Rienzi, der letzte der Tribunen ist eine große tragische Oper in fünf Akten mit sechzehn Nummern von Richard Wagner. Sie wurde am 20. Oktober 1842 im Königlich Sächsischen Hoftheater in Dresden uraufgeführt. Auch das Libretto (nach dem gleichnamigen Roman von Edward Bulwer-Lytton) stammt, wie bei allen Opern Wagners, vom Komponisten. Die Oper handelt in freien Zügen vom Leben des spätmittelalterlichen römischen Staatsmanns und Volkstribunen Cola di Rienzo (1313–1354).

Inhalt mini|Cola di Rienzo (1313–1354), Stich von 1646. Die Oper schildert, auf einen Zeitraum von fünf auseinanderliegenden Tagen verdichtet, heroisierend und verklärend das Leben des Cola di Rienzo, hier genannt Rienzi. Rienzi stellt sich entschlossen gegen den Terror, den die verfeindeten Adelsfamilien Orsini und Colonna in Rom Tag für Tag über das einfache Volk verbreiten, und gewinnt die Bürgerschaft für einen Aufstand gegen sie. Schon bald kann Rienzi eine freiheitliche Verfassung in Rom installieren, mit ihm als „Volkstribun“ an der Spitze. Auch die Geistlichkeit, ein Kardinal an ihrer Spitze,NB: Die Handlung spielt, getreu den historischen Umständen, in der Zeit des avignonesischen Exils, als der Papst sich nicht in Rom aufhielt. steht auf seiner Seite. (Erster Akt)

Doch die Nobili geben keine Ruhe. Nachdem sie sich vorerst zurückgezogen haben, planen sie die Invasion und neuerliche Inbesitznahme Roms. Ein von ihnen auf Rienzi bei einem großen Fest verübtes Attentat scheitert, doch der Tribun begnadigt sie, zum Unwillen des Volkes. (Zweiter Akt)

Trotz ihrer Begnadigung sind die Nobili aus Rom geflohen und ziehen mit einer Armee gegen die Stadt. Rienzi wiederum ist jetzt entschlossen, mit seinen Gegnern abzurechnen, und führt die Plebejer in die Schlacht. Die Plebejer besiegen die Nobili, deren Anführer, Orsini und Colonna, fallen. Rienzi wird als Sieger gefeiert, doch hat er nunmehr einen neuen, inneren Feind: Adriano di Colonna, den Verehrer seiner Schwester Irene, der zuerst auf Seiten des Volkes stand, jetzt aber entschlossen ist, den Tod seines Vaters an Rienzi zu rächen. (Dritter Akt)

Adriano hetzt die Plebejer durch eine Intrige gegen Rienzi auf. Auch der Kardinal steht jetzt gegen den Tribun und verwehrt ihm das nach einem Sieg obligatorische Tedeum. Adriano sagt sich offen von Rienzi los. (Vierter Akt)

Rienzi fleht den Segen Gottes für seine Herrschaft herab. Er erkennt die Verlorenheit seiner Lage; nur Irene, seine Schwester, hält noch zu ihm. Adriano unternimmt einen letzten Versuch, Irene, die er noch immer liebt, auf seine Seite zu ziehen – indessen vergeblich. Es kommt zum Volksaufstand gegen Rienzi: Die Plebejer selbst setzen das Kapitol in Brand, wo der Tribun residiert, Rienzi und Irene gehen stolz und von allen verlassen unter. Auch Adriano, der von Irene nicht hat lassen können, stirbt in den Flammen. (Fünfter Akt)

Die Handlung spielt zeitlich zwischen 1347 und 1354. Ort ist durchgehend Rom.

Handlung Erster Akt mini|hochkant=1.5|Uraufführung des Rienzi am Königlichen Hoftheater in Dresden am 20. Oktober 1842. Rienzi sang Joseph Tichatschek, Adriano Wilhelmine Schröder-Devrient Nr. 1

Die Familien Orsini und Colonna liefern sich in den Straßen Roms, vor dem Lateran, eine Straßenschlacht um ein Bürgermädchen, Irene, um sie zu entführen. Der Sohn Colonnas, Adriano, stellt sich schützend vor sie. Der Kardinal erscheint und gebietet Ruhe, wird aber von den streitenden Parteien verhöhnt („Herr Kardinal, geht in die Kirche und lasst die Straße jetzt für uns“). Rienzi tritt auf, schlagartig erstirbt der Tumult. Er tadelt die Nobili als die Zerstörer Roms, die es seiner alten Größe beraubt hätten, das Volk schikanierten und die Kirche verachteten:

Dies ist Euer Handwerk, Daran erkenn' ich euch!

