rahmenlos|rechts|Andreas von Bernstorff, 1901 mini|Gedenktafel in der St. Abundus-Kirche in Lassahn Andreas Peter Graf von Bernstorff, auch mit Besitznamen von Bernstorff-Stintenburg (* 20. Mai 1844 in Berlin; † 21. April 1907 ebenda) war ein preußischer Verwaltungsjurist, Abgeordneter und eine führende Persönlichkeit der Gemeinschaftsbewegung in Deutschland.
Leben Er war der Sohn von Albrecht von Bernstorff (1809–1873). 1854 zog die Familie nach London, da der Vater dort den Posten des preußischen Botschafters in England übernommen hatte. Ab 1861 studierte er an der Universität Berlin Jura. 1869 wurde er in das Komitee der Evangelischen Allianz gewählt. Zusammen mit Eduard von Pückler und Jasper von Oertzen gehörte er zu den Initiatoren der ersten Gnadauer Konferenz und ist somit einer der Väter der deutschen Gemeinschaftsbewegung.
1873 ging er als Botschaftsrat nach Washington. Von 1874 bis 1880 war er Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg. In diesem Amt erwarb er sich, so Hellmut von Gerlach, durch seine Frömmigkeit und Prinzipientreue den Spitznamen der heilige Andreas.Hellmut von Gerlach: Meine Erlebnisse in der Preußischen Verwaltung. Die Welt am Montag, Berlin 1919, S. 34 1880 wurde er auf Betreiben Otto von Bismarcks aus dessen Heimatlandkreis Herzogtum Lauenburg weg auf eine eigens für ihn geschaffene Stelle als Regierungsrat im Preußischen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten nach Berlin versetzt. 1887 wurde er Geheimer Oberregierungsrat und 1902 Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat. Zum 1. April 1904 nahm er seinen Abschied aus Gesundheitsgründen.Redern (Lit.), S. 174
Als 1883 in Berlin der erste CVJM in Deutschland gegründet wurde, wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. 1893 und 1898 wurde er im Wahlkreis Lauenburg für die Deutsche Reichspartei in den Reichstag gewählt, dem er bis 1903 angehörte.Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 114–115. 1906 wurde Bernstorff, neben Walter Michaelis (erster Vorsitzender) und Leopold Wittekindt (Stellvertreter und Schriftführer), zum dritten Vorsitzenden des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes gewählt.
Ab 1896 war er Vorsitzender des Berliner Komitees im Deutschen Hilfsbund für Armenien, der auf Anregung von Johannes Lepsius als Reaktion auf die Armeniermassaker Abdülhamids II. 1894 bis 1896, die bereits genozidalen Charakter hatten, gegründet worden war,Uwe Feigel: Das evangelische Deutschland und Armenien: die Armenierhilfe deutscher evangelischer Christen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts im Kontext der deutsch-türkischen Beziehungen (= Kirche und Konfession. 28). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, ISBN 3-525-56531-3, S. 73 ff (Feigel hat mehrfach den falschen Vornamen Johann Heinrich – eine Verwechslung mit Johann Heinrich von Bernstorff) sowie ab 1900 der daraus hervorgegangenen Deutschen Orient-Mission.Atanas Damianov: Die Arbeit der “Deutschen Orient-Mission” unter den türkischen Muslimen in Bulgarien nach den Quellen im Dr. Johannes-Lepsius-Archiv (= Studien zur orientalischen Kirchengeschichte. 23). LIT, Münster 2003, ISBN 3-8258-6311-5, S. 27.
1881 heiratete er Augusta von Hottinger (1860–1919) aus Vevey, mit der er fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter, hatte. Der älteste Sohn war der Diplomat und Widerstandskämpfer Albrecht Graf von Bernstorff (1890–1945).
Auszeichnungen Kammerherr (1880)Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat 1897. Decker, Berlin 1897, S. 17. (digital zugänglich) Ritter-Expektant des Deutschen Ordens, Balley UtrechtAuszeichnungen im Wesentlichen nach Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat 1897. Decker, Berlin 1897, S. 83. (digital zugänglich) Roter Adlerorden, 2. Klasse mit Eichenlaub Königlicher Kronen-Orden (Preußen) 2. Klasse mit Stern (1904) 4. Klasse am Erinnerungsband Johanniterorden, Rechtsritter Albrechts-Orden, Komtur 2. Klasse
Schriften Die Apostelgeschichte; 100 Betrachtungen. Deutsche Evangelische Buch- und Tractat-Gesellschaft, Berlin 1904. Die Evangelische Allianz. 2. rev. Auflage, Deutsche Evangelische Buch- und Tractat-Gesellschaft, Berlin 1905. Die Briefe des Apostels Johannes: Kurze Betrachtungen für Bibelleser. 2. Auflage, Evangelische Buch- und Traktat-Gesellschaft, Berlin 1907.
Literatur Hedwig von Redern: Andreas Graf von Bernstorff. Ein Lebensbild nach seinen Briefen und persönlichen Aufzeichnungen. 2. Auflage, Bahn, Schwerin in Mecklenburg 1909 (Digitalisat, HathiTrust) Bernstorff, Graf Andreas Peter von. In: Hermann Goltz (Hrsg.): Deutschland, Armenien und die Türkei 1895–1925, Dokumente und Zeitschriften aus dem Dr. Johannes-Lepsius-Archiv. Teil 3: Thematisches Lexikon zu Personen, Institutionen, Orten, Ereignissen. Zusammengestellt und verfasst von Hermann Goltz und Axel Meissner; Saur-Verlag, München 2004, ISBN 3-598-34409-0, doi:10.1515/9783110959376.55, S. 75.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Mitglied der Freikonservativen Partei Kategorie:Person (Christlicher Verein Junger Menschen) Kategorie:Person (Evangelische Allianz in Deutschland) Kategorie:Person der Gemeinschaftsbewegung Kategorie:Person des Christentums (Berlin) Kategorie:Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Kategorie:Landrat (Kreis Herzogtum Lauenburg) Andreas Andreas Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 2. Klasse Kategorie:Träger des Preußischen Königlichen Kronenordens 2. Klasse Kategorie:Träger des Albrechts-Ordens (Komtur 2. Klasse) Kategorie:Rechtsritter (Johanniterorden) Kategorie:Kammerherr (Preußen) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1844 Kategorie:Gestorben 1907 Kategorie:Mann