miniatur|hochkant=2|Erste „Kaiserkur“ in Bad Kissingen (1864) (im Kurgarten vor dem Arkadenbau promenieren von links: König Ludwig II. von Bayern, Zarin Maria Alexandrowa von Russland, ihr Ehemann Zar Alexander II. von Russland, Kaiserin Elisabeth (Sisi) von Österreich-Ungarn und Herzog Max in Bayern) miniatur|hochkant=2|Zweite „Kaiserkur“ in Bad Kissingen (1868) (Vor dem Arkadenbau begrüßen sich König Ludwig II. von Bayern (mit Stock) und (vor ihm mit Hut in der Hand) Zar Alexander II. von Russland)

Die Heilquellen des bayerischen Staatsbades Bad Kissingen, das allerdings erst am 24. April 1883 durch König Ludwig II. zum Bad erhoben wurde, sind schon seit dem Jahr 823 bekannt. Mit Dietrich von Thüngen (1476–1540), Domherr in Würzburg, wurde im Jahr 1520 der erste Kurgast dokumentiert. Schon 1565 rühmte Thomas Erastus (1524–1583), der aus der Schweiz stammende Leibarzt des Grafen von Henneberg, die Heilkraft des Kissinger Sauerbrunnens (heute: Maxbrunnen) für den regelmäßigen Kurbesuch.

Im Laufe der folgenden fünf Jahrhunderte wurde die Kurstadt von zahlreichen prominenten Gästen aus aller Welt besucht. Besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte Bad Kissingen seinen Ruhm als „Weltbad“, als sich die „Reichen und Schönen“ der damaligen Zeit dort trafen und es für den Adel und das wohlhabende Bürgertum zum gesellschaftlichen Status gehörte, hin und wieder oder sogar regelmäßig seine Sommerfrische in Bad Kissingen zu verbringen. Man wollte hier nicht nur etwas für seine Gesundheit tun, sondern vor allem auch andere sehen und selbst gesehen werden. So offerierte Karl August Varnhagen von Ense, bekannter Literat und Chronist seiner Zeit, am 24. Juli 1840 am Kissinger Brunnen der württembergischen Königin Pauline, er wolle gern die Kissinger Kurliste mit eigenen Anmerkungen herausgeben: Wer hier gewesen sei, würde es gern haben wollen, und wer nicht hier gewesen sei, nicht minder.Peter Ziegler: Prominenz auf Promenadenwegen. Kaiser, Könige, Künstler, Kurgäste in Bad Kissingen, Seite 62, Hrsg.: Stadt Bad Kissingen, Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 2004, ISBN 3-87717-809-X.

Berühmte Kurgäste der Stadt Bad Kissingen (mit Jahresangabe) Hinweise: Die Auflistung erfolgt chronologisch nach dem Jahr des ersten Besuchs oder nach der ersten Erwähnung.

