mini|Lehe, im Vordergrund Mitte

Lehe () ist ein Stadtteil des Stadtbezirks Nord der Stadtgemeinde Bremerhaven in der Freien Hansestadt Bremen. Geografie Lage Lehe liegt nahe der Mündung der Geeste in die Weser, unweit deren Mündung in die Nordsee. Der alte Ortskern liegt auf dem Ausläufer der eiszeitlich gebildeten Hohen Lieth, dem Geestrücken zwischen Cuxhaven und Lehe, die dem Ort vermutlich auch ihren Namen gab. Der zentral gelegene Stadtteil grenzt im Norden an die Stadtteile Weddewarden und Leherheide. Im Südwesten befindet sich der Stadtteil Mitte (das alte Bremerhaven) und dahinter im Süden der Stadtteil Geestemünde.

Gliederung Ortsteile km² Einwohner Buschkämpen 3,24 722 Eckernfeld 1,94 5.332 Neu-Lehe (Goethestraße) 0,55 8.150 Klushof 2,23 10.469 Schierholz 2,66 6.193 Speckenbüttel 4,50 3.137 Twischkamp 1,25 4.640 (Stand: 31. Dezember 2018; Quelle:)

Geschichte mini|Lehe, Kupferstich nach Zeichnung von Christian von Apen von 1603/04 für die 1605 ausgelieferte Bremer Chronik von Wilhelm Dilich mini|Felsstein mit Inschrift LE Name Lehe wurde schon bei der ersten urkundlichen Erwähnung im Einkünfteregister der Oldenburger Grafen von 1273/78 Lee genannt. Auf einem Felsstein, der als Grenzstein gedient haben könnte und heutzutage vor dem Amtsgericht in Bremerhaven-Lehe aufgestellt wurde, steht LE.

Der Name könnte aus den altsächsischen Silben lewa oder lio abgeleitet sein und „auf dem Hügel“, „hochwassergeschützter Platz“ bedeuten.Dieter Riemer: Unser Lehe: ein Platz, wo die See nicht dem Wind ausgesetzt ist? Bremerhavener Sonntagsjournal vom 22.5.1988 S. 9 Der in Norddeutschland mehrfach auftretende Ortsname findet auch in Lehe (Dithmarschen), Lehe (Emsland), in der Samtgemeinde Dörpen oder im Ortsteil Lehe in Bremen – Horn-Lehe. Noch häufiger sind im Küstenbereich Ortsnamen, die im Mittelalter mit -le endeten und heutzutage -el geschrieben werden, wie z. B. Varel.

In dem Kupferstich des Fleckens Lehe in der Bremer Dilich-Chronik von 1605 wurde der Ortsname als „Leha“ latinisiert, was dann z. B. im 14. Band von Matthäus Merians Hauptwerk Topographia Germaniae übernommen wurde.

Ortsteilnamen Buschkämpen Buschkämpen kommt vom norddeutschen Begriff Kamp und stammt wahrscheinlich vom lateinischen campus für Fläche, Feld, Flur oder Ebene; hier für ein durch Büsche abgegrenztes Gebiet.

Eckernfeld Eckernfeld wurde früher auch Ekkernfelde, Eckerfelde oder Eggerfelde geschrieben. Die Vorsilbe Ekk stammt vom niederdeutschen egg und stand für Ecke oder Kante. Der Ortsteil Ekkernfelde liegt an der Ecke, also am Rande, von der Reidewischen (Reithwiesen).

Goethestraße Der Ortsteil wurde nach Johann Wolfgang von Goethe benannt.

Klushof Klushof kommt von Klus (Klause), einer kleinen Kapelle. Die Heiligen-Kreuz-Kapelle von 1477 bei der Dionysiuskirche gab dem Ortsteil Klushof seinen Namen. Im Leher Klus wurden ortsfremde Menschen, Wasserleichen bestattet.

Schierholz Der Ortsteil Schierholz hat seinen Namen von der Vorsilbe Schier, die früher für Scheiden (abscheiden) also Grenze stand. Der Flurname bestimmt also die Flur, die an das Spadener Holz (Wald) grenzte.

Speckenbüttel mini|Geestbauernhof im Freilichtmuseum Der Name Speckenbüttel setzt sich zusammen aus Specken für Dammwege aus Buschwerk und Soden sowie aus Büttel, vom niedersächsischen bodil für Landgut.

Die Gehöfte des kleinen Ortes Ganderse, die über Knüppeldämme erreicht werden konnten, wurden um 1450 bis 1500 verlassen.

Der Schützenhof im Park entstand 1854. Seit 1835 fanden im Speckenbütteler Holz die Leher Schützenfeste statt. Der Schützenverein pflanzte Büsche und Bäume, legte Wege an und stellte Bänke auf.

