mini|hochkant=1.3|Organspende-Logo, Sieger des DIATRA-Wettbewerbs
Bei einer Organspende werden menschliche Organe für eine Transplantation vom Organspender zur Verfügung gestellt. Lebendorganspenden sind bei Nieren und Leberlappen gängige Praxis, bei Gebärmüttern sind solche Spenden in der Experimentalphase. Lebendspenden sind neben der Zustimmung des Spenders oft noch an weiterreichende Bedingungen gebunden.
Die Entnahme von lebensnotwendigen Organen wie Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm darf nur geschehen, nachdem nach gesetzlich festgelegten Kriterien der Tod des Spenders festgestellt wurde (Entnahme post mortem). Dies ist meist (z. B. in Deutschland) die eindeutige Feststellung des Hirntodes. In einigen Ländern (z. B. Spanien) hingegen reicht für die Todesfeststellung auch das Herztodkriterium aus. Darüber hinaus konkurrieren aus rechtlicher Sicht grundsätzlich Widerspruchs- und Zustimmungsregelungen.
Von der Organspende im engeren Sinn abgegrenzt werden Gewebespenden (z. B. von Hornhaut), Blutspenden, Knochenmarkspenden (Blutstammzellenspende) und Spenden von vaskularisierten Gewebekomplexen (z. B. bei Hand- oder Gesichtstransplantationen).Bedarf an Hand- und Gesichtstransplantationen steigt. Aerzteblatt.de; abgerufen am 8. November 2012.
Geschichte 1954 spendete zum ersten Mal ein eineiiger Zwillingsbruder seinem Bruder als Lebendspender eine seiner Nieren (syngene Transplantation). Dieser Bruder überlebte acht Jahre. Der spendende Bruder selbst starb mehr als 56 Jahre später, 2010. Der damalige Chefoperateur Joseph Edward Murray erhielt 1990 den Nobelpreis für Medizin.
Die erste Lebendspende einer Bauchspeicheldrüse wurde 1979 von einem Team um David Sutherland an der University of Minnesota in Minneapolis durchgeführt.
Seit 1995 werden Leberlebendspenden durchgeführt. Bis 2012 sind weltweit über eine halbe Million Nieren transplantiert worden.
Medizinische Fragen mini|hochkant|Nationales Organspender-Denkmal in Naarden, Niederlande: De klim, ‚das Klettern‘
Eine Organspende im engeren Sinn betrifft solide menschliche Organe. Anders ist das bei der Gewebespende, in deren Rahmen Blutbestandteile, Augenhornhaut, Herzklappen, Knochengewebe, Knorpelgewebe, Gehörknöchelchen, Haut oder Sehnen entnommen werden.
Organqualität Eine Reihe von Faktoren bestimmen die Qualität eines Organs (und damit neben der Kompatibilität des Organs mit dem Empfänger den Erfolgsgrad einer Transplantation). Die beiden wichtigsten sind das Organalter sowie bestimmte Komorbiditäten des Spenders.
Das Alter der Spender ist dabei weniger relevant als der Zustand der Organe. Die Eignung von Organen zur Transplantation wird jeweils im Einzelfall medizinisch geprüft.organspende-info.de auf der Website der BZgA zur Organspende; abgerufen am 19. März 2024.
Kontraindikationen Eine Organspende verbietet sich dann, wenn der Spender an einem metastasierenden Krebsleiden, an einer aktiven und verbrauchenden Infektion, der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beziehungsweise anderen Prionen-Erkrankungen oder einer chronischen Organfunktionsstörung leidet.
Weil eine Infektion mit HIV keine absolute Kontraindikation für Transplantationen mehr ist, bieten sich für HIV-infizierte potenzielle Empfänger auch verstorbene HIV-Infizierte als Spender an, wenngleich dies bisweilen juristisch – z. B. in den Vereinigten Staaten – verboten ist.
Einige Kontraindikationen bestehen organspezifisch. So stehen mit Hepatitis B oder C Infizierte nicht für Leberspenden zur Verfügung.
Drogenabhängigkeit ist keine unbedingte Kontraindikation zur Organspende.
