mini|Eliasfriedhof Der Eliasfriedhof in Dresden gilt als kulturhistorisch bedeutendster Friedhof der Stadt.Marion Stein: Friedhöfe in Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 2000, S. 13. Die seit 1876 stillgelegte und seit 1924 aus verkehrs- und sicherheitspolizeilichen Gründen geschlossene Begräbnisstätte in der Pirnaischen Vorstadt steht unter Denkmalschutz.Vgl. Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Dresden. Aktualisierte Auflage. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 2005, S. 83. Der 13.162 m² großeGrundbuch Dresden Altstadt I, Blatt 3230, 10. August 1993 Friedhof wurde auf Grund seiner besonderen Bedeutung im Jahr 2015 in das Förderprogramm „National wertvolle Kulturdenkmäler“ der Bundesregierung aufgenommen.

Geschichte Anfänge als Pest- und Armenfriedhof mini|hochkant|Johann Georg II. befahl 1680 die Anlage des Pestfriedhofs mini|Verfallene Schwibbogengrüfte an der Südmauer Im Jahr 1680 wurde die Pest, die bereits zwei Jahre zuvor in Wien ausgebrochen war, nach Dresden eingeschleppt. Innerhalb weniger Monate starben mehr als 5000 Menschen – ein Drittel der gesamten Bevölkerung der Stadt – infolge der Pest. Dresden hatte zu dem Zeitpunkt nur wenige Begräbnisstätten: Der Frauenkirchhof und der Friedhof am Bartholomäus-Hospital waren bereits im 16. Jahrhundert zu klein geworden. Der daraufhin angelegte und 1680 aufgrund der Pest erweiterte Johanniskirchhof vor dem Pirnaischen Tor allein konnte die Toten der Epidemie nicht fassen. Aus Angst vor Ansteckung der Bevölkerung durch die Toten ordnete der wenig später selbst an der Pest erkrankte Kurfürst Johann Georg II. 1680 an, einen als Notfriedhof konzipierten Pestfriedhof außerhalb der Stadt anzulegen. Die Kosten für den Grunderwerb und die Einrichtung desselben sollten aus dem „Gotteskasten“ – einer Sammelbüchse für milde GabenKarl Wilhelm Eck, Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 1, 24. Mai 1853. – bestritten werden. Am 10. Juli 1680 wurde das Bauland vor dem Ziegeltor, „hinter den Lehmgruben und Ziegelbrennereien gelegen“,Marion Stein: Friedhöfe in Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 2000, S. 14. vom Bürgermeister Viegner (nach anderen Quellen Wiegner) an den Rat zu Dresden verkauftSächsisches Staatsarchiv, Hauptarchiv Dresden, 10684 Stadt Dresden Stadtgericht, Nr. 2016. und innerhalb kürzester Zeit der Friedhof auf offenem Feld angelegt.

Nach Abklingen der Seuche wurde das Gelände in den folgenden Jahren als Armenfriedhof genutzt. Die Toten durften kostenfrei durch deren Angehörige selbst beerdigt werden. Auch Ortsfremde, „Selbstmörder, Hingerichtete und Ungetaufte“Marion Stein: Friedhöfe in Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 2000, S. 15. fanden auf dem „Pestilenzkirchhof“ ihre letzte Ruhestätte. Das Grundstück bestand zu dem Zeitpunkt aus einer unregelmäßigen Fläche,Stadtplan von Dresden, um 1690, Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 12884, Karten und Risse, Signatur/Inventar-Nr.: Schr 009, F 001, Nr 002 & (KH 138) über dessen Aussehen und Gestaltung nichts bekannt ist. Es scheint weder eine Friedhofsmauer noch eine Kapelle gegeben zu haben. Die vermögenden Bürger Dresdens ließen sich auf dem Frauenkirchhof oder dem Johanniskirchhof beisetzen. Oft besaßen reiche Familien dort eigene offene Gruftanlagen, deren Belegungsrecht an die nachkommenden Generationen vererbt wurde. Adelige Einwohner der Stadt konnten zudem innerhalb von Kirchengebäuden, wie der alten Frauenkirche oder der Sophienkirche, bestattet werden.

