Dream Theater ist eine amerikanische Progressive-Metal-Band.
Die Formation zählt zu den wichtigsten Vertretern des Progressive MetalVgl. z. B. Jeff Wagner: Mean Deviation: Four Decades of Progressive Heavy Metal. Bazillion Points, Brooklyn, NY 2010, xvii u.ö. oder die Erwähnung im Leitfaden: ProgMetal auf den Babyblauen Seiten. und gilt als eine der kommerziell erfolgreichsten dieses Genres. Sie verband als eine der ersten Gruppen die zeitgenössische Spielart des Heavy Metal mit dem Progressive Rock der 1970er Jahre. Ihr Debütalbum When Dream and Day Unite erhielt durchweg sehr gute Kritiken, blieb im Verkauf aber hinter den Erwartungen zurück.RockHard-Enzyklopädie - 700 der interessantesten Rockbands aus den letzten 30 Jahren, RockHard-Verlag, Dortmund 1998, S. 101, ISBN 3-9805171-0-1. Der eigentliche Durchbruch gelang 1992 mit dem zweiten Album Images and Words.
Alle Mitglieder sind und waren auch in weiteren Projekten tätig; so wirkt beispielsweise Mike Portnoy auch bei Transatlantic, Flying Colors, The Winery Dogs, Sons of Apollo, OSI oder Liquid Tension Experiment (zusammen mit John Petrucci und Jordan Rudess) mit. Portnoy initiierte zudem Tribute-Bands für The Beatles, Led Zeppelin, The Who und Rush. 200px|mini|Schriftzug mit dem Majesty-Symbol
Geschichte 1985–1990: Gründung Im September 1985 wurde die Band von den Musikstudenten John Petrucci (Gitarre), John Myung (E-Bass) und Mike Portnoy (Schlagzeug) in Boston gegründet. Alle drei besuchten das Berklee College of Music und stammen aus New York.
Der Keyboarder Kevin Moore und Sänger Chris Collins vervollständigten die Besetzung, welche unter dem Namen Majesty bekannt wurde. Schon bald musste die Band ihren Namen aus rechtlichen Gründen ändern, da Majesty bereits vergeben war. Der Name Dream Theater war ein Vorschlag des Vaters von Mike Portnoy, der sich von einem Kino in MontereyGraves/Schmidt-Joos-Halbscheffel: Das neue Rock Lexikon, Hamburg, 1998, S. 283. inspirieren ließ. Das ursprünglich kreierte Logo wurde über die Namensänderung hinaus jedoch beibehalten.
Nach einigen Demoaufnahmen und Besetzungsänderungen erschien 1989 das offizielle Debütalbum When Dream and Day Unite, auf dem Charlie Dominici anstelle von Chris Collins sang.
1991–1994: Durchbruch mit Images and Words und Awake Anderthalb Jahre nach dem Abgang von Sänger Charlie Dominici (wegen Problemen mit der Plattenfirma und künstlerischer Differenzen) verpflichtete die Band den Kanadier James LaBrie als neuen Vokalisten. Der klassisch ausgebildete LaBrie hat einen großen Tonumfang.
1992 erschien das zweite Album Images and Words, das mit rund 600.000 verkauften Exemplaren in den USA Gold-Status erhielt und damit als eines der erfolgreichsten Progressive-Metal-Alben gilt. Die Single-Auskopplung Pull Me Under erreichte Platz 10 der US-Billboard-Charts. Es wurden drei Videoclips produziert (Pull Me Under, Take the Time und Another Day), die alle von MTV ins Programm genommen wurden. Der weitere Titel Metropolis Part 1: The Miracle and the Sleeper ließ auf eine Fortsetzung schließen. Dream Theater tourte mit dem Album rund zwei Jahre lang und veröffentlichte danach das Livealbum Live at the Marquee (1993).
Kurz nach den Aufnahmen zu Awake verließ Keyboarder Kevin Moore aus verschiedenen musikalischen und wohl auch persönlichen Gründen die Band und entschied sich für eine Sololaufbahn mit seinem Projekt Chroma Key. Mit Wait for Sleep (Images and Words) und Space-Dye Vest (Awake) hinterließ er jedoch zwei in Fankreisen geschätzte Balladen. Letztere wurde seit seinem Ausstieg 1994 erstmals am 23. Januar 2011 in New York wieder live gespielt, da die Band es als sein persönliches Abschiedsstück betrachtete und ihm damit ihren Respekt erweisen wollte. Für die Aufnahme des Livealbums Live Scenes from New York (30. August 2000, Veröffentlichung am 11. September 2001) wurde er allerdings eingeladen, dieses Lied noch einmal gemeinsam zu spielen. Moore lehnte jedoch ab, da er nicht als „Ex-Dream-Theater-Keyboarder“ vorgeführt werden wolle.
