mini|Griechische Gottheiten mini|Tempel des Olympischen Zeus in Athen Die griechische Mythologie umfasst die Gesamtheit der antiken griechischen Mythen, also der Geschichten der Götter und Helden (Heroen) des antiken Griechenlands.

Quellen mini|Der Derveni-Papyrus aus dem 5. Jh. v. Chr. enthält einen Kommentar zur orphischen Theogonie Mythische Inhalte finden sich in fast jeder Gattung der antiken griechischen Literatur und waren bereits nach griechischer und römischer Meinung charakteristisch für die dichterische Fiktion. Bis zur klassischen Zeit waren Epik, Chorlyrik und Tragödie die bevorzugten Gattungen, in denen mythische Stoffe bearbeitet wurden, ab dem Hellenismus treten vermehrt Sammlungen hinzu. Die ältesten erhaltenen Texte sind die kyklischen Epen Homers und die Götterepen Hesiods, die bereits von Herodot als maßgeblich für die griechischen Göttermythen angesehen wurden.Herodot: Historien 2, 53.

In der griechischen Geschichtsauffassung reicht die historische Zeit bis in die mythische Zeit zurück. Mythische Heroen wurden als sterbliche Menschen einer früheren Epoche betrachtet, die mit den Göttern noch persönlich verkehrten. Weitere wichtige Quellen, die nicht als Dichtung verstanden wurden, sind daher die Schriften der Historiker. Besonders ergiebig sind die Schriften der Lokalhistoriker, etwa die der Atthidographen. Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. entstehen die ersten mythographischen Werke, in denen Genealogien aufgestellt und mythische Stoffe mit anderen Berichten verglichen werden. Als bedeutende Werke werden die hellenistische Bibliotheke des Apollodor und die Fabulae des kaiserzeitlichen Hyginus angesehen. Weitere Quellen sind Kommentarwerke zu den großen Dichtern und kleinere Scholien, die Hinweise auf nicht mehr erhaltene Texte und nicht anders überlieferte Mythen enthalten. Hinzu kommen noch thematische Sammlungen wie die Katasterismen des Eratosthenes von Kyrene oder die Metamorphosen des Ovid.

Neben schriftlichen Quellen geben auch bildliche Darstellungen Auskunft über griechische Mythen. Ab der geometrischen Zeit finden sich Darstellungen mythischer Szenen auf griechischen Vasen, die bis zu den attisch-rotfigurigen Vasenbildern des 5. Jahrhunderts an Umfang und Komplexität zunehmen. Bedeutend sind diese bildlichen Quellen vor allem, da durch sie einige Mythen deutlich früher belegt sind, als durch schriftliche Quellen. Zudem werden auch literarisch nicht überlieferte mythische Szenen dargestellt, deren Deutung und Zuordnung jedoch problematisch ist. Einerseits folgt die Bildsprache anderen Konventionen als die literarische, andererseits ist die Unterscheidung zwischen mythischer Darstellung und Alltagsdarstellung nicht immer möglich. Von besonderer Bedeutung sind daher Darstellungen, die durch Attribute oder Inschriften eindeutig als mythisch gekennzeichnet sind.Fritz Graf: Griechische Mythologie. Eine Einführung. Albatros. Düsseldorf 2004. ISBN 3-491-96119-X, S. 190 ff.

Entstehung der Götter und der Welt mini|Giorgio Vasari und Cristofano Gherardi: Die Entmannung des Uranos (16. Jh.) mini|Peter Paul Rubens: Sturz der Titanen (um 1637–1638) Da die ersten Götter in der griechischen Mythologie Personifikationen von Teilen der Welt oder grundlegenden Prinzipien sind, ist zwischen der Entstehung der Welt und der Entstehung der Götter nicht zu unterscheiden. Zahlreiche Mythen handeln von ihrer Entstehung, jedoch konnte sich keine als allgemein gültig durchsetzen. Die am weitesten verbreitete Schöpfungsgeschichte ist Hesiods Theogonie, in der erstmals der Versuch unternommen wurde, aus verschiedenen Mythen eine umfassende Genealogie der Götter zu erstellen.Simon Goldhill: Griechenland. In: Roy Willis (Hrsg.): Mythologie. Taschen 2007, S. 128. Die meisten späteren Mythographen bauen auf der Theogonie auf, unterscheiden sich jedoch im Detail teilweise erheblich davon. Ein kanonischer Stammbaum griechischer Götter konnte sich nie herausbilden.

