mini|Wappen der Grafen zu Hardegg Der Name der Grafen zu Hardegg stammt von der niederösterreichischen Stadt und Burg Hardegg (Hardeck), die früher mit Retz gegen Ende des 15. Jahrhunderts die reichsunmittelbare Grafschaft Hardegg bildete. Der Titel Graf von Hardegg wurde nacheinander von verschiedenen Besitzerfamilien geführt, zuletzt seit 1499 von den Freiherren von Prüschenk, die den Namen Hardegg bis heute tragen. Von 1501 bis 1534 besaßen die Hardegg (Prüschenk) als Reichsgrafen auch die Grafschaft Glatz.
Stamm der Grafen von Plain (1145–1260) mini|Burg Hardegg, der Stammsitz der Grafen zu Hardegg Erstmals wurde 1145 in einer Urkunde Otto de Hardeck angeführt, auf der gleichnamigen, aus dem 10. Jahrhundert stammenden Burg Hardegg, die an der heutigen niederösterreichischen Nordgrenze liegt. Wahrscheinlich war Otto de Hardeck ein Gefolgsmann der Grafen von Plain. Liupolt von Plain, der im Auftrag von Kaiser Friedrich Barbarossa Salzburg eingenommen hatte, stammte aus dem Adelsgeschlecht der Grafen von Plain. 1187/88 wurde er Graf von Hardegg, seine Nachfolger nannten sich daher „Grafen von Plain und Hardegg“. 1190 wird Liutpold auch als Vogt von Berchtesgaden erwähnt. Nach seinem Tod 1193 übernahm sein jüngerer Bruder Heinrich I. († 30. Oktober 1193/97) die Amtsgeschäfte und wurde auch Vogt von Herrenchiemsee, ihm folgte sein Sohn Konrad I. (* 1180; † 4. April 1250).
Dessen Nachfolger Otto II. (* um 1225; † 26. Juni 1260) wird als Graf von Plain (1250–1260) sowie ab 1251 auch als Graf von Hardegg genannt. Sein jüngerer Bruder Konrad III. (* 1230; † 26. Juni 1260) war auch Vogt von Höglwörth. 1254 belehnte König Ottokar II. von Böhmen Otto und Konrad mit der bis 1383 reichsunmittelbaren Grafschaft Hardegg. Beide fielen jedoch 1260 im Krieg König Ottokars gegen König Béla IV. von Ungarn in der Schlacht bei Staatz. Mit Otto und Konrad erlosch 1260 das Geschlecht der Grafen von Plain im Mannesstamm.
Graf Heinrich von Dewin (1262–1270) und Graf Berthold von Rabenswald (1277–1312) Wilbirg bzw. Wilbergis († 27. August 1314), geborene Gräfin von Helfenstein, die Witwe des 1260 gefallenen Grafen Otto II. von Plain und Hardegg hatte sich 1261 in zweiter Ehe mit dem Thüringer Grafen Heinrich von Dewin († 1270) vermählt, der sich 1262 „Heinricus comes de Hardecke“ benannte. Ihre Ehe blieb kinderlos.
Gräfin Wilbirg ehelichte nach dem Tode ihres Gemahls Heinrich von Dewin, vor dem 4. März 1277, in dritter Ehe Berthold I. († 7. August 1312), Graf von Rabenswalde (aus dem Geschlecht der Thüringer Grafen von Kevernburg), der 1276 mit Rudolf von Habsburg ins Land gekommen war, und der sich schon 1277 „comes de Hardegge“ nannte. Berthold bzw. Berchtold soll 1278 vom römisch-deutschen König Rudolf I. mit der reichsunmittelbaren Grafschaft Hardegg und Gütern in Österreich und Böhmen belehnt worden sein.
Stamm der Burggrafen von Magdeburg (1314–1481) Da auch die Ehe Bertholds mit Wilbirg vermutlich kinderlos blieb, folgte ihm 1314 in der Herrschaft sein gleichnamiger (Groß-)Neffe Berthold († 5. Juni 1328), Burggraf von Maidburg/MagdeburgZum Namenswechsel von Magdeburg auf Maidburg=Maydburg: Das Geschlecht der Querfurt-Mannsfeld verkaufte 1261 ihr Burggrafenamt von Magdeburg an den Herzog von Sachsen, durften aber weiterhin den Titel Burggraf von Maidburg weiterführen, siehe Roman Zehetmayer: Das Urbar des Grafen Burkhard III. von Maidburg-Hardegg aus dem Jahre 1363. Mit einer Einleitung zur Struktur der Grafschaft Hardegg im 14. Jahrhundert (= Fontes Rerum Austriacarum. Österreichische Geschichtsquellen. 3. Abteilung: Fontes Iuris. Band 15). Böhlau, Wien 2001, ISBN 978-3-205-99394-0, S. 45 ()., ein Sohn (vermutlich eher Enkel) seiner verwitweten Schwester Gisela, geborener Gräfin von Rabenswalde und des Burghard II., Burggraf von Maydburg († 1273), aus dem Geschlechte der Edlen von Querfurt.
