Die Universität Bremen ist mit dem Gründungsjahr 1971 eine der jüngeren staatlichen Universitäten Deutschlands und mit etwa 18.400 Studenten und etwa 2.300 Wissenschaftlern die größte Hochschule des Landes Bremen.

Sie zählte von 2012 bis 2019 zu den elf deutschen Hochschulen, die im Rahmen der dritten Runde der Exzellenzinitiative in der höchstdotierten Förderlinie „Zukunftskonzept“ ausgezeichnet wurden und sich „Exzellenzuniversität“ nennen durften.

Geschichte mini|Der Campus der Uni-Bremen von oben mini|Die Glashalle der Uni Bremen gilt neben dem Fallturm Bremen als Wahrzeichen des Campus und wird unter anderem für Versammlungen der Studierenden genutzt.

Die Bremer Lateinschule wurde 1584 zum Gymnasium Academicum umbenannt. 1610 erfolgte die Umwandlung zum Gymnasium Illustre, einer Hochschule mit den vier klassischen Fakultäten Theologie, Jura, Medizin und Philosophie. Diese Hochschule bestand bis 1810 und wurde von Napoleon I. aufgelöst. Unter der napoleonischen Herrschaft wurde 1811 stattdessen über eine französisch-bremische Universität nachgedacht. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde über die Gründung einer Internationalen Universität Bremen diskutiert. Am 1. Oktober 1948 beschloss der Bremer Senat die Idee der Gründung einer Universität zu verfolgen. In der Landesverfassung vom Oktober 1947 war die Möglichkeit der Errichtung einer Hochschule eröffnet worden. Als Standort für die "Internationale Universität" waren die Kasernen in Grohn vorgesehen. Es hieß: "Es sind Unterbringungsmöglichkeiten für Dozenten und Studenten vorhanden, tadellose Kücheneinrichtungen ermöglichen die Verpflegung einer großem Anzahl Menschen, beste Hörsäle mit Kinoeinrichtungen, Bibliotheksräume usw. stehen zur Verfügung."Die Pläne mussten aufgegeben werden, da die Kaserne nicht zur Verfügung stand. Angesichts fehlende Finanzmittel und fehlende Räume wurde 1949 keine Möglichkeit der Errichtung einer Universität gesehen.

Gründungsphase 1960–1980

1960 setzte der Senat eine Universitätskommission ein und 1961 stimmte die Bürgerschaft der Realisierung einer Universität zu. Der Senat berief 16 Professoren in eine Gründungskommission und legte 1963 den Standort der Universität hinter dem Stadtwald fest. 1963 beschlossen die Ministerpräsidenten die Finanzierung der Universität Bremen durch die Bundesländer. 1971 wurde von den Ländern Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ein Abkommen zur Finanzierung der Universität unterzeichnet. 1968 bat der Senat die Universität Göttingen um fachliche Unterstützung in der Gründungsphase. Der Gründungssenat stimmte 1969 einer Drittelparität der Studierenden im höchsten Gremium der Universität zu und begrüßte 1970 den Entwurf des bremischen Hochschulgesetzes mit dem „Bremer Modell“. 1977 erklärte der Staatsgerichtshof der Freien Hansestadt Bremen diese Parität für verfassungswidrig. Ursprünglich war an eine Campus-Universität in Anlehnung an amerikanische Universitäten gedacht. Ein Drittel der Studenten, ein Teil der Professoren sollten auf dem Campus wohnen. Die Diskussion über das Für und Wider von Campus-Universität und klassischer Stadtuniversität führte 1967 zum Leitbild einer "stadtbezogenen Universität in Stadtrandlage".