Friedhof der hohen Stände im 18. und 19. Jahrhundert mini|links|Restaurierte Grufthäuser von George Bähr an der Nordseite des Eliasfriedhofs Im Jahr 1721 wurde der Johanniskirchhof ein letztes Mal erweitert. Drei Jahre später wurde der bereits 1714 geschlossene Frauenkirchhof auf Beschluss des Rats der Stadt Dresden säkularisiert, um an seiner Stelle die neue Frauenkirche zu erbauen. Als neuer Friedhof für die höheren Stände wurde der Eliasfriedhof gewählt, da der Johannisfriedhof nicht mehr vergrößert werden konnte. Um die neue Funktion als moderne Bestattungsanlage erfüllen zu können, waren umfassende Umbauten nötig, die vom Rat der Stadt beschlossen wurden. Das Friedhofsareal wurde in westlicher Richtung um 4000 Quadratmeter erweitert,Christine Spitzhofer: Der Dresdner Eliasfriedhof und seine Grufthäuser nach Entwürfen von George Bähr. In: Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch 2003. Band 9. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 2003, S. 174 ff. das Gelände durch ein Wegenetz gegliedert und von einer Mauer umzogen. Planung und Bauausführung lagen dabei in den Händen von George Bähr und Johann Gottfried Fehre. Valentin Ernst Löscher setzte bei Kurfürst Friedrich August I. das Gruftrecht für den Friedhof durch, sodass Bähr von Mai bis Juli 1723 Gruftbauten mit Schwibbogenfront an der Friedhofsmauer errichten konnte. Es entstanden insgesamt 41 Grufthäuser an der West- und Nordmauer, an die sich an der Ost- und Südmauer nicht überbaute Grüfte anschlossen. Während Grüfte traditionell bereits auf älteren Friedhöfen wie dem Johannis- und Frauenkirchhof angelegt worden waren, stellten geschlossene Grufthäuser eine Neuerung im Dresdner Raum dar.Marion Stein: Friedhöfe in Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 2000, S. 16. Sie wurden in Reihe angelegt und waren von einem gemeinsamen Dach überdeckt. Während sich im durch ein kunstvolles schmiedeeisernes Gitter verschlossenen oberirdischen Raum oft aufwändig gestaltete Epitaphe befanden, erfolgte die eigentliche Beisetzung in dem mehrere Meter tiefen Gewölbe unter dem Aufbau. Die Grufthäuser wie auch die Schwibbogengrüfte waren begehrt und wurden durch Erbpacht vergeben; konnten als Teil des Privatbesitzes auch verkauft werden. In der Folgezeit wurden auch Erbbegräbnisstätten durch kleineren Gruftausbau im übrigen Gelände angelegt. Die Gräber, mit Ausnahme derer an der Friedhofsmauer, sind nach Osten ausgerichtet. Das Totenbettmeisterhaus, das die Reihe der Grufthäuser unterbricht, wurde erst 1864 im Zuge einer Straßenbegradigung errichtet.Stadtarchiv B XV 160 t Vol. II, 28. Oktober 1864.

