Jakob Steinhardt (auch Jacob Steinhardt, ; * 23.Deutsche Biographische Enzyklopädie oder 27. MaiJane Turner: The Dictionary of Art. 1996 1887 in Zerkow, Kreis Jarotschin; † 11. Februar 1968 in Naharija, Israel) war ein deutsch-israelischer expressionistischer Maler und Grafiker.
Werdegang Er studierte 1906/07 an der Berliner Akademie der Künste bei Lovis Corinth und Hermann Struck, ab 1907 dann in Paris zunächst bei Jean Paul Laurens, danach bei Henri Matisse und Théophile-Alexandre Steinlen. 1910 kehrte er nach Berlin zurück, 1911 unternahm er eine Reise durch Italien. Zurück in Berlin gründete er 1912 gemeinsam mit Ludwig Meidner und Richard Janthur die Künstlergruppe Die Pathetiker. Steinhardt war Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. (abgerufen am 27. März 2016)
miniatur|250px|rechts|Jakob Steinhardt mit seiner Tochter, Josefa und befreundeten Kindern, ca. 1942, fotografiert von Josef Tal, mit dem Steinhardt befreundet war
Als Soldat im Ersten Weltkrieg lernte Steinhardt Teile Polens und Litauens kennen; das ostjüdische Leben, das er dabei entdeckte, führte zu einer Neuentdeckung seiner eigenen Religion, die sich auch in seiner Kunst spiegelte.
1933 floh er mit seiner Frau Minni und der Tochter Josefa (Bar-On; * 1923) nach Palästina (Jerusalem), war dort seit 1947 Dozent an der nationalen Bezalel-Schule für Kunst und Kunsthandwerk und deren Leiter in den Jahren 1953–1957.
Er gewann internationale Preise auf der Biennale in São Paulo (1955) und in Venedig (1960).
Werk Steinhardt trat hauptsächlich mit grafischen Folgen nach jüdischen und biblischen Motiven hervor (Farbholzschnitte zur Haggada 1920/21, Radierungen mit Gedichten Arno Nadels unter dem Titel „Rot und glühend ist das Auge des Juden“; Lithographien zu den „Musikalischen Novellen“ und den „Gleichnissen“ von J. L. Perez u. v. a.).
Neben Struck und Budko war er Hauptvertreter einer spezifisch am Jüdischen interessierten Kunst und gilt als einer der überzeugendsten Darsteller der ostjüdischen Welt. 1937 wurden in der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ aus der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, den Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf und dem Museum der bildenden Künste Leipzig nachweislich drei seiner Grafiken beschlagnahmt und vernichtet.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin
Sein Gemälde „Der Sonntagsprediger“, entstanden vor 1934, mit dem eindrucksvollen Symbol nicht gehörter Mahnungen, hängt im Jüdischen Museum Berlin zur Neukonzeption der Ständigen Ausstellung.Vgl. die Abbildung in der FAZ Nr. 192 vom 19. August 2020, Seite 9, und in Die Zeit Nr. 35, 20. August 2020, S. 42.
Werke 1937 als "entartet" beschlagnahmte und vernichtete Werke Pogrom (Radierung; Werkverzeichnis Behrens 80) Das Maariu-Gebet (Radierung, 1917) Tavernenszene (Holzschnitt, 1922)
Weitere Werkbeispiele
Tafelbilder (Auswahl) Juden/Heimkehr aus der Synagoge (Öl auf Leinwand, 75 × 79 cm, 1921) Leichenzug/Straßenzug (Öl auf Leinwand, um 1922)
Buchillustrationen (Auswahl) Arno Nadel: Rot und glühend ist das Auge des Juden. Gedichte zu 8 Radierungen von Jacob Steinhart. Verlag für Jüdische Kunst und Kultur, Berlin 1920 Isaac Leib Perez: Gleichnisse. Verlag für Jüdische Kunst und Kultur, Berlin 1920 Neun Holzschnitte zu ausgewählten Versen aus dem Buche Jeschu ben Elieser ben Sirah. Einleitung Arnold Zweig. Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches. Aldus Druck, Berlin 1929 The book of Jonah. Jewish Publication Society of America, 1953 The book of Ruth. Jewish Publication Society of America, 1957
Ausstellungen (unvollständig) 1912 Berlin, Galerie „Der Sturm“ ("8. Ausstellung. Die Patethiker") 1913: Düsseldorf, Galerie Flechtheim (Eröffnungsausstellung; Beteiligung) 1927: Berlin, Galerie Thannhauser (Eröffnungsausstellung; Beteiligung) 1987: New York, The Jewish Museum („The unknown Steinhardt“: prints by Jakob Steinhardt produced between 1907 and 1934) 2004/2005: Ahlen, Kunstmuseum Ahlen („Die große Inspiration. Deutsche Künstler in der Académie Matisse“)
Literatur Arno Nadel: Jacob Steinhardt. Verlag Neue Kunsthandlung, Berlin, 1920 (Serie „Graphiker der Gegenwart“, Bd. 4) Abraham Horodisch, Jakob Steinhardt. Neun Holzschnitte zum Buche Sirah. Mitteilungen der Soncino-Gesellschaft, Nr. 4, 1929.
L. Kolb, Woodcuts of Jakob Steinhardt. 1959 C. Gamzu, Graphic Art of Jakob Steinhardt. 1963 R. Pfefferkorn, Jakob Steinhardt. 1967 Z. Amishai-Maisels, Jakob Steinhardt. Etchings and Lithographs. Jerusalem-Tel Aviv 1981 Harald Lordick, Dreißig Holzschnitte, eine Radierung. In: KALONYMOS. 4. Jahrgang, 2001, Heft 3, S. 27f. (PDF) Fritz Homeyer: Deutsche Juden als Bibliophilen und Antiquare. 2. Auflage. Tübingen: Mohr 1966, S. 101 Steinhardt, Jakob, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,2. München: Saur, 1983, S. 1117
Weblinks
https://www.lostart.de/de/suche?term=Steinhardt%2C%20Jakob&filter[type]=Objektdaten Druckgraphische Sammlung im Salomon Ludwig Steinheim-Institut Nachlass Jakob Steinhardt im Jüdischen Museum Berlin (wird sukzessive online zugänglich gemacht) Literatur von und über Jakob Steinhardt in der Bibliothek des Jüdischen Museums Berlin Berlin: Bildrestauration: Weg mit dem Grauschleier! Bilder haben häufig eine Odyssee hinter sich, die ihnen schlecht bekommen ist.
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Grafiker (Deutschland) Kategorie:Maler des Expressionismus Kategorie:Berliner Secession Kategorie:Mitglied im Deutschen Künstlerbund Kategorie:Hochschullehrer (Bezalel Academy of Arts and Design, Jerusalem) Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in Palästina zur Mandatszeit Kategorie:Deutscher Kategorie:Israeli Kategorie:Geboren 1887 Kategorie:Gestorben 1968 Kategorie:Mann