Das Pulvermagazin Speckenbüttel, Siebenbergensweg 65, stammt von 1874/75. 1883 wurde ein Luther-Denkmal errichtet, das dort rund 80 Jahre stand. Der 1888 angelegte Reitplatz wurde nach 1900 zur Radrennbahn umgebaut, die bis 1919 bestand. 1890 begann die Gestaltung des Speckenbütteler Holzes zum Speckenbütteler Park, in dem seit 1910 ein Freilichtmuseum für die bäuerliche Kultur der Region entstanden ist. Die Pferdebahn von Lehe wurde 1896 nach Speckenbüttel verlängert und 1908 zur elektrischen Straßenbahn ausgebaut. Sie fuhr bis 1982 durch die Parkstraße. Um den Park siedelte sich im 20. Jahrhundert gehobenes Bürgertum an. Dort wohnten 1950 bereits 2472 Menschen, 1974 waren es 3503 und 1999 noch 3271.

1923 eröffnete der Allgemeine Turn- und Sport-Bund (ATSB) auf dem Gelände der ehemaligen Radrennbahn seine Sportanlagen. Die Sportanlage der Leher Turnerschaft (LTS) wurde 1951 fertiggestellt. 1959 entstand das Freibad Speckenbüttel.

Das Gewerbegebiet Speckenbüttel im Nord-Westen entwickelt sich seit den 1980er Jahren. Auch der Hauptverschiebebahnhof Speckenbüttel1 ist ab 1982 im Bau. Ein neues, großes Umspannwerk für die Häfen ging in Betrieb.

1984/86 baute der Bauernhausverein Lehe im Park eine Bockwindmühle, nachdem Vorgängermühlen 1942 und 1983 abgebrannt waren. Das Weidenschloss im Park entstand 2003 als Projekt des Gartenbauamtes nach dem Entwurf des Architekten Marcel Kalberers. Der Hochseilgarten steht seit 2003 im „Gesundheitspark“.

Eine interaktive Windenergieanlage in Speckenbüttel wird seit 2010 von der Hochschule Bremerhaven betrieben.

Twischkamp Twischkamp ist ein Kamp zwischen (twischen) den Feldern.

Frühgeschichte Im Mai 2019 entdeckten Archäologen bei Ausgrabungen an der Bütteler Straße 6 in 1,2 Metern Tiefe die Reste eines Wohnstallhauses aus der Eisenzeit. Neben weiteren gesicherten Befunden wie Vorratsgruben und Keramikscherben belegt ein Brunnen aus dem letzten Jahrhundert v. Chr. erste Siedlungsspuren. Über dem Fundort befand sich jahrzehntelang das Schwimmbecken der Sauna am Kalkofen.

Mittelalter Lehes älteste Besiedlung entstand auf dem Geestrücken entlang der Langen Straße. Schon in der Zeit der Karolinger kann eine Besiedlung angenommen werden. Sichernde Überlaufdeiche und dann Seedeiche werden ab 1100 bzw. ab 1200 angenommen. Friesische Siedler erhielten von den Grafen von Oldenburg und den Herren der Burg Bederkesa vererbbare Grundstücke. Die Kolonisten erhielten vom Erzstift Bremen die üblich gewährten Hollerrechte.

Lehe wird erwähnt Lehe wurde erstmals 1273/1278 urkundlich als dorpe Lee in einem Lehenregister der Grafen von Oldenburg erwähnt. Zum Kirchspiel Lehe gehörte eine Feldmark von um die 3000 Hektar Größe. Mitte des 13. Jahrhunderts (nach anderer Meinung schon um 1100) wurde die Dionysiuskirche in Lehe errichtet. Urkundliche oder archäologische Belege, die eine genaue Datierung der ersten Kirche an dieser Stelle erlauben würden, gibt es nicht.

Seit dem Mittelalter bestand eine Kirchspielschule, die an der Südseite des Kirchhofs der damaligen Jakobikirche, später Dionysiuskirche, stand. Später wurde hier in der deutschen Schule im Erdgeschoss der Unterricht von einem Vikar, dann von einem Schulmeister aus Bremen erteilt. In der Lateinschule im Obergeschoss unterrichteten der Pfarrer und später ein Rektor sowie ein Schulmeister.

Flecken Lehe Der Flecken Lehe gewann eine überörtliche Bedeutung als Schiffsanlegeplatz an der Geeste, Amtssitz und Marktort mit minderstädtischen Rechten in einer Region, die ansonsten keinerlei Städte hatte. Der Markt fand in der Nähe der Geestefähre statt (Marktkreuz von 1610).

1310 findet Lehe Erwähnung, als ein Streit zwischen dem Propst Erpo Mule und den Einwohnern des Landes Wursten durch die Ritter von Bederkesa und Ritzebüttel auf dem Kirchhof der Dionysius-Kirche geschlichtet wurde. Mindestens seit 1525 hatte der Flecken Lehe eine eigene Verwaltungsorganisation. Politisch stand das Gebiet an der Geestemündung lange im Widerstreit der Interessen des Erzbistums Bremen und dem Bremer Rat. So verbündete sich die Stadt Bremen 1326 mit dem Land Wursten gegen Lehe. 1399 stellte sich Lehe unter den Schutz des Erzbischofs von Bremen, um stadtbremische Machtbestrebungen abzuwehren. Im Konflikt zwischen Erzbischof und Land Wursten wurde 1408 die Stinteburg von den Wurstern zerstört.