Der Friedhof entwickelte sich auch wegen seiner Grufthäuser in der Zeit Friedrich Augusts I. zur bevorzugten Ruhestätte des Adels und der wohlhabenden Bürger der Stadt. Zur Unterscheidung vom älteren Johannisfriedhof war jetzt die Bezeichnung „Neuer Kirchhof“ üblich, so auch auf der ersten Zeichnung der Erweiterung im Jahr 1724. Wenig später begann sich die Bezeichnung Elias-Kirchhof nach dem Propheten Elija, der Tote erwecken konnte,Vgl. 1. Buch der Könige, Kapitel 17. durchzusetzen. Der erste Beleg dafür findet sich bei Johann Christian Crell.Johann Christian Crell: Das fast auf dem höchsten Gipfel seiner Vollkommenheit und Glückseligkeit prangende Königliche Dreßden. Dritte, stark erweiterte Auflage 1726, S. 122 (Digitalisat). Eine Entlastung des sich bald füllenden Eliasfriedhofs erfolgte durch die Anlage des Trinitatisfriedhofs im Jahr 1815. Dort wurden dann Mitte des 19. Jahrhunderts zehnmal so viel Bestattungen vorgenommen wie auf dem Eliasfriedhof,Stadtarchiv Dresden: Acta die Verwaltung des Johannis-, Elias- und Trinitatisfriedhofs betr., 2.1 B.XV.160t Vol. I, 1851–1858 Fol. 170 und 183. wofür vor allem Platzmangel verantwortlich war.

Der Eliasfriedhof seit seiner Schließung 1876 bis 1945 thumb|Max Pechstein: Eliasfriedhof in Dresden, 1906, Brücke-Museum, Berlin mini|Ansicht um 1910 mini|Eliasfriedhof im Vordergrund 1915 mit ursprünglicher Friedhofsmauer vor der Erweiterung des Güntzplatzes mini|Durch Wurzelwerk zerstörte Grabplatte Auf Grund eines medizinischen Gutachtens beschlossen die Stadtverordneten Dresdens im August 1864 nach langer Diskussion die Schließung des Eliasfriedhofs.Stadtarchiv Dresden: Stadtverordnetenarchiv, Drucke der Sitzungsprotokolle, 1350 am 4. Mai 1864, S. 49 und 52, 3.2 Filmrolle 5. Dafür waren hygienische Bedenken maßgeblich, weil sich bewohnte Gebäude der Stadt dem Friedhof immer mehr annäherten. Aber erst am 13. August 1866 gab die Kirchen-Inspektion bekannt, dass die Schließung in Abstimmung mit der Königlichen Superintendentur, dem Rath zu Dresden und mit Zustimmung des Stadtverordneten-Collegiums sowie mit Genehmigung der Königlichen Kreisdirektion am 4. Mai 1866 in Aussicht genommen sei.Dresdner Anzeiger Nr. 225 am 13. August 1866. Bestehende Grüfte und Grabstellen konnten für weitere 10 Jahre genutzt werden, soweit sie nicht schon vollständig mit Särgen besetzt waren. Denjenigen, die einen Anspruch auf eine Gruft- oder Grabnutzung nachweisen konnten, wurde unentgeltlich eine andere Grabstelle auf dem Trinitatisfriedhof zugewiesen. Am 21. Juni 1876 fand die letzte Bestattung auf dem Eliasfriedhof statt.

Der Friedhof verfiel in den folgenden Jahren zunehmend. Die Grufthäuser im westlichen Teil des Friedhofs waren bereits um 1890 baufällig, weshalb im Jahr darauf die Dächer auf den Grüften 1 bis 10 abgebrochen wurden.Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 1 II, 7. April 1891. Die Güntzgruft blieb vorerst unverändert erhalten. Deren Dach war dann 1925 baufällig und wurde im Auftrag vom Rat der Stadt – Hochbauamt unter Rückbau zu einem Flachdach repariert.Archiv des Ärars des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofes zu Dresden, E 1 II, 30. November 1925. Um 1900 begann sich der Efeu auf dem Friedhofsgelände auszubreiten, der ganze Grabfelder überwuchs und den Sandsteingrabmalen zusetzte. Als romantischer Ort wurde er jedoch auch Inspirationsquelle für Maler:Gertraud Enderlein: Der Eliasfriedhof in Dresden. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Nr. 12, 1923, S. 198. Max Pechstein beispielsweise schuf 1906 sein Gemälde Eliasfriedhof in Dresden, während Franz Radziwill den Eliasfriedhof 1927 und 1928 in einem Aquarell und einem Ölgemälde festhielt.Franz Radziwill in Dresden, 1927/1928. Isensee, Oldenburg 2006, S. 12.