathematik Insgesamt muss der Schüler pro Woche zwischen 31 und 35 Stunden haben.

Oberstufe (6 bis 7) Pflichtfächer: Sprache 1, Sprache 2, Sport, Religion/Ethik Wahlpflichtfächer: Mathematik (schwach: 3 h / stark 5 h / Vertiefung: 8 h), Philosophie (Pflicht 2 h / Wahl 4 h), Geschichte (Pflicht 2 h / Wahl 4 h), Geographie (Pflicht 2 h / Wahl 4 h) Wahlfächer: Latein, Ökonomie, Sprache 3, Sprache 4, Kunst, Musik, Sprache 1 Vertiefung, Sprache 2 Vertiefung, Physik, Biologie (2 h o. 4 h), Chemie Ergänzungsfächer: Kunst, Musik, Sprache 5, Informatik, Laborkunde, Ökonomie

Am Ende der siebten Klasse der Oberschule wird das Europäische Baccalaureat abgelegt. Dieses gilt in der gesamten EU, der Schweiz und den USA ohne jegliche „Ausländerprüfung“ als Hochschulreife und muss anerkannt werden.

Die drei Karten als Erlaubnis, das Schulgelände unbegleitet zu verlassen Es gehört zur Schulphilosophie, dass die Schüler auch in unterrichtsfreien Stunden von Lehrern beaufsichtigt werden. Unter anderem steht ein betreuter Aufenthaltsraum mit PCs zur Verfügung: die Permanence. Mit der roten Karte darf der Schüler die Schule in keiner Freistunde verlassen und muss somit jeden Tag die ganze Schulzeit in der Schule bleiben. Mit dem roten Punkt darf der Schüler die Schule nur in Freistunden am Ende der Schule verlassen und darf nicht in Freistunden in der Mitte des Schultags fehlen. Ab Klasse 6 (OS Klasse 1) erhältlich. Die gelbe Karte ist erst ab der 9. (OS 4.) Klasse erhältlich. Mit dieser Karte darf der Schüler auch am Anfang des Schultages fehlen. Letztlich gibt es den gelben Punkt bzw. die grüne Karte, mit der Schüler in jeder Freistunde das Schulgelände verlassen darf.

Sprachsektionen Ein häufiges Missverständnis ist, dass die Sprachsektionen reguläre Auslandsschulen der entsprechenden Länder sind, die unter einem Dach betrieben werden. Tatsächlich handelt es sich im engen Wortsinn um Sprachsektionen. D.h. die deutschsprachige Sektion ist die Sektion für Schüler aus Deutschland, Österreich und Luxemburg, die englischsprachige Sektion ist die Sektion für Schüler aus Irland und war die Sektion für Schüler aus dem Vereinigten Königreich, die französische Sektion ist die Sektion für Schüler aus Frankreich, Belgien und Luxemburg. Auch die abgeordneten muttersprachlichen Lehrer stammen entsprechend aus verschiedenen Ländern. In allen Sprachsektionen wird nach einem einheitlichen Lehrplan unterrichtet, der vom Obersten Rat der Europäischen Schulen entwickelt wurde und weiterentwickelt wird. Mit jedem nationalen Lehrplan und System gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die Schwerpunkte und Projekte in einer Klassenstufe sind über die Sprachsektionen hinweg dieselben.

In der deutschen bzw. deutschsprachigen Sektion wurden im Schuljahr 2022/23 insgesamt 450 Schüler in je Jahrgang zwei Parallelklassen unterrichtet, im Mittel aller 14 Jahrgangsstufen somit 16 Schüler je Klasse. In der englischsprachigen Sektion gibt es in jedem Jahrgang eine Klasse. Die im Schuljahr 2022/23 insgesamt 326 Schüler bedeuten durchschnittlich rund 23 Schüler je Klasse, was nahezu eine Vollbelegung bedeutet. Die französischsprachige Sektion ist nach Schülerzahlen die kleinste. 168 Schüler im Schuljahr 2022/23 bedeuten eine durchschnittliche Klassengröße von 12 Schülern.

Unterrichtszeiten

Tageszeiten Die Unterrichtszeiten variieren wie folgt: Schulbeginn ist in jeder Klassenstufe um 8:05 Uhr. Im Kindergarten und der 1. und 2. Klasse der Grundschule endet die Schule montags, mittwochs und freitags um 12:30 Uhr, dienstags und donnerstags um 15:30 Uhr. In den restlichen Klassen der Grundschule und der Unterstufe der Oberschule ist Montag ebenfalls ein „langer Tag“, was bedeutet, dass montags Unterricht bis 15:30 Uhr stattfindet. Ab der Oberstufe kann je nach Fachwahl auch Mittwoch ein „langer Tag“ sein. Ab der 4. Klasse der Oberschule wird auch noch Mittwoch ein „langer Tag“, und ab der 6. OS-Klasse kann, je nach Fachwahl, auch noch Freitag ein „langer Tag“ sein.