In der Theogonie wird das Chaos an den Anfang gestellt. Die Welt wird bei Hesiod nicht aus dem Nichts geschaffen; es gibt schon Materie, jedoch keine Form und keine Ordnung. Aus dem Chaos entsteht als erste Göttergeneration die Erde Gaia (zuerst in „Erdgestalt“, später in „Menschengestalt“), die Unterwelt Tartaros, die Liebe Eros, die Finsternis Erebos und die Nacht Nyx. Aus der Verbindung von Nyx und Erebos gehen der Tag Hemera und die Luft Aither hervor, Nyx bringt aus sich selbst eine Reihe von Gottheiten hervor, die entweder Personifikationen von mit der Nacht assoziierten Phänomenen oder von menschlichen Übeln sind. Der größte Teil der griechischen Götterwelt wird auf Gaia zurückgeführt, die aus sich selbst das Meer Pontos, die Berge Ourea und den Himmel Uranos hervorbringt und insbesondere mit Uranos eine Vielzahl weiterer Nachkommen hat, unter anderem die Titanen. Neben der Herkunft der Götter wird in der Theogonie von der Abfolge der Herrschaft über die Welt erzählt, die in den meisten griechischen Entstehungsmythen eine zentrale Rolle spielt. Der erste Herrscher über die Welt, Uranos, wird von seinem Sohn, dem Titanen Kronos, entmannt und entmachtet, woraufhin die Titanen über die Welt herrschen. Die Titanen werden wiederum von Kronos’ Sohn Zeus gestürzt, im Anschluss beginnt die Herrschaft der olympischen Götter. Zeus sichert seine Herrschaft, indem er seine schwangere Gattin Metis verschlingt, da es deren ungeborenem Sohn bestimmt gewesen wäre, die Stelle des Zeus einzunehmen.Hesiod: Theogonie Online (griechisch und deutsch)

Ein anderer Entstehungsmythos, der eine gewisse Verbreitung gefunden hat, ist die Schöpfungsgeschichte der Orphiker. Obwohl die überlieferten Schöpfungsmythen der Orphiker keine Schlüsse auf eine kanonische Version zulassen, bestehen einige Gemeinsamkeiten. Am Anfang steht bei den Orphikern die Zeit Chronos, von dem Aither, Erebos und Chaos abstammen. Chronos schafft ein Ei in Aither, aus dem Phanes, der Schöpfer aller Dinge, schlüpft. Phanes gibt die Herrschaft an seine Tochter und Gemahlin Nyx ab, die sie wiederum ihrem Sohn Uranos übergibt. Als Zeus die Macht übernimmt, verschlingt er Phanes und schafft die Welt von neuem. Er vermählt sich mit Kore und wird von ihr Vater des Zagreus-Dionysos, an den er seine Herrschaft weitergibt.

Stammbäume der Götter Stammbaum der vorolympischen Götter nach Hesiods Theogonie

Stammbaum der olympischen Götter

Gestalten der griechischen Mythologie Olympische Götter

Mit dem Sturz des Kronos durch seinen Sohn Zeus beginnt die Herrschaft der Olympier. Dies sind:

Zeus die fünf Geschwister des Zeus: Demeter, Hades, Hera, Hestia und Poseidon die zehn göttlichen Kinder des Zeus: mit Hera: Ares, Hephaistos, Hebe, Eileithyia mit Leto: Artemis und Apollon mit Maia: Hermes mit Metis: Athene mit Demeter: Persephone mit Dione: Aphrodite

zwei Kinder des Zeus von sterblichen Frauen, die später in den Olymp aufgenommen wurden: mit Alkmene: Herakles mit Semele: Dionysos

Sonstige Götter (Auswahl)

Acheloos: der älteste und vornehmste der griechischen Flussgötter; muss, im Kampf dem Herakles unterlegen, diesem das Füllhorn überlassen Aletheia: Göttin der Wahrheit Anemoi: Windgötter Asklepios: Gott der Heilkunst Ate (auch: Apate): Tochter des Zeus, die Götter und Menschen ins Unheil stürzt Charon: Fährmann in der Unterwelt, der die Toten gegen einen Obolus über den Styx geleitet Hekate: Göttin der Zauberkunst, der Nekromantie, des Spuks und der Wegkreuzungen Hesperiden: Nymphen, die zusammen mit Ladon einen Baum mit goldenen Äpfeln bewachen. Diese verleihen den Göttern ewige Jugend Himeros: Personifikation der liebenden Sehnsucht Horen: Göttinnen der Tages- und Jahreszeiten (gr.: hōrai = „Stunden“) und des geregelten Lebens Hymenaios, Hymen: Gott der Hochzeit Hypnos: Gott des Schlafes, der Bruder des Todes Thanatos und Vater der Träume Iris: Götterbotin, Göttin des Regenbogens, Mittlerin zwischen Götterwelt und Menschheit, Tochter des Thaumas und der Elektra, Schwester der Harpyien und Gattin des Zephyros Moiren: Dreiergruppe von Schicksalsgöttinnen mini|Musen Morpheus: Gott des Traumes Musen: Schutzgöttinnen der Künste mini|Hylas und die Nymphen Nymphen: weibliche Gottheiten niederen Ranges, Personifikationen von Naturkräften Nereiden (Meernymphen): 50 Töchter des Nereus und der Doris, die bekannteste von ihnen ist Thetis Najaden (Süßwassernymphen) Napaien (Talnymphen) Dryaden (Wald- und Baumnymphen) Leimoniaden (Wiesennymphen) Oreaden (Berg-, Grotten- und Höhlennymphen) Hyaden (Regennymphen) Plejaden (Siebengestirn) Oneiroi: Träume, Söhne und/oder Brüder des Schlafgottes Hypnos Pan: Hirtengott mit Ziegenfüßen Plutos: Gott des Reichtums, Personifikation des Reichtums Pothos: Personifikation der Sehnsucht nach einem abwesenden Objekt Prometheus: Sohn des Titanen Iapetos, Bringer des Feuers und Kulturstifter der Menschen. Thanatos: Gott des Todes Tyche: Göttin des Schicksals Zelos: Gott des Eifers