Die Grundsteinlegung erfolgte im November 1968 durch Studenten und Schüler scherzhaft unter dem Namen „Marx- & Moritz-Universität“ – letzteres nach dem Namen des damaligen Bildungssenators Moritz Thape. Gründungsrektor wurde 1970 Thomas von der Vring, Gründungskanzler Hans Heinrich Maaß. Der Studienbetrieb der Universität wurde zum Wintersemester 1971 im Gebäude GW 1 mit 459 Studierenden aufgenommen. Die Gründungsphase in den 1960er Jahren verlief sehr kontrovers und führte 1971 zur Beendigung der Bremer Koalition zwischen SPD und FDP. Sie war auch von einem Bauland-Skandal begleitet. 1971/1973 wurde die Pädagogische Hochschule Bremen integriert. Geplant war eine Universität mit den klassischen Fächern Jura, Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften, doch mit fächerübergreifendem Lernen, dem sogenannten Projektstudium. Der herkömmliche Begriff Fakultät wurde durch den Begriff Fachbereich ersetzt. Die Studiengänge Lehramt und Jura wurden einphasig gestaltet, d. h., dass Absolventen nach der Ersten Staatsprüfung nicht in den Beruf gingen, sondern an der Universität blieben und durch entsprechende Praxisanteile auf die Zweite Staatsprüfung vorbereitet wurden. Die einphasigen Studiengänge setzten sich auf Dauer nicht durch, da die Bremer Absolventen teilweise Schwierigkeiten bei der Bewerbung in anderen Bundesländern bekamen. Das ursprüngliche Bremer Modell sowie Tendenzen bei der Berufung einiger linksorientierter Hochschullehrer brachte der Uni Bremen den Ruf einer roten Kaderschmiede ein.

Universitätsbau: Die Generalplanung für den Bau der Universität erfolgte seit 1966 durch das Universitätsbauamt Bremen (UBA) unter der Leitung von Otto Freese. Durch einen nationalen Wettbewerb konnten die gesamtplanerischen, städtebaulichen Vorstellungen erreicht werden. In dem Marschgebiet musste etwa 4 bis 5 Meter Marschboden durch Sand ausgetauscht werden; der Uni-See und die „Uni-Wildnis“ entstanden dabei. Da ab 1969 die Bundesregierung unter Willy Brandt (SPD) mit Wissenschaftsminister Hans Leussink (parteilos) den Ausbau von fünf Universitäten, darunter Bremen, in besonderem Maße und unter Zeitvorgaben förderten, mussten wegen des im Prozess befindlichen großflächigen Bodenaustausches die ersten Bauten – Geisteswissenschaften (GW 1) und Naturwissenschaften (NW 1) – bis 1971 sogar außerhalb des späteren Zentrums der Universität errichtet werden. Danach folgten die ersten Bauten im zentralen Bereich mit der Universitätsbibliothek Bremen (UB, 1975), dem Zentralbereich als Boulevard und der technischen Versorgung (ZB), der Mensa (1975), GW 2 (1974), NW 2 (1974), der Energiezentrale (1974). dem Zentralen Mehrzweckhochhaus (MZH, 1977) und danach den Sportbauten (1978) im Osten. Ein Hörsaalgebäude – die so genannte Keksdose – entstand 1978.

Ab 1980

1980 endete das Abkommen zur Mitfinanzierung der Universität Bremen durch die o.a. fünf Bundesländer.

Es folgten danach verstärkt natur- und ingenieurwissenschaftliche Fachbereiche und Institute: Ab 1988 entstand der Technologiepark (Ingenieurwissenschaften IW 1 bis 3) für die Produktionstechnik, dem Maschinenbau und der Verfahrenstechnik. Die Geowissenschaften erhielten um 1988 ein zentrales Gebäude und der Botanische Garten der Uni mit den Bauten entstand. Das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) wurde 1985 gegründet und der markante Fallturm Bremen entstand bis 1990.

mini|links|Eingang der 2000 neu eröffneten Mensa Im Juni 1997 wurde die Mensa durch einen Brand zerstört. Der Wiederaufbau der Mensa war im März 2000 abgeschlossen., campus-kurier.de, abgerufen am 29. Januar 2013. Dabei wurden die meisten Teile des düsteren Betondaches über dem Boulevard durch eine leichtere Konstruktion ersetzt. Seit 1998 kann die Uni durch die verlängerte Linie 6 der Straßenbahn Bremen erreicht werden. Eine transparente Glashalle im Zentrum dient seit 2000 als Empfangsbereich und auch als Aufenthaltsort der Uni-Nutzer. 30 Jahre nach der Gründung gab es 2001 mehr als 18.000 Studierende an der Uni.