1995–1998: Unter dem Druck des Labels Mit Moores Nachfolger Derek Sherinian nahm Dream Theater das 23-minütige Epos A Change of Seasons (1995) auf, dessen Ursprünge bereits in das Jahr 1989 zurückgehen. Sherinian spielte vorher u. a. bei Alice Cooper und Kiss Hammond-Orgel. Nach der Waking-Up-Tournee nahm die Band ihr viertes Studioalbum Falling into Infinity (1997) auf. Es sollte als Doppel-CD erscheinen und mit einem langen Stück den Nachfolger zu Metropolis Part 1 enthalten. Die Plattenfirma drängte die Band jedoch in eine kommerziellere Richtung und kürzte einige Lieder. So wurde nur eine Einzel-CD ohne den Metropolis-Nachfolger veröffentlicht. Nach der Touring-into-Infinity-Welttournee legten die Bandmitglieder eine Pause ein, um sich anderen musikalischen Projekten zu widmen.
Von Liquid Tension Experiment (Instrumentalprojekt mit Bassist Tony Levin) brachten Portnoy und Petrucci den Keyboarder Jordan Rudess mit, der sich bei seinen Soli durch eine gitarrenähnliche Phrasierung auszeichnet, sein Vorgänger Sherinian musste die Band verlassen.
1999–2006: Weltweiter Erfolg mini|hochkant|Sänger James LaBrie Mit Rudess schrieb die Band nun am Nachfolger zu „Metropolis Part 1“, für den ihnen ihre Plattenfirma absolute künstlerische Freiheit gewährte. Das daraus resultierende fünfte Studioalbum Metropolis Pt. 2: Scenes From A Memory ist ein Konzeptalbum, welches inhaltlich sowie musikalisch zusammenhängt und zahlreiche Zitate aus dem ersten Teil beinhaltet. Stücke mit besonders virtuosen Instrumentalpassagen sind „Beyond This Life“, „Home“ und „The Dance of Eternity“.
Im Jahr 2000 folgte auf die Metropolis-2000-Welttournee die erste Live-DVD der Band mit einer visuellen Umsetzung des Konzeptalbums sowie der Dreifach-Live-CD Live Scenes from New York. Das ursprüngliche Cover griff das Konzept des brennenden Herzens auf, das bereits auf den Covern zu Images and Words und Live at the Marquee verwendet worden war, das Herz wurde aber durch einen Apfel (Big Apple als umgangssprachlicher Begriff für New York City) mit der Skyline New Yorks ersetzt. Wegen der Zeitgleichheit mit den Anschlägen auf das frühere World Trade Center wurde die CD umgehend aus den Ladenregalen genommen und anschließend mit ausgetauschtem Cover zwei Monate später wiederveröffentlicht und weiterverkauft. Das für die Neuveröffentlichung entwickelte Cover enthält dieselben Bildschnipsel, die auch vorher schon darauf zu sehen waren, lediglich wurde der brennende Apfel durch das goldene Majesty-Symbol ersetzt.
Nach dieser Tournee begann Dream Theater mit experimentellen Liedideen zu arbeiten und veröffentlichte im Jahre 2002 die Doppel-CD Six Degrees of Inner Turbulence. Das darauf enthaltene, gleichnamige 42-minütige Epos weist mit Overture und Reprise erneut typische Merkmale eines Konzeptalbums auf. Die Band betont aber, dass es nicht als solches verstanden werden soll. Entgegen der Behauptung, der Track Disappear wäre das Titellied der Verfilmung von Hamlet kommt der Song weder im Film selbst noch in den Credits vor – das Album erschien erst zwei Jahre später. Auch ein angeblich von Michael Bahr produzierter Videoclip existiert nur als Zusammenstellung von Filmsequenzen und Szenen des Dream Theater-Livealbums Live Scenes from New York.
Auf das Six Degrees-Album folgte dann die World-Tourbulence-Welttournee. Als Zugabe spielte die Band gelegentlich die Alben Master of Puppets (1986) von Metallica oder The Number of the Beast (1982) von Iron Maiden in voller Länge, ohne dass das Publikum vorher darüber informiert war. Entsprechende Performances aus Barcelona und Paris wurden von Dream Theater in der Official Bootleg-Reihe veröffentlicht.
Den Nachfolger Train of Thought (2003) schrieben Dream Theater innerhalb von nur drei Wochen. Musikalisch als Hommage an ihre Heavy-Metal-Vorbilder gedacht, zeichnet sich das Album durch geradlinige Härte und hohe Geschwindigkeit aus. Während der Welttournee zu diesem Album entstand das drei CDs umfassende Livealbum Live at Budokan, das sich vom vorangegangenen Dreifach-Livealbum durch eine fast komplett geänderte Setlist unterscheidet.
