Münster (Hessen) (im lokalen Dialekt: Minsder)Darmstädter Echo, Montag, 18. Januar 2016, S. 18 ist eine Gemeinde im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geografie mini|links|Umgebungskarte

Gemeindegliederung Die Gemeinde Münster besteht aus drei Ortsteilen: Münster selbst hat ungefähr 12.000 Einwohner. Östlich davon liegt das am 31. Dezember 1971 eingemeindete Altheim mit etwa 2600 Einwohnern, und im Nordwesten liegt der junge, im Juli 1997 gegründete Ortsteil Breitefeld mit circa 400 Einwohnern.

Nachbargemeinden Im Norden von Münster liegt die Gemeinde Eppertshausen, im Osten die Stadt Babenhausen, im Süden liegen die Städte Groß-Umstadt und Dieburg, sowie im Westen die Gemeinde Messel.

Geschichte Mittelalter Der Name Münster deutet auf eine Gründung in der fränkischen bzw. karolingischen Zeit hin. In alten Urkunden wird von Monster, Munster oder Monstere gesprochen. Der Begriff „Münster“ deutet auf das lateinische monasterium hin, was so viel wie Klosterkirche oder „zum Kloster gehörig“ bedeutet.

In einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 782 n. Chr. an das Kloster Lorsch spricht eine Äbtissin Aba von einem Besitz „ad gaspenze“ (am Fluss Gersprenz). Dieser Besitz gehört zu einem Kloster Neuenhof, das im Rheingau in der Gemarkung Raodora (Roden, Ober- und Nieder-Roden) am Fluss 'Rohada' (Rodau) liegt und das sie mit allen zugehörigen Besitzungen dem Kloster Lorsch schenkt. Möglicherweise war Münster dieser Besitz an der Gersprenz.

In einer Urkunde aus dem Jahre 1254 wird Münster erstmals erwähnt. Zugleich wird immer wieder ein kleiner Ort, Werlach, genannt, der in der Nähe der Werlacher Mühle (heutiges landwirtschaftliches Anwesen Ries) lag und um 1489 nicht mehr vorhanden war, denn in einer Urkunde nach dieser Zeit wird Werlach als „das verheerte Dorf“ bezeichnet.

In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt. Als Monstre (1189–1220), als Munstre (um 1290), als Munster (1294), als Menstere (1325), als Monster (1361), als Munster (1423), als Münßter (1629) und ab 1687 als Münster. Zum 28. März 2017 wurde der Name der Gemeinde von Münster (bei Dieburg) zu Münster (Hessen) geändert.

Im Zuge von Erbstreitigkeiten kam Münster 1304 zu 5/6 an den Grafen Falkenstein und zu 1/6 an die Grafen von Hanau. Als im Jahre 1418 mit Werner III. von Falkenstein dieses Geschlecht im männlichen Stamm ausstarb, wechselten die Herrschaftsverhältnisse in Münster erneut. Im Mai 1419 wurde das Falkenstein’sche Erbe unter den drei Schwestern des letzten Falkensteiners aufgeteilt.

Münster und Werlach kamen an die Solmser Linie und durch Erbfolge teils an die verwitwete Gräfin Anna von Sayn und teils an den Grafen von Ysenburg. Ab 1486 hatten die Grafen Dieter von Ysenburg 5/6 von Münster und Werlach im Besitz. In dieser Urkunde wird Werlach zum letzten Mal erwähnt.

Neuzeit Das verbliebene Sechstel von Münster und Werlach, das wiederum durch Erbfolge an die Grafen von Hanau-Lichtenberg kam, wurde durch Tausch im Jahre 1684 an Kurmainz abgetreten. Mainz tauschte im Jahre 1706 diesen Teil von Münster an Ysenburg, das nun im gesamten Besitz von Münster war. Da sich Fürst Carl von Ysenburg mit Napoleon I. verbündet hatte, musste er nach dessen Niederlage mit Folgen rechnen. Er flüchtete in die Schweiz und konnte nicht verhindern, dass sein Fürstentum 1815 an Kaiser Franz I. von Österreich und infolge des am 30. Juni 1816 mit Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrages zum Großherzogtum Hessen kam.

Bei der Verwaltungs- und Justizreform 1821 kam Münster zum Landratsbezirk Offenbach und zum Landgericht Offenbach. 1853 wechselte es zum Landgericht Umstadt.Bekanntmachung, 1. die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt und Waldmichelbach,2. die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichtsbezirke in der Provinz Starkenburg betreffend vom 20. Mai 1853. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. Nr. 19 vom 26. April 1853, S. 221–230.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Münster:

Während der Novemberpogrome 1938 wurden fast alle von Juden bewohnten Häuser geplündert und demoliert. Kurz danach verließen die meisten jüdischen Einwohner den Ort. An der ehemaligen Mädchenschule an der Frankfurter Straße erinnert seit 1997 eine Tafel namentlich an die jüdischen Opfer aus Münster, außerdem wurden zur Erinnerung Stolpersteine verlegt.

Am 30. Juni 2019 kam es im Waldgebiet der ehemaligen Muna zu einem Waldbrand, der über mehrere Tage andauerte und etwa 8 Hektar Wald vernichtete. Neben der Feuerwehr vor Ort und des Landkreises kamen unter anderem auch Einheiten aus Nachbarlandkreisen sowie der Flughafenfeuerwehr Frankfurt zum Einsatz. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch die Munitionsbelastung der Böden, die zu Explosionen führten und ein Betreten mancher betroffenen Waldgebiete durch Feuerwehrleute unmöglich machte. Hier kamen auch Löschroboter zum Einsatz.