2012 wurde die Universität für ihr Zukunftskonzept zur Spitzenforschung für sieben Jahre als Exzellenz Universität durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder im Rahmen der Exzellenzstrategie ausgezeichnet.Günter Beyer: 60 Jahre Deutsche Länder: Das Land Freie Hansestadt Bremen. Deutschlandradio Kultur, 4. Dezember 2006, abgerufen am 14. Januar 2017. Die Universität platzierte sich dabei unter den besten Elf der bundesdeutschen Universitäten. Eine zweite Bewerbung blieb 2020 erfolglos. An einer Reihe von wechselnden Sonderforschungsbereiche ist die Uni beteiligt (siehe unten). Sie hat um 2020 mehr Sonderforschungsbereiche der DFG als je zuvor und sie gilt als Wissenschaftszentrum im Nordwesten Deutschlands.

Viele wissenschaftliche Institute und Einrichtungen wie u. a. das Bremer Innovations- und Technologiezentrum Bremer (BITZ), Institut für Produktion und Logistik (BIBA) von 1992, Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL), Zentrums für Marine Umweltwissenschaften der Universität (MARUM) von 2001, Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) von 2013, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien (IWT), Zentrums für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI), Cognium, Cartesium Microsystems Center Bremen (MCB) im NW 1, das Institut Technik und Bildung, das Data Science Center (DSC) von 2020, das Digital Hub Industry (DHI) von 2022 sowie das „innovate! Zentrum MaTeNa“ für beschleunigten Technologietransfer von 2024 haben sich an der Universitätsallee dem Hochschulring und deren Nebenstraßen angesiedelt.

Einige Bestandteile des Bremer Modells sind bis heute erhalten geblieben, so die Lehre auf forschendes Lernen, Interdisziplinarität, Praxisorientierung und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Insbesondere in der Informatik existiert dieses Modell weiter, bei dem ein bedeutender Teil des Hauptstudiums in einem studentischen Projekt (Projektstudium) absolviert wird.

Exzellenz mini|Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM)

In den Jahren 2012 bis 2019 hatte die Universität drei Exzellenzeinrichtungen vorzuweisen, die durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wurden.

In der ersten Runde der Exzellenzinitiative erhielt die Graduiertenschule Global Change in the Marine Realm eine Förderzusage.. Im Zuge der zweiten Runde der Exzellenzinitiative waren zusätzlich die Anträge der Graduiertenschule Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS), ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Jacobs University, sowie der Exzellenzcluster Marum – The Ocean in the Earth System erfolgreich. Dies gaben die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat am 19. Oktober 2007 in Bonn bekannt. (PDF; 71 kB). Vgl. . Universität Bremen, Pressemitteilung Nr. 286/9. Oktober 2007 SC. In der dritten Runde verteidigten BIGSSS und Marum ihren Status. Die meereswissenschaftliche Graduiertenschule war nicht erneut angetreten, da dieses Programm nun Teil des Marums ist. Darüber hinaus setzte sich die Universität mit ihrem Zukunftskonzept Ambitioniert und agil auch in der höchstdotierten dritten Förderlinie durch und zählte damit von 2012 bis 2019 zu dem Kreis von elf deutschen Hochschulen, die mit dem Status „Exzellenzuniversität“ ausgezeichnet wurden.Thomas Vitzthum: Köln und Dresden haben jetzt Elite-Universitäten. Die Welt, 15. Juni 2012, abgerufen am 5. März 2013. Danach verlor die Universität Bremen nach frühem Ausscheiden aus der nächsten Bewerbungsrunde den Status.

Am 22. Mai 2025 gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Förderentscheidung für die neuen Exzellenzcluster bekannt. In der Ausschreibungsrunde der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder (2026–2032) konnte die Universität Bremen zwei Exzellenzcluster einwerben. Mit dem erfolgreichen Fortsetzungsantrag „Der Ozeanboden - unerforschte Schnittstelle der Erde“ und dem erfolgreichen Neuantrag „Die Marsperspektive – Ressourcenknappheit als Grundlage eines Paradigmas der Nachhaltigkeit“ werden ab dem 1. Januar 2026 erstmals zwei Exzellenzcluster an der Universität Bremen gefördert. In der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern haben die Universitäten Bremen und Oldenburg als Exzellenzverbund ihren gemeinsamen Antrag mit dem Titel „Northwest Alliance: Connecting for Tomorrow“ beim Wissenschaftsrat eingereicht.

Lage mini|Lage der Universität und des Gästehauses auf dem Teerhof, das an der Weser liegt

Die Universität ist eine Campus-Universität, und nahezu alle Einrichtungen sind zentral an der Universität und dem benachbarten Technologiepark Bremen angesiedelt.