Microsoft Dynamics 365 Business Central (ehemals Microsoft Dynamics NAV bzw. Navision genannt) ist eine integrierte Suite von Enterprise-Resource-Planning (ERP)- und Customer-Relationship-Management (CRM)-Anwendungen, die von Microsoft angeboten wird. Sie kombiniert verschiedene Funktionen wie Vertrieb, Kundenservice, Außendienst, Betrieb, Finanzen, Marketing und Projektservice-Automatisierung. Es gibt unterschiedliche voneinander abweichende Angaben zum Marktanteil. Laut statista.com ist Microsoft Dynamics 365 Business Central das im Jahr 2024 mit 85,17 Prozent Marktanteil am weitesten verbreitete ERP-System weltweit.
Dynamics 365 Business Central integriert sich mit anderen Microsoft-Produkten wie Office 365, Power BI und Microsoft Azure. Microsoft Dynamics 365 Business Central ermöglicht es Unternehmen, Abläufe zu verwalten und zu automatisieren. Die Plattform kann an Branchen und individuelle Unternehmensanforderungen angepasst werden.
Microsoft Dynamics 365 Business Central wird besonders von kleinen und mittleren Unternehmen eingesetzt und durch Microsoft-Partner vertrieben. Diese passen die Standardsoftware an die jeweiligen Unternehmensprozesse an. Die Anpassungen werden als Erweiterungsapps in der produktspezifischen Programmiersprache AL realisiert. Für verschiedene Branchen existieren Branchenlösungen, die von Microsoft-Partnern entwickelt werden.
Geschichte Navision wurde ursprünglich von Navision Software A/S, einem dänischen Unternehmen, entwickelt. Die Softwarelösung verbreitete sich vor allem in Europa, wo es von Navision Solution Centern (NSCs) vertrieben wurde. Die Schwerpunkte lagen in Dänemark und Deutschland. Die Software verfügte über eine eigene satzorientierte proprietäre Datenbank, die speziell auf die Bedürfnisse der ERP-Software zugeschnitten war.
Navision hatte mit Microsoft lange Zeit kooperiert, bevor es im Juli 2002 von Microsoft übernommen wurde. Microsoft wollte sich damit auf dem Markt für ERP-Systeme positionieren. Die aktuelle Version ist Business Central 2026 Release Wave 1 (On-Premises), die finale NAV-Version, welche im Dezember 2017 erschien, ist Microsoft Dynamics NAV 2018. Frühere Produktversionen hießen Microsoft Dynamics NAV 2017, NAV 2016, NAV 2015, NAV 2013 R2, NAV 2013, NAV 2009 R2, NAV 2009 SP1, NAV 2009, NAV 5.0 SP1, NAV 5.0, Microsoft Navision 4.0 SP3, 4.0 SP2, Microsoft Business Solutions Navision 4.0 SP1, 4.0, 3.70, Navision Attain 3.60, 3.10, 3.01, 3.0, Navision Solution 3.0, Navision Financials 2.65, 2.60, 2.50, 2.01, 2.0, 1.3, 1.2, 1.0 und unter einer zeichenorientierten Benutzungsoberfläche gab es NAVISION 1.00 bis NAVISION 3.56a, welche auch als „blaue Version“ bezeichnet wurde.
2002 übernahm Microsoft den dänischen Hersteller Navision Software A/S und integrierte ihn in seinen Geschäftsbereich Microsoft Business Solutions. Seitdem wird Microsoft Dynamics NAV schrittweise mit den anderen ERP-Lösungen von Microsoft zusammengeführt. Die Version aus dem Jahr 2017 erhielt daher nicht mehr den damaligen Namen Navision, sondern wurde in Microsoft Dynamics NAV umbenannt. Ab 2018 wurde die Software unter dem neuen Marktnamen Microsoft Dynamics 365 Business Central On-Premises weitergeführt, die nunmehr auch in der neuen Ausprägung als SaaS-Software Microsoft Dynamics 365 Business Central gemietet werden kann. Eine Besonderheit hierbei ist die gemeinsame Quellcodebasis beider Varianten.
