Schwalmstadt ist die nach Einwohnerzahl größte Gemeinde des Schwalm-Eder-Kreises in Nordhessen. Sie entstand 1970, als im Rahmen der Gebietsreform in Hessen die beiden Städte Treysa und Ziegenhain mit den umliegenden Dörfern zur Stadt Schwalmstadt zusammengefasst wurden. Schwalmstadt trägt seit dem 2. November 2017 die amtliche Zusatzbezeichnung Konfirmationsstadt, da hier 1538 die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung verabschiedet wurde, die bis heute die Konfirmation, ihre Inhalte und Rituale definiert.
Geographie Geographische Lage Schwalmstadt liegt mit vielen Stadtteilen im Schwalmbecken am Westrand des Knüllgebirges. Die Stadt, wie auch diese Landschaft in der Westhessischen Senke hat ihren Namen, „Die Schwalm“, nach dem gleichnamigen Fluss erhalten. Schwalmstadt befindet sich im nördlichen Bereich der Schwalm.
Die nächstgelegenen größeren Städte sind Kassel (etwa 50 km nördlich), Bad Hersfeld (etwa 35 km östlich), Marburg (etwa 35 km südwestlich) und Fulda (etwa 80 km südöstlich).
mini|Schwalmstadt von Frankenhain aus gesehen
Stadtkerne Schwalmstadt hat zwei Stadtkerne:
Treysa mit seiner Altstadt liegt auf einem Höhenrücken – der etwa 35 Meter über das Talniveau () ansteigt – an der Mündung der Wiera in die Schwalm.
Ziegenhain () etwa 4,5 km östlich, liegt direkt nordwestlich der Mündung des Grenzebachs in die Schwalm.
Höhenlage Der tiefste Punkt des Stadtgebiets liegt im Norden mit in der Talaue der Schwalm unterhalb der Mündung der Gers und zu Füßen der Landsburg, die ihrerseits mit höchster Einzelgipfel von Schwalmstadt ist. Höher noch als die Landsburg steigt die westliche Stadtgrenze mit der Nachbargemeinde Jesberg, in der Gemarkung Dittershausen, die Hänge des bewaldeten hohen Teufelsberg hinauf; der höchste Punkt des Stadtgebiets erreicht in Gipfelnähe .
Nachbargemeinden Schwalmstadt grenzt im Norden an die Gemeinden Jesberg und Neuental, im Osten an die Gemeinde Frielendorf, im Süden an die Gemeinde Willingshausen (alle im Schwalm-Eder-Kreis), sowie im Westen an die Stadt Neustadt (Landkreis Marburg-Biedenkopf) und die Gemeinde Gilserberg (Schwalm-Eder-Kreis).
Stadtgliederung Neben den beiden Stadtkernen Treysa und Ziegenhain besteht Schwalmstadt aus den weiteren elf Stadtteilen Allendorf an der Landsburg, Ascherode, Dittershausen, Florshain, Frankenhain, Michelsberg, Niedergrenzebach, Rommershausen, Rörshain, Trutzhain und Wiera.
Geschichte mini|Treysa aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian, 1655 mini|Ziegenhain aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian, 1655
Gemeindegebiet Im 8. Jahrhundert war Treise im Besitz der Äbte von Hersfeld. Die Grafen von Cigenhagen wurden im Jahr 1144 das erste Mal urkundlich genannt. Im Jahr 1186 wurde Treysa von den Grafen übernommen und befestigt. Das Wahrzeichen Treysas, die Martinskirche (heute Totenkirche), wurde 1230 gebaut. Treysa erhielt die Stadtrechte zwischen 1229 und 1270, und Ziegenhain erhielt 1274 das Stadtrecht. Nach dem Tod des letzten Grafen von Ziegenhain, Johann II., 1450 fiel die Grafschaft an die Landgrafschaft Hessen.
Die Landgrafen bauten die Burg in Ziegenhain 1470 zu einem Schloss um, und Philipp I. von Hessen ließ sie von 1537 bis 1548 zu einer Wasserfestung ausbauen.
Im August 1945 fanden in Treysa die Verhandlungen zur Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) statt („Treysaer Konferenz“). Damit wurde ein Zusammenschluss der lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen vollzogen. Zwei weitere Kirchenversammlungen der EKD im Mai 1946 und im Juni 1947 versuchten das Gespräch über unterschiedliche Auffassungen zum Abendmahl in Gang zu bringen und befassten sich mit der Entnazifizierung.
Unter dem Motto Hessisch willkommen! war Schwalmstadt 1995 Austragungsort des 35. Hessentages.
