Caraquet ist eine Gemeinde (Town) in der kanadischen Provinz New Brunswick. Caraquet ist der Acadian Peninsula Regional Service Commission (RSC 4) zugeordnet und liegt im historischen County Gloucester. Caraquet ist in 5 Wards gegliedert.

Lage Caraquet liegt an der Chaleur-Bucht im Norden der Provinz. Vor der Gemeindereform im Jahr 2023 betrug die Gemeindefläche 68,26 km².

Einwohner Die Einwohnerzahl betrug beim Zensus 2021 4285. Beim Zensus 2016 lag die Zahl bei 4248, beim Zensus 2011 bei 4169.

Name Die Bezeichnung der ortsansässigen Mi’kmaq für Caraquet ist Kalaket oder Pkalge. Sinngemäß bezeichnet der Ausdruck eine Stelle, an der sich zwei Flüsse treffen. Diese beiden relativ kleinen Flüsse sind Rivière Caraquet und Rivière du Nord, ersterer 30 km, letzterer 16 km lang. Sie münden westlich der Gemeinde in die Bucht.

Geschichte Caraquet wurde ab den 1730er-Jahren am Ufer der Chaleur-Bucht der Akadischen Halbinsel auf dem Gebiet der Mi’kmaq errichtet. Nach der britischen Eroberung der französischen Kolonien in Nordamerika wurde sie zu einem Zentrum der katholisch-frankophonen Kultur der Akadier.

Frühgeschichte Mindestens seit 4000 Jahren ist die Region von Menschen bewohnt. Die bedeutendsten Siedlungen der Mi’kmaq waren Pokemouche, Tracadie und Tabusintac. Bereits im 16. Jahrhundert landeten an der Küste des fischreichen Gebietes Fischer aus der Normandie, der Bretagne und dem Baskenland. Erstmals genannt wurde der Ortsname von Nicolas Denys im Jahr 1672.

Französische Kolonialzeit, Deportation der Akadier mini|links|Grabstein von Alexis Landry Der früheste Bericht über einen Europäer im Gebiet von Caraquet stammt von dem Bretonen Gabriel Giraud dit Saint-Jean, einen Händler und Kaufmann, der um 1710 dort auftauchte; 1724 lebte er dort, doch wohnte er drei Jahre später in Miramichi. Er heiratete eine Mi’kmaq-Frau und siedelte im unteren Caraquet. 1757, nach der Vertreibung der Akadier, siedelte das Paar in oberem Caraquet. Dabei wurden sie von Alexis Landry geführt, nachdem die Akadier aus dem südlichen Neubraunschweig und Neuschottland vertrieben worden waren. Der ursprüngliche Stadtteil wird inzwischen Sainte-Anne-Du-Bocage genannt. mini|Denkmal zur Erinnerung an die Gründung durch Gabriel Giraud im Parc des Fondateurs Mit dem Ende der französischen Kolonialherrschaft verschwanden die meisten französischsprachigen Bewohner, insbesondere nach dem Raubzug, den der englische Seefahrer Roderick MacKenzie 1761 in der Chaleur-Bucht durchgeführt hatte. Schon 1757 waren in Caraquet mindestens 150 Akadier festgehalten worden, die deportiert werden sollten (siehe Deportation der Akadier).Ronnie-Gilles LeBlanc: Les réfugiés acadiens au camp d’Espérance de la Miramichi en 1756-1761 : un épisode méconnu du Grand Dérangemen, Parks Canada. Erst ab 1766 kehrten die ersten Akadier zurück. Mit dem Parc des Fondateurs (‚Park der Gründer‘), der seit 1986 im Register der historischen Stätten der Provinz eingetragen ist, erinnert die heutige Stadt an die Gründungsphase.

