mini |Tragkraftspritze mini |Eine Reserve-Löschwasserversorgung zu einer Löschwasserentnahmestelle Eine Löschwasserförderung über lange Strecken wird bei Bränden notwendig, wenn größere Wassermengen benötigt werden, als im Einsatzgebiet vorhanden sind. Dies ist beispielsweise bei Waldbränden oder auch bei Großbränden der Fall.

Grundsätzlich funktioniert die Löschwasserförderung über lange Strecken genauso wie bei einer kürzeren Löschwasserförderung der Feuerwehr. Allerdings werden hierbei mehr Pumpen benötigt, um das Wasser durch die längere Schlauchleitung zu transportieren.

Begrifflichkeiten Bei der Löschwasserförderung über lange Wegstrecken werden je nach Land spezielle Begrifflichkeiten verwendet:

Strahlrohrstrecke Die Strahlrohrstrecke beschreibt in Deutschland den Weg von der letzten Feuerlöschpumpe vor der Einsatzstelle, der sogenannten Brandstellenkraftspritze (BKS), bis hin zur Wasserabgabestelle, also den Strahlrohren. In diesem Bereich liegt der Fokus nicht mehr auf einem Fortleiten des Wassers mit möglichst wenig Druckverlust, sondern auf der Erzeugung des notwendigen Drucks für die Versorgung der Strahlrohre.Wasserversorgung lange Wegstrecke, Feuerwehrschule der Stadt Köln

Förderstrecke Die Förderstrecke beschreibt den Bereich von der Wasserentnahmestelle bis zur Brandstellenkraftspritze. Die Pumpe, mit der das Wasser entnommen wird, wird als 0KS bezeichnet. Alle weiteren Pumpen werden als Verstärkerkraftspritze (VKS) bezeichnet. Die Förderstrecke wird in Unterabschnitte gegliedert; jeder Unterabschnitt reicht von einer VKS bis zur nächsten.

Druckänderungen mini|400px|Tabelle Reibungswiderstand (nach der Hessischen Landesfeuerwehrschule) Bei der Wasserförderung über lange Wegestrecken wirken sich zwei Faktoren besonders auf Druckverluste/-gewinne aus. Man kann hierbei auch von Förderdruckvernichtung/-gewinne sprechen.

Druckverluste durch Leitungslänge Je mehr Wasser am Ende einer Schlauchleitung abgenommen wird, desto höher ist der Förderstrom (in l/min) der Schlauchleitung. Da das Wasser im Schlauch umso stärker verwirbelt wird, je schneller es fließt, entstehen durch hohe Strömungsgeschwindigkeiten größere Druckverluste. Dieser Effekt kommt ebenfalls zum Tragen, je kleiner der Querschnitt der verwendeten Leitung ist.

Solange das Wasser nicht abgegeben wird, sind diese Druckverluste nicht vorhanden. Eine plötzlich eingestellte Wasserabgabe kann daher zu extremen Druckanstiegen in der Förderstrecke führen.

Druckveränderungen durch Höhenunterschiede Wenn eine Förderstrecke nicht ebenerdig verläuft, führen Höhenunterschiede zu Druckveränderungen. Wenn die Leitung bergauf verläuft, verliert das Wasser 1 bar Druck je 10 Meter Höhendifferenz. Verläuft die Leitung jedoch bergab, gewinnt man 1 bar Druck. Dieser Effekt ist auch bei eingestellter Wasserförderung sichtbar.

Bei Förderströmen Förderstrom [l/min] Druckverlust (pR) pro 100 m B-Schlauch [bar] Druckverlust (pR) pro 100 mC-Schlauch [bar] (42 mm) Druckverlust (pR) pro 100 mC-Schlauch [bar] (52 mm) 100 – 0,6 0,2 200 0,1 2,3 0,7 400 0,3 8,8 2,1 600 0,6 3,5 800 1 20 6,5 1000 1,4 X X 1200 2 X X 1600 4 X X

Bei Querschnitt Förderstrecke E = 100 m Förderstrom Q = 800 l/min Leitung in mm Reibungsverlust pR je 100 m C42 42 20 [bar] C52 52 6,5 [bar] B 75 1 [bar] A 110 0,2 [bar] F 150 0,03 [bar] Rohr 87 0,5 [bar] Rohr 105 0,2 [bar]

Voraussetzung, Planung, Vorbereitung und Inbetriebnahme mini|Formelsammlung Löschwasserförderung nach der Hessischen Landesfeuerwehrschule