Katharina von Habsburg, Tochter von Leopold I. heiratete 1348 in zweiter Ehe Konrad II. von Hardegg (Magdeburg-Querfurt).
Bertholds Nachkommen waren nicht nur reich, sondern auch tapfer und erlangten beim kaiserlichen Hof hohes Ansehen. Der kinderlos gebliebene letzte Vertreter dieser dritten Hardeggschen Linie, Burggraf Michael († 1483), übergab zu Weihnachten 1481 seinen ganzen Besitz an Kaiser Friedrich III, gegen eine jährliche Leibrente von 1000 Goldgulden und gegen die Übernahme des Forstmeisteramtes.
Stamm der Freiherren von Prüschenk (seit 1493) miniatur|Stechen gegen Graf Sigmund von Hardegk, Turnierbuch Maximilians I., Süddeutsch 1515–19 mini|links|Epitaph des Ulrich von Reicheneck, um 1410. Seine Tochter Margarethe war mit Stephan von Prüschenk verheiratet. Ihre Söhne Sigmund und Heinrich Prüschenk erhielten am 9. März 1484 zu Graz die Wappenvermehrung v. Reicheneck Die Prüschenk waren ein altes Ministerialengeschlecht und tauchen seit dem 11. und 12. Jahrhundert sowohl in der Steiermark als auch in Oberösterreich auf. Die zwei Brüder Sigmund (Kaiserlicher Rat und Hofmarschall) und Heinrich (Kaiserlich Oberster Feldhauptmann) Prüschenk, Freiherrn von Stettenberg, waren treue Gefolgsleute von Kaiser Friedrich III. und später von Maximilian I., wobei sie immer auch ihre eigenen Interessen zu wahren wussten. Sie halfen beiden Kaisern wiederholt in politischer und finanzieller Hinsicht aus, wobei sie nichts gaben, ohne sich durch einträgliche Pfandschaften abzusichern, und sie erwarben für ihre Zeit große Reichtümer. Nachdem die Brüder zunächst die Grafschaft und Burg Hardegg 1493 gekauft hatten, wurden sie 1499 in den Reichsgrafenstand als Grafen zu Hardegg und im Machlande erhoben.
Gleichzeitig verfolgte die Familie eine gezielte Heiratspolitik. So heiratete Heinrich Prüschenk, späterer Graf zu Hardegg, Elisabeth, eine Tochter des südböhmischen Adeligen und Landeshauptmanns von Schlesien Johann II. von Rosenberg. Aus dieser Ehe entsprangen zahlreiche Kinder, und Heinrich und Elisabeth wurden zu den Ahnen der heute noch lebenden Mitglieder der Familie.
1515 vermählte sich Heinrichs jüngerer Sohn Ulrich von Hardegg mit Sidonie/Zdeňka, einer Tochter des Münsterberger Herzogs Heinrich d. Ä. und Enkelin des böhmischen Königs Georg von Podiebrad. Deren Brüder hatten ihm schon 1501 die damals unmittelbar zu Böhmen gehörende Grafschaft Glatz verkauft. 1503 wurde die ganze Familie zu Grafen von Glatz erhoben, wobei der Familie 1507 das silberne Münzrecht für die Glatzer Münze verliehen wurde. Trotzdem ließ er 1512 eine Goldmünze prägen, die auf dem Avers eine Madonna und auf dem Revers das Grafschafter Wappen zeigt. Es wird vermutet, dass diese Münze die Marienstatue aus dem Hochaltar der Glatzer Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt darstellt, die als Mirakelmadonna des Ernst von Pardubitz bekannt wurdeFranz Albert: Die Glatzer Münze. Archivalische Studien zur Geschichte des Münzwesens der Grafschaft Glatz. Glatzer Heimatschriften, Band XXIV, Glatz 1932.. Graf Ulrich wurde von späteren Forschern als „eifriger Nachpräger der Münzen seiner Nachbarn“ bezeichnet. Unter dem Wappen der Grafen von Hardegg war auf dem Hardeggschen Pfennig ein kleines „H“ für Hardegg angebracht.
Graf Sigmund I. hatte ein fast freundschaftliches Verhältnis zu Kaiser Maximilian I. Dies geht aus zahlreichen, noch erhaltenen Briefen hervor. Zum Ärger der großen Familien der damaligen Zeit wurden die Brüder Sigmund und Heinrich mit Ehren überhäuft, zum Beispiel wurden sie 1482 zu Erbtruchsessen in der Steiermark und 1486 zu Erbmundschenken in Österreich unter der Enns ernannt. Zahlreiche Städte, Burgen und Schlösser waren damals im Besitz der Familie, um nur die wichtigsten zu nennen: Grein an der Donau, Hardegg, Weitra, Marchegg, Weitenegg, Schloss Grafenegg, Burg Kreuzenstein, Persenbeug, Burg Forchtenstein und Eisenstadt.