Am 13. August 2022 kam es dort während der Dürre und Hitze in Europa 2022 erneut zu einem Waldbrand, der sich aufgrund des ausgetrockneten Bodens schnell auf eine Fläche von 25 ha ausdehnte. Bis zu der Eindämmung des Brandes nach gut einem Tag waren mehr als 2000 Feuerwehrleute aus Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz sowie mehrere Hubschrauber von Polizei und Bundeswehr im Einsatz. Auch hier schränkten die Munitionsreste im Boden, die während des Brandes teils explodierten, die Brandbekämpfung erheblich ein.2.000 Einsatzkräfte dämmen Waldbrand bei Münster ein. In: Hessenschau. 14. August 2022. Abgerufen am 15. August 2022. Die Löscharbeiten dauerten ca. sechs Tage. Insgesamt brannten ca. 34 Hektar. Bei den Löscharbeiten kamen insgesamt ca. 4500 Einsatzkräfte, 615 Fahrzeuge und drei Hubschrauber zum Einsatz, die etwa 450.000 Liter Wasser nutzten.4500 Einsatzkräfte beteiligt: Waldbrand in Münster ist gelöscht. In: Hit Radio FFH. 20. August 2022. Abgerufen am 21. August 2022.

Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Altheim auf freiwilliger Basis zum 31. Dezember 1971 in die Gemeinde Münster eingemeindet. Seit Juli 1997 wird auch die Siedlung Breitefeld auf dem ehemaligen Militärgelände als Ortsteil geführt. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Münster angehört(e):

1556: Grafschaft Isenburg-Ronneburg, Amt Langen (Isenburgischer Anteil) ab 1787: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Isenburg-Birstein, Anteil an der oberen Grafschaft Isenburg, Oberamt Offenbach, Amt Dreieich (Deputatort des Grafen zu Isenburg-Philippseich) ab 1806: Fürstentum Isenburg, Oberamt Offenbach, Amt Dreieich ab 1813: Generalgouvernement Frankfurt, Oberamt Offenbach, Amt Dreieich ab 1815: Kaisertum Österreich, Oberamt Offenbach, Amt Dreieich ab 1816: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Starkenburg, Oberamt Offenbach, Amt Dreieich (zur Standesherrschaft Isenburg gehörig) ab 1823: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk OffenbachTrennung zwischen Justiz (Landgericht Offenbach) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Offenbach ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Dieburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg

Gerichte Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war: 1629: Zentgericht: Dieburg 1706: gelangt die Obrigkeit an die Grafen von Hanau ab 1820: standesherrliches Amt Dreieich ab 1823: Landgericht Offenbach ab 1853: Landgericht Umstadt ab 1879: Amtsgericht Groß-Umstadt ab 1905: Amtsgericht Dieburg

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Münster 14.071 Einwohner. Darunter waren 1506 (10,7 %) Ausländer, von denen 737 aus dem EU-Ausland, 606 aus anderen europäischen Ländern und 163 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 14,2 % einen Migrationshintergrund. Nach dem Lebensalter waren 2409 Einwohner unter 18 Jahren, 6234 waren zwischen 18 und 49, 2991 zwischen 50 und 64 und 2436 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 5809 Haushalten. Davon waren 1687 Singlehaushalte, 1662 Paare ohne Kinder und 1840 Paare mit Kindern, sowie 488 Alleinerziehende und 132 Wohngemeinschaften. In 1101 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 4086 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.

Einwohnerentwicklung • 1829: 1604 Einwohner, 176 Häuser • 1867: 1862 Einwohner, 294 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 9 lutheranische (= 0,56 %), 77 jüdische (= 4,80 %) und 1518 katholische (= 94,64 %) Einwohner • 1961: 594 evangelische (= 10,19 %), 5149 katholische (= 88,32 %) Einwohner • 2011: Gemäß der Volkszählung 2011 waren 23,9 % der Einwohner evangelisch, 40,6 % römisch-katholisch und 35,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe. • 2020: 5183 katholische (= 34,2 %), 3063 evangelische (=20,2 %) und 6895 sonstige (= 45,5 %) EinwohnerZahlen Daten Fakten; Statistik Juni 2020 In: Webauftritt Gemeinde Münster. Abgerufen im Juli 2021.

Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenSozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 1704 74.525 1.695.567 2.524.156 Veränderung zu 2000 +41,5 % +21,1 % +16,1 % +16,0 % davon Vollzeit 2017 59,4 % 68,3 % 72,8 % 71,8 % davon Teilzeit 2017 40,6 % 31,7 % 27,2 % 28,2 % Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 476 15.305 224.267 372.991 Veränderung zu 2000 +2,4 % +14,4 % +9,0 % +8,8 %

Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenProduzierendes Gewerbe 2000 34,3 % 41,1 % 27,0 % 30,6 % 2017 22,8 % 31,3 % 20,4 % 24,3 %Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 28,2 % 26,1 % 26,4 % 25,1 % 2017 30,3 % 26,8 % 24,7 % 23,8 %Unternehmensdienstleistungen 2000 16,3 % 11,6 % 25,1 % 20,2 % 2017 14,7 % 17,1 % 31,6 % 26,1 %Sonstige Dienstleistungen 2000 19,5 % 18,8 % 20,1 % 22,5 % 2017 32,2 % 23,6 % 23,0 % 25,4 %Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 1,7 % 2,4 % 1,4 % 1,5 % 2017 0,8 % 1,1 % 0,0 % 0,4 %

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Münster erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 36,41443,31644,51751,91957,02154,820 19,7727,71038,81433,51332,51235,313 ALMA Alternative Liste Münster und Altheim2021 mit Bündnis 90/Die Grünen13,6515,9616,7614,6510,64–– ––––––––––9,94 13,0513,15–––––––– klar! klar! - unabhängig und bürgernah17,36–––––––––– Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 58,9 52,2 46,9 43,6 43,0 51,8

Bürgermeister