Spendenarten Bei der Organspende und Gewebespende gibt es nach Schäfer 3 verschiedene Spendeformen: Die Lebendspende, die Totspende und die Hirntotspende.
Grundsätzlich kann zwischen Spendeorganen, welche nur einem Toten entnommen werden dürfen, und solchen, die auch durch eine Lebendspende übertragen werden können, unterschieden werden. In der Regel erzielen dabei Organe aus Lebendspenden einen höheren Transplantationserfolg.
Es kann zwischen einer autologen, allogenen, syngenen, xenogenen und alloplastischen Transplantation unterschieden werden. Bei einer autologen Transplantation sind der Organspender und -empfänger dieselbe Person (z. B. Hauttransplantation bei Verbrennung). Bei einer allogenen Transplantation sind der Spender und der Empfänger zwei verschiedene Personen. Die allogene Transplantation ist die weltweit am häufigsten durchgeführte Art der Transplantation. Einen Spezialfall bilden syngene Transplantationen zwischen eineiigen Zwillingen, hier sind Spender und Empfänger genetisch identisch. Xenogene Transplantationen finden zwischen Vertretern von verschiedenen Spezies statt. Das bedeutet, Organe werden vom Tier auf den Menschen verpflanzt. Dazu gehört auch das Einsetzen von Schweineherzklappen in das menschliche Herz.Lisa Tambornino: Organtransplantation. Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften, Januar 2013.
Lebendspende Bei der Lebendspende spendet ein lebender Mensch eines seiner Organe oder die erforderlichen Zellen. Dies sind entweder paarig oder segmenthaft angelegte Organe oder Organe mit einer hohen Regenerationsfähigkeit.
Grundsätzlich wird zwischen Lebendspenden unter nahen Blutsverwandten und „fremden Spendern“, die meist nicht in einer persönlichen Verbindung mit dem Empfänger stehen, sogenannten living unrelated donors (LURD), unterschieden. Die Transplantationserfolge unterscheiden sich dabei meist nicht signifikant oder jedenfalls nicht bedeutend voneinander.
Gespendet werden von lebenden Personen Nieren und Leber. Auch Teile von Bauchspeicheldrüsen, Därmen und Lungen sind bereits nach Lebendspenden transplantiert worden. 2012 erfolgte in Deutschland erstmals eine Lungenorganspende von Eltern an ihr Kind.Erste Lebendlungenspende von Eltern auf Kind in Deutschland geglückt aus lungenaerzte-im-netz.de
Vorübergehend kann zur Geburt eines Kindes mittlerweile auch die Gebärmutter transplantiert werden.
Niere Die Lebendnierenspende ist die häufigste Form der Lebendspende, da dieses Organ im Körper paarweise vorhanden ist und somit der Spender seine Nierenfunktion nicht einbüßt. Lebendspendenierentransplantationen zeigen deutlich größere Erfolge als Leichennierentransplantationen. Frauen spenden dabei zwischen zwei- und achtmal häufiger als Männer. Weniger invasive laparoskopische Entnahmearten führten in der Anfangszeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts zwar zu häufigeren gravierenden Komplikationen, sind mittlerweile aber ähnlich sicher wie konventionelle offen-chirurgische Eingriffe, führen allerdings zu einer etwas längeren warmen Ischämiezeit, ohne dass dies bisher nachweisbare Konsequenzen für die Organqualität hat. Beide Eingriffsarten spielen daher in der klinischen Praxis eine legitime Rolle. Die perioperative Sterblichkeit liegt bei etwa 0,02 bis 0,05 %; die Langzeitsterblichkeit von Nierenspendern liegt gemäß einer Studie aus dem Jahr 2014 entgegen früheren Untersuchungen über der vergleichbarer Alterskohorten und wurde mit 30 % bzw. 40 % bei kardiovaskulären Ereignissen gegenüber dieser Gruppe angegeben. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass ältere Spender (Alter > 55) keine verkürzte Lebenserwartung gegenüber einer gesunden Vergleichsgruppe haben.
Leber Ein weiteres Organ, bei dem Lebendspenden eine zunehmende Rolle spielen, ist die regenerationsfähige Leber, von der auch nur ein Teil gespendet werden kann.
