mini|270px|Achenbach aus nördlicher Sicht
Achenbach (mundartlich Acheboch) ist ein Dorf im Westen des Hessischen Hinterlandes und als solches ein Ortsteil der Gemeinde Breidenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Siedlungsform des Dorfes wird als geschlossenes Haufendorf bezeichnet.
Geographie Lage Der Ort liegt westlich von Oberdieten und östlich von Mandeln. Er ist über die die Landesstraße 3043, die in Oberdieten in die Bundesstraße 253 mündet, zu erreichen.
Klima Klimatisch liegt Achenbach wie der gesamte Breidenbacher Grund im Grenzbereich der beiden Klimaräume Nordwest- und Südwestdeutschland, die sich im Bereich Mittelhessen trennen. Das heißt, es gibt sowohl maritime als auch festländische Einflüsse. Das Klima wird daher durch verhältnismäßig kühlere Sommer, aber auch nicht-alpine Wintertemperaturen gekennzeichnet, wobei Niederschläge von durchschnittlich 800–900 mm ganzjährig fallen.
Geologie Die Schichten des Unteren und Oberen Mitteldevons und des Oberdevons haben den geologischen Aufbau Achenbachs gestaltet. Dunkle, rote und auch grüne Tonschiefer und dunkle Brandschiefer, Quarzite und Sandsteine treten als Grundgestein auf.
Die Böden sind überwiegend steinig und nährstoffarm.
Siedlungen und Wüstungen In der Gemarkung Achenbachs lag die wüst gegangene Siedlung Achenbacher Mühle, eine Mahl- und Ölmühle am Achenbach etwa 0,7 km südöstlich des Dorfes. Heute erinnert nur noch der Flurname Über der Achenbacher Mühle an die ehemalige Siedlung.
Geschichte
Überblick Das genaue Alter Achenbachs ist nicht bekannt. Vermutlich fand eine erste Besiedlung bereits im oder um das 10. Jahrhundert statt. Die urkundliche Ersterwähnung stammt vom 7. Dezember 1395 aus einem Lehnbrief des Landgrafen Hermann zu Hessen. Dort wird der Dorfname als „Achinbach“ geschrieben, später auch als „Hachenbach“ (1429) oder „Achebach“ (1630). Die lange als erste Erwähnung angenommene Schrift aus dem Jahr 1379 bezieht sich auf Achenbach im Siegerland. In Aufzeichnungen aus den folgenden Jahrhunderten finden sich auch „Hachenbach“ (1429), „Achebach“ (1630) und seit 1783 durchweg Achenbach. Achenbach war 1360 im Besitz der Familie von Romrod; seit 1395 war es hessisches Lehen der Familie von Breidenbach und gehörte damals zum Gericht Melsbach.
Im Jahr 1761 wurde Achenbach durch eine Feuersbrunst fast restlos zerstört. Aus Akten der Behörden, Vernehmungsprotokollen und Berichten, die heute noch im Staatsarchiv Marburg vorhanden sind, lässt sich ein ziemlich genaues Bild von dem Unglück vermitteln:
In der Mittagszeit des 25. April brach in der Küche eines Hauses Feuer aus. Die meisten Einwohner waren mit Feldarbeiten beschäftigt. Da es einige Zeit vorher schon sehr trocken gewesen war und zu allem Unglück noch ein starker Wind einsetzte, griff der Brand schnell auf die strohgedeckten Fachwerkhäuser in der Nachbarschaft über. Französische Soldaten, die sich wegen des Siebenjährigen Krieges zu der Zeit im Breidenbacher Grund aufhielten, beteiligten sich an den Löscharbeiten. Trotzdem waren am Abend von den 30 Höfen des Dorfes nicht weniger als 23 Wohnhäuser, dazu die Kirche mit zwei Glocken, 24 Scheunen, 19 Stallungen, drei Schuppen und vier Schmiedewerkstätten niedergebrannt. Es wurde zwar fast das gesamte Vieh gerettet, auch war kein Menschenleben zu beklagen, doch war bei den meisten Bewohnern der gesamte Hausrat, Kleidung usw. mit verbrannt. Der Gebäudeschaden belief sich nach damaligen Schätzungen auf 12.000 Gulden. Wegen der hohen Kriegslasten, die auch Achenbach damals zu tragen hatte, war die Gemeinde sowieso schon übermäßig stark belastet. Daher wurde den Betroffenen von Seiten der damaligen Darmstädter Regierung gestattet, Bauholz aus den herrschaftlichen Wäldern kostenlos abzuholzen. Außerdem wurde in den hessen-darmstädtischen Ämtern eine Kollekte durchgeführt, die 768 Gulden erbrachte.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Achenbach:
Ein weiteres Katastrophenjahr war 1895. In der Nacht vom 30. Juni auf 1. Juli vernichtete ein heftiges Unwetter mit Gewitter und stärkstem Hagelschlag die komplette Jahresernte. Der drei Minuten dauernde Hagelschlag zerstörte die komplette Sommerfrucht. Die Roggenernte war zerstört, die bereits ausgetriebenen Kartoffeln trieben erneut aus und brachten dadurch kaum Ernte, einzig die bereits eingefahrene Heuernte rettete dem Vieh das Leben.
Seit 1909 besitzt Achenbach eine zentrale Wasserversorgung; am 25. November 1919 brannte in Achenbach erstmals elektrisches Licht.
Die beiden Weltkriege brachten auch für Achenbach die für das damalige Reichsgebiet allgemein üblichen Verluste und Schreckensmeldungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Flüchtlinge, besonders aus der damaligen Tschechoslowakei und Ungarn, in Achenbach aufgenommen.