Es gibt verschiedene Voraussetzungen und Angaben die zum Aufbau einer „Wasserversorgung über lange Wegstrecke“ erforderlich sind – hier an zwei Beispielen bei Übungen der Hessischen Landesfeuerwehrschule:

Übung 1: geschlossene Schaltreihe mit einfacher B-Leitung Strecke 1,5 km, Höhenunterschied etwa 30 m Übung 2: offene Schaltreihe 800 m einfache B-Leitung, anschließend 600 m mit doppelter B-Leitung, Höhenunterschied insgesamt etwa 60 m

die Wasserförderung benötigt eine Planungszeit (im Beispiel ca. 30 min) die geforderte Fördermenge muss bekannt sein (Straßen-)Karte sollte vorhanden sein, bei Höhenunterschieden sollte eine topografische Karte vorliegen durch Zeit für Aufbau und die Inbetriebnahme (hier in den beiden Beispielen mindestens 1 h) steht diese „Wasserquelle“ erst spät zur Verfügung ausreichend Personal (hier mindestens Zugstärke 1/3/18/22) ausreichend Material (Schläuche und Pumpen; oft auch durch besondere Fahrzeuge wie Schlauchwagen, Gerätewagen Logistik oder LF 20 KatS gestellt)

Üblicherweise wird bei Einsatzstellen hierfür ein eigener Einsatzabschnitt gebildet und damit ein eigener Funkkanal benutzt.

Aufbau Um die Anzahl und die genaue Stationierung der Pumpen zu bestimmen, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden:

Pumpenabstand: Wenn man davon ausgeht, dass eine übliche Feuerlöschkreiselpumpe einen Eingangsdruck von über 1,5 bar benötigt und einen Ausgangsdruck von etwa 8 bar im Dauerbetrieb hat, so ergibt sich eine maximale Förderhöhe pro Pumpe von etwa 65 m (10 m Höhenunterschied entsprechen 1 bar Druckdifferenz).Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren – Maschinist für Löschfahrzeuge, Neckar-Verlag 2002, S. 32–35.

Druckverlust durch Schlauchlänge: Grundsätzlich ist der Druckverlust in den Schlauchleitungen zu berücksichtigen. Ein normalerweise verwendeter B-Schlauch hat bei einer Fördermenge von 800 l/min einen Druckverlust von ca. 1 bar (die Literaturangaben schwanken zwischen 1,0 und 1,3 barFachwissen Feuerwehr: „Maschinist für Löschfahrzeuge – Grundlagen“, ecomed Verlag, 1. Auflage 2009.Das Feuerwehr-Lehrbuch, BrandSchutz – Deutsche Feuerwehrzeitung, Verlag W. Kohlhammer, 1. Auflage 2012.) je 100 m Länge. Auf ebener Strecke muss man daher etwa alle 600 m eine Verstärker-Pumpe einsetzen. Verlegt man bei gleicher Förderleistung eine Doppel-B-Leitung, so verringert sich der Druckverlust durch Reibung auf etwa 0,3 bar für dieselbe Strecke.

Aufstellungsort: Der Aufstellungsort sollte so gewählt werden, dass die Pumpe nicht zu weit im unwegsamen Gelände getragen werden muss, sondern sie eher an einer Waldstraße platziert wird. Das Löschfahrzeug an die Brandstelle, idealer Weise ein Löschgruppenfahrzeug wegen Tank (Puffer) und der Gruppenbeladung.

Pumpenleistung: Außerdem richtet sich die Fördermenge nach der Pumpenleistung der schwächsten Pumpe. Der Normwert bei üblichen Tragkraftspritzen (PFPN 10-1000) beträgt 1000 l/min. Wenn nur größere Pumpen, wie sie meist in Fahrzeugen eingebaut sind, verwendet werden, kann man auch zweisträngig pumpen, das heißt die Wasserförderung erfolgt über zwei parallele B-Leitungen, die über ein Sammelstück an der Eingangsseite der Pumpe zusammengeführt werden. Die stärkste Pumpe der gesamten Förderstrecke sollte als Wasserentnahmepumpe (0KS) eingesetzt werden, da diese die größte Leistung erbringen muss.