Ferienordnung Die allgemeine Schulordnung der Europäischen Schulen legt einen Rahmen für die Ferienzeiten fest. Daraus ergeben sich sowohl zwangsläufige als auch mögliche Abweichungen vom Schulferienkalender Baden-Württembergs. Insbesondere die Sommerferien sind davon betroffen, da sie von Anfang Juli bis Anfang September dauern. Die Ferienzeiten werden rechtzeitig auf der Webseite veröffentlicht.

Notensystem In der Grundschule gibt es keine Noten, sondern nur ein ähnliches System: Im Zeugnis stehen Kreuze, die von einem (schlechte Leistung) zu vier (Bestleistung) reichen.

In der Oberschule gibt es Noten von A bis FX, wobei A eine „1+“ darstellen soll. Ab der 4. Klasse OS wird die Note in eine A-Note (mündlich) und eine B-Note (schriftlich/Arbeiten) eingeteilt und die Buchstaben werden zu einer Zahl von 10.0 (Bestnote) bis 0.0 (schlechteste Note) umgewandelt.

Schulgeld Kinder von Angestellten der Europäischen Institutionen – Kategorie I Schüler – entrichten kein Schulgeld. Für alle anderen Schüler wird die Höhe des Schulgelds vom Obersten Rat der Europäischen Schulen festgelegt. Sie betrugen im Schuljahr 2023/24 für privat angemeldete Schüler – Kategorie III Schüler – in Kindergarten, Grundschule und Oberstufe 4.032,66, 5544,97 bzw. 7561,31 € pro Jahr. Für Unternehmen, Organisationen – mit UNO und NATO bestehen hierfür formale Abkommen des Obersten Rats der Europäischen Schulen – aber auch Privatpersonen besteht die Möglichkeit, Schulplätze für die Kinder ihrer Angestellten zu sichern. Für solche Kategorie II Schüler bezahlen sie ein erhöhtes, eng an den tatsächlichen Kosten orientiertes Schulgeld von - im Schuljahr 2023/24 - 13.972,26 €/Jahr. Abhängig von Einkommen und Anzahl Geschwisterkindern an der Schule ist für Kategorie III Schüler eine (teilweise) Befreiung vom Schulgeld möglich. Manche europäische Staaten vergeben für ihre im Ausland lebenden Staatsangehörigen Stipendien nach unterschiedlichen Kriterien.

Im Unterricht wird nicht zwischen den Schülern der unterschiedlichen Kategorien unterschieden. Schüler aller Kategorien dürfen jeden für sie geeigneten Unterricht besuchen. Bei der Neueinrichtung von Kursen oder gar Klassen werden jedoch nur Schüler der Kategorie I und II gezählt. Das wirkt sich insbesondere für die Frage nach der Einrichtung von muttersprachlichem Unterricht in "kleinen" Amtssprachen der EU aus.

Gebäude und Gelände Die in einer ruhigen Waldlage im Europaviertel gelegene Schule besteht hauptsächlich aus sechs Gebäuden: Bau A: Kindergarten und Klasse 1 und 2 der Grundschule Bau B: Klasse 3 bis 5 der Grundschule und Grundschulbibliothek Bau C: Alle Oberschulklassen und Oberschulbibliothek Bau D: Verwaltung, Konferenzraum und Aula MensaDie neue Mensa wurde November 2008 fertiggestellt (siehe ). Sporthallen: zwei Sporthallen und Umkleiden

Andere Orte: Europator: Eingangstor Roter Platz: Sportplatz mit Fußball-, Basketball- und Tennisplatz Rasenplatz 100 Meter Laufbahn und Weitsprunganlage Schulgarten Zwei von Klaus Arnold gestaltete Springbrunnen im Eingangsbereich Der Schwimmunterricht findet im Fächerbad statt.

Wenige Meter vor der Schule befindet sich eine Bus- und eine Straßenbahnhaltestelle.

Die Sportanlagen und -hallen werden auch von Karlsruher Vereinen wie dem SSC genutzt.

Die Schule wird als Wahlbüro für die Europawahlen und Auslandswahlstätte bei Wahlen in anderen Ländern genutzt.

Mensa Den Schülern steht an allen Schultagen nach einmaliger Registrierung in einem eigenständigen Bau eine Mensa (Kantine) offen. Neben zwei unterschiedlichen Gerichten gibt es eine Salatbar. Seit März 2024 gibt es außerdem an 1-2 Tagen in der Woche eine meist vegetarische Bowl neben den übrigen beiden Gerichten, die man jedoch bestellen muss.

An die Mensa angebaut wurde das European Dialogue Center (EDC), ein Konferenzraum, der von einer repräsentativen Ausgabe der Karlsruher Nuklidkarte geziert wird.

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