Zeittafel 1983: Erik Damgaard und Preben Damgaard gründen Damgaard Data und bringen in Dänemark eine Finanzbuchhaltung Danmax für den IBM-PC unter PC-DOS auf den Markt. 1984: Jesper Balser, Torben Wind und Peter Bang gründen PC & C und bringen in Dänemark eine Finanzbuchhaltung PCPLUS für den IBM-PC unter PC-DOS auf den Markt. 1987: PC&C bringt das Nachfolgesystem Navigator in Client/Server-Architektur als 16-Bit-Software auf den Markt. 1990: Lars Damsgaard Andersen, Jesper Bowman und Per Grønfeldt gründen die PC&C Vertriebs GmbH mit Sitz in Hamburg. 1993: Damgaard Data bringen Concorde XAL auf den Markt. 1994: IBM übernimmt 50 % der Anteile an Damgaard Data Development. 1996: PC&C benennt sich in Navision Software A/S um und bringt in enger Zusammenarbeit mit Microsoft die erste ERP-Software Navision Financials unter Windows 95 als 32-Bit-Software mit proprietärer Datenbank auf den Markt. Die Zusammenarbeit mit IBM endet damit. 1997: Damgaard stellt AXAPTA in einer Beta-Version mit dem Codenamen Atlanta vor. 1998: Damgaard Data kauft die IBM-Anteile zurück. 1998: Concorde Software GmbH mit Sitz in Böblingen benennt sich um in Damgaard GmbH. 1998: Damgaard bringt AXAPTA auf den Markt. 2000: Navision Software und Damgaard haben ihre Fusion bekannt gegeben. Als NavisionDamgaard wollen sie ihre ERP-Produkte für den Mittelstand künftig gemeinsam entwickeln und vertreiben. Navision kauft Damgaard per Aktientausch im Verhältnis eins zu eins. Mit Jesper Balser und Preben Damgaard wird das Unternehmen zwei Chefs haben. 2001: Es wird entschieden, den Namen Damgaard verschwinden zu lassen. Folglich heißt das Unternehmen nur noch Navision A/S; die bisherigen Produkte Damgaard Axapta und Damgaard XAL werden in Navision Axapta und Navision XAL umbenannt. 2001: Damgaard XAL (zuvor Concorde XAL) soll gepflegt werden. 2002: Microsoft übernimmt Navision A/S. Das am 7. Mai unterbreitete Kaufangebot sei erfolgreich abgeschlossen, der Konzern werde die Navision-Anteile für rund 1,45 Milliarden Euro übernehmen. 2002: Microsoft Business Solutions wird nach eigenen Angaben Entwicklung, Vermarktung und Support der Navision-Anwendungen „nahtlos fortführen“. Diese werden unter den Bezeichnungen Microsoft Navision Axapta, Microsoft Navision Attain, Microsoft Navision C5 sowie Microsoft Navision XAL in das Portfolio integriert. 2003: Microsoft kündigt an: Unterstützung und Verbesserung der Lösungen Microsoft Business Solutions–Axapta und Microsoft Business Solutions–Navision bis mindestens 2012. (Die Vorgängersysteme Navision C5 und XAL werden nicht erwähnt.) Entwicklung einer einzigen umfassenden Businesslösung auf Basis der Microsoft .NET-Plattform. Verfügbarkeit dieser Lösung ab 2008. 2008: Änderung der Produktnamen: aus Microsoft Business Solutions-Axapta wird Microsoft Dynamics AX, aus Microsoft Business Solutions-Navision wird Microsoft Dynamics NAV. Beide Systeme werden weiterentwickelt, ob es eine Zusammenführung in eine einzige Applikation gibt, ist derzeit nicht festgelegt. 2018: Änderung der Produktnamen: aus Microsoft Dynamics NAV wird Microsoft Dynamics 365 Business Central on-premises, sowie Neueinführung der cloudbasierten ERP-Anwendung Microsoft Dynamics 365 Business Central
Versionshistorie Version Intern Datum 1.0 11/1995 1.1 06/1996 1.2 04/1997 1.3 11/1997 2.0 08/1998 2.01 07/1999 2.5 12/1999 2.6 10/2000 3.01 09/2001 3.10 05/2002 3.60 09/2002 3.70 07/2003 3.70A 03/2004 3.70B 08/2005 4.0 08/2005 5.0 03/2007 5.0 SP1 04/2008 2009 6.0 12/2008 2009 SP1 09/2009 2009 R2 12/2010 2013 7.0 09/2012 2013 R2 7.1 10/2013 2015 8.0 09/2014 2016 9.0 10/2015 2017 10.0 10/2016 2018 11.0 12/2017 Business Central "Spring 2018" 12.0 04/2018 Business Central "Fall 2018" 13.0 10/2018Business Central "Spring 2019"14.004/2019Business Central 2019 Release Wave 215.010/2019Business Central 2020 Release Wave 116.004/2020Business Central 2020 Release Wave 217.010/2020Business Central 2021 Release Wave 118.004/2021Business Central 2021 Release Wave 219.010/2021Business Central 2022 Release Wave 120.004/2022Business Central 2022 Release Wave 221.010/2022Business Central 2023 Release Wave 122.004/2023Business Central 2023 Release Wave 223.010/2023Business Central 2024 Release Wave 124.004/2024Business Central 2024 Release Wave 225.010/2024Business Central 2025 Release Wave 126.04/2025Business Central 2025 Release Wave 227.010/2025Business Central 2026 Release Wave 128.004/2026
AL Mit der Programmiersprache AL (Application Language) können Erweiterungen für Business Central entwickelt werden. Mittels Events (Publisher und Subscriber) kann die sogenannte BaseApp erweitert und Funktionalitäten zu Business Central hinzugefügt werden. Bestehende AL-Objekte können sowohl erweitert als auch neue erstellt werden. So kann man zum Beispiel bestehende Tabellen, Seiten, Berichte etc. erweitern.
