Wietmarschen ist eine Gemeinde im Landkreis Grafschaft Bentheim in Niedersachsen. Besonders bekannt ist der Wallfahrtsort Wietmarschen durch die Marienstatue in der Wallfahrtskirche St. Johannes Apostel und den historischen Stiftsbereich.

Geografie Geographische Lage Wietmarschen liegt im Städtedreieck zwischen Nordhorn, Lingen und Meppen. Höchste Erhebung der Gemeinde ist der Rupingberg in Lohne mit 50 m ü. NN mit einem in Planung befindlichen Aussichtsturm. Dieser Aussichtsturm wird so ähnlich wie der auf dem Isterberg bei Bad Bentheim aussehen.

Nachbarorte Die Gemeinde Wietmarschen grenzt im Norden beginnend im Uhrzeigersinn an folgende Orte im Landkreis Emsland: Adorf, Twist (beide Gem. Twist), Dalum (Gem. Geeste), Wachendorf, Schepsdorf (beide Stadt Lingen), Elbergen (Gem. Emsbüren). Im Landkreis Grafschaft Bentheim grenzt die Gemeinde Wietmarschen an folgende Orte: Engden (Samtgem. Schüttorf), Hesepe, Klausheide, Hohenkörben (Ksp. Nordhorn) (alle Stadt Nordhorn), Hohenkörben (Ksp. Veldhausen), Alte Piccardie (beide Gem. Osterwald, Samtgem. Neuenhaus) und Georgsdorf (Samtgem. Neuenhaus).

Gemeindegliederung Die Gemeinde Wietmarschen ist eine Einheitsgemeinde (insgesamt 13.235 Einwohner, Stand 2024) und gliedert sich in sechs Ortschaften: Lohne (7906 Einwohner) Wietmarschen (4028 Einwohner) Füchtenfeld (651 Einwohner) Nordlohne (325 Einwohner) Schwartenpohl (170 Einwohner) Lohnerbruch (155 Einwohner)

Die jüngste Ortschaft ist Füchtenfeld, wo sich ab 1945 in den während der Zeit des Nationalsozialismus errichteten Baracken des im Moor gelegenen Emslandlagers Wietmarschen Heimatvertriebene ansiedelten. Die größte Ortschaft ist Lohne, wo auch die Gemeindeverwaltung im 2008 neu errichteten Rathaus ansässig ist. In Wietmarschen ist eine Rathausnebenstelle vorhanden.

Geschichte mini| Wietmarschen wurde 1152 erstmals urkundlich erwähnt. Die Gemeinde entwickelte sich aus dem Benediktiner-Kloster Sünte Marienrode, das der aus dem niederländischen Betuwe stammende Ritter Hugo von Büren in diesem Jahr gegründet hatte.

Die Gemeinde Wietmarschen wurde am 1. März 1974 aus dem Landkreis Grafschaft Bentheim ausgekreist und dem Landkreis Lingen zugewiesen. Am 1. August 1977 kam sie wieder zur Grafschaft Bentheim zurück.

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Schwartenpohl und Wachendorf sowie der Hauptteil der aufgelösten Gemeinde Schepsdorf-Lohne (ohne den Ortsteil Schepsdorf) mit damals mehr als 3000 Einwohnern eingegliedert.

Ausgliederungen Am 1. Juli 1978 wurden die Ortsteile Herzford, Rheitlage und Wachendorf mit damals etwa 200 Einwohnern in die Stadt Lingen umgegliedert.

Religion Das römisch-katholisch geprägte Wietmarschen weicht in religiöser Hinsicht vom restlichen, evangelisch-reformiert geprägten Landkreis Grafschaft Bentheim ab. Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Lutheraner in den Landkreis und nach Wietmarschen. Im Februar 2006 verteilte sich die Religionszugehörigkeit wie folgt: 69,8 % römisch-katholisch 12,7 % evangelisch-lutherisch 4,7 % evangelisch-reformiert 12,8 % andere Konfessionen und Konfessionslose

Politik Rat Der Rat der Gemeinde Wietmarschen besteht aus 30 Ratsfrauen und Ratsherren.Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 24. November 2025 Die 30 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober. §47 NKomVG-Wahlperiode

Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Manfred Wellen (CDU).