Er wendet sich zu den umstehenden Bürgern, die von ihm die Rettung vor den Nobili erwarten („Wann endlich machst du Ernst, Rienzi, und brichst der Übermüt’gen Macht?“). Rienzi verspricht ihnen das baldige Ende des Terrors durch die Adligen. Er fragt den Kardinal um Unterstützung („Kann fest ich auf die heil’ge Kirche bau’n?“), die ihm dieser zusagt. Dann spricht er zum Volk:

Doch höret ihr der Trompete Ruf in langgehaltnem Klang ertönen, dann wachet auf, eilet all’ herbei, Freiheit verkünd’ ich Romas Söhnen! Doch würdig, ohne Raserei zeig’ jeder, dass er Römer sei; willkommen nennet so den Tag, er räche euch und eure Schmach!

Die Nobili verlassen unterdessen die Stadt. Das Volk fühlt sich durch Rienzi ermutigt und schickt sich an, die Adelsherrschaft abzuschütteln.

Nr. 2 mini|hochkant=0.5|Wilhelmine Schröder-Devrient als Adriano (1842) Die Nobili haben das Feld geräumt. Rienzi tritt auf Adriano und Irene zu und fragt verwundert:

Adriano du? Wie, ein Colonna beschützt ein Mädchen vor Entehrung?

Rienzi erkennt, dass Adriano kein Nobile wie die anderen ist. Dieser wiederum, der in Irene verliebt ist und dessen Liebe von ihr bald erwidert wird, findet Rienzi ebenfalls sympathisch. Er erläutert ihm seine Pläne für ein neues, gerechtes Rom:

Rom mach’ ich groß und frei, aus seinem Schlaf weck’ ich es auf; und jeden, den im Staub du siehst, mach’ ich zum freien Bürger Roms!

Adriano prallt zunächst zurück, da er weiß, dass ein Umsturz seine Standesgenossen die Herrschaft und seine Verwandten womöglich das Leben kosten wird:

Entsetzlicher, durch unser Blut! Rienzi, wir haben nichts gemein.

Nun hält Rienzi Adriano die Ermordung seines kleinen Bruders vor vielen Jahren vor, die ein Colonna begangen hatte. Er beschwört Blutschuld und Pflicht zur Vergeltung:

Weh dem, der ein verwandtes Blut zu rächen hat!

Adriano ist ehrlich bestürzt und erschüttert. Er fragt, wie er „die Schmach sühnen“ könne; Rienzi bietet ihm seine Freundschaft an und fordert ihn auf, sich seiner Freiheitsbewegung anzuschließen („Adriano, sei mein! Sei ein Römer“), und Adriano sagt schließlich ja. Die Szene endet in einem jubilierenden Terzett („Noch schlägt in meiner Brust ein treues Römerherz“).

Nr. 3

Adriano und Irene sind allein. Sie gestehen einander ihre Liebe, aber auch ihre Vorbehalte: diese wegen der Gräuel der Nobili; jener wegen des bevorstehenden Aufstandes, der seine Familie am meisten treffen wird. Hiergegen beschwören sie in einem schwungvollen Duett die Macht der Liebe („Bräch’ auch die Welt zusammen“). Da erklingt von fern dreimal ein helles Trompetensignal.

Nr. 4 mini|hochkant=0.5|Josef Tichatschek als Cola Rienzi (1842) Der Aufstand beginnt. Per Teichoskopie, aus der Perspektive Adrianos und Irenes, erfährt der Zuschauer vom Kampf und Sieg der Volkspartei. Rienzi und die Seinen knien nieder zum Dankgebet, eine Orgel ertönt. Dann beginnt das Siegesfest. Rienzi erklärt die Grundzüge der neuen Verfassung:

Die Freiheit Roms sei das Gesetz, ihr untertan sei jeder Römer; bestraft sei streng Gewalt und Raub und jeder Räuber Romas Feind!

Das Volk jubelt und dankt Rienzi für die Befreiung. Einer der führenden Plebejer, Cecco, will Rienzi zum König ausrufen. Rienzi wehrt im Stile der alten Römer ab und nimmt stattdessen die Würde des Volkstribuns an:

Nicht also! Frei wollt’ ich euch haben! Die heil’ge Kirche herrsche hier, Gesetze gebe ein Senat. Doch wählet ihr zum Schützer mich der Rechte, die dem Volk erkannt, so blickt auf eure Ahnen und nennt mich euren Volkstribun!

Der Akt beschließt mit rasender Zustimmung für Rienzi und Siegestaumel. Vorhang.

Zweiter Akt Nr. 5 mini|hochkant=0.5|Johann Michael Wächter als Orsini (1842) Rienzi, der neue Volkstribun, und seine beiden Mitstreiter Cecco und Baroncelli nehmen die Meldung der „Friedensboten“ entgegen, die die Kunde vom Ende des Terrors in Rom in ganz Italien verbreitet haben. Dann treten die Führer der Nobili auf, Orsini und Colonna. Sie geloben, Frieden zu halten und sich der neuen Gewalt zu unterwerfen („Rienzi, nimm des Friedens Gruß!“).