Johann und Julius I. zu Hardegg schützten 1529 mit ihrem eigenen Kriegsvolk das Donauufer vor türkischen Einfällen. Dazu ist im Heimatbuch Korneuburg Bd. I, Aufsatz Schmida, zu lesen: „1529 setzten die Türken an mehreren Stellen über die Donau, wurden aber durch die Grafen Johann und Julius zu Hardegg, die mit den Herren von Kuenring auf Seefeld den Donauuferschutz übernommen hatten, vernichtet.“ Heinrichs Sohn Julius I. war von 1539 bis 1543 Landeshauptmann von Oberösterreich.
Die Bautätigkeit der Grafen zu Hardegg mini|Die Greinburg mini|Julius II Graf zu Hardegg im Jahre 1583, im Alter von 36 Jahren Die Familie Hardegg entwickelte eine große Bautätigkeit. Davon zeugen die vielen Schlösser, die durch die Familie errichtet wurden. Es sind dies die heute noch bestehenden Schlösser Greinburg, Juliusburg in Stetteldorf am Wagram, erbaut 1594 „auf grünem Wasen“, Schloss Schmida, der Haghof in Wolfpassing, Schloss Grafenegg, Schloss Seefeld und Schloss Riegersburg bei Hardegg.
Die großzügige Anlage des ab 1488 errichteten Schlosses Greinburg in Oberösterreich ist insofern eine kulturhistorische Besonderheit, als erstmals in Österreich eine Burg nicht vornehmlich zu kriegerischen Zwecken errichtet worden war, sondern gezielt zu Repräsentationszwecken. Heinrichs Sohn Johann I., genannt der Prächtige, bewohnte diese neuerrichtete Burg Grein, damals Heinrichsburg genannt, und führte dort das Leben eines mittelalterlichen Burgherren, umgab sich mit Knappen und Burgfräulein, hatte Adelige zu seiner Bedienung, eine Leibwache zu Fuß und zu Pferd, wahrlich ein „fürstlich Gepränge“. Daher der Beiname „der Prächtige“. Die Greinburg blieb bis 1534 im Besitz der Familie.
Graf Georg Friedrich Hardegg ließ 1596 den berühmten Schlossgarten von Stetteldorf anlegen und das Schloss an drei Seiten mit einem Wehrgraben umgeben. Südlich davon legte er 1602 den Hofgarten an. Darin standen laut Schweickhardt, BUMB. VI ein Lusthaus, ein Jägerhaus und eine Einsiedelei. Zum Lustwandeln gab es bekieste Spazierwege, Wasserbecken und Springbrunnen mit Statuen. Eine Mauer, die mit Rundtürmen mit Spitzdach und Portalen ausgestattet war, diente als Einfriedung. Ein Stich aus dem Jahre 1672 und das Fresko im Festsaal des Schlosses von Johann Melchior Thalmann aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geben uns jetzt noch Zeugnis davon. 1675 wurde dieser prächtige Garten von Kaiser Leopold I. und seiner Gattin besichtigt. Graf Georg Friedrich unterhielt auch ein mit hohen Kosten verbundenes Gestüt in Schmida.
Erwerb der Herrschaften Stetteldorf und Seefeld; Verlust von Hardegg Graf Julius II. zu Hardegg erwarb 1582 die Herrschaft und den Markt Stetteldorf am Wagram, im südwestlichen Weinviertel, von der Familie Starhemberg und ließ dort 1588 das Schloss Juliusburg erbauen.
Graf Hans Wilhelm, ein Urenkel von Stammvater Graf Heinrich I., erwarb 1632 die alte Kuenringerherrschaft Seefeld-Groß Kadolz, die seit Ende des 13. Jahrhunderts ein Lehen der Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause Zollern war. Es war eine schwierige Zeit, denn Hans Wilhelm lebte im Streit nicht nur mit seiner Familie, sondern vor allem mit Kaiser Ferdinand II. gegen den er angeblich eine Rebellion angezettelt hatte. Diese endete damit, dass die Acht über Hans Wilhelm verhängt wurde. Später wurde er zwar begnadigt, er starb aber 1636 tief verschuldet, hat aber letzten Endes durch den Kauf der Herrschaft Seefeld mit ihrer großen Landwirtschaft der Familie ein bis in die heutige Zeit bedeutendes Vermögen geschaffen.
Die Verbindung mit der Herrschaft und Burg Hardegg ging allerdings mit ihm zu Ende. Sein Schwiegersohn Julius III. (Hans Wilhelms Tochter heiratete ihren Cousin zweiten Grades) musste zur Beendigung des Konkurses der Verlassenschaft Burg und Herrschaft Hardegg 1656 an die Grafen Saint-Julien verkaufen, wobei dieser Verkauf durch eine Eheschließung zumindest vorbereitet wurde: Julius’ III. Schwester Sidonia heiratete 1635 in Fronsburg Heinrich Gyard Grafen von Saint-Julien, einen langjährigen Freund von Julius III.