Withnail & I ist eine britische Tragikomödie aus dem Jahr 1987 unter Regie von Bruce Robinson, der auch das Drehbuch verfasste.
Der Film erzählt die Geschichte zweier erfolgloser Schauspieler aus London, die am Ende der Swinging Sixties aufs Land fliehen. Entgegen der erhofften Ruhe erleben sie einen turbulenten, von Alkohol und auftretenden Differenzen geprägten Urlaub. Withnail & I stellte das Regiedebüt des Schauspielers und Drehbuchautors Bruce Robinson dar, die Handlung ist größtenteils von autobiografischen Erlebnissen Robinsons als junger Schauspieler im London der Swinging Sixties inspiriert. Die Hauptrollen übernahmen Paul McGann und Richard E. Grant, für letzteren stellte er den Durchbruch als Filmschauspieler dar.
Nach anfangs verhaltenem Publikumserfolg gilt Withnail & I inzwischen als einer der größten britischen Kultfilme, um den sich seit den 1990er-Jahren eine Fangemeinde entwickelte. Seit der Jahrtausendwende wird der Film auch zunehmend durch Kritiker beachtet und mehrfach in Listen der besten britischen Filme gewählt. Es erschienen mehrere Bücher über den Film und 2024 feierte eine Theaterfassung ihre Premiere.
Handlung London, Camden Town im September 1969: Marwood, der Erzähler des Filmes, und sein dandyhafter Mitbewohner Withnail leben als arbeitslose Schauspieler in ihrer verdreckten, heruntergekommenen Wohnung in den Tag hinein. Ihre Zeit verbringen sie mit viel Alkohol, verschiedenen Drogen und missmutigen Kommentaren über die Welt. Ihr einziger regelmäßiger Besuch ist der philosophierende Drogendealer Danny. Um ihrem tristen Alltag zu entfliehen, planen Marwood und Withnail einen gemeinsamen Urlaub, doch dafür reicht das Geld eigentlich nicht. Deshalb überlegen sie, ob sie kostenlos eine Weile in das Landhaus von Withnails gutsituiertem Onkel Monty im Lake District ziehen könnten. Monty, ein recht melodramatisch auftretender Homosexueller fortgeschrittenen Alters, ist von dieser Idee zunächst wenig begeistert. Der Onkel stimmt erst zu, nachdem Withnail die Lüge erfindet, der vom Onkel attraktiv gefundene Marwood sei ebenfalls schwul. Marwood ahnt davon zunächst nichts.
Der Urlaub entpuppt sich schon nach kurzer Zeit als Reinfall. Montys Behausung ist heruntergekommen, es regnet in Strömen, die Lebensmittel sind knapp und die Nachbarn begegnen den Neuankömmlingen mit Misstrauen oder gar Feindseligkeit. Withnail legt sich in der Dorfkneipe mit einem örtlichen Wilderer an und entwickelt dann panische Angst, dieser könne ihm etwas antun. Als nachts verdächtige Geräusche im Haus zu hören sind, vermuten die beiden einen Angriff des Wilderers, doch es handelt sich nur um den ebenfalls angereisten Onkel Monty.
Am nächsten Tag versucht Monty unentwegt, den von ihm für schwul gehaltenen Marwood zu verführen. Diesem wird die Situation immer unangenehmer, während Withnail sich verhält, als ahne er von nichts. Nachts erscheint Monty auf einmal in Marwoods Zimmer und möchte mit ihm schlafen. Marwood wird klar, dass Withnail seinem Onkel eine Lüge erzählt hat, woraufhin er Monty anschwindelt, dass Withnail selbst ein uneingestandener Homosexueller sei und die beiden in einer Beziehung seien. Monty schenkt dem Glauben und reist ab, nicht ohne einen entschuldigenden Brief hinterlassen zu haben, in dem er seine Einsamkeit andeutet und den beiden Glück wünscht.
Am nächsten Morgen liegen Marwood und Withnail noch im Streit miteinander, als Marwood ein Telegramm erhält, dass er für eine Theaterrolle in R. C. Sherriffs Journey’s End in Manchester vorsprechen solle. Die beiden fahren nach London zurück, wobei Withnails Trunkenheit am Steuer ihnen ein unangenehmes Intermezzo mit der Polizei einbringt. Als sie in ihre Wohnung zurückkehren, müssen sie feststellen, dass diese in der Zwischenzeit von Danny und dessen Kumpel Ed bevölkert wurde. Danny hat sich mit dem Vermieter angelegt und die Wohnung steht kurz vor der Zwangsräumung. Schließlich erhält Marwood die Nachricht, dass er sogar für die Hauptrolle genommen wurde. Hierfür muss er aber Camden Town und sein altes Leben verlassen.