Die vergangenen Gemeindewahlen ergaben folgende Ergebnisse und Sitzverteilungen:

Partei2026Gemeindewahl 13. September 2026 Gemeinde Wietmarschen, Amtliches Endergebnis2021Gemeindewahl 12. September 2021 Gemeinde Wietmarschen, Amtliches Endergebnis2016Gemeinde Wietmarschen – Gemeindewahl 2016, Endergebnis % Sitze%Sitze%Sitze Christlich Demokratische Union Deutschlands CDU 72,83 22 71,5 2177,122 Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD 13,39 4 15,5 517,85 Bündnis 90/Die Grünen Grüne 8,37 2 7,6 2 - - Freie Demokratische Partei FDP 5,41 2 5,4 25,11Wahlbeteiligung: 70,96 %66,32 % 64,73 %

Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Wietmarschen ist seit 2014 Manfred Wellen (CDU). Bei der letzten Bürgermeisterwahl 2026 wurde er mit 73,51 Prozent der Stimmen gegen Uwe Gundelach (SPD) wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,95 Prozent.

Vorherige Amtsinhaber:

2001–2014: Alfons Eling (CDU), erster hauptamtlicher Bürgermeister

Wappen Das Wappen der Gemeinde zeigt auf einem roten Feld in der Mitte der oberen Hälfte eine stilisierte Lilie und vom unteren Wappenrand nach links bzw. rechts oben verlaufend je einen goldenen Rohrkolben mit je einem goldenen Blatt. Die Rohrkolben stehen für die Lage der Gemeinde am Rande des Moores, durch das der Charakter der Landschaft geprägt wird. Die stilisierte Lilie ist ein Mariensymbol und erinnert gleichzeitig an die bedeutende Rolle, die Kloster und Stift in der Geschichte der Gemeinde gespielt haben. Die goldenen Figuren auf rotem Grund stehen für die Zugehörigkeit der Gemeinde zum Landkreis Grafschaft Bentheim.

Partnerschaft Mortagne-au-Perche wurde am 2. Juli 1989 eine Partnergemeinde von Wietmarschen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Heimathaus Lohne Das Heimathaus wurde im Jahr 1994 fertiggestellt. Im Erdgeschoss befindet sich ein Versammlungs- und Veranstaltungsraum, im Obergeschoss werden vom Heimatverein historische Geräte und Gegenstände rund um Haus und Hof ausgestellt und archiviert. Die „Upkamer“ wird u. a. von der Gemeinde für standesamtliche Trauungen genutzt. Zum Heimathaus gehört auch eine im Jahr 2000 fertiggestellte Fachwerkscheune, die dem Heimatverein Lohne ebenfalls als Ausstellungsraum für eine Vielzahl von historischen Gerätschaften aus dem landwirtschaftlichen Bereich dient, sowie ein 2001 fertiggestelltes Backhaus.

Heimathaus Wietmarschen, das sogenannte Packhaus mini|Heimathaus („Packhaus“) Das Packhaus wurde zwischen 1740 und 1750 erbaut und diente lange den eintreffenden Fuhrunternehmen als Zwischenlager für Waren, die von der Küste oder aus dem Osnabrücker Raum in die Grafschaft oder weiter in die Niederlande befördert werden mussten. Später wurde es von der Kornbrennerei Lagemann, der auch der daneben befindliche Mühlenturm gehörte, als Mälzerei benutzt. Mit dem Ende der Brennerei Ende der 1930er Jahre gab es auch für das Packhaus keinen Verwendungszweck mehr und es war somit dem Verfall preisgegeben. 1992 ging das Packhaus in den Besitz der Gemeinde über und wurde von 1995 bis 1997 renoviert. Das Packhaus dient heute dem Heimatverein Wietmarschen e. V. als Dauerausstellung von Brauchtum, altem Handwerk, wichtigen Dokumenten und archäologischen Funden. Weiterhin wird das Packhaus von der Gemeinde Wietmarschen für standesamtliche Trauungen und Sitzungen genutzt. Den Wietmarscher Vereinen steht das Packhaus für Veranstaltungen offen. Der Heimatverein bietet Führungen durch das Museum an.

Stifts- und Wallfahrtsmuseum Wietmarschen mini|Verwalterhaus Wietmarschen (Stifts- und Wallfahrtsmuseum) Im Jahr 1980 wurde im Verwalterhaus auf dem Stiftsgelände neben der Wallfahrtskirche das Stifts- und Wallfahrtsmuseum eröffnet. Unter anderem wurde dort ein Teil der wertvollen Stiftungen der Stiftsdamen ausgestellt. Am 19. Mai 2017 wurde das neu gestaltete Museum nach einer aufwendigen Umgestaltung und Neukonzipierung wiedereröffnet. Mittelpunkt der Dauerausstellung ist Wietmarschen als Wallfahrtsort. Die Ausstellung besteht aus den drei Teilen Mittelalter, Barockzeit und 19./20. Jahrhundert. Im Jahr 2018 sind folgende Öffnungszeiten vorgesehen: Das Museum wird in den Marienmonaten Mai und Oktober an allen Sonn- und Feiertagen in der Zeit von 14.00 bis 18.00 Uhr und an allen Dienstagen in der Zeit von 14.00 bis 16.00 Uhr öffnen. In den Monaten Juni bis September ist es jeweils am ersten Sonntag in der Zeit von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Eröffnet wird die Ausstellung am Wallfahrtssonntag, den 6. Mai nach der Wallfahrt. An diesem Tag werden auch zusätzliche Votivgaben aus der „alten“ Marienkapelle zu sehen sein. Der Eintritt ist frei. Der Heimatverein bietet zudem auf Anfrage Führungen durch das Museum an.

