Die Wirtschaft der Niederlande konzentriert sich vorwiegend auf den sekundären (Industrie) und den tertiären (Dienstleistung) Wirtschaftssektor.

Die Kernelemente der niederländischen Wirtschaft sind traditionell Handel und Distribution. Fischerei und Seefahrt bilden die historische Grundlage für die Entwicklung des Außenhandels und der Industrie. Entsprechend seiner Geschichte als Handelsnation hat sich das Land zur Distributionsdrehscheibe Europas entwickelt. Die Niederlande sind seit 1952 Mitglied der Europäischen Union und gehören daneben der Benelux-Gemeinschaft, der NATO und den Vereinten Nationen an.

Die wirtschaftlichen Eckdaten aus 2023 sehen wie folgt aus:

BIP (Bruttoinlandsprodukt): 1,2 Billionen US-Dollar BIP pro Kopf: 64.829 US-Dollar Wirtschaftswachstum: +0,1 Prozent Arbeitslosigkeit: 309.000 Arbeitslose = 3,3 Prozent (2021) Inflationsrate: 4,1 Prozent

Wirtschaftsgeographie Die Niederlande sind eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas. Die Bevölkerung konzentriert sich in der Randstad, dem Gebiet zwischen den westlichen Großstädten Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Den Haag. Die Voraussetzungen der Randstad als Motor für die niederländische Wirtschaft sind denkbar gut: Viele auf dem Seeweg angelieferte Waren werden über die beiden großen Häfen Rotterdam (Güterumschlag 2019: 469 Millionen Tonnen) und Amsterdam (Güterumschlag 2019: 105 Millionen Tonnen) in das europäische Hinterland transportiert. Gleichzeitig beheimatet die Hauptstadt Amsterdam mit dem Flughafen Schiphol auch einen der größten internationalen Flughäfen. 2009 war Schiphol mit einem Frachtaufkommen von ca. 1,3 Millionen Tonnen und 44 Millionen Passagieren der fünftgrößte Frachtflughafen Europas. Neben großen Warenumschlagplätzen verfügen die Niederlande über eine leistungsfähige Infrastruktur, hochqualifizierte Arbeitskräfte, unternehmerfreundliche Genehmigungsverfahren und günstige rechtliche Rahmenbedingungen.

+ Bruttoinlandsprodukt nach Provinz 2018 Rang Provinz BIP in Mio. € BIP/Kopf, KKS,(EU-27 = 100) BIP/Kopf in € 1 166.941 170 58.700 2 71.522 159 55.000 3 116.090 132 45.800 – 774.039 130 44.900 4 163.805 128 44.300 5 24.963 124 42.800 6 44.503 115 39.800 7 78.265 110 37.900 8 43.219 108 37.500 9 13.579 102 35.500 – 13.483.857 100 30.200 10 14.010 98 33.800 11 15.090 89 30.700 11 19.837 89 30.700

Bedeutung der einzelnen Branchen Landwirtschaft Der niederländische Agrarsektor ist stark mechanisiert und stark auf den Export ausgerichtet. Er beschäftigt etwa 4 % der niederländischen Arbeitskräfte und produziert große Überschüsse. Die Niederlande exportierten im Jahr 2020 Agrargüter im Wert von 95,6 Mrd. € (darunter Zierpflanzen (9,5 Mrd. €), Fleisch (8,7 Mrd. €), Milchprodukte und Eier (8,3 Mrd. €), Gemüse (7,1 Mrd. €) und Obst (7,0 Mrd. €)) und importierten Agrargütern (hauptsächlich Getreide und Früchte) für 67,1 Mrd. € - ein Überschuss von 27,4 Mrd. €. 26 Prozent der Exporte gingen nach Deutschland.Meldung vom 24. Januar 2021.

Intensivtierhaltung und Monokulturen sind die vorherrschenden Formen; beide gelten als umweltbelastend. Überdüngung belastet Grundwasser und Gewässer und erhöht die Menge der emittierten Treibhausgase. Auch leidet die Qualität vieler pflanzlichen Produkte durch die Auslaugung der Böden hinsichtlich Vitamin- und Nährstoffgehalt. Im Kabinett Rutte IV gibt es erstmals einen Minister (ohne Geschäftsbereich) für Natur und Stickstoff. Die Niederlande sind einer der größten Exporteure von Schweinefleisch und nach den USA der zweitwichtigste Exporteur landwirtschaftlicher Produkte. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen in den Niederlanden sind 50 % Weideland, 40 % mit Nutzpflanzen bebaut und ca. 10 % Schnittblumen-Produktionsfläche. Seit Anfang der 1970er Jahre wird etwas Weinbau betrieben.