Englische Kolonialzeit mini|Die 1857 bis 1860 erbaute Église Saint-Pierre-aux-Liens Mit der Vertreibung der Akadier von der Gaspé-Halbinsel stand das Gebiet vor allem englischen Fischern offen, denn insgesamt, so die Quellen, lebten nur noch 209 Menschen an der Chaleur-Bucht, 93 Indianer um Restigouche und 109 Personen in Gaspé.Rosemary E. Ommer: "All the Fish of the Post". Resource Property Rights and Development in a Nineteenth Century Inshore Fishery, in: M. H. Watkins, H. M. Grant: Canadian Economic History: Classic and Contemporary Approaches, McGill-Queen's Press, 1999, S. 61–77, hier: S. 62. Die dortigen Fischer standen allerdings in Konkurrenz mit den gut ausgestatteten Unternehmen aus Neufundland und vor allem denjenigen von Québecer Kaufleuten.Dies und das Folgende nach Rosemary E. Ommer: From Outpost to Outport. A Structural Analysis of the Jersey-Gaspé Cod Fishery, 1767-1886, McGill-Queen's Press, 1991. Charles Robin erschien 1766 als Agent eines Unternehmens aus Arichat. Im folgenden Jahr gründete er in Paspébiac ein Unternehmen mit der umständlichen Beschreibung at Isle Madame, coast of Acadia and at Paspébiac in the Baie of Chaleurs, coast of Canada. Zu verschiedenen Pflanzern und Fischern nahm er Kontakt auf, darunter in Caraquet. Er bot Salz und Ausrüstung gegen Fisch und Felle. Mit William Smith, einem Händler aus Québec einigte er sich auf eine Aufteilung der Gaspé-Halbinsel, wobei er das Gebiet von Paspébiac abwärts erhielt. Andere Firmen waren wenig erfolgreich und gaben in den nächsten Jahren auf. 1774 lebten 158 Menschen in Bonaventure, weitere 200 verstreut um die Bucht. Wie zwei Jahre später der Stellvertreter des Gouverneurs berichtete, kamen jedes Jahr 30 Fischer, die meisten von Jersey hinzu.

Caraquet und andere Fischerorte hatten eine Dorfstruktur entwickelt, die sich grundsätzlich von den Bauerndörfern der französischen Kolonialzeit unterschied. Waren dort lange Grundstücke vorherrschend, die mit ihrer Schmalseite an einen See oder Fluss stießen, seltener ans Meer, damit jeder Zugang zu Trinkwasser hatte, so waren Orte wie Caraquet beinahe Produktionsstätten, die zudem Funktionen des Lagers, der Anlandung, der Zulieferung und des Einkaufs, aber auch der Reparatur oder der Rohmaterial- und Werkzeugbereitstellung in sich vereinten.

Der Grundbesitz für die Stadt wurde 1774 durch königliche Proklamation 34 Familien akadischer, normannischer und Mi’kmaq-Abstammung zugesprochen. Ab 1778 litt die Fischerei unter dem Unabhängigkeitskrieg der USA, denn Piraten plünderten immer wieder die Region, so dass Robin sein Geschäft aufgeben musste. Er kehrte 1778 nach Jersey zurück, um erst 1783 wieder auf die Gaspé-Halbinsel zurückzukehren. Nun strömten zahlreiche Loyalisten, meist protestantische, London treu gebliebene Kolonialbeamte, nach Neubraunschweig und allein 1783 kamen 435 von ihnen nach Paspébiac auf der Südseite der Gaspé-Spitze. Auf der Nordseite hingegen, um Caraquet, dominierten bald wieder die Akadier. Die Stadt bezeichnet sich noch heute als inoffizielle Hauptstadt von Akadien. Diesem eigenen Anspruch folgend wird im August das jährliche Acadian Festival ausgerichtet. Dies hatte jedoch Konflikte zur Folge, die durch die Zuwanderung zahlreicher Loyalisten und die Rückkehr vieler Akadier an Schärfe gewannen. Die Konflikte drehten sich vor allem um die Frage der Konfession und die der Sprache, entzündeten sich dementsprechend immer wieder am globalen Konflikt zwischen dem Katholizismus und den protestantischen Konfessionen, zwischen Paris, Rom und London.

Gründung Kanadas, Schulstreit und Ausschreitungen von 1875

George Edwin King, ein Absolvent des Methodistencollege von Sackville, der das Saint John County im Provinzparlament vertrat, brachte 1871 ein Gesetz ein. Dieses sollte die konfessionellen Schulen abschaffen und sie durch ein staatlich finanziertes Schulsystem ersetzen. Die katholisch-frankophonen Bevölkerungsteile waren hierüber aufgebracht, zumal gerade im Vorjahr auf Initiative von Louis Riel ein konfessionelles Schulsystem im Manitoba Act durchgesetzt worden war. Am 5. Mai setzte sich jedoch die Gruppe der Befürworter eines einheitlichen Schulsystems im protestantisch dominierten Parlament mit 25 zu 10 Stimmen bei 6 Enthaltungen durch.

