mini|300px|Luftbild von Beuron (2020)
Beuron (lokal: Beirå) ist eine Gemeinde im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Bekannt ist der Ort besonders durch das dortige Benediktinerkloster.
Geographie Lage Beuron liegt im landschaftlich reizvollen Tal der oberen Donau, rund 25 Kilometer westlich der Kreisstadt Sigmaringen. Es bildet das Zentrum des Naturparks Obere Donau.
Donaudurchbruch Der Donaudurchbruch bei Beuron zeigt mit seinem tief in den Kalkstein eingeschnittenen Flusstal die Erdgeschichte der letzten 160 Millionen Jahre vom einstigen Jurameer über die Abtragung der Kalksteine bis zur Verlaufsverschiebung des Wassers vom Rhein zur Donau.
Flora und Fauna Der Beuroner Gemeindewald ist mit 248 Hektar relativ klein. Der Laubholzanteil überwiegt mit 83 Prozent, den größten Anteil stellt die Buche. Weitere wichtige Baumarten sind: Esche, Ahorn, Eiche, Hainbuche, Ulme, Linde, Wildkirsche, Weißtanne, Kiefer und Lärche. Der Kommunalforst erstreckt sich im Wesentlichen an den beiden Donautalhängen; auf rund 30 bis 40 Prozent der Flächen können keine Bäume gefällt werden, weil der technische und damit finanzielle Aufwand zu hoch ist.
Der gesamte Wald liegt im FFH-Gebiet Obere Donau, der Biotopanteil ist viermal höher als im Landesschnitt. Er ist Lebensraum für Rehe und Gämsen.Hermann-Peter Steinmülle (hps): „Biotopanteil ist vier Mal höher“. In: Südkurier vom 3. Juni 2011
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Schwenningen, Stetten am kalten Markt, Sigmaringen, Leibertingen, Buchheim, Fridingen an der Donau, Bärenthal, und Irndorf.
Gemeindegliederung Zu Beuron gehören neben dem namensgebenden Ort Beuron die Ortsteile Hausen im Tal, Langenbrunn, Neidingen und Thiergarten.
Wappen ehemalige Gemeinde bzw. ehemaliger Gemeindeteil Fläche (km²) Ortsteil EinwohnerEinwohnerwerte der Ortsteile nach Zensus 2022 (https://atlas.zensus2022.de/), an Einwohnerzahl der Gemeinde von 2023 angepasst 30px|Beuron Beuron 9,3 130 30px|Hausen im Tal Hausen im Tal(Verwaltungssitz) 19,4 Hausen im Tal 310 Langenbrunn 50 Neidingen 70 30px|Kein Wappen Verfügbar Thiergarten 6,4 110
Schutzgebiete
Das das Gemeindegebiet prägende Durchbruchtal der oberen Donau hat einen besonderen naturschutzfachlichen Wert und ist daher über mehrere Schutzgebietskategorien geschützt. Große Teile des Beuroner Gemeindegebiets gehören zum Landschaftsschutzgebiet Donau- und Schmeiental, zum FFH-Gebiet Oberes Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen sowie zum Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal.
Beuron gehört außerdem zum Naturpark Obere Donau. Der Sitz der Naturparkverwaltung, das Haus der Natur, ist in Beuron angesiedelt.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Die Gegend um Beuron war, wie zahlreiche Funde beweisen, bereits in der Mittelsteinzeit besiedelt. Die frühmesolithische Kultur Beuronien ist nach dem Ort benannt. Wichtigste Fund- und Ausgrabungsorte sind die nahe gelegene Jägerhaushöhle auf Fridinger Gemarkung sowie die Probstfelshöhle bei Beuron. Mit dem Altstadtfelsen verfügt Beuron über einen weiteren vorgeschichtlichen Fundplatz. Dort befand sich ein spätkeltischer Zügelring. Vom Peterfels sind Funde urnenfelderzeitliche Keramik bekannt.Edwin Ernst Weber: Die Vor- und Frühgeschichte im Landkreis Sigmaringen. hrsg. vom Landkreis Sigmaringen, Stabsbereich Kultur und Archiv, und Kulturforum Landkreis Sigmaringen e. V. 2009.
In der Gegend bei Beuron wurde das an der Donau liegende, auf der Geographike Hyphegesis verzeichnete römische Dracuina vermutet.Johann Nepomuk von Raiser: Der Ober-Donau-Kreis des Königreichs Bayern unter den Römern. S. 115. 1830. In der Felsenhöhle beim Kloster Beuron befand sich eine Sichel mit dem römischen Zahlenzeichen „XIII“, das in die Bestände des Fürstlichen Museums Sigmaringen verbracht wurde.Ludwig Lindenschmit: Die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit. Zwölftes Heft. Tafel II. Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz 1858.