Beispiel mini|Berechnung der Wegestrecke anhand des Beispiels mit einer Pumpe mit 8/8 und 10/10 bei Restdruck 2 bar (hier vorab herausgerechnet) Gegeben seien folgende Daten: 8 bar Pumpenausgangsdruck Förderleistung durch den Schlauch 800 l/min Höhenunterschied nach oben von 40 m Eingangsdruck in die nächste Pumpe etwa 2 bar Bei einer B-Leitung kommt man etwa 250 m weit und bei zwei B-Leitungen kommt man etwa 650 m weit.

Reserven

Bei Ausfall eines Elementes der Förderstrecke ist die Wasserversorgung nicht mehr sichergestellt und es sollten Gegenmaßnahmen für lange Ausfallzeiten schon beim Aufbau berücksichtigt werden.

Alle 100 m B-Schlauch ist ein extra Schlauch beizulegen und ausreichend Abschiebemöglichkeiten eingebaut werden. Für die Pumpen ist ebenfalls eine Reserve vor zuhalten. Treibstoff der entsprechenden Pumpen Personal zum Austausch

Sicherheit

Brandschutz an den Pumpen. Licht an der Förderstrecke bei Dunkelheit

Varianten Geschlossene Schaltreihe Die geschlossene Schaltreihe ist ein Begriff deutscher Feuerwehren. Bei dieser Variante werden mehrere Kraftspritzen sowie eine ausreichende Anzahl an Druckschläuchen benötigt, um die Wegstrecke zu überwinden. Bei der geschlossenen Schaltreihe geht die Förderleitung von Kraftspritze zu Kraftspritze, d. h., es ist an jeder weiteren Kraftspritze ein bestimmter Eingangsdruck erforderlich (ca. 1,5 bis 2,0 bar). Diese Variante ist die am häufigsten angewendete Schaltreihe, da sie einfacher zu realisieren ist als die offene Schaltreihe.

Offene Schaltreihe Bei der offenen Schaltreihe speisen die Pumpen sich nicht gegenseitig, sondern jeweils einen Vorratsbehälter (zum Beispiel Falttank). Von diesen Behältern saugt jede Kraftspritze für sich an, wenn dieser entsprechend aufgefüllt ist. Vorteil gegenüber der geschlossenen Schaltreihe ist, dass die Löschwasserversorgung auch für eine gewisse Zeit aufrechterhalten werden kann, wenn eine Pumpe ausfällt oder getauscht werden muss.

Alternativen zur Wasserförderung mittels Schlauchleitungen Pendelverkehr mini|Pendelverkehr Berechnung beim TLF 16/25, TLF 16/24-Tr und StfLF 20/25

Eine Alternative zu dieser Art von Löschwasserversorgung stellt der so genannte Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen dar. In diesem Fall steht ein größeres Tanklöschfahrzeug oder ein größerer Ausgleichsbehälter als Puffer bereit, um laufend von eintreffenden Tanklöschfahrzeugen mit Wasser versorgt zu werden. Laufend pendeln eine Anzahl von Tanklöschfahrzeugen zwischen der Wasserentnahmestelle und dem Puffer hin und her. Ergänzt werden können diese insbesondere in ländlichen Gegenden durch Traktoren mit Güllefässern. Speziell in entlegenen Gebieten, wo nur einspurige Straßen hinführen, stellt das für die Einsatzleitung eine Herausforderung an die Logistik dar, um zu verhindern, dass sich die Fahrzeuge an Engstellen begegnen und damit das Pendeln verhindern. Wenn auch unter Experten die Effektivität und Praxistauglichkeit des Pendelverkehrs oft umstritten ist, da der Aufwand und die Anzahl der benötigten Fahrzeuge mit ausreichendem Wassertank u. a. abhängig von der Entfernung sehr hoch ist, bleibt es oft die einzige taugliche Möglichkeit, Löschwasser an die entsprechende Stelle zu bringen, ohne das zu löschende Objekt aufgeben zu müssen. Hinzu kommt, dass manche Tanklöschfahrzeuge nicht über Allradantrieb verfügen und viele der für den Pendelverkehr gut geeigneten großen Fahrzeuge (in Deutschland beispielsweise TLF 4000 u. ä.) aufgrund ihres Gewichts selbst mit Allradantrieb in der Praxis teilweise nur eingeschränkt geländefähig sind. Traktoren dagegen sind zwar geländetauglich, haben aber (mit Ausnahme moderner, schnelllaufender Traktoren) auf befestigten Straßen meist einen Geschwindigkeitsnachteil, sodass sich verschieden schnelle Fahrzeuge gegenseitig behindern können.

Leistungsfähiger Pendelverkehr (USA)