Am Tag des Abschieds versucht Withnail ihn zu einer Abschiedsflasche Wein zu überreden, doch Marwood besteht darauf, dass er zum Zug müsse und sich hier ihre Wege trennen, auch wenn er Withnail vermissen werde. Nach dem Abschied läuft Withnail mit seiner Flasche Wein im strömenden Regen durch den Regent’s Park und zitiert aus Hamlet.
Produktionsgeschichte Entwicklung mini|hochkant|Bruce Robinson (2016) Withnail & I bedeutete das Debüt von Bruce Robinson als Filmregisseur, nachdem er bereits seit den 1960ern als Schauspieler und seit den 1970ern als Drehbuchautor im Filmgeschäft tätig gewesen war. Der Film ist autobiografisch geprägt, denn Robinson hatte Ende der 1960er-Jahre unter ähnlichen Umständen wie die Protagonisten in Camden Town gelebt. Robinson schrieb die grundlegende Geschichte von Withnail & I bereits im Winter 1969/1970 als Romanentwurf nieder. Nach eigenen Angaben war er zu diesem Zeitpunkt am Tiefpunkt seines Lebens: einsam, arbeitslos und verschuldet, zudem war seine hippieartige Wohngemeinschaft der Vorjahre in Auflösung begriffen. Die Idee, dass jener Dekadenwechsel auch die Swinging Sixties unweigerlich zum Ende brachte, schlägt sich auch in Robinsons späterem Film nieder.Kevin Jackson: Withnail & I. British Film Institute, London 2004, S. 36.Justin Smith: Withnail's Coat: Andrea Galer's Cult Costumes. Fashion Theory. Volume 9, Issue 3, S. 306. Im folgenden Jahrzehnt zirkulierte der Romanentwurf unter Robinsons Freunden und 1980 erhielt er von dem britischen Produzenten Mody Schreiber ein paar Tausend Dollar, den Romanentwurf in ein Drehbuch umzuarbeiten. Den Prozess der Umarbeitung beschrieb er als wesentlich anstrengender als den Romanentwurf, der ihm leicht von der Hand gegangen sei. Doch erst Mitte der 1980er-Jahre ermöglichte sich die Finanzierung von Withnail & I, nachdem Robinson mit seinem Drehbuch zu dem mit drei Oscars ausgezeichneten Film The Killing Fields zu Anerkennung gelangt war und sich der US-amerikanische Filmproduzent Paul M. Heller (1927–2020) von dem Drehbuch zu Withnail & I begeistert zeigte.Kevin Jackson: Withnail & I. British Film Institute, London 2004, S. 41–43.Toby Benjamin: Withnail & I: From Cult to Classic. Titan Books, London 2023, S. 12–13.
Robinson verwarf und ergänzte in den 15 Jahren zwischen Erstentwurf und Film verschiedene Elemente der Geschichte. So endete sie zunächst mit Withnails Suizid durch Onkel Montys Jagdgewehr, was er nachher als zu grimmig und überdramatisch, vor allem aber als überflüssig verwarf, da sich der Zuschauer Withnails tragische Zukunft ohnehin ausmalen könne.Kevin Jackson: Withnail & I. British Film Institute, London 2004, S. 100. Zu der Figur des Withnail wurde Robinson durch seinen Freund und einstigen Mitbewohner Vivian MacKerrell inspiriert: MacKerrell war gebildet und hatte eine hohe Meinung von seinen eigenen Fähigkeiten als Schauspieler, doch verhinderten sein Alkoholkonsum und seine wenig umgängliche Persönlichkeit alle Chancen auf eine erfolgreiche Karriere. Einige Zeit sammelten MacKerrell und Robinson routinemäßig Glasflaschen, um mit dem Pfandgeld neuen Alkohol zu besorgen, sich dann zu betrinken und nach dem Aufwachen wieder Flaschen zu sammeln. MacKerrell zeigte sich später stolz, als Inspiration für die Filmfigur gedient zu haben, bevor er nach jahrzehntelangem Alkoholismus im März 1995 mit nur 50 Jahren an Krebs starb. Der Name Withnail stammte von einem Mann namens Jonathan Withnall, der ein Freund von Bruce Robinsons Stiefvater war und mit seiner wohlhabenden Herkunft sowie einem starken Alkoholkonsum ebenfalls einige Charakteristiken mit Withnail teilte.Kevin Jackson: Withnail & I. British Film Institute, London 2004, S. 37.
