mini|Lüchow lag zwischen den Strecken Wittenberge–Buchholz (oben) und Stendal–Langwedel und wurde ab 1891 durch eine Stichbahn angebunden. mini|Bahnbetriebswerk Salzwedel. Davor verlaufen die Gleise der „Amerikalinie“. mini|Die Baumreihe markiert die ehemals neue Streckenführung im abgebauten Abschnitt Salzwedel–Lübbow unter der „Amerikalinie“ hindurch. Auf der Amerikalinie verkehrt ein Güterzug Richtung Stendal. mini|hochkant=0.7|Auf dem ehemaligen Bahndamm im Wald bei Hoyersburg verläuft in der Gegenwart ein Weg. mini|Das Gelände am Empfangsgebäude in Wustrow ist entwidmet. Die Gleise enden hinter den blauen Containern in Höhe des Silos. mini|Der ehemalige Bahnhof Dannenberg West wird als Wohnhaus genutzt.

Die Bahnstrecke Salzwedel–Dannenberg (Jeetzeltalbahn oder Jeetzetalbahn, benannt nach der Jeetzel bzw. Jeetze) war eine Nebenbahn zwischen Salzwedel im nördlichen Sachsen-Anhalt und Dannenberg im östlichen Niedersachsen. Sie wurde 1891 von den Preußischen Staatseisenbahnen zuerst als Stichbahn Salzwedel–Lüchow gebaut und 1911 bis Dannenberg verlängert. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Strecke zwischen Salzwedel in der sowjetischen Besatzungszone und Lübbow in der britischen Zone unterbrochen. Der Personenverkehr bestand bis 1975, der Güterverkehr wurde bis Ende 1997 aufrechterhalten. Der noch vorhandene Jeetzeltalbahn genannte Abschnitt zwischen Wustrow und dem Bahnhof Dannenberg Ost befindet sich im Besitz der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE) und ist stillgelegt.Eisenbahninfrastruktur Gesamtübersicht. Stand: 1. Mai 2022. Deutsche Regionaleisenbahn Gruppe. (PDF; 496 KiB)

Die Stichbahn wurde in einer Zeit der intensiven Erschließung von Regionen abseits der Hauptbahnen gebaut und hat die Kreisstadt Lüchow an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Sie ermöglichte im damaligen Kreis Lüchow erstmals eine Teilhabe an der industriellen Revolution. Die Strecke bis Dannenberg erschloss entlang der Hauptbesiedlungslinie den Landkreis Lüchow-Dannenberg, bevor sie durch den aufkommenden motorisierten Individualverkehr langsam ihre Bedeutung verlor.

Der Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof Salzwedel und Wustrow ist stillgelegtListe der stillgelegten (DB)-Strecken (seit 1. Januar 1994). Eisenbahn-Bundesamt. () und komplett abgetragen, bis auf ein kurzes Stück in Wustrow ist die Trasse nicht von Bahnbetriebszwecken freigestellt. Gleiches gilt für den Bereich von Wustrow nach Lüchow. Hier sind die Gleise allerdings noch vorhanden.

Der Förderverein Jeetze(l)talbahn e.V. setzt sich für die Reaktivierung der Strecke Salzwedel–Dannenberg als Teil einer Verbindung Lüneburg–Wolfsburg ein, um Wendland und Altmark wieder besser an das Eisenbahnnetz anzuschließen.

Streckenbeschreibung

Die Bahnstrecke mit der Streckennummer 6905 war 36,2 Kilometer lang, normalspurig, eingleisig und nicht elektrifiziert., S. 31. Sie schloss sich an die Strecke Salzwedel–Oebisfelde an und führte durch eine ländlich geprägte, dünn besiedelte Landschaft.

Salzwedel–Wustrow

Die Strecke zweigte in Salzwedel von der Bahnstrecke Stendal–Salzwedel (Amerikalinie) ab, verlief nach Osten am Bahnbetriebswerk (Bw) Salzwedel entlang und bog dahinter nach Norden ab. Durch diese Streckenführung war der später auf der gegenüberliegenden Seite der Amerikalinie errichtete Güterbahnhof nicht direkt erreichbar. In den 1920er oder 30er Jahren wurde deshalb eine geänderte Streckenführung gebaut, die vom Güterbahnhof aus die Amerikalinie in einem weiten Bogen unterquerte und nördlich davon auf die bereits vorhandene Strecke stieß. Ob dieser Bogen jemals in Betrieb war und ob er die bisherige Ausfahrt ergänzte oder ersetzte, ist nicht abschließend geklärt.Preußische NeuaufnahmeDie agrargeographischen Veränderungen im 19. Jahrhundert. Karte der Kreise Lüchow und Dannenberg. Zusammendruck 1927 aus der Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 mit dem Stand der auf den Grundplatten ausgeführten Berichtigungen und Nachträge. Reichsamt für Landesaufnahme, Berlin.Streckenkarte. 1935, 1944. Deutsche Reichsbahn.

