mini|hochkant=1.2|Nordfassade mit Westturm vor der Sanierung
Die Propsteikirche St. Petrus und Andreas ist eine römisch-katholische Kirche im sauerländischen Brilon und gehört zum Erzbistum Paderborn. Die Hauptkirche der 1925 zur Propstei erhobenen Kirchengemeinde in Brilon ist den Aposteln Simon Petrus und Andreas geweiht. Mit dem Bau wurde kurz nach der Stadtgründung Brilons zwischen 1220 und 1250 begonnen. Die frühgotischeDehio-Handbuch NRW II · Westfalen, Deutscher Kunstverlag 2016, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 194–194 Hallenkirche mit drei Jochen hat ein Querhaus und einen zweijochigen, gerade geschlossenen Chor, die beide im 14. Jahrhundert entstanden sind. Der mächtige frühgotische Westturm wurde nach Fertigstellung des Kirchenschiffs errichtet. Durch die leicht erhöhte Lage der Kirche ist er von weitem gut sichtbar. Vom Marktplatz aus gesehen, bildet die Kirche mit dem historischen Rathaus davor ein Ensemble, das als Wahrzeichen Brilons gilt.
Geschichte der Kirche mini|hochkant|Innensicht von Südosten aus der Zeit um 1900 mini|hochkant|Blick durch das Kirchenschiff Die Georgskirche war um das Jahr 1000 ein erstes Gotteshaus vor der späteren Briloner Stadtbefestigung im später wüst gefallenen Ort Altenbrilon. Diese Kirche war 973 von der Besitzübertragung Altenbrilons an das Erzbistum Magdeburg ausgenommen; sie gehörte zur Diözese Köln. Kölnische Geistliche kamen nach einem Missionsauftrag Karls des Großen in das Sauerland und schufen dort ein grobmaschiges Netz von Urpfarreien. Diesen folgten die Stammpfarreien, die ihrerseits Filialkirchen gründeten. Die Stammpfarrei Altenbrilon ging auf die Urpfarrei Velmede zurück, von der zuerst der Apostel Andreas und anschließend der Apostel Petrus als Schutzpatrone übernommen wurden. Erzbischof Engelbert übertrug 1220 bei der Gründung der Stadt Brilon die Pfarrrechte der Altenbriloner Kirche auf den neuen Ort.
Etwa gleichzeitig mit der Stadtgründung wurde mit dem Bau der Kirche begonnen. Einzelheiten der Baugeschichte sind nicht belegt; die Kirche wurde in mehreren Epochen aus Chorbereich, Langhaus und Turm zu einem einheitlichen Erscheinungsbild zusammengefügt. Die unterschiedlichen Formen der Portale im Vergleich zu den Fenstern im Querhaus und im Chor machen dies deutlich.Ursula Quednau (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen. Band II: Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 194. Es entstand eine dreischiffige und dreijochige Hallenkirche mit rechteckigem Chor und kleinem Westturm im spätromanischen Stil. Um 1250 begann der Bau des mächtigen Turmes im frühgotischen Stil, der sich mit seinen großen Sandsteinquadern deutlich von den anderen Gebäudeteilen unterscheidet. Die für den 4. Juni 1276 bezeugte Weihe der Kirche und zweier Altäre durch den Kölner Weihbischof und Titularbischof von Curon, Edmund, dürfte eine Neuweihe nach größeren Bauarbeiten gewesen sein. Gegenstand der Weihe war ein älterer Ostschluss und das Hallenlanghaus. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Kirche im Osten mit einem Querhaus und einem zweijochigen Chor erweitert. Um 1350 dürfte der Bau in seiner heutigen Form und Größe fertiggestellt gewesen sein.
In späteren Jahrhunderten fanden mehrere Renovierungen und Umgestaltungen statt. Im Mittelalter stand zunächst der Bau von Altären und deren Dotation im Vordergrund. Zwei Zeichnungen von 1577, die nur sehr klein sind, dokumentieren das Aussehen der Kirche. Zur Stabilisierung wurde 1655 zwischen Turm und Langhaus ein Bogen mit einem Pfeiler eingebaut und in die nördliche und südliche Ecke je ein starker Stützpfeiler eingesetzt. Gleichzeitig wurden die Stützpfeiler an den Wänden im Außenbereich errichtet.