Forstwirtschaft und Fischerei Während die Fischerei nach wie vor einen hohen Stellenwert in der niederländischen Wirtschaft hat, ist Forstwirtschaft mangels Wäldern praktisch nicht vorhanden.

Bergbau und Energie Die Niederlande sind eigentlich ein rohstoffarmes Land, mit einer Ausnahme: Erdgas. Hiervon gibt bzw. gab es insgesamt ein beträchtliches Vorkommen: Das 1959 entdeckte Gasfeld in der Provinz Groningen zählte noch 2009 zu den zehn größten der Welt, allerdings galt es damals schon als zu zwei Dritteln ausgebeutet. Daneben gibt es noch weitere kleinere Vorkommen in den Niederlanden, wo nach deren Entdeckung die Kohleproduktion eingestellt wurde. Rechnerisch reichten die 2017 bekannten niederländischen Erdgasvorräte noch dafür, das Land für 18 Jahre mit Gas zu versorgen. Im internationalen Vergleich der 2016 bekannten Erdgasvorkommen, geordnet nach den Gesamtreserven der Länder, lag das niederländische auf Platz 26, wobei es 0,5 % der weltweiten Erdgasbestände enthielt. Für Ende 2019 wurden die niederländischen Vorräte auf 0,1 % der weltweiten Reserven geschätzt, da das geschätzte Gesamtvorkommen zwischen 2009 und 2019 auf ein Sechstel gefallen war.

Das Land verfügt über ein einziges Kernkraftwerk (Kernkraftwerk Borssele, 482 MW). Ein Ausbau war geplant, wird aber von den beteiligten Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter verfolgt.Geplantes Atomkraftwerk Borssele II steht vor dem Aus. In: Aachener Zeitung, 6. Januar 2012. Abgerufen am 6. August 2014.

Für Ende 2024 wurde die installierte Leistung der Photovoltaikanlagen der Niederlande auf 24.359 MW geschätzt. 2025 wurden etwa 21 % des niederländischen Strombedarfs mittels Solarenergie gedeckt, 5 % mittels Bioenergie und 3 % mittels Kernkraft.

2024 und auch 2025 lieferten Windenergieanlagen an Land jeweils 15 % des Strombedarfs und offshore-Windkraft lieferte weitere 14 % des Bedarfs, so dass insgesamt 29 % des Strombedarfs der Niederlande durch Wind gedeckt wurde. Ende 2025 war die installierte Leistung der Windkraftanlagen an Land 7.054 MW und 4.738 MW im Meer, so dass die Gesamtleistung 11.792 MW war.

Ab den 1990er Jahren wurde die Windenergie im Energiesektor immer wichtiger. Bereits 2006 bzw. 2008 wurden die Offshore-Windparks Egmond aan Zee und Princess Amalia in Betrieb genommen, zwischen 2015 und 2017 die Offshore-Windparks Luchterduinen, Westermeerwind und Gemini. Gemini zählt mit 600 MW zu den größten Offshore-Windparks der Welt (siehe auch: Liste der Offshore-Windparks). Das gilt noch mehr für den Offshore-Windpark Borssele, der mit 752 MW seit November 2020 in Betrieb ist. Ende 2016 verfügte der Staat über eine installierte Windkraft-Leistung von 4.328 MW, womit das Land nach installierter Leistung weltweit auf Platz 16 lag.Global Wind Statistics 2016 (PDF; 2,1 MB) Global Wind Energy Council. Abgerufen am 11. Februar 2017. Ende 2019 waren es 4.600 MW, von denen sich 3.482 MW auf dem Festland befanden (onshore) und 1.118 MW ins Meer gebaut waren (offshore). Weitere Details der Entwicklung finden sich im Artikel Windenergie in den Niederlanden.

Industrie Die industrielle Produktion gewann in den Niederlanden erst nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Die Schwerindustrie erlangte in den Niederlanden nicht die wichtige Position, die sie in den europäischen Nachbarländern einnahm. Nach 1945 wuchs das produzierende Gewerbe rasant, besonders auf dem Gebiet der Chemie- und Elektronikindustrie. Weitere wichtige Sektoren waren Nahrungsmittel und Getränke, Tabakwaren, Baumaterialien, Schiffe, raffiniertes Erdöl, Gummi- und Kunststoffwaren sowie Druckereierzeugnisse.

Bankwesen Das Bankwesen ist ein wichtiger Teil der niederländischen Wirtschaft. Vor allem Amsterdam ist ein internationales Bankenzentrum.

Kapitalmarkt Das Land führt mit der Amsterdamer Börse eine der ältesten und heute bedeutendsten Wertpapierbörsen der Welt. Der Leitindex der Volkswirtschaft ist der AEX-Index. Der ihm nachstehende Index ist der AMX index für Nebenwerte und Mid-Caps.