Postmortale Spende Post mortem werden auch Herzen, Gliedmaßen (z. B. bei der Handtransplantation) und das Gesicht für eine Transplantation gewonnen. Erste Versuche mit Gebärmutterspenden gab es zunächst in Saudi-Arabien und der Türkei; auch in Schweden ist ein solches Programm im Gang. Organe zur Transplantation werden in der Regel entnommen, wenn der Hirntod nachgewiesen ist. In einigen Ländern werden, zumeist alternativ, Organe auch nach dem Herztod entnommen, dabei werden vor allem Nieren und seltener auch Lebern explantiert.
Bis die Vorbereitungen zur Entnahmeoperation abgeschlossen sind, wird der Körper des Spenders im Rahmen der Organprotektiven Intensivtherapie versorgt.
Bevor 1968 an der Harvard University entwickelte Hirntodkriterien breite Anerkennung fanden, war der Herztod die Prämisse der meisten postmortalen Organspenden. Danach wurde der Hirntod in den meisten Staaten mit Transplantationsmedizin die weitaus häufigste Präexplantationsdiagnose. Lediglich in Staaten wie Japan, die den Hirntod nicht anerkennen, blieb der Herztod das Standardkriterium für die postmortale Organentnahme. Erst durch die Verschärfung des Organmangels kommt es seit den 1990er Jahren auch in einigen anderen Staaten (z. B. USA, Niederlande) wieder vermehrt auch zu Entnahmen nach einem irreversiblen Kreislaufstillstand ohne Feststellung des Hirntods. In der Schweiz und seit Ende 2013 in Österreich muss der Hirntod auch vor einer Entnahme nach einem irreversiblen Kreislaufstillstand festgestellt werden. In Deutschland ist eine Organexplantation nach Herztod verboten.
Der Hirntod kann bei primär supratentorieller (Großhirn-)Läsion durch klinische Untersuchungen festgestellt werden (Koma, Fehlen aller Hirnstammreflexe und Ausfall der Spontanatmung). Diese Beobachtungen müssen über einen gewissen Zeitraum hinweg – je nach Jurisdiktion und Art des Hirnschadens etwa zwischen vier und 72 Stunden, wobei sekundäre Hirnschäden in der Regel längere Zeiträume erfordern – nachgewiesen werden. Alternativ sind auch technische Untersuchungen zum Nachweis der Irreversibilität möglich und üblich: entweder ein Null-Linien-EEG über mindestens 30 Minuten, oder beidseits erloschene evozierte Potentiale, oder der Nachweis der fehlenden Hirndurchblutung mittels Doppler-Sonographie oder Perfusionsszintigraphie. Bei primär infratentorieller (Hirnstamm-, Kleinhirn-) Läsion ist eine apparative Zusatzuntersuchung (EEG oder Sonographie) oft obligat.
Eine Organspende erschwert oder behindert normalerweise die Bestattung nicht.
Ethische Fragen Im Zusammenhang mit Organspenden können sich verschiedene Situationen und Fragen ergeben, die eine ethische Beurteilung erfordern. (Hierzu auch noch der anschließende Abschnitt zu den religiös-weltanschaulichen Beurteilungen.)
Organmangel Seit Beginn der Geschichte von Transplantationen existiert ein Mangel an Spenderorganen. Da Deutschland, gemessen an der Organspenderzahl pro eine Million Einwohner, auf einem der hintersten Plätze weltweit liegt, ist der Organmangel in Deutschland wesentlich gravierender als im europäischen Ausland.sueddeutsche.de Um die ausgewogene Verteilung postmortal gespendeter Organe sicherzustellen, wurden Organisationen gegründet, die Spenderdatenbanken führen. Hier werden die Spenderorgane auf ihre medizinische Kompatibilität mit potentiellen Empfängern hin überprüft und nach weiteren Kriterien, wie z. B. Dringlichkeit („sickest-first“-Prinzip) und Erfolgsaussicht (Zugewinn an Lebensjahren mit gewisser Lebensqualität), einem oder mehreren geeigneten Empfängern zugewiesen. Nicht-medizinische Merkmale (Geschlecht an sich, Glaube oder ähnliche Parameter) spielen bei der Vergabe keine Rolle.organspende-info.de