Hinter dem Betriebswerk verlief das Gleis nach Norden zur damaligen Grenze zwischen den preußischen Provinzen Sachsen und Hannover bei Streckenkilometer 6,2. Der Grenzverlauf war in diesem Gebiet mit der späteren innerdeutschen Grenze und gegenwärtigen Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen identisch. Bei km 5,0 befand sich der Haltepunkt (Hp) Bürgerholz, die einzige Haltestelle auf dem Gebiet der ehemaligen Provinz Sachsen.Preußische Neuaufnahme

Der Grenzgraben wurde mit einer kleinen Brücke überquert. Anschließend schwenkte die Strecke in einer Linkskurve, in deren Verlauf die beim Streckenbau unbefestigte Straße nach Salzwedel und gegenwärtige Bundesstraße 248 (B 248) gekreuzt wurde, nach Westen. Gleich hinter dem Bahnübergang befand sich südlich des Dorfes der Bahnhof Lübbow. Der weitere Streckenverlauf führte nach Wustrow, wo er sich nach einer Rechtskurve wieder in Richtung Norden änderte und die Landesstraße 262 (L 262) kreuzte. Der Bahnhofsbereich begann gleich hinter der Landesstraße und befindet sich östlich des damaligen Stadtkerns.Eisenbahnatlas Deutschland: Ausgabe 2005/2006. Schweers + Wall, Aachen 2005, ISBN 3-89494-134-0, S. 31.Top 50. Niedersachsen/Bremen: Amtliche topographische Karten. Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen, Hannover 2001, ISBN 3-89435-990-0

Der Streckenabschnitt zwischen Salzwedel und der Landesgrenze wurde kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges demontiert. Der Streckenverlauf ist im Wald bei Hoyersburg noch als schnurgerader in Nord-Süd-Richtung verlaufender Waldweg erkennbar. Vom Haltepunkt Bürgerholz sind noch Teile der Bahnsteigkante vorhanden. Dort ist die ehemalige Strecke Teil eines Naturlehrpfades. Das Gleis zwischen Lübbow und Wustrow wurde zwischen Februar und April 1975 bis kurz vor die Landesstraße 262 zurückgebaut. Ein etwa 200 Meter langes Stück zwischen der B 248 und der Grenze war durch einen Kanalneubau von der Strecke abgetrennt und wurde bereits 1972 im Rahmen einer Flurbereinigung zurückgebaut. Auf niedersächsischer Seite wurde der ehemalige Streckenverlauf teilweise mit Wirtschaftswegen überbaut. Nur die Brücke über den Grenzgraben blieb noch bis in die 2000er Jahre erhalten und wurde während der deutschen Teilung auf bundesdeutscher Seite als Grenzaussichtspunkt genutzt.Hans-Joachim Fricke, Hans-Joachim Ritzau: Die innerdeutsche Grenze und der Schienenverkehr. 2. Auflage. Verlag Zeit und Eisenbahn, 1990, ISBN 3-921304-45-8, S. 32–33.

Wustrow–Dannenberg

Von Wustrow führt die Strecke weiter nach Lüchow, wo vor der Kreuzung mit dem gemeinsamen Fahrbahnverlauf der Bundesstraßen 248 und 493 die stillgelegte und zurückgebaute Strecke Lüchow–Schmarsau der Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn (LSE) abzweigte. Der Bahnhof Lüchow Süd der LSE, auch Kleinbahnhof genannt, befand sich in Höhe von Streckenkilometer 15,6 auf der Ostseite der Bahnstrecke. Die Gleisanlagen verliefen entlang der Ausfahrt Richtung Salzwedel. Das Gleis nach Wustrow ist noch vorhanden und endet dort im Bahnhofsbereich. Auf Höhe des Empfangsgebäudes liegen keine Gleise mehr, hier ist die Strecke entwidmet. In der Nachkriegszeit wurden zusätzlich die Haltepunkte Teplingen zwischen Lübbow und Wustrow sowie Jeetzel zwischen Wustrow und Lüchow eingerichtet.Fahrplan Lübbow–Dannenberg. 1953. Deutsche Bundesbahn.

Die weitere Bahnstrecke ab Lüchow verläuft Richtung Norden durch die Bahnhöfe Gollau, Grabow, Jameln und den Haltepunkt Schaafhausen nach Dannenberg. Dort wurde für diese Strecke ein zweiter Bahnhof, Dannenberg West, gebaut. Hier bestand von 1924 bis 1996 ein Anschluss an die Bahnstrecke Uelzen–Dannenberg. Die Strecke wird am Anfang des Bahnhofs Dannenberg Ost in Höhe des Stellwerks Df mit dem Streckengleis der Bahnstrecke Wittenberge–Buchholz zusammengeführt. Ursprünglich verlief sie parallel dazu und endete als Gleis 2 am Empfangsgebäude.

Mit Inkrafttreten des Winterfahrplans 1955/56 wurden zwischen Lüchow und Gollau die Haltepunkte Tarmitz und Müggenburg eingerichtet. Zwischen Jameln und Schaafhausen kam der Haltepunkt Tramm hinzu. Ab Ende der 1980er Jahre begann an den Bahnhöfen zwischen Dannenberg Ost und Lüchow der Rückbau der Nebengleise.