Der Name Marwood für die zweite Hauptfigur, die das Alter Ego von Bruce Robinson darstellt, wird im Film nie ausgesprochen, sondern ist nur einmal kurz auf einem Telegramm zu lesen. Er findet aber im Drehbuch sowie in zahlreichen Interviews der an den Film beteiligten Personen Gebrauch. Im Abspann lautet Paul McGanns Rollenname schlicht "...& I". Für den chaotischen Versuch eines Urlaubs orientierte sich Robinson an einem ähnlichen Trip mit dem befreundeten Schauspieler Michael Feast, bei dem sie nach einer Zeitungsanzeige ein Landhaus im Lake District für 10 Pfund die Woche anmieteten. Dieses stellte sich als uralter Schuppen ohne Heizung und Elektrizität heraus, in dem sie die Einrichtung zerschlagen mussten, um sich ein Feuer machen zu können.Kevin Jackson: Withnail & I. British Film Institute, London 2004, S. 35–36. In Onkel Montys Verhalten gegenüber Marwood verarbeitete Robinson seine Erfahrungen mit dem italienischen Regisseur Franco Zeffirelli, der dem frisch von der Schauspielschule kommenden, 21-jährigen Robinson seine erste Filmrolle als Benvolio in Romeo und Julia (1968) gegeben hatte. Bei ihrer ersten Begegnung habe Zeffirelli ihn wie Onkel Monty gefragt, ob er ein „Schwamm oder Stein“ sei, und ihn zu einem Zungenkuss genötigt. In einer Referenz daran liest Withnail in einer Szene die Zeitungsschlagzeile vor, dass ein junger Schauspieler eine Rolle bei einem italienischen Star-Regisseur bekommen habe, und vermutet, dass er sich hierfür an den Regisseur verkauft habe.
Besetzung mini|hochkant|Für Richard E. Grant (hier 2018) bedeutete Withnail den Durchbruch Robinson erhielt bei der Darstellersuche Unterstützung durch die erfahrene Besetzungschefin Mary Selway. Für die Rolle des Withnail waren unter anderem Kenneth Branagh, Daniel Day-Lewis, Edward Tudor-Pole und Bill Nighy im Gespräch. Branagh war sehr interessiert, erschien dem Regisseur aber als zu wenig „Byronesque“ für die Rolle; Robinsons guter Freund Nighy gab eine überzeugende Darbietung, wurde aber nicht besetzt, da er zu dieser Zeit selbst ein Alkoholproblem hatte.Kevin Jackson: Withnail & I. British Film Institute, London 2004, S. 43–45. Schließlich fiel die Wahl auf den 29-jährigen, noch weitestgehend unbekannten Richard E. Grant – insofern ironisch, da Grant im kompletten Gegensatz zu der Figur Withnail Abstinenzler ist. Grant trinkt keinen Alkohol, da er eine Unverträglichkeit gegen Alkohol hat, und zudem sein Vater Alkoholiker war. Robinson überredete ihn am Filmset, dennoch zumindest einmal zu trinken, um das Gefühl der Trunkenheit seiner Figur nachzuvollziehen – mit dem Resultat, dass Grant nach einer Flasche Champagner schließlich ohnmächtig wurde und erst 24 Stunden später wieder richtig aufwachte. Bevor er die Rolle des Withnail erhalten hatte, war Grant selbst neun Monate arbeitslos gewesen. Die Geldknappheit und das Gefühl des Scheiterns konnte er daher nach eigener Auskunft gut in die Rolle hineinbringen.Toby Benjamin: Withnail & I: From Cult to Classic. Titan Books, London 2023, S. 12–13. Für Grant sollte die Rolle des Withnail der Startpunkt seiner Karriere als internationaler Charakterdarsteller werden. Auch arbeitete er zwei Jahre später bei der satirischen Komödie Ein erfolgreicher Mann erneut mit Bruce Robinson zusammen.