Eine umfangreiche Renovierung ist für 1682 belegt. Von 1770 bis 1776 wurde ein großer Teil der Innenausstattung erneuert. Nach den Aufzeichnungen des Baukondukteurs Plate von 1833 war Die Kirche war zu der Zeit mit dem , dem Altar , dem Altar und dem Altar ausgestattet. Das Gebäude wurde von 1875 bis 1880 nach Vorgaben des Diözeanbaumeisters Güldenpfennig umfassend restauriert und neugotisch umgestaltet. Dabei wurden die Fenster im zweiten Joch durch ein dreibahniges Maßwerkfenster ersetzt und es wurde im Außenbereich eine Treppe zu dem neuen Turmeingang angelegt. Die Neugestaltung des Altarbereiches erfolgte nach Entwürfen des Kölner Architekten Langenberg, der auch das neue Chorgestühl entwarf. 1899 erhielten das Nordportal eine neue Tür und der Fußboden einen neuen Belag. mini|links|Propsteikirche Brilon, Schnitt durch das Langhaus und rechts durch den Chor und die Sakristei, Ansicht aus der Zeit vor 1933 An die Ostwand des nördlichen Querschiffes wurde von 1910 bis 1911 eine neue Sakristei angebaut, die Verbindung zwischen Turm und Langhaus wurde 1920 umgestaltet. In das Obergeschoss wurden Spitzbogen, in das Untergeschoss Korbbogen aus Rabitz eingezogen.
Die letzte größere Renovierung außen und am Dach fand von 1967 bis 1970 unter der Leitung des Architekten H. Stiegemann statt. Die Sakristei erhielt einen Anbau, die Heizungsanlage wurde erneuert und das 1920 zugemauerte Westportal wieder geöffnet. Der Raum, in dem sich früher die Sakristei befand und der als Abstellraum gedient hatte, wurde als Andachtsraum umgestaltet. Die Kriegergedächtnisstätte im Turm wurde entfernt. Die Empore vor dem oberen Turmgeschoss mit der Orgel wurde ebenso wie die Kanzel und die Heiligenfiguren an den Wänden des Mittelschiffes abgebaut. An den Wänden wurde der dicke Verputz entfernt; dabei wurden Reste der ursprünglichen Bemalung von 1276 freigelegt. An der südlichen Wandvorlage kam die fragmentarische Zeichnung einer sitzenden Figur zum Vorschein. Bei Grabungen im Bereich der Vierung entdeckte man Reste des ursprünglichen Chores. Nach dem Einbau von Heizungskanälen wurde der Boden mit neuen Platten belegt und die Inneneinrichtung den Vorgaben des zweiten Vatikanischen Konzils angepasst. Der Hochaltar wurde beibehalten, der neue Zeremonienaltar aus schlichten neugotischen Fragmenten gebaut und die Orgel im Südquerhaus eingebaut. Die Marienkapelle wurde renoviert. Auf Anordnung des LWL muss die Raumwirksamkeit des Gebäudes erhalten bleiben. Bei Neu- oder Umbauten sind die Sichtbeziehungen von besonderem Belang und sicherzustellen. (PDF, 7,13 MB) abgerufen am 15. November 2012.