Im Juni 2005 erschien das achte Album Octavarium, auf dem sich der Stil wieder in eine melodischere Richtung bewegte. Darauf finden sich mehrere Balladen, die nach Angaben der Band von Bands wie U2 oder Coldplay beeinflusst sind (z. B. zu hören in „I Walk Beside You“).
Das 24-minütige Titelstück hingegen ist eine Hommage an bekannte Progressive-Rock-Bands wie Genesis, Pink Floyd, Yes und andere. Absichtlich werden musikalisch ähnliche Motive und Instrumente (z. B. das schwelgerische Keyboard/Gitarren-Intro, live mit Continuum-Fingerboard) als Anspielung auf Shine On You Crazy Diamond von Pink Floyd verwendet. Die Texte zitieren bekannte Liedtitel (etwa „Lucy in the Sky with Diamonds“ der Beatles oder „Supper’s Ready“ von Genesis). Ab Sommer 2005 startete Dream Theater wieder eine ausgedehnte Welttournee und tourte u. a. mit Megadeth unter dem Namen Gigantour durch die USA. Auf der anschließenden 20th Anniversary Tour durch Europa coverte die Band traditionell wieder ein Album in voller Länge. The Dark Side of the Moon von Pink Floyd wurde das erste Mal im Oktober 2005 mit den Gastmusikern Theresa Thomason als Sängerin und Mike Kidson am Saxophon in Amsterdam vorgetragen. Während der Japan-Tournee im Januar 2006 wurde als Coveralbum jedoch Made in Japan von Deep Purple in Tokio live gespielt. Am 1. April 2006 spielten Dream Theater zum Ausklang ihrer 2005/2006-Welttournee und anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens ein Konzert mit teilweiser Orchesterbegleitung in der New Yorker Radio City Music Hall, welches am 25. August unter dem Titel Score (englisch für Partitur, aber auch für Punktestand oder sexuelle Eroberung) auf CD und DVD veröffentlicht wurde.
2007–2016: Roadrunner Records mini|Jordan Rudess bei einem Konzert von Dream Theater in Berlin 2007 Im September 2006 gingen Dream Theater wieder ins Studio und arbeiteten an ihrem neuen Album Systematic Chaos. Die Aufnahmen wurden im Februar 2007 abgeschlossen und das Album am 1. Juni in Europa (am 5. Juni in Amerika) veröffentlicht. Es ist die erste Veröffentlichung der Band beim niederländischen Label Roadrunner Records. Der Titel „Constant Motion“ ist die erste Single-Auskopplung. Dream Theater drehte dazu erstmals seit fast zehn Jahren wieder ein offizielles Musikvideo. Im Stück „Repentance“ sind u. a. Joe Satriani, Mikael Åkerfeldt und Steve Vai als Sprecher zu hören.
Auf der im Juni 2007 begonnenen Chaos-in-Motion-World-Tour absolvierte die Band 115 Shows in 35 Ländern auf allen fünf Kontinenten. Am Eröffnungskonzert Gods of Metal 2007 in Mailand wie auch in Bonn wurde das komplette Album Images and Words zu Ehren dessen 15-jährigen Jubiläums gespielt. Am 26. September 2008 wurde die Live-DVD Chaos in Motion 2007–2008 veröffentlicht. Sie enthält Ausschnitte aus mehreren Konzerten der Chaos-in-Motion-World-Tour sowie eine 90-minütige Tour-Dokumentation.
Am 17. Dezember 2007 erschien in den USA eine von der Band genehmigte Biografie unter dem Titel Lifting Shadows: The Authorized Biography of Dream Theater. Eine zweite Auflage wurde 2009 um 40 Prozent auf 450 Seiten erweitert. Eine weitere Auflage erschien im Jahr 2013 und deckt den Zeitraum bis dorthin ab.
Die Aufnahmen zum zehnten Album Black Clouds & Silver Linings in den Avatar Studios in New York wurden im Frühjahr 2009 abgeschlossen, das Album wurde Ende Juni 2009 veröffentlicht und stieg am 3. Juli 2009 auf Platz 3 der deutschen Albumcharts ein.
Am 8. September 2010 gab Mike Portnoy in seinem offiziellen Forum bekannt, dass er die Band verlassen wird. Als Grund gab er unter anderem den konstanten Schreib- und Tourfluss an. In einer ersten Pressemitteilung teilte die Band mit, dass die übrigen Bandmitglieder ohne Mike Portnoy weitermachen wollen und für Anfang 2011 den Beginn der Arbeiten am nächsten Studioalbum planen.