Historische Namensformen Historisch dokumentierte Erwähnungen des Ortes sind:
Achinbach (1395) Hachenbach (1429) Achebach (1630)
Gebietsreform Am 1. Juli 1974 wurde Achenbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Gemeinde Breidenbach eingegliedert. Für Achenbach wurde, wie für alle in der Gebietsreform eingegliederten Gemeinden von Breidenbach, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Bergbau Im 16., 17. und 18. Jahrhundert gab es in Achenbach insgesamt sechs Kupfererzgruben. Sie wurden 1856 zum Teil nochmals geöffnet, es fanden sich aber keine Vorräte. In der Grube König Wilhelm traten auch Bleierze auf.
Bis vor den Zweiten Weltkrieg betrieb die Fa. Erdel aus Heppenheim einen Grünsteinbruch.
Schule In Breidenbach bestand bereits zu Anfang des 17. Jahrhunderts eine eigenständige „Sommer- und Winterschule“. Wann genau Achenbach die erste eigene Schule hatte, ist nicht bekannt. 1778 berichtet aber Pfarrer Beisenherz von Breidenbach von einem „Schulmeister Johann Henrich Wagner zu Achenbach, der seit 10 Jahren dort im Amt steht“. Im 19. Jahrhundert hatte Achenbach zusammen mit Oberdieten eine „Doppelschule“. Vormittags wurde in dem einen, nachmittags in dem anderen Ort unterrichtet. Das in 1876 errichtete Volksschulgebäude wurde 1955 durch einen Neubau ersetzt. Das alte Gebäude diente nach 1945 erst als Rathaus, ab 1963 als Dorfgemeinschaftshaus. Nachdem bereits seit 1966 die Schüler ab Jahrgangsstufe 5 die Mittelpunktschule Breidenbach oder andere, weiterführende Schulen besuchten, wurde am 31. Dezember 1969 aufgrund abnehmender Schülerzahlen und der damaligen Hessischen Schulreform die Grundschule Achenbach geschlossen; letzter Lehrer war Karl Gottfried Förster. Alle (Grund-)Schüler besuchen seitdem die Schule in Oberdieten.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Achenbach angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach (Untergericht; Gericht Malsbach) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein, Grund BreidenbachDie Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach, Untergericht ab 1806: Großherzogtum Hessen, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach, Gericht Breitenbach ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk BattenbergBis 1823 Patrimonialgericht Grund Breidenbach; 1923: Trennung von Justiz (Landgericht Biedenkopf) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Biedenkopf ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde BreidenbachAam 1. Juli 1974 wurde Achenbach als Ortsteil der neu gegründeten Gemeinde Breidenbach eingegliedert. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Breidenbach
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 22 Hausgesesse • 1630: 21 Hausgesesse (1 zweispännige, 17 einspännige Ackerleute, 2 Einläuftige). • 1677: 14 Männer, 3 Witwen, 2 Jungmannschaften, 12 ledige Mannschaften. • 1742: 34 Haushaltungen • 1791: 218 Einwohner • 1800: 218 Einwohner • 1806: 224 Einwohner, 37 Häuser • 1829: 284 Einwohner, 39 Häuser
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1829: 284 evangelische Einwohner • 1885: 313 evangelische, keine katholischen, 39 andere Christen • 1961: 399 evangelische, 33 römisch-katholische Einwohner
Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1867: Erwerbspersonen: 152 Landwirtschaft, 1 Forstwirtschaft, 3 Bergbau und Hüttenwesen, 17 Gewerbe und Industrie, 7 persönliche Dienstleistungen, 1 Gesundheitspflege, 1 Armee, 1 Gemeindeverwaltung, eine Person ohne Berufsangabe. • 1961: Erwerbspersonen: 137 Land- und Forstwirtschaft, 117 produzierendes Gewerbe, 27 Handel und Verkehr, 18 Dienstleistungen und Sonstiges.
Religion Bereits seit dem 15. Jahrhundert ist Achenbach nach Breidenbach eingepfarrt. Die meisten Einwohner sind evangelischer Religionszugehörigkeit. Die „alte Kapelle“ wurde bei dem Großbrand 1761 zerstört, 1769 erbaute die Gemeinde eine neue Kirche. Das Zeltdach des achteckigen Zentralbaues geht in der Mitte in ein Glockentürmchen, das für zwei Glocken vorgesehen ist, über. Gegenwärtig bildet Achenbach zusammen mit Ober- und Niederdieten die „Ev. Kirchengemeinde Oberdieten“. Die Einwohner mit römisch-katholischem Glauben, deren Zahl nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich zugenommen hat, gehören zur Kirchengemeinde „Maria Himmelfahrt“ in Breidenbach.
Außerdem befindet sich seit 1893 im Ort eine Freie evangelische Gemeinde.Freie evangelische Gemeinde Achenbach Sie besitzt ein eigenes Gemeindehaus besitzt wie die Mitglieder der Christlichen Versammlung.
Politik
Ortsbeirat
Achenbach verfügt als Ortsbezirk über einen Ortsbeirat, bestehend aus fünf Mitgliedern, dessen Vorsitzender ein Ortsvorsteher, derzeit Martin Beckmann (SPD), ist. Für die Sitzverteilung siehe die nebenstehende Grafik.
Wappen und Flagge
Am 15. Dezember 1958 genehmigte der Hessische Minister des Innern das Wappen mit folgender Beschreibung: