Die IndyCar Series 2008 war die 13. Saison der IndyCar Series und die 87. Meisterschaftssaison im US-amerikanischen Formelsport. Ursprünglich sollte sie in 16 Rennen ausgetragen werden. Durch den kurzfristigen „Zusammenschluss“ der IndyCar Series und der Champ Car World Series im Februar 2008 (Insolvenz der Champ Car) gab es aber einige Änderungen. Die Saison wurde zusätzlich durch drei ehemalige Champ-Car-Events ergänzt. Folgende Rennen wurden in den Kalender aufgenommen: Long Beach, Edmonton und Surfers Paradise. In Long Beach fuhren aber nur die alten Champcar-Teams, während tags zuvor auf dem Twin Ring Motegi die alten IndyCar-Teams unterwegs waren. Das hatte vor allem den Hintergrund, dass die IRL aus dem, ursprünglich von Champ Car, geschlossenen Vertrag nicht herauskam und ein Rennen veranstalten musste. Punkte wurden für beide Veranstaltungen voll vergeben. Das Rennen in Surfers Paradise fand am Ende der Saison statt; es wurden aber keine Punkte vergeben, da Joliet von Tony George die schriftliche Zusage hatte, den Meister küren zu dürfen.
Regeländerungen In der Saison 2008 gab es sowohl für die Ovalrennen, als auch auf den Stadt- und Rundstrecken neue Qualifikationssysteme. Auf den Ovalkursen hatte man die traditionelle Indianapolis-Regel übernommen. Gerechnet wurde nun mit dem Durchschnitt von vier fliegenden Runden am Stück, die am Ende über die Startaufstellung entscheiden. Auf allen Rundkursen und Stadtrennen wurde am Samstagnachmittag in zwei Gruppen jeweils 20 Minuten lang um die schnellsten Zeiten gekämpft. Die besten Sechs jeder Gruppe zogen in das zweite Segment ein, alle anderen wurden anhand ihrer besten Rundenzeit ab Rang 13 einsortiert. Die verbleibenden zwölf Fahrzeuge nahmen an einer 15-minütigen zweiten Session teil. Nach Ablauf der Zeit hatten sich die besten Sechs für den letzten zehnminütigen Qualifikationsabschnitt qualifiziert, in welchem die Pole-Position ermittelt wurde.
Teams und Fahrer In dieser Saison fuhren wieder alle Fahrer mit einem Dallara-Honda und Einheitsreifen von Firestone. Ausnahme bildete das Rennen in Long Beach, bei dem nur die alten Champcar-Teams mit dem Panoz-DP01-Cosworth an den Start gingen.
TeamNr.FahrerAnmerkungen Vision Racing 2 A.J. Foyt IV 20 Ed Carpenter 22 Davey Hamilton nur Indy 500 22 Paul Tracy nur Edmonton Penske Racing 3 Hélio Castroneves 6 Ryan Briscoe Panther Racing 4 Vítor Meira nicht Surfers Paradise 4 Dan Wheldon nur Surfers Paradise Dreyer & Reinbold Racing 23 Milka Duno 11 Rennen (abwechselnd mit T. Bell, Indy beide) 23 Townsend Bell 7 Rennen (abwechselnd mit M. Duno, Indy beide, dort als #99) 15 Buddy Rice Andretti Green Racing 7 Danica Patrick 11 Tony Kanaan 26 Marco Andretti 27 Hideki Mutoh (R) Rahal Letterman Racing 17 Ryan Hunter-Reay 16 Alex Lloyd nur Indy 500, Auto gemeinsam mit Ganassi eingesetzt Chip Ganassi Racing 9 Scott Dixon 10 Dan Wheldon nicht Surfers Paradise 10 Dario Franchitti nur Surfers Paradise A. J. Foyt Enterprises 14 Darren Manning nicht Surfers Paradise 14 Vítor Meira nur Surfers Paradise 41 Jeff Simmons nur Indy 500 41 Franck Perera (R) nur Chicagoland Roth Racing 25 Marty Roth in Nashville als #24 24 Jay Howard (R) alle Rennen bis Kansas, Watkins Glen 24 John Andretti ab Indy 500 bis einschl. Richmond Newman/Haas/Lanigan Racing* 06 Graham Rahal (R) ab St. Pete 02 Justin Wilson (R) Conquest Racing* 34 Franck Perera (R) Homestead, St. Pete und Long Beach 34 Jaime Camara (R) ab Kansas 36 Enrique Bernoldi (R) bis Sonoma 36 Alex Tagliani ab Detroit KV Racing Technology* 8 Will Power (R) 5 Oriol Servià 12 Jimmy Vasser nur Long Beach Luzco Dragon Racing 12 Tomas Scheckter Kansas, Indy 500, Texas, Sonoma, Detroit und Chicagoland Sarah Fisher Racing 67 Sarah Fisher Indy 500, Kentucky und Chicagoland Dale Coyne Racing* 18 Bruno Junqueira 19 Mario Moraes (R) HVM Racing* 33 Ernesto Viso (R) wegen einer Mumps-Erkrankung nicht in Nashville dabei Beck Motorsports 77 Roger Yasukawa Motegi, Indy 500 (dort als #98 und in Quali gescheitert) Sam Schmidt Motorsports 44 Max Papis nur Indy 500 (in Quali gescheitert) Pacific Coast Motorsports* 96 Mario Domínguez Unregelmäßige Einsätze wegen Sponsorenprobleme 29 Alex Figge nur Long Beach Hemelgarn Racing 91 Buddy Lazier nur Indy 500 American Dream Motorsport 88 Phil Giebler Start beim Indy 500 geplant, nach Unfall im Training aber zurückgezogen
*) ehemaliges Champ-Car-Team, das jetzt in der IndyCar Series fährt.