Nr. 6

Die Nobili unter sich. Sie denken in Wahrheit nicht daran, sich Rienzi zu beugen, und planen einen Umsturz, der die alte Ordnung wiederherstellen soll. Sie wollen ihr eigenes Heer von außen an die Stadt heranführen und gleichzeitig Rienzi beim bevorstehenden Friedensfest ermorden. Allein Adriano, der in ihre Pläne mit eingeweiht wird, widerspricht ihnen und stürzt entsetzt davon.

Nr. 7

Das große Friedensfest. Gesandtschaften aus ganz Italien treffen feierlich in Rom ein, wo das Volk, Rienzi mit dem Senat und den Nobili an der Spitze, sie erwartet. Eine große Pantomime wird aufgeführt, zu der, in Anlehnung an das für die Grand Opéra typische Ballett, tänzerische Rhythmen erklingen.

Die Pantomime stellt die Geschichte der Lucretia aus der altrömischen Geschichte dar: ihre Entehrung durch arrogante Patrizier, die Rache durch die Plebejer, schließlich den Sturz von König Tarquinius und die Errichtung der Römischen Republik. Auf ihrem Höhepunkt verübt der alte Orsini, in unmittelbarer Nähe zum Tribunen, ein Attentat auf Rienzi; Adriano will ihn aufhalten, kann aber den Stoß nicht abfangen. Rienzi bleibt dennoch unverletzt: Er hatte vorsorglich ein Panzerhemd unter seinem Gewand getragen, das den Dolch abgewehrt hatte.

Es kommt zum Tumult. Das Volk rast und fordert den Tod der Nobili, die sofort nach dem missglückten Attentat entwaffnet wurden. Rienzi will sie zuerst zum Tode verurteilen; doch Irene und Adriano dringen in ihn und flehen um Gnade. Da entschließt sich der Tribun zur Begnadigung der Nobili. Das Volk ist darüber empört, akzeptiert aber seinen Entschluss. Vorhang.

Dritter Akt mini|„Ihr Römer, auf, greift zu den Waffen!“ - mini|- Rienzis schneidiges Kampflied (Klavierauszug)

Nr. 8

Rienzi, Cecco und Baroncelli auf dem Forum Romanum. Im Hintergrund tobt das Volk, die Sturmglocken läuten. Offenbar sind die Nobili nachts zuvor aus Rom geflohen und ziehen mit einer Streitmacht gegen die Stadt. Die Begnadigung durch Rienzi konnte ihren Hass gegen den Emporkömmling, der ihnen ihre Macht genommen hat, nicht mildern. Auch Rienzi entschließt sich nunmehr zum Kampf und ruft das Volk enthusiastisch dazu auf:

Ihr Römer, auf, greift zu den Waffen, Zum Kampfe eile jeder Mann! Der Gott, der Roma neu erschaffen, führt euch durch seinen Streiter an. Lasst eure neuen Fahnen wallen, und kämpfet froh für ihre Ehre; den Schlachtruf lasset laut erschallen: Santo Spirito Cavaliere!

Nr. 9

Adriano allein. Er begreift die Ausweglosigkeit seiner Situation: hier die Familie, zu der er gehört; dort Rienzi und Irene, die er liebt. Vorläufig gibt er die Hoffnung nicht auf und beschwört eine unblutige Lösung des Konflikts („Versöhnung sei mein heilig Amt!“).

Nr. 10

mini|links|Der Trompetenruf … mini|hochkant=2|… und das Marschthema aus der Ouvertüre, die beide im Dritten Akt wieder auftauchen. Die große Schlacht zwischen Plebejern und Nobili. Vergeblich bittet Adriano Rienzi um Schonung für seinen Vater und seine Brüder, die gegen Rom marschiert sind und jetzt vor den Stadttoren stehen. Auf der Szene sieht man Frauenchöre, die für den Sieg beten, dahinter hört man Kampflieder der Plebejer, die am Ende siegreich sind. Eine markige Marschmelodie verkündet eindringlich den Triumph über die Nobili („Hört ihr den Gesang? Das ist der Römer Siegeslied!“). Dem folgen minutenlange Trauergesänge, denn die Schlacht hat auch unter den Plebejern viele Opfer gefordert. Auf tritt schließlich Rienzi und verkündet den Sieg („Heil, Roma, dir! Du hast gesiegt!“) und zugleich den Tod der Anführer des Nobiliheeres:

Colonna und Orsini sind nicht mehr!

Im Hintergrund hört man einen Schmerzensschrei: Adriano ist am Leichnam seines toten Vaters niedergestürzt. Jetzt beschwört er Rienzis Blutschuld und wiederholt dessen Worte aus dem I. Akt:

Weh dem, der ein verwandtes Blut zu rächen hat!

Dann beklagt er gegenüber Irene das grausame Schicksal, das sich ihrer gemeinsamen Liebe entgegenstellt:

Irene, fluche dem Geschick, gemordet hat es unsre Liebe!

Rienzi wehrt hektisch ab und gibt, vom Kampf erschöpft und nervös, das Zeichen zum Beginn der Siegesfeier. Pathetischer Schlusschor in triumphaler Stimmung. Vorhang.

Vierter Akt Nr. 11