Bauwerke und sonstige Sehenswürdigkeiten

Wallfahrtskirche St. Johannes Apostel Wietmarschen mini|Wallfahrtskirche Wietmarschen

Die Wallfahrtskirche St. Johannes Apostel Wietmarschen wird von vielen Wallfahrern aufgesucht. Grund ist das Gnadenbild, ein Bildnis der thronenden Muttergottes aus dem 13. Jahrhundert. Die heutige Kirche besteht aus einem älteren Ostteil aus dem 13. Jahrhundert, der aus Granitblöcken und Sandsteinquadern erbaut wurde, und aus dem größeren neueren Backsteinbau, der 1927 entstand. Die Kirche steht auf dem Gelände des früheren Stiftsbezirkes und mittelalterlichen Klosters Sünte Marienrode. Überregionale Aufmerksamkeit erlangte das Gebäude auch durch den „Wietmarscher Glockensturz“. Im November 2016 stürzte eine der drei Stahlglocken auf den darunter liegenden Boden, da die Haltebolzen wegen Materialermüdung gerissen waren.

Restaurierter historischer Stiftsbereich Wietmarschen mini|Äbtissinnenhaus

Das Benediktinerkloster Sünte Marienrode wurde 1152 gegründet. Ab dem Jahr 1675 wurde es als freiweltliches Damenstift weiterbetrieben. Nur unverheiratete Frauen oder Witwen aus dem Adelsstand wurden aufgenommen. Im 17. Jahrhundert errichteten die Stiftsdamen eigene Wohnhäuser, von denen vier heute noch erhalten sind. Im Äbtissinnenhaus ist heute das Gemeindezentrum der kath. Kirchengemeinde Wietmarschen eingerichtet. Im Verwalterhaus sind die Pfarrbücherei und das Stifts- und Wallfahrtsmuseum, in dem wertvolle Kunstwerke, Dokumente und Erinnerungsstücke aus der früheren Stiftskirche und dem Nachlass der Stiftsdamen gezeigt werden, untergebracht. Das Stiftsdamenhaus wurde zu Altenwohnungen umgestaltet. Aus dem Gesindehaus entstand ein Café. Die restaurierten Gebäude, die große Parkanlage mit einer Lourdes-Grotte auf dem ehemaligen Stiftsgelände sowie der nahe gelegene Stiftsbusch sind touristische Ziele.

Glaubensweg der Seligpreisungen mini|9. Station Glaubensweg Der sieben Kilometer lange Glaubensweg beginnt am Heimathaus in Lohne mit einem Findling als Sinnbild für den Berg der Seligpreisungen. Von dort führt der Weg über den Alten Diek zur Wallfahrtskirche nach Wietmarschen. Insgesamt sind neun Steine vorhanden. Sie sind aus Bentheimer Sandstein gestaltet und teilweise mit ergänzenden Bronzeelementen versehen. Sie wurden um die Jahrtausendwende vom Osnabrücker Künstler und Bildhauer Dominikus Witte erschaffen.

Sankt-Antonius-Kirche Lohne mini|links|hochkant|St. Antonius in Lohne

Die Sankt-Antonius-Kirche Lohne wurde 1969 erbaut und 1972 geweiht, da die bestehende Kirche zu klein wurde. 1976 wurde ein 36,25 Meter hoher Glockenturm hinzugefügt.

Mühlenturm Wietmarschen mini|hochkant|Mühlenturm in Wietmarschen Der Mühlenturm wurde vor etwa 200 Jahren von den Gebr. Lagemann als Mühle und Kornspeicher für ihre Brennerei erbaut. Er brannte 1889 aus und wurde nicht wieder repariert. Stattdessen bekam das Gebäude ein Dach und wurde als Vorratslager genutzt. 1986 wurde der Turm renoviert, 1992 ging er in den Besitz der Gemeinde über. In den Jahren 2002/2003 wurde er von Grund auf renoviert. Ein weiterer Mühlenturm, der nicht öffentlich zugänglich ist, befindet sich an der Lingener Straße kurz vor Lohnerbruch. Die Mühle wurde lange Zeit als Sägerei genutzt.

Urbrecker Wietmarschen