Tourismus

Die Niederlande sind ein attraktives Ausflugsziel. Hauptattraktionen sind die Windmühlen, die Blumenfelder, Museen und die Städte, besonders beliebt ist unter anderem Amsterdam. Jedes Jahr besuchen über 13 Millionen ausländische Touristen die Niederlande.

Infrastruktur Die Niederlande verfügen über ein gut ausgebautes Straßennetz. So ist zum Beispiel das Autobahnnetz des Landes eines der dichtesten und am besten ausgebauten der Welt. Das gilt auch für das Schienennetz, welches flächendeckend vorhanden ist. Vor allem jedoch für die Schifffahrt sind die Niederlande sehr günstig. So liegt das Land erstens an mehreren großen Flussmündungen (Rhein oder Waal, Maas, Lek, Schelde) und hat außerdem ein gut ausgebautes Kanalnetz, welches auch von größeren Schiffen befahren werden kann. Für Straßenbahnen, Busse und einige regionale Bahnverbindungen besteht ein landesweites Zonentarifsystem (Nationale vervoerbewijzen NVB). Beim Personentransport spielt das Fahrrad, fiets genannt, eine wichtige Rolle. Das flache Land kommt diesem Umstand zugute.

Außenhandel

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Niederlande. Ungefähr ein Viertel des gesamten niederländischen Exports (inklusive Wiederausfuhr) geht in die Bundesrepublik. Die vermeintlich kleinen Niederlande stehen mit einem Warenumsatz von 233,6 Mrd. Euro (2022) im bilateralen Außenhandel hinter China und den Vereinigten Staaten an dritter Stelle der deutschen Partnerländer und an erster Stelle in Europa. Dieser teilt sich auf in 110,7 Mrd. Euro Export nach den Niederlanden und 122,9 Mrd. Euro Import aus den Niederlanden.Die Volksrepublik China ist erneut Deutschlands wichtigster Handelspartner Quelle: Statistisches Bundesamt Damit gilt die Bundesrepublik als wichtigster Exporteur Richtung Niederlande.

Die wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland haben dementsprechend einen großen Einfluss auf die Niederlande. Der niederländische Export reagiert schnell auf Konjunkturschwankungen im Nachbarland.

Die Niederlande exportieren hauptsächlich Nahrungsmittel, Blumen, Maschinen, chemische Produkte und Erdgas. Importiert werden Obst und Getreide, Erdöl und Fahrzeuge. Die Niederlande haben 2016 eine positive Handelsbilanz, das heißt, der Export übersteigt den Wert der importierten Produkte um knapp 50 Mrd. Euro.

Kennzahlen + Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und anderer KennzahlenJahr 2010 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023BIP in Mrd. USD(Kaufkraftparität) 781,8 887,4 917,6 960,0 1013,6 1081,4 1091,8 1215,4 1367,3 1417,5BIP pro Kopf in USD(Kaufkraftparität) 47.168 52.508 54.041 56.201 58.992 62.571 62.719 69.552 77.729 79.586BIP-Wachstum(real) 1,3 % 2,1 % 2,4 % 2,8 % 2,3 % 2,3 % −3,9 % 6,3 % 5,0 % 0,1 %Inflation(in Prozent) 0,9 % 0,2 % 0,1 % 1,3 % 1,6 % 2,7 % 1,1 % 2,8 % 11,6 % 4,1 %Staatsverschuldung(in Prozent des BIP) 59 % 64 % 61 % 56 % 52 % 48 % 53 % 50 % 48 % 45 %

+ Entwicklung des Außenhandels der Niederlande in Mrd. US-Dollar und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent 2019 2020 2021 Mrd. USD % gg. Vj. Mrd. USD % gg. Vj. Mrd. USD % gg. Vj. Einfuhr 514,9 −1,2 484,1 −6,0 620,8 +28,2 Ausfuhr 576,8 −1,9 551,4 −4,4 691,8 +25,5 Saldo +61,9 +67,3 +71,0

+ Haupthandelspartner der Niederlande (2021) Export (in Prozent) nach Import (in Prozent) von 22,8 17,3 10,8 10,2 8,1 9,9 4,8 7,6 4,3 3,5 3,1 3,5 3,1 2,9 sonstige Staaten 43,0 sonstige Staaten 45,1

Siehe auch Deutsch-niederländische Beziehungen

Weblinks Netzpräsenz der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) (deutsch, niederländisch) Übersicht wirtschaftliche Fakten und Kulturunterschiede D-NL (deutsch, niederländisch) NiederlandeNet.de Netzpräsenz des Zentralen Statistikamts der Niederlande CBS (niederländisch) Netzpräsenz des niederländischen Planungsamts CPB (niederländisch)

Einzelnachweise