Von 1961 bis Ende 2006 war Schwalmstadt Bundeswehrstandort. In der Harthberg-Kaserne waren verschiedene Einheiten stationiert, so das Panzerartilleriebataillon 21, das Raketenartilleriebataillon 22, die Ausbildungskompanie 11/2, die Begleitbatterie 2, das Nachschubregiment 2, das Nachschubbataillon 51 und die Feldjägerausbildungskompanie 700. Im Sondermunitionslager Treysa wurden von 1962 bis 1992 unter Aufsicht von US-Soldaten die Atomsprengköpfe für die beiden Treysaer Artilleriebataillone gelagert.
Gemeindebildung Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1970 die beiden Städte Treysa und Ziegenhain mit den umliegenden bis dahin selbständigen Gemeinden Ascherode, Florshain, Frankenhain, Niedergrenzebach, Rommershausen und Trutzhain auf freiwilliger Basis zur neuen Stadt Schwalmstadt. Am 31. Dezember 1971 kamen die Gemeinden Allendorf an der Landsburg, Dittershausen und Wiera ebenfalls freiwillig hinzu. Rörshain folgte am 1. April 1972. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Michelsberg am 1. August 1972 abgeschlossen. Für die ehemals eigenständigen Städte und Gemeinden von Schwalmstadt wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Der Verwaltungssitz der Stadt Schwalmstadt teilt sich zwischen den Rathäusern von Treysa und Ziegenhain auf.
Historische Quellen Die Stadtarchive Treysa und Ziegenhain werden im Hessischen Staatsarchiv Marburg aufbewahrt (Bestände 330 Treysa und 330 Ziegenhain). Die Bestände sind größtenteils erschlossen und sind online recherchierbar.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Schwalmstadt 18.586 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 1952 Einwohner unter 18 Jahren, 7602 zwischen 18 und 49, 3948 zwischen 50 und 64 und 3846 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 945 (5,1 %) Ausländer, von denen 215 aus dem EU-Ausland, 438 aus anderen europäischen Ländern und 290 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 14,6 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 11,2 %.) Die Einwohner lebten in 8025 Haushalten. Davon waren 2769 Singlehaushalte, 2316 Paare ohne Kinder und 2067 Paare mit Kindern, sowie 690 Alleinerziehende und 180 Wohngemeinschaften. In 1755 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 5418 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Daten zur Religionszugehörigkeit • 1987: 13.703 evangelische (= 79,2 %), 2568 katholische (= 14,8 %), 1022 sonstige (= 6,0 %) Einwohner • 2011: 12.520 evangelische (= 68,1 %), 2430 katholische (= 13,2 %), 3440 sonstige (= 18,7 %) Einwohner
Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung ist das oberste Organ der Stadt. Ihre politische Zusammensetzung wird alle fünf Jahre in der Kommunalwahl durch die Wahlbevölkerung der Stadt bestimmt. Wählen darf, wer das 18. Lebensjahr vollendet hat und deutscher Staatsbürger im Sinne des Grundgesetzes oder Staatsangehöriger eines der übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union ist. Für alle gilt, dass sie seit mindestens drei Monaten in der Stadt gemeldet sein müssen.
Der einzelne Wähler hat die Möglichkeit, seine Stimmen auf mehrere Kandidaten – auch solche verschiedener Wahllisten – zu verteilen (Panaschieren) oder auf einzelne Kandidaten anzuhäufen (Kumulieren). Hierzu stehen dem Wähler so viele Stimmen zur Verfügung, wie es Sitze zu vergeben gilt. Für die Stadtverordnetenversammlung sind dies 37.
Bei der Kommunalwahl am 14. März 2021 wurden 6.867 Stimmen abgegeben, das sind 47,9 % der wahlberechtigten Bevölkerung. Sie lieferte folgendes Ergebnis, in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge SPD CDU FW BfS GRÜNE FDP LINKE Sitzverteilung2021Stimmanteil29,222,017,611,69,17,13,4 Sitze (von 37)11874331 2016 Stimmanteil 38,9 30,5 9,8– 8,7 7,7 4,5 Sitze (von 37) 14 11 4– 3 3 2 2011 Stimmanteil 41,3 29,6 7,1– 14,4 4,4 3,1 Sitze (von 37) 15 11 3– 5 2 1 2006 Stimmanteil 42,5 31,9 8,7– 8,4 5,2 3.4 Sitze (von 37) 16 12 3– 3 2 1 2001 Stimmanteil 47,5 33,5 9,5 – 3,7 5,8 – Sitze (von 37) 18 12 4 – 1 2 – 1997 Stimmanteil 44,8 27,9 13,7– 8,9 4,6 – Sitze (von 37) 17 11 5 – 4 – –
Es waren 37 Stadtverordnete sowie die Ortsbeiräte der Stadt für die Legislaturperiode vom 1. April 2016 bis 31. März 2021 zu wählen. Von 14.217 Wahlberechtigten gingen 6.788 zur Wahl. Somit stieg die Wahlbeteiligung von 46,1 % im Jahr 2011 auf 47,7 % im Jahr 2016.