Gericht in Lehe mini|1736 erbautes Gerichtshaus in Lehe auf einer Häuserkarte des dortigen Richters Eide Siade Johans von 1743 mini|hochkant|Alte Kirche (Dionysiuskirche) mit ummauerten Kirchhof im Dilichstich von 1605 Der erste urkundliche Hinweis auf ein eigenes Gericht in Lehe findet sich im Einkünfteregister der Oldenburger Grafen von 1273/78. Dort wird erwähnt, dass die dem Oldenburger Grafen von den Lehern geschuldeten Abgaben im Haus des Richters abzuliefern waren. Korn, welches beim Befüllen der Zinshimpten daneben fiel, gehörte dem Richter.

In einer Urkunde von 1310 wird von einem Vergleich berichtet, der zwischen dem Propst des Landes Wursten und den Wurster Bauern im Kirchspielgericht, welches auf dem Kirchhof der Dionysiuskirche in der Mitte der Langen Straße stattfand, geschlossen wurde. Auch wenn diese Urkunde eine ca. 100 Jahre spätere Fälschung ist, wird der Umstand richtig sein, dass das Leher Kirchspielgericht unter freiem Himmel auf dem Kirchhof tagte. Möglich ist, dass bei schlechtem Wetter in der Kirche verhandelt wurde, wo auch ursprünglich in einer Gerichtslade, einem eisernen Kasten, die Urkunden aufbewahrt wurden.

Anfang 1408 zerstörten die Leher und Wurster Bauern mit politischer und juristischer Unterstützung der Stadt Bremen die Anfänge der sogen. Stintburg, die der Erzbischof in der damaligen erste Geesteschleife errichten ließ. In demselben Jahr verpfändeten die Grafen von Oldenburg ihre Einkünfte und Rechte im Land Würden, Sandstedt und Lehe an die Stadt Bremen, weil sie das Lösegeld für einen von den Bremern gefangenen Grafen nicht aufbringen können. Anschließend schloss Lehe mehrfach – erstmals 1421 und dann 1435 und 1447 – Schutzverträge mit dem Bremer Rat. Zu dieser Zeit führte den Vorsitz im Kirchspielgericht der aus einem der vornehmen Leher Geschlechtern gewählte Vogt. Zumindest ab dem 16. Jh. musste er durch den Bremer Rat bestätigt werden. Das Kirchspiel Lehe hatte zwei Bauerschaften mit je zwei Vierteln, aus denen jeweils drei Geschworene gewählt wurden. Für schwerwiegendere Fälle tagte im Frühjahr und im Herbst das Landgericht unter dem Vorsitz eines Bremer Bürgermeisters in Begleitung eines Ratsherren. Später wurde dies die Aufgabe des Ratsherrn, der jeweils als sogenannte Drost für den Rat die Burg Bederkesa verwaltete. Zu seiner Unterstützung nahm der Amtmann von Bederkesa an den Landgerichten teil.

Ende 1632 verweigerte der Bremer Rat seine Zustimmung zu dem als Vogt gewählten Leher Kandidaten und setze einen Bremer Juristen durch, der erstmals nicht mehr Vogt, sondern Richter genannt wurde. Da er keinem heimischen Geschlecht entstammte, kaufte der Rat für ihn in der Langen Straße ein Haus als Wohn- und Gerichtshaus. Um die Zustimmung der amtierenden Geschworenen zu bekommen, wurde schriftlich vereinbart, dass sie im Kirchspielgericht ihre jahrhundertealten Mitwirkungsrechte behalten würde. Tatsächlich bekamen sie noch nicht einmal die zugesicherte Abschrift dieser Vereinbarung.

Der erste Stader Vergleich vom 28. November 1654 zwischen Schweden und Bremen führte dazu, dass das Gericht Lehe und die Herrschaft Bederkesa an Schweden fielen, deren Verwaltung in Stade nunmehr die Richter in Lehe bestimmte und das Landgericht durchführte.

1712 floh der Richter aus Lehe vor den Dänen, die ihrerseits einen Richter einsetzten. Als Dänemark 1715 die von Schweden eroberten Herzogtümer Bremen und Verden an das Kurfürstentum Hannover verkaufte, blieb der Leher Richter im Amt. 1736 wurde ein neues Gerichtshaus gebaut, sehr wahrscheinlich das, welches 1743 der damalige Richter Eide Siade Johans in seiner Häuserkarte Lehes einzeichnete. Soweit ihm in den kommenden Jahren adlige Richter folgten, erhielten sie das Recht, sich Drosten zu nennen.

Leher Klus mini|hochkant|Leher Klus, Ausschnitt aus dem Dilich-Stich von Lehe von 1605