Beuron wurde erstmals 861 im Besitzverzeichnis des Klosters St. Gallen als „Purron“ erwähnt.StiASG, Urk. III 221. Online auf e-chartae, abgerufen am 12. Juni 2020.
Der Ortsteil Hausen im Tal erscheint in der Chronik von Andechs um 1020 als „Rittersitz“. Zur Herrschaft Hausen gehörten die Dörfer Hausen im Tal und Neidingen.
Der Ortsteil Thiergarten ist eine Gründung des Grafen Wilhelm von Zimmern.
Der Ortsteil Langenbrunn gehörte zur Herrschaft Werenwag.
Beuron war als Augustiner-Chorherrenstift bis zur Mediatisierung ein eigenständiges geistliches Territorium, zu dem damals auch die Nachbargemeinde Bärenthal gehörte.Alfred Th. Heim: Leben mit geistlichen und weltlichen Herren. In: Südkurier vom 27. August 2005. Beide kamen 1803 nach der Säkularisation des Augustinerklosters zum Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen und wurden mit diesem 1849 als Teil der Hohenzollernschen Lande preußisch. Ab 1806 gehörte Beuron zunächst zum hohenzollerischen Obervogteiamt Beuron. Das Dorf bildete in dieser Zeit eine hohenzollerische Exklave. Das Obervogteiamt Beuron ging 1830 im Oberamt Wald auf. Das Oberamt Wald existierte auch noch von 1850 bis 1862 unter preußischer Herrschaft. Bis zur Kreisreform in Baden-Württemberg 1973 gehörte die Gemeinde dann zum Oberamt Sigmaringen, aus dem 1925 der Landkreis Sigmaringen hervorging.
Erst 1863 wurde das Kloster wieder mit mönchischem Leben erfüllt, als die Benediktiner dort die heute weithin bekannte Erzabtei begründeten.
Das Fürstlich-Hohenzollernsche Rentamt Beuron verwaltete die südlich vom Kloster gelegene Domäne Steighof. Der Steighof wurde 1964 abgebrochen und seine Felder mit Fichtenkulturen aufgeforstet.
Die heutige Gemeinde wurde am 1. Januar 1974 durch die Vereinigung der Gemeinden Beuron und Hausen im Tal neu gebildet. Am 1. Januar 1977 kam Thiergarten hinzu. Dieses gehörte zuvor zu zwei verschiedenen Gemeinden: Der links der Donau gelegene hohenzollerische Teil wurde am 1. April 1901 der Gemeinde Vilsingen zugeordnet. Am 1. Januar 1975 kam dieser Teil zusammen mit Vilsingen zur Gemeinde Inzigkofen. Der rechts der Donau gelegene badische Teil wurde im Jahr 1890 der Gemeinde Gutenstein zugeordnet. Bereits am 1. Juli 1974 kam dieser Teil zusammen mit Gutenstein zu Sigmaringen. Nach der Anhörung der Einwohner erfolgte die Umgliederung beider Gebietsteile in die Gemeinde Beuron.
Politik mini|Der Ortsteil Hausen im Tal von der Ruine des Schlosses Hausen aus gesehen (Nordansicht) Der Verwaltungssitz der Gemeinde Beuron befindet sich im Ortsteil Hausen im Tal.
Gemeinderat Die Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis: +Liste20242019AnteilSitzeAnteilSitzeNeue Liste 20143Bürgerliste 943Wir für Beuron3Bürgerliste Kommunalwahl1Wahlbeteiligung72,2 %
Bürgermeister Am 19. Juni 2011 wurde der Polizeibeamte Raphael Osmakowski-Miller aus Bad Saulgau mit 56,49 Prozent der abgegebenen StimmenHermann-Peter Steinmüller (hps): Kopf-an-Kopf-Rennen bleibt aus. In: Südkurier vom 21. Juni 2011 bei einer Wahlbeteiligung von 74,39 ProzentHermann-Peter Steinmüller (hps): Das ist Beurons neuer Bürgermeister. In: Südkurier vom 20. Juni 2011 im ersten Wahlgang zum ehrenamtlichen Bürgermeister von Beuron gewählt. Seine Amtseinführung erfolgte am 2. September 2011, Amtsantritt war der 5. September 2011.Chefwechsel im Beuroner Rathaus. In: Südkurier vom 4. September 2011 Am 7. Juli 2019 wurde Raphael Osmakowski-Miller wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 45 Prozent, davon entfielen 92 Prozent auf den bisherigen ehrenamtlichen Bürgermeister. Osmakowski-Miller wurde am 4. September 2019 für die weitere Amtszeit vereidigt. Es war die erste Wiederwahl eines Bürgermeisters nach 32 Jahren in der Gemeinde Beuron. Osmakowski-Miller wurde im November 2023 zum Bürgermeister von Bad Saulgau gewählt. Am 28. April 2024 wurde Hans-Peter Wolf mit 51,5 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Beuron gewählt.