Einige der ehemaligen Champ-Car-Teams traten in Long Beach noch einmal an. Hierbei gab es einige Doppelungen bei den Startnummern.
Team Nr. Fahrer Rocketsports Racing 9 Antonio Pizzonia 10 Juho Annala Minardi Team USA 4 Nelson Philippe 14 Roberto Moreno Forsythe/Pettit Racing 37 David Martínez 3 Paul Tracy 7 Franck Montagny Walker Racing 15 Alex Tagliani
Rennkalender Nr. Datum Veranstaltung(Strecke) Distanz(Meilen) Platz 1 Platz 2 Platz 3 Pole-Position Schnellste Runde 129. März Gainsco Auto Insurance Indy 300(Homestead) (O) 297 Scott Dixon Marco Andretti Dan Wheldon Scott Dixon Ryan Briscoe 26. April Honda Grand Prix of St. Petersburg(St. Petersburg) (T) 149,4 Graham Rahal Hélio Castroneves Tony Kanaan Tony Kanaan Tony Kanaan 319. April Indy Japan 300(Motegi) (O) 304 Danica Patrick Hélio Castroneves Scott Dixon Hélio Castroneves Hélio Castroneves *20. April Toyota Grand Prix of Long Beach(Long Beach) (T) 163,344 Will Power Franck Montagny Mario Domínguez Justin Wilson Antonio Pizzonia 427. April RoadRunner Turbo Indy 300(Kansas City) (O) 304 Dan Wheldon Tony Kanaan Scott Dixon Scott Dixon Scott Dixon 525. Mai Indianapolis 500-Mile Race(Indianapolis) (O) 500 Scott Dixon Vítor Meira Marco Andretti Scott Dixon Marco Andretti 61. Juni ABC Supply A. J. Foyt Indy 225(Milwaukee) (O) 228,375 Ryan Briscoe Scott Dixon Tony Kanaan Marco Andretti Scott Dixon 77. Juni Bombardier Learjet 550(Fort Worth) (O) 331,74 Scott Dixon Hélio Castroneves Ryan Briscoe Scott Dixon Dan Wheldon 822. Juni Iowa Corn Indy 250(Newton) (O) 223,5 Dan Wheldon Hideki Mutoh Marco Andretti Scott Dixon Ryan Briscoe 928. Juni SunTrust Indy Challenge(Richmond) (O) 225 Tony Kanaan Hélio Castroneves Scott Dixon Tony Kanaan Tony Kanaan 106. Juli Camping World Indy Grand Prix at The Glen(Watkins Glen) (P) 202,2 Ryan Hunter-Reay Darren Manning Tony Kanaan Ryan Briscoe Ryan Briscoe 1112. Juli Firestone Indy 200(Nashville) (O) 222,3 Scott Dixon Dan Wheldon Hélio Castroneves Hélio Castroneves Tony Kanaan 1220. Juli Honda Indy Grand Prix at Mid-Ohio(Lexington) (P) 191,93 Ryan Briscoe Hélio Castroneves Scott Dixon Hélio Castroneves Ryan Briscoe 1326. Juli Rexall Edmonton Indy(Edmonton) (F) 179,543 Scott Dixon Hélio Castroneves Justin Wilson Ryan Briscoe Will Power 149. August Meijer Indy 300(Sparta) (O) 296 Scott Dixon Hélio Castroneves Marco Andretti Scott Dixon Ed Carpenter 1524. August PEAK Antifreeze & Motor Oil Indy Grand Prix of Sonoma County(Sonoma) (P) 184,24 Hélio Castroneves Ryan Briscoe Tony Kanaan Hélio Castroneves Hélio Castroneves 1631. August Detroit Indy Grand Prix(Detroit) (T) 180,09 Justin Wilson Hélio Castroneves Tony Kanaan Scott Dixon Justin Wilson 177. September PEAK Antifreeze & Motor Oil Indy 300(Joliet) (O) 304 Hélio Castroneves Scott Dixon Ryan Briscoe Ryan Briscoe Justin Wilson **26. Oktober Nikon Indy 300(Surfers Paradise) (T) 167,7 Ryan Briscoe Scott Dixon Ryan Hunter-Reay Will Power Dario Franchitti Erklärung: O: Ovalkurs, T: temporäre Rennstrecke (Stadtkurs), P: permanente Rennstrecke, F: Flugplatzkurs
* Von ehemaligen Champ-Car Teams mit Champ-Cars ausgetragen, es wurden aber die vollen Punkte an die Teams vergeben, welche in der IndyCar Series teilnahmen.