1501 bis 1700 miniatur|hochkant|August von Sachsen 1520: Dietrich von Thüngen (1476–1540), Domherr des Würzburger Domstifts und später Propst des Stifts Neumünster, erster nachweislich dokumentierter Kurgast Bad Kissingens: „1520 Sabatho post marci. Eodem die hat herr Dietrich von Tungen gebeten licentiam ad balneum gein Kissingen. Ist im erlewbt laut der form und wy es herkommen.“Übersetzung: „Am Samstag, den 28. April 1520, hat Herr Dietrich von Thüngen um die Erlaubnis gebeten, in das Bad nach Kissingen fahren zu dürfen. Es ist ihm in der Form und wie es gebräuchlich ist erlaubt worden.“ - Quelle: Protokollbuch des Würzburger Domkapitels. - Dieser Eintrag ist die erste Dokumentation Kissingens als Heilbad. 1573: Georg Ernst Graf von Henneberg (1511–1583), letzter Herr der Grafschaft Henneberg, kam in den Jahren 1575, 1576, 1577 und 1581. Zu seiner Begleitung gehörte eine 30-köpfige Dienerschaft wie z. B. zwei Jungfrauen, zwei Kammermägde, zwei Pagen, ein Marschall, vier Junker, drei Kammerbuben, ein Leibarzt, ein Hofprediger, ein Sekretär, ein Kopist, zwei Barbiere, ein Schneider, ein Koch, ein Küchenjunge, ein Kellner, ein Stallknecht, ein Trossknecht und zwei Laufbuben 1573: Thomas Erastus (1524–1583), Professor zu Heidelberg und Leibarzt des Grafen von Henneberg, kam mindestens in den Jahren 1573 und 1576. o. J.: August von Sachsen (1526–1586), Kurfürst von Sachsen 1589: Johannes Wittich (1537–1596), Leibarzt der Grafen von Schwarzburg und Stadtphysicus in Arnstadt, war in oder vor 1589 in Kissingen. Er veröffentlichte in diesem Jahr sein Buch Aphoristischer Extract Und kurtzer Bericht, des mineralischen Sauerbruns zu Kissingen, im Fürstenthumb Francken, von seiner Krafft und Wirckunge. Darin behandelte er alle wesentlichen Fragen, die im Zusammenhang mit einem Kurbesuch in Kissingen auftauchen könnten. o. J.: Albrecht VII. Graf von Schwarzburg (1537–1605), Stammvater der fürstlich schwarzburg-rudolstädtischen Linie 1593: Lupold von Wedel (1544–1612/1615), ein deutscher Reiseschriftsteller, bereiste im Jahr 1593 Franken und muss sich in dieser Zeit auch in Kissingen aufgehalten haben. Jedenfalls stammt aus dem Jahr 1608 seine Beschreibung des Badeortes: „… dieses Wasser nennet man den Saurbrunnen >heute Maxbrunnen<, wird von vielen Fursten weit geholet und getrunken …“ - „… wie auch Fursten, Grafen, auch viele mittel und nieder Standes den Sommer uber hier liegen, baden und trinken …“ 1595: Gottfried Steegh (1550–1609), niederländischer Mediziner und Leibarzt des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn, war in oder vor 1595 im Kurort. Er veröffentlichte in diesem Jahr sein Buch Descriptio fontis medicati Kissingensis.Verlag Georg Fleischmann, 1595 – Deutsche Übersetzung: Sabine Greb: Beschreibung der Kissinger Heilquelle, 1595, Hrsg.: Staatliche Kurverwaltung Bad Kissingen et al., Würzburg und Bad Kissingen, 1985. 1603: Des „Juden Gumpen Frau aus Oberthulba“, lt. Bürgermeisterrechnung von 1603/04, dürfte der erste jüdische Kurgast Kissingens gewesen sein. 1606: Herzog Hans Adolf von Coburg kam in Begleitung von sieben „berittenen Mannen“ nach Kissingen. 1645: Johann Lorenz Bausch (1605–1665), Stadtphysicus und Mitbegründer der „Leopoldina“ zu Schweinfurt, begleitet Sylvanus Späth, den Abt des Benediktinerklosters Münsterschwarzach, zur Trink- und Badekur nach Kissingen. miniatur|hochkant|Luise von Hessen-Darmstadt

1701 bis 1800 1701: Burkard Bausch (1656–um 1721/23), Mönch und Chronist des fränkischen Benediktinerklosters Münsterschwarzach, kam zwischen 1701 und 1717 sechs Mal zur Bade- und Trinkkur nach Kissingen. Im Jahr 1713 zahlte man für Unterkunft je Woche 1 Imperial (= 18 fränkische Batzen), für Verpflegung je Tag 6 Batzen (= knapp 2 Imperial pro Woche) und für ein Bad 2 Batzen. 1744: Valentin Rathgeber (1682–1750), Theologe, Komponist, Organist und Chorleiter des Barock; er war einer der beliebtesten und angesehensten Komponisten im süddeutschen Raum. 1797: Luise von Hessen-Darmstadt (1757–1830), Großherzogin von Sachsen-Weimar, die Mutter des Großherzogs Carl Friedrich „ist nach Kissingen“, wie Johann Wolfgang von Goethe am 14. Juli 1797 aus Weimar an Johann Heinrich Meyer schreibt.

1811 bis 1820 miniatur|hochkant|Karl Friedrich Schinkel (1836) miniatur|hochkant|Robert von Mohl miniatur|hochkant|Jenny Lind miniatur|hochkant|Alexandra von Bayern miniatur|hochkant|WilhelmPrinz von Preußen 1820: Adam Elias von Siebold (1775–1828), deutscher Gynäkologe und Hochschullehrer, wurde erstmals im Jahr 1820, weitere Male 1822 und 1827 als Kurgast in Kissingen registriert. Verfasste 1828 ein Buch: Ausführliche Beschreibungen der Heilquellen zu Kissingen und ihre Auswirkung besonders bei Frauenzimmerkrankheiten. 1820: Ludwig I. von Bayern (1786–1868), späterer König von Bayern, hielt sich schon als Kronprinz im August 1820 in Kissingen auf. Er schrieb damals an den bayerischen Finanzminister Maximilian Emanuel von Lerchenfeld, bei so wirksamen Bädern sei es „staatswirtschaftlich“, mit auf Zinsen angelegtem Geld für die erforderlichen Bauten zu sorgen. Nach seiner Thronbesteigung (1825) ließ er den Konversationssaal mit angrenzendem Arkadenbau errichten (Fertigstellung 1838). Im Jahr 1833 folgte er seiner Gemahlin Therese von Bayern zu einem Privatbesuch nach Kissingen. Auch in den Jahren 1839 und 1840 war er hier zu Gast. Im Jahr 1847 kam er mit Tochter Alexandra. Doch auch in anderen Jahren kam er als Landesherr dienstlich in die Kurstadt, so zum Beispiel im Jahr 1838 zur Einweihung des Arkadenbaus.