1979–1995: Fidel Matthias FischerUrsula Mallkowsky (sky): Beuroner Bürgermeister. In: Südkurier vom 29. Dezember 2011 1995–1998: Arndt NeffUrsula Mallkowsky (sky): Zukunft ungewiss. In: Südkurier vom 14. März 2003Ruhestand statt Absetzung. In: Südkurier vom 29. Oktober 2010 1998–2000: Gerhard Huhn (erster Bürgermeisterstellvertreter, übernahm für eineinhalb Jahre Vakanz das Amt kommissarisch) 2000–2003: Herbert Bucher 2003–2011: Robert Rauser 2011–2024: Raphael Osmakowski-Miller seit 2024: Hans-Peter Wolf
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Ehemaliges Bahnhofgebäude Beuron, heute das Haus der Natur Hausen im Tal und Beuron liegen an der Hohenzollernstraße.Ferienstraßen. In: Schwäbische Alb! hin-reisend natürlich the nature place to go. hrsg. von Schwäbische Alb Tourismusverband. Bad Urach 2010; S. 10f. Die Kommune ist dem Tourismusverband „Donaubergland“ angeschlossen.
Museen Bibelmuseum der Erzabtei Beuron Das Haus der Natur Beuron zeigt eine Ausstellung zur erdgeschichtlichen Entstehung der Oberen Donau und weist auf die Besonderheiten der Flora und Fauna hin. Im kleinen Naturparkladen finden sich regionale Mitbringsel, typische Produkte der Region sowie künstlerische und praktische Filzerzeugnisse. Schwerpunkt der Arbeit liegt im Bereich der Umwelterziehung.
Bauwerke mini|Die Benediktiner-Erzabtei Beuron, Westansicht Für die unter Denkmalschutz stehenden Kulturdenkmäler des Orts siehe die Liste der Kulturdenkmale in Beuron.
Benediktiner-Erzabtei Beuron Berühmt ist Beuron durch die Benediktiner-Erzabtei Beuron, welche das Zentrum der Beuroner Kongregation darstellt. Das Kloster wurde 1077 als Augustiner-Chorherrenstift gegründet. Nach seiner Auflösung im Zuge der Säkularisation 1803 ging sein Gebiet in den Besitz des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen über. 1863 wurde das Kloster als Benediktinerkloster neu gegründet und 1868 zur Abtei erhoben, von der die Gründung vieler anderer Benediktinerklöster ausging. Die Bauten stammen teils von Franz Beer (1694 bis 1707), teils sind sie neu. Das Kloster hat jährlich rund 100.000 Besucher.Von Mönchen und Rittersleuten. S. 20–22. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch 2004. Die barocke Klosteranlage weist bemerkenswerte Räume und eine große Klosterbibliothek auf. Beuron war im späten 19. Jahrhundert Zentrum der Beuroner Kunstschule und der seit 1967 eingestellten, aber juristisch fortbestehenden Theologischen Hochschule Beuron.
Kirchen und Kapellen mini|Die Mauruskapelle bei Beuron mini|Kapelle St. Georg bei Thiergarten Die 1732 bis 1738 erbaute Klosterkirche St. Martin und St. Maria ist ein barockes Sakralbauwerk mit prachtvollen Seitenaltären, Deckenbildern und Stuckarbeiten. Der Hauptaltar zeugt von der Beuroner Kunstschule. Die im rechten Winkel angebaute Gnadenkapelle, welche in der Unterkapelle die Grablege der Erzäbte birgt, wurde um 1900 neu im Beuroner Stil erbaut. Rund drei Kilometer unterhalb des Klosters steht in einer linken Donauschlaufe unweit des Ufers die Mauruskapelle. Sie wurde von Pater Desiderius Lenz 1868 als Pionierwerk der Beuroner Kunstschule geschaffen und im Jahr 1871 fertiggestellt. Die Bild- und Formensprache orientiert sich an altägyptischen Tempelanlagen.Kunstschätze. Besucher erkunden St.-Maurus-Kapelle. In: Schwäbische Zeitung vom 8. Juli 2008 Sie beherbergt stilisierte Fresken in strenger Ordnung und vielfältiger Ornamentik. In der Mauruskapelle und vor allem mit deren Ausmalung realisierte der Gründervater der Beuroner Kunstschule erstmals sein Programm zur Erneuerung der christlichen Kunst, das in der Folge von Beuron in die gesamte katholische Welt ausstrahlte.Kulturwanderung. Mauruskapelle wird besichtigt. In: Südkurier vom 9. Juli 2008 Im Ortsteil Hausen im Tal befindet sich die Kapelle St. Nikolaus. Sie wurde um 1275 erbaut und zeichnet sich durch einen romanischen Turm aus. Der übrige Teil wurde barockisiert.