mini|hochkant|Relief des ehemaligen Hochaltares
Im Pfarrarchiv sind noch einige Angaben über den Hochaltar von 1655 zu finden. Der Bürgermeister und der Rat der Stadt Brilon sowie der Pfarrer schlossen am 21. September 1655 einen Vertrag mit dem Paderborner Bildhauer Th. Gröninger, einem Enkel des Paderborner Dombildhauers Heinrich Gröninger, über den Bau eines Altars. Von diesem 13 Meter hohen, bis unter das Gewölbe reichenden Altar ist nur das stark plastische Relief des Mittelbildes erhalten geblieben, das 1972 renoviert wurde. Es besteht aus zwei 78 Zentimeter breiten und 185 Zentimeter hohen Weichholzbohlen und zeigt die Geburt Christi. Die Krippe, deren Ansatz noch zu sehen ist, und die Figuren von Maria und Josef existieren nicht mehr. Von 1658 bis 1659 illuminierte der Minoritenbruder Andreas den Altar. Neben dem Relief steht auf einem Holzsockel eine 185 Zentimeter hohe Eichenholzfigur des Heiligen Paulus aus der Zeit um 1880. Nur 60 Jahre nach der Entstehung des Gröninger-Altares wurde mit einer Stiftung des kurfürstlichen Richters Matthäus Hörynk ein neuer Hochaltar angeschafft, der bis 1880 bestand. Zusammen mit vier Seitenaltären, darunter zwei Eckaltären, die vermutlich am Triumphbogen schräg vor den Dreiviertelsäulen standen, wurde er auf Weisung des streng mittelalterlich eingestellten Dombaumeisters Güldenpfennig wegen Geschmacklosigkeit entfernt. Das Gleiche geschah mit den Chorstühlen, der Kanzel und der Kommunionbank. Ein Jakobusaltar wurde in einer Schenkungsurkunde von 1488 als (nahe der Orgel in der hohen Kirche) erwähnt. Der Standort dieses Altares, der die meisten Einkünfte erbrachte, ist unbekannt. In einem Visitationsbericht ist 1750 ein Lettner erwähnt: (von Schranken und einem Stufenaltar in der Mitte). Die Gemeindemitglieder wurden durch die hohen Schranken daran gehindert, den Hochaltar zu sehen. Üblicherweise kamen solche Lettner nur in Stifts- und Domkirchen vor. Es ist urkundlich belegt, dass in der Briloner Pfarrkirche bis Anfang des 19. Jahrhunderts Chordienst wie in einer Stiftskirche üblich war. Der Lettner ist nicht erhalten.
Architektur mini|Grundriss und Längsschnitt, Darstellung vom Anfang des 20. Jahrhunderts
Die dreischiffige Hallenkirche im spätromanischen Stil wird im Osten durch ein gotisches Querhaus und einen zweijochigen rechteckigen Chor mit einer nördlich angebauten Sakristei abgeschlossen. Im Westen schließt sich der mächtige 63 Meter hohe gotische Turm mit seiner barocken Haube an. Der Kirchenbau hat eine Gesamtlänge von 67 Metern; das Langhaus ist 23 Meter breit.
Chorraum Das Schiff ist vom kreuzgratgewölbten Chorraum durch einen weit gespannten, mit Rankenornamenten verzierten Triumphbogen begrenzt. Das Chorfenster aus Antikglas besteht aus sechs Teilen mit insgesamt 54 Feldern. Die Verglasung des Chorfensters zeigt in leuchtenden Farben in der Mitte die Krönung Mariens, daneben die Kirchenpatrone St. Petrus und St. Andreas, außen St. Liborius (mit Pfau) und St. Josef (mit Kind).
Langhaus Die drei Joche des Kirchenschiffs werden von mächtigen rechteckigen Säulen aus Sandstein mit halbrunden Vorlagen getragen. Die attischen Basen sind mit Eckblättern und Tierfüßen und die Kapitelle der Halbsäulen mit Blattknollen und Menschenköpfen verziert. Die Kreuzgratgewölbe sind spitzbogig ausgeführt. Ein Schlussstein mit je vier Menschen- und Tierköpfen schließt das Gewölbe des Ostjoches im Mittelschiff ab. Die Wände sind durch spitzbogige Maßwerkfenster und Strebepfeiler gegliedert. Der Fußboden steigt von Osten nach Westen um etwa 50 Zentimeter an.
mini|hochkant|Turmportal
Das Turmportal in der Westwand ist in tief gestaffelten Spitzbogen-Gewänden reich gegliedert. Darüber befindet sich eine treppenartige Verdachung mit einem Dreiecksgiebel und Rosetten. Unter dem Giebel ist eine kleine Konsole, vermutlich für eine Freifigur, angebracht. Über dem Portal ist eine achtseitige blinde Fensterrose eingelassen. Das Nordportal mit Kleeblattbogen unter einer Rundbogenarchivolte ist dem Marktplatz zugewandt. Die Säulchen in der abgetreppten Laibung setzen sich im Rundbogen als Wülste mit profilierten Schaftringen fort. Die tiefgekehlte Außenkante des Bogens ist mit Männchen und Blattknospen verziert. Das einfache rundbogige Südportal ist in der Laibung zweimal abgetreppt. Darüber befinden sich zwei rundbogige Fenster. Ein weiterer Eingang in der Nähe der kleinen Tür im Westjoch wurde 1730 zugemauert.
Turm mini|hochkant|Blick auf die Turmhalle und die ehemalige Ratsstube