1821 bis 1830 1825: Gottfried Eisenmann (1795–1867), Politiker und medizinischer Autor, kam seit 1825 mehrere Male zum Kuraufenthalt und schrieb u. a. Die Heilquellen des Kissinger Saalthales (Erlangen 1837).

1831 bis 1840 1833: Therese von Bayern (1792–1854), Königin von Bayern, kam am 20. Juni als bayerische Königin nach Kissingen, begleitet von ihren Kindern Prinzessin Mathilde und Prinz Luitpold erstmals nach Bad Kissingen. Ihr Gemahl, König Ludwig I. von Bayern folgte ihr am 18. Juli nach. 1834 kam sie ein weiteres Mal und logierte ab 10. Juni im Haus der Gebrüder Bolzano, dem Königlichen Kurhaushotel. Dort besuchte sie später ihr Bruder, der Major Prinz Eduard von Sachsen-Altenburg. 1834: Prinz Eduard von Sachsen-Altenburg logierte vom 19. Juni bis 16. Juli in Bad Kissingen und traf dort seine Schwester, die Königin Therese von Bayern. Er hatte zuvor an der Spitze eines bayerischen Militärkontingents seinen Neffen Otto, den Sohn seiner Schwester Therese, nach Griechenland begleitet und war hier zum Gouverneur von Nauplia ernannt worden. Er dürfte nach seiner Rückkehr seiner Schwester in Bad Kissingen Bericht erstattet haben. 1834: August Karl Freiherr von und zu Egloffstein (1771–1834), sächsisch-weimarischer Generalmajor, starb während seines Kuraufenthalts am 15. September. 1836: Werner von Haxthausen, Staatsbeamter, Philologe und Gutsbesitzer, entdeckte bei seinem Aufenthalt Burg Salzburg und Gut Bad Neuhaus, die er als neuen Familiensitz erwarb. 1837: Wilhelm II. von Hessen (1777–1847), Kurfürst von Hessen, kam inkognito als Graf von Steinau mit Gefolge aus Hanau. 1837: Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1795–1861), ab 1840 König von Preußen, besuchte als Kronprinz unter dem Pseudonym Graf Zollern die Kurstadt mit Gemahlin und 40 Personen im Gefolge aus Berlin. 1837: Leopold von Baden (1790–1852), der Großherzog von Baden kam als Graf von Eberstein mit Familie aus Karlsruhe. 1837: Karl von Bayern (1795–1875), Prinz von Bayern und Generalfeldmarschall, kam als Graf von Dachau aus München in die Kurstadt. 1837: Friedrich von Gärtner (1791–1847), königlicher Baumeister, kam mit seiner Familie aus München zur Sommerfrische nach Bad Kissingen, wo gerade der Arkadenbau nach seinen Plänen errichtet wurde. 1837: Leo von Klenze (1784–1864), ebenfalls ein bekannter Architekt und Erbauer u. a. der Alten Pinakothek in München, begleitete Friedrich von Gärtner. 1837: Alexander Iwanowitsch Turgenew (1784–1845), russischer Diplomat, Historiker und Freund des russischen Nationaldichters Puschkin, kam 1837 ins Weltbad Kissingen zur Sommerfrische. Ein weiteres Mal kam er im Jahr 1839. 1837: Sulpiz Boisserée (1783–1854), bedeutender Kunstsammler und Architekturhistoriker, kam mit seiner Gemahlin aus Köln; seine Kunstsammlung kaufte später der bayerische König Ludwig I. für die Alte Pinakothek. 1837: Jenny Rabe von Pappenheim (1811–1890), uneheliche Tochter Jérôme Bonapartes und dadurch die Nichte Napoleons, verlobte sich während ihres Aufenthalts in Kissingen mit dem 23-jährigen Werner von Gustedt, den sie im Folgejahr 1838 in ihrem Heimatort Weimar heiratete. Eine Anekdote berichtet, ihr Verlobter Werner von Gustedt soll bei seiner Ankunft in Kissingen vor den Augen seines künftigen Schwiegervaters der Reisekutsche wegen der großen Hitze völlig nackt entstiegen sein: Da er geschlafen hatte, hatte er nicht ahnen können, am Reiseziel (dem Königlichen Kurhaushotel) schon angekommen zu sein. Beider Sohn Otto von Gustedt, dessen Ehefrau, deren Tochter Auguste Viktoria, Sohn Werner von Gustedt sowie dessen Ehefrau sind auf dem Kissinger Kapellenfriedhof beigesetzt. Jenny von Pappenheim schrieb 1837 über ihren Aufenthalt in Kissingen: „Größere Spaziergänge (im Kurgarten) sind so gut wie ausgeschlossen, weil man überall Weidevieh begegnet oder in Ziegenkot tritt. Heute trieb ein Hirte seine Herde durch den Kurgarten, den man eher einen zoologischen Garten nennen müsste, denn neben anderen Tieren zeigen hier seit drei Tagen zwei Tanzbären ihre Kunststücke.“