** In diesem Rennen wurden keine Punkte vergeben, da Joliet die Zusage hatte, den Saisonabschluss durchführen zu dürfen.
Rennberichte
1. Rennen: Homestead-Miami Speedway Beim Auftaktrennen in Miami gab es wie erwartet „zwei Welten“. Während die „alten“ IndyCar-Teams relativ dicht zusammen lagen, bildeten die ehemaligen Champ-Car-Teams weitgehend geschlossen das Ende des Feldes. Drei der erfahrenen IndyCar-Fahrer mussten jedoch von hinten starten: Die Vision-Fahrer Ed Carpenter und AJ Foyt IV wegen Unregelmäßigkeiten am Heckflügel und Dan Wheldon, da er nach einem Unfall im Ersatzauto starten musste. Graham Rahal war aufgrund eines Unfalls beim Test in Sebring, nachdem noch kein neues Auto wieder aufgebaut werden konnte, gar nicht am Start. Das vergleichsweise ereignislose Rennen gewann Scott Dixon; nur vier Fahrer waren am Ende in der Führungsrunde.
2. Rennen: Saint Petersburg mini|links|Rahal siegte bei seinem ersten Start Das zweite Rennen in Florida startete nach starkem Regen unter Gelb und auch im weiteren Verlauf gab es sehr viele Zwischenfälle, so dass das Rennen letzten Endes über die 2-Stunden-Regel beendet wurde. Die Champ-Car-Teams waren hier absolut konkurrenzfähig, so dass mit Graham Rahal sogar einer von ihnen gewann – sein erstes IndyCar-Rennen überhaupt.
3. Rennen(A): Twin Ring Motegi mini|Erster Sieg einer Frau: Patrick gewann in Motegi Das Japan-Rennen wurde ebenfalls von viel Regen begleitet, wodurch es gar kein Qualifikationstraining gab und auch das Rennen selbst verschoben werden musste. Die Startaufstellung ergab sich daher nach dem Meisterschaftsstand, wobei nur die etablierten IndyCar-Teams am Start waren. Gaststarter war Roger Yasukawa für Beck Motorsports, der allerdings konstant der langsamste war. Die ehemaligen Champ-Car-Teams hingegen veranstalteten einen Tag später ihr Abschiedsrennen. Für beide Rennen wurden volle Punkte vergeben. Das Rennen gewann Danica Patrick durch eine schlaue Boxenstrategie. Um einen weiteren Boxenstopp zu sparen, hatte sie bewusst deutlich schlechtere Rundenzeiten in Kauf genommen. Während sie so „nur“ eine halbe Runde Rückstand auf die Spitze hatte, mussten alle anderen noch einmal zum Stopp, was mindestens eine ganze Runde kostet.
3. Rennen(B): Long Beach mini|Tracy im letzten Champ-Car-Rennen Das Abschiedsrennen der ChampCars fand einen Tag nach dem Japan-Rennen nur mit den ehemaligen Champ-Car-Teams statt. Da hier zudem einige Teams am Start waren, die in der IndyCar-Saison nicht angetreten sind, entstand ein Feld von 20 Fahrzeugen; mehr als die meiste Zeit am Ende der Champ-Car-Serie. Das komplett nach den alten Regeln ausgetragene Rennen gewann Will Power überlegen.
4. Rennen: Kansas Speedway Das Rennen in Kansas blieb weitgehend ereignislos. Auch hier dominierten wieder die etablierten Teams, wobei der Abstand langsam enger wurde. Gewinner war Dan Wheldon. In Vorbereitung auf das Indy 500 war Tomas Scheckter und Luzco Dragon Racing zum ersten Mal am Start.
5. Rennen: Indy 500 siehe Indianapolis 500 2008
6. Rennen: Milwaukee Mile In Milwaukee, eine Woche nach dem Indy 500 waren, wie schon in Kansas, 27 Autos am Start, was einige Anpassungen in der Boxengasse erforderte; die Strecke ist eigentlich nur auf 26 IndyCars ausgelegt. Gaststarter war diesmal Mario Domínguez für Pacific Coast Motorsports. Das Rennen selbst endete aufgrund einer Kollision zwischen Marco Andretti, Ed Carpenter und Vitor Meira kurz vor Schluss unter Gelb und wurde von Ryan Briscoe gewonnen, der damit der vierte Fahrer im siebten Rennen war, der seinen ersten IndyCar-Sieg überhaupt feiert. Insgesamt war dies der 300ste Sieg von Penske Racing über alle Rennserien zusammen.
7. Rennen: Texas Motor Speedway In Texas wuchs das Feld noch einmal, auf jetzt 28 Autos; Scheckter und Dominguez als Gaststarter. Die Fernsehübertragung bei ESPN2 war die erfolgreichste, die der Sender mit der IndyCar Series bis dato hatte. Auch dieses Rennen endete nach einem Unfall mit Marco Andretti unter Gelb; diesmal war er mit Ryan Hunter-Reay aneinandergeraten. Sieger war Scott Dixon.
8. Rennen: Iowa Speedway