Halbgötter, Heroen und Menschen Achilleus: größter griechischer Held vor Troja, Sohn des Peleus und der Thetis, die ihn zunächst unter den Töchtern des Lykomedes verbirgt, von Odysseus entdeckt und nach Troja verbracht; der Zorn des Achilleus (sein Streit mit Agamemnon) ist das zentrale Motiv der Ilias Agamemnon: Oberbefehlshaber der Griechen vor Troja, von seiner Frau Klytaimnestra und ihrem Liebhaber Aigisthos bei seiner Rückkehr erschlagen, durch seinen Sohn Orestes gerächt Agenor: König von Phönizien, Vater der von Zeus in Stiergestalt nach Kreta entführten Europa (wo sie von ihm Mutter der drei sagenhaften kretischen Herrscher Minos, Rhadamantis – des späteren Richters in der Unterwelt – und Sarpedos wird), des späteren Gründers von Theben, Kadmos, und des von den Harpyien verfolgten und von den Argonauten erlösten Phineus Aigisthos: Cousin Agamemnons und während dessen Abwesenheit mit der Herrschaft über Mykene betraut; Liebhaber der Klytaimnestra während Agamemnons Abwesenheit; ermordet zusammen mit ihr Agamemnon bei dessen Heimkehr; von Agamemnons Sohn Orestes erschlagen Ajax der Große: mächtiger griechischer Kämpfer vor Troja, nur von Achilleus übertroffen; hilft bei der Bergung der Leiche Achilleus’, als dessen Rüstzeug jedoch dem Odysseus zugesprochen wird, verfällt er zunächst in Raserei und tötet sich dann selbst Ajax der Kleine: schnellster Läufer nach Achilleus; Schänder der Kassandra im Athenetempel, dafür von Göttern auf der Heimfahrt versenkt Akademos: rettet Athen durch Verrat an seinem König Theseus vor der Zerstörung durch die Dioskuren, sein Begräbnisort akademeia wird Namensgeber der Akademie Alkmene: Mutter des Herakles, den sie mit Zeus zeugt, der ihr in der Gestalt ihres Ehemannes Amphitryon erschien Amazonen: matriarchalisch organisiertes Volk Amphitryon: Ehemann der Alkmene, in dessen Gestalt Zeus sie verführt, um den Herakles zu zeugen Andromeda: äthiopische Prinzessin, die dem von Poseidon zur Bestrafung der Hybris ihrer Mutter geschickten Seeungeheuer Ketos zu dessen Besänftigung geopfert werden soll, wird, bereits an einen Felsen geschmiedet, von Perseus befreit, gebiert diesem viele Kinder (darunter die Vorfahren des Herakles und der Perserkönige) und wird später mit ihm als Sternenbild in den Himmel versetzt Arachne: eine hervorragende Weberin, die Athene herausfordert und ob dieser Hybris von dieser in eine Webspinne verwandelt wird Argos, der Mensch: der Gründer der gleichnamigen Stadt Ariadne: Tochter von Minos, schenkt Theseus Wollknäuel und Schwert, die ihn im Labyrinth retten Atalanta: amazonenhafte, unverheiratete, schnelle Jägerin, von Bärin gesäugt, an der Jagd auf den Kalydonischen Eber beteiligt Bellerophon: von der von ihm zurückgewiesenen Frau des Proitos, König von Tiryns auf Kreta, verleumdet, daraufhin nach Lykien geschickt mit dem Plan ihn dort ermorden zu lassen, übersteht er jedoch alle Aufgaben; Bezwinger der Chimära, versucht auf dem Rücken von Pegasus die Spitze des Olymps zu erreichen