Erweiterungen können mit Visual Studio Code entwickelt werden.
Am 1. Oktober 2022 ist die „Universal Code Initiative“ entstanden. Durch sie soll gewährleistet werden, dass AL-Code sowohl im SaaS-Modell als auch On-Premises ausgeführt werden kann. Business Central Extensions können dadurch nicht mehr direkt auf Client-Ressourcen zugreifen. Damit geht Microsoft einen Schritt weiter in Richtung „Cloud first“.
C/AL C/AL (C/SIDE Application Language) ist eine interne Programmiersprache für Microsoft Dynamics NAV auf Basis der C/SIDE-Entwicklungsumgebung. C/AL ist ereignisgesteuert, aber nicht objektorientiert. C/AL zählt zu den Programmiersprachen der 4. Generation. C/AL ist syntaktisch mit Turbo Pascal verwandt, hat allerdings keine so strenge Typisierung wie Pascal.
Praktisch der gesamte Funktionsumfang von Microsoft Dynamics NAV ist in C/AL programmiert und für die Solution-Center zugänglich. Somit kann NAV an die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden angepasst werden.
Der Zugang zu C/AL kann optional in einer Entwickler-Lizenz erworben werden. Programmierer erhalten dadurch die Möglichkeit, die Anwendung an ihre spezifischen Anforderungen anzupassen. Die Anwendungsobjekte können durch eine binäre oder textbasierte Import-/Exportfunktion einfach portiert werden.
Die Version 14.0 ist die letzte Version, die C/AL unterstützt. Ab Version 15 findet die gesamte Weiterentwicklung in der proprietären Sprache AL statt.
C/SIDE Unter C/SIDE (Client/Server Integrated Development Environment) versteht man zum einen die Microsoft Navision eigene Entwicklungsumgebung, welche sich in wesentlichen Teilen auf das interne Datenbankmodell stützt als auch die von Navision selbst verwendete proprietäre Datenbank.
Bis etwa Navision 3.60 wurde diese Datenbank als Basis für Installationen empfohlen. Diese ist auch bis Dynamics NAV 2009 R2 bei Verwendung des bisherigen Classic Clients weiter verwendbar, jedoch wurde für neuere Installationen vermehrt der Microsoft SQL Server empfohlen, nur dieser unterstützt wahlweise auch den ab NAV 2009 eingeführten rollenbasierten Client. Ab NAV 2013 ist dann nur noch der Microsoft SQL-Server nutzbar. Nachteil der oftmals auch als „Native Datenbank“ oder neuerdings als Microsoft Dynamics NAV Classic Server bezeichneten Navision-eigenen Datenbank ist, dass diese nicht oder nur eingeschränkt mit SQL-Befehlen angesprochen werden kann, sowie die eingeschränkten Sicherungs- bzw. Wiederherstellungsmöglichkeiten im Vergleich zum Microsoft SQL Server. Mit anderen Datenbank-Servern, etwa Oracle Database, ist Navision nicht kompatibel.
Die Navision Datenbank zeichnet sich durch hohe Stabilität, Transaktionssicherheit, Trigger und durch hohe Geschwindigkeit bei der Bildung von Summen aus. Genau diese Funktionalität wird gerade in Buchhaltungssystemen sehr oft benötigt (Summenbilden auf Konten, bzw. innerhalb von Zeiträumen).
Die Version 14.0 ist die letzte Version, die C/SIDE bereitstellt. Alle weiteren Entwicklungen finden seither in Visual Studio Code statt.
SIFT-Technologie Abweichung von klassischen Prinzipien der Datenbankstruktur Durch einen kleinen Trick wird erreicht, dass durch lediglich drei Datenbankzugriffe (richtigerweise durch Zugriffe auf einen speziellen Index) Summen aus beliebig großen Datenmengen gebildet werden können. Ein Zugriff auf die Einzelwerte zur Summenbildung ist somit nicht erforderlich.
Diese Technik ist unter dem geschützten Namen SIFT (SumIndex Field Technology oder SumIndexed Flow Technology) direkt innerhalb der Datenbank implementiert. In sogenannten FlowFields werden die berechneten Summen angezeigt. FlowFilter dienen zur Einschränkung der in den FlowFields angegebenen Werte auf bestimmte vorgegebene Kriterien.