Vorgeschichte und Bau

Einen ersten Vorschlag, eine Bahnverbindung zwischen Salzwedel und Dannenberg zu bauen, gab es bereits 1855. Aus Gardelegen kam das Ansinnen, eine Bahnstrecke Gardelegen–Salzwedel–Lüchow–Dannenberg–Lüneburg zu bauen. Zwanzig Jahre später kam die Idee einer „Süd-Nord-Bahn“ Hof (Saale)–Saalfeld–Eisleben–Gardelegen–Salzwedel–Lüchow–Dannenberg auf. Realisiert wurde keine dieser Verbindungen.

Die spätere Eisenbahnstrecke Salzwedel–Dannenberg bestand aus zwei nacheinander gebauten Strecken, die nicht auf vorherige Vorschläge zurückgingen. Im Jahre 1891 wurde die Stichbahn Salzwedel–Lüchow im Anschluss an die Strecke Oebisfelde–Salzwedel gebaut und eröffnet. 20 Jahre später, im Jahre 1911 folgte als Verlängerung die Nebenbahn Lüchow–Dannenberg.

Salzwedel–Lüchow (1891)

In den 1860er Jahren wurden zwei Bahnstrecken geplant, die eine Direktverbindung zwischen Berlin und Bremen ermöglichen sollten. In beiden Fällen war ein Streckenverlauf über Lüchow im Gespräch. Die Zweigbahn Wittenberge–Buchholz wurde aber über Dannenberg gebaut und die Strecke Stendal–Langwedel über Salzwedel. Nach der Eröffnung dieser Strecke im April 1873 forderte Lüchow daher den Bau einer Stichbahn von Salzwedel her. Bis zum Baubeginn dieser Stichbahn vergingen noch 18 Jahre. Zuerst wurde von den Preußischen Staatseisenbahnen die 1889 eröffnete Strecke Oebisfelde–Salzwedel gebaut.

Der Bau der Stichbahn nach Lüchow begann 1891. Die Arbeiten auf dem flachen Land gingen schnell voran. Nur zwischen dem späteren Haltepunkt Bürgerholz und Lübbow musste sumpfiges Gelände durchquert werden. Anfang März war die Strecke bis Wustrow fertig gestellt und am 22. April 1891 war bereits Lüchow erreicht. Die Abnahme durch die Landespolizei fand am 28. September 1891 statt, die Eröffnung am 1. Oktober. Der Bahnhof Lübbow wurde allerdings erst später in Betrieb genommen, weil die Gemeinde sich weigerte, die Lieferung der Pflastersteine und die Aufschüttung der Verbindungsstraße zum Bahnhof zu übernehmen. Der Beschluss dazu wurde erst 1892 gefasst, so dass der erste Zug erst acht Monate nach der Eröffnung der Strecke am 1. Mai 1892 in Lübbow hielt.

Lüchow–Dannenberg (1911)

Als mit dem Bau der Stichbahn Salzwedel–Lüchow begonnen wurde, wurde eine Petition der Dannenberger Kaufmannsinnung nach Berlin geschickt, in der um einen Weiterbau bis Dannenberg gebeten wurde. Dieses Vorhaben wurde vom Dannenberger Magistrat und in Lüchow unterstützt, war aber erfolglos. Die Verlängerung nach Dannenberg wurde erst am 15. Juni 1906 genehmigt. Der damalige Dannenberger Kreistag schloss 1907 einen Vertrag mit der Königlichen Eisenbahndirektion Hannover über den Bau der Nebenbahn Lüchow–Dannenberg ab. Zahlreiche Eigentümer von benötigten Grundstücken mussten enteignet werden. Die Gemeinden, die für den Bau Grundstücke bereitstellen mussten und dafür entschädigt werden sollten, stellten erhebliche finanzielle Forderungen an den Landkreis Dannenberg.

Der Streckenbau selbst bereitete keine Probleme. Mit Ausnahme von Grabow und dem Haltepunkt Schaafhausen, der nur dem Personenverkehr diente, erhielten alle Bahnhöfe feste Rampen für Kopf- und Seitenverladung. Zunächst war unklar, ob der Bahnhof „Lüggau“ auf dem Gebiet der Gemeinde Prisser oder der Stadt Dannenberg entstehen sollte. Der Bahnhof wurde auf Dannenberger Gebiet gebaut und hieß anschließend „Dannenberg West“. Ob die Namensänderung auf die Verlegung auf das Dannenberger Stadtgebiet zurückzuführen ist, ist nicht überliefert. Der bereits bestehende Bahnhof „Dannenberg“ der Zweigbahn Wittenberge–Buchholz wurde in „Dannenberg Ost“ umbenannt.

Die landespolizeiliche Abnahme der Bahnstrecke war am 4. März 1911 abgeschlossen, der planmäßige Verkehr begann am 1. April 1911.

Betrieb