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Schwalmstadt neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und neun weitere Stadträte angehören. Bürgermeister ist seit dem 1. Dezember 2022 der parteiunabhängige Tobias Kreuter. Er setzte sich am 12. Juni 2022 im ersten Wahlgang gegen den Amtsinhaber Stefan Pinhard, der sich um eine zweite Amtszeit beworben hatte, bei 44,74 Prozent Wahlbeteiligung mit 53,91 Prozent der Stimmen durch. mini|hochkant=1.1|Rathaus in Treysa, Südostansicht
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: von den Einzelergebnissen sind nur 2006 und 2012 archiviert 2022–2028 Tobias KreuterHNA, 28. November 2022: Tobias Kreuter wurde ins Amt eingeführt und Stefan Pinhard verabschiedet 2016–2022 Stefan PinhardStefan Pinhard: Über mich - HNA, 25. Mai 2022: Amtsinhaber Stefan Pinhard im Porträt: Bewahrer für die Stadt 2012–2016 Gerald Näser (CDU) (Amtszeit vom 1. Oktober 2012 bis zu seinem Tod am 4. Juni 2016. Im Mai 2015 übernahm der Erste Stadtrat Detlef Schwierzeck (SPD) die Leitung der Stadtverwaltung kommissarisch.)HNA, 3. Juni 2012: Einzug ins Rathaus. Umjubelter Wahlsieg für Gerald Näser und 5. Juni 2016: Schwalmstadts Bürgermeister Dr. Gerald Näser erlag Krebsleiden 1994–2012 Wilhelm Kröll (SPD) 1988–1994 Gerd-Friedrich Huck (SPD) 1971–1988 Helmut George (SPD)
Ortsbeiräte Für die Stadtteile Allendorf, Ascherode, Dittershausen, Florshain, Frankenhain, Michelsberg, Niedergrenzebach, Rörshain, Rommershausen, Treysa, Trutzhain, Wiera und Ziegenhain bestehen Ortsbezirke nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung. Die Ortsbeiräte bestehen aus sieben bis 15 Mitgliedern. Der Ortsbeirat des Ortsbezirks wird im Rahmen der Kommunalwahlen gewählt und bestimmt aus seiner Mitte den/die Ortsvorsteher/in. Die Ortsbezirksgrenzen entsprechen den Gemarkungen der eingegliederten ehemaligen Gemeinden.
Wappen
Städtepartnerschaften Kanton Loriol-sur-Drôme im Département Drôme, Frankreich Zwalm in Flandern, Belgien
Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater Freilichtbühne Schwalmberg Freilichtbühne Totenkirche Theaterverein Trutzhain: „Trutzhainer Bühne“
Museen Deutsches Schreibmaschinenmuseum Museum der Schwalm in Ziegenhain Gedenkstätte und Museum Trutzhain Museumstöpferei Dörrbecker in Treysa
Museumsbahnverein „Eisenbahnfreunde Treysa e. V.“ (ehemals „Eisenbahnfreunde Schwalm-Knüll e. V.“)
mini|hochkant|Stadtkirche Ziegenhain mini|hochkant|Der Hexenturm in Treysa mini|Stadtkirche Treysa
Bauwerke Die Historischen Altstädte Treysa und Ziegenhain mit zahlreichen Fachwerkhäusern Totenkirche mit „Buttermilchturm“ in Treysa Stadtpfarrkirche Altes Hospital in Treysa Hexenturm in Treysa Wasserfestung Ziegenhain Rathaus und Johannisbrunnen in Treysa Ehemaliges Kriegsgefangenenlager Trutzhain Lokschuppen im alten Bahnbetriebswerk Wallfahrtskirche Maria Hilf (Trutzhain) Stein- oder Töpfertor in der Steingasse Treysa Das Haus „Zum Rosengarten“ in Ziegenhain
Naturdenkmäler Hügelgrab von Wiera Meteor von Rommershausen
Sport Zu den größten Sportvereinen der Stadt zählen der ESV Jahn Treysa, der 1. FC Schwalmstadt und der TuSpo Ziegenhain.