Das Gesetz, bekannt als Common Schools Act, untersagte religiöse, politische oder ethnische Symbole im Schulraum, was zwangsläufig zur Folge hatte, dass Ordensmitglieder nicht mehr unterrichten durften. Premier John A. Macdonald, der auf Druck Québecs darin eingewilligt hatte, dass Schulfragen eine Provinzangelegenheit sein sollten, weigerte sich, einzugreifen. Im Januar 1873 erkannte auch der Oberste Gerichtshof der Provinz an, dass das Gesetz sich im verfassungsmäßigen Rahmen halte. Das Londoner Privy Council akzeptierte wiederum die Entscheidung des Parlaments. George King, der 1872 Premier geworden war, war mit dem Slogan angetreten „Vote for the Queen against the Pope“. So erhielten 34 Befürworter des Schulgesetzes einen Sitz im Parlament, hingegen nur 5 Gegner. Letztere kamen durchweg aus akadischen Gebieten, nämlich den Countys Gloucester, Kent und Madawaska. Dennoch kam es 1872 insofern zu Konzessionen, als Lehrer nun doch religiöse Symbole tragen durften.

Wurden die Abgaben für die Schulen nicht entrichtet, kam es zu Konfiskationen und zu Zwangsversteigerungen, einige Priester wurden verhaftet. In Saint John wurden die Pferde und Wagen des Erzbischofs, der vom Vatikanischen Konzil zurückgekehrt war, konfisziert und verkauft. Angesichts dieser Eskalationen schlug James Nowlan die Widerrufung des Gesetzes vor, doch erzielte er bei der Abstimmung nur 13 gegen 25 Stimmen. mini|links|Robert Young mini|Théotime Blanchard, 1875 Als sich im Januar 1875 die Gemeinde von Caraquet unter Vorsitz von Théotime Blanchard versammelte, dem lokalen Repräsentanten für Gloucester, und ihre Officer wählte, taten sie dies, ohne die Schulgelder entrichtet zu haben. Daraufhin beriefen vier englischsprachige Abgabenzahler ein neues Treffen für den 4. Januar unter Vorsitz von Robert Young ein. Young war in den Wahlen von 1874 gegen Blanchard unterlegen gewesen. 19 Männer unterzeichneten das nun aufgesetzte Schreiben, das die Nichtigkeit der vorherigen Beschlüsse und Wahlen verlangte. Dies war umso verwegener, als der Zensus von 1871 gezeigt hatte, dass in Caraquet unter den 3.111 Einwohnern nur 79 protestantisch waren. Die neuen Gemeindeverantwortlichen James Blackhall und Philip Rive beriefen eine weitere Versammlung ein, um eine District School Tax, eine Schulabgabe für den Distrikt beschließen zu lassen. Doch die Versammlung ging in Handgreiflichkeiten und Geschrei unter. mini|Caraquet mit den entscheidenden Konfliktorten im Januar 1875 Am nächsten Tag versammelten sich dreißig Männer, von denen einige die Marseillaise intonierten, und gingen zu Youngs Haus, ließen sich jedoch von dem Angestellten Colson Hubbard zum Abzug bewegen. Wahrscheinlich wollten die Männer auch diejenigen in der Gemeinde unter Druck setzen, die die Abgaben zu zahlen bereit waren und die im Ort als „Bourbons“ galten. Der New Brunswick Reporter aus Fredericton griff die Zeitung aus Saint John, den katholischen Freeman an, dem er revolutionäres Zündeln vorwarf. Youngs Frau forderte ihren Mann, der sich ihrer Meinung nach in Fredericton aufhielt, auf, sofort zurückzukehren, doch erreichte ihn das Telegramm erst am 15. Januar bei Sackville. Zwei Tage später erreichte ihn ein weiteres Telegramm, in dem es hieß, ein plündernder Mob wolle seinen Laden zerstören und seine Geschäftspapiere vernichten; sein Leben sei in Gefahr. So kam es, dass Young erst am 22. Januar wieder in Caraquet erschien.

Zwei Tage später verurteile Abbé Joseph Pelletier von der Kanzel seiner Kirche die Gewaltakte. Zugleich las er ein Schreiben vor, das er erhalten hatte, in dem ihm gedroht wurde, sein Haus niederzubrennen, falls er „die Bande von Piraten“ nicht stoppen würde. Die Soeurs de Notre Dame saßen auf gepackten Koffern, um notfalls schnell fliehen zu können. mini|Death of Constable Gifford, eine Abbildung in den Canadian Illustrated News vom 13. Februar 1875. Der Tod von Mailloux wird im Artikel nicht erwähnt.