mini|hochkant=1.6|Leonard Steckel in der Hauptrolle des Wolfgang Schwitter, Uraufführung Der Meteor von Friedrich Dürrenmatt, Schauspielhaus Zürich 1966 Leonard Steckel, gebürtig Leonhard Steckel (* 8. Januar 1901 in Knihinin, Österreich-Ungarn; † 9. Februar 1971 bei Aitrang, Deutschland), war ein deutscher Schauspieler, Hörspielsprecher und Regisseur.
Leben Herkunft und erste Erfolge Leonard Steckel war der Sohn des Eisenbahnverwalters Markus Steckel und dessen Ehefrau Eva Bazar. Seine Mutter und seine Stiefschwester Franzi wurden im Warschauer Ghetto inhaftiert und wurden Opfer des Holocaust.
Nach dem frühen Tod seines Vaters wuchs er bei den Eltern seiner Mutter in Berlin auf. Hier besuchte er das Köllnische Gymnasium, wo er Abitur machte. Er nahm Schauspielunterricht bei Paul Bildt und erhielt 1921 sein erstes Engagement am Neuen Volkstheater an der Köpenickerstraße. Steckel verblieb hier bis 1923 und spielte im selben Jahr mit der Theatergruppe „Die Truppe“ in Shakespeares Der Kaufmann von Venedig und bei der Uraufführung von Georg Kaisers Nebeneinander. In der Spielzeit 1923/24 wirkte er am Lustspielhaus, 1924/25 am Preußischen Staatstheater, 1925/26 am Deutschen Theater, 1926/27 an der Volksbühne, 1927/28 am Theater am Nollendorfplatz, 1928/29 am Theater am Schiffbauerdamm, 1929/30 wieder am Theater am Nollendorfplatz und 1930 bis 1932 wieder an der Volksbühne.
Steckel spielte vor allem in modernen Stücken seiner Zeit und verkörperte unter anderem Shaak in Paquets Fahnen (Uraufführung 1924 an der Volksbühne) und den Irrenarzt in Tollers Hoppla, wir leben! (1927). 1928 führte er erstmals selbst Regie bei der Aufführung von Franz Jungs Heimweh im Studio der Piscator-Bühne. 1929 trat er in Aribert Wäschers und Rosa Valettis Kabarett Larifari auf. 1933 unternahm er eine Skandinavien-Tournee mit der Operette Madame Dubarry von Carl Millöcker. Seit 1929 wirkte Steckel auch in Filmen mit, darunter ungenannt in dem Klassiker M.
Im Exil Ab 1927 war er mit der Tänzerin und späteren Schriftstellerin Elfriede Kuhr, die den Künstlernamen Jo Mihaly trug, verheiratet. Im Februar 1933 wurde seine Tochter Anja geboren. Durch ein Engagement am Schauspielhaus Zürich konnte er, nach Hitlers Machtergreifung als „Jude“ eingestuft, sich im Mai 1933 in die Schweiz retten.
In Zürich wirkte Steckel in zahlreichen klassischen und modernen Theaterstücken mit und machte sich ab 1935 einen Namen als Theaterregisseur. Er bevorzugte die Werke von Autoren, die im nationalsozialistischen Deutschland nicht aufgeführt werden durften, wie Franz Werfel, Jean Giraudoux, George Bernard Shaw, T. S. Eliot, Thornton Wilder, Bertolt Brecht, Arthur Schnitzler, Eugene O’Neill und Marcel Pagnol. Unter anderem inszenierte er 1943 die erste Exilaufführung von Brechts Der gute Mensch von Sezuan.
Nach dem Krieg erlaubten ihm die Alliierten zunächst nicht die Rückkehr nach Deutschland. Steckel wirkte weiter am Zürcher Schauspielhaus, wo er 1951 die Uraufführung von Max Frischs Graf Öderland inszenierte und Hans Henny Jahnns Drama Armut, Reichtum, Mensch und Tier aufführte. Erst nach der Intervention von Bundespräsident Theodor Heuss bekam Steckel die Einreisegenehmigung und einen deutschen Pass.
In der Bundesrepublik 1952 brachte er am Theater am Kurfürstendamm in West-Berlin mit Kiss me Kate das erste amerikanische Musical in Deutschland zur Aufführung. Später feierte er damit auch in Hamburg Erfolge. 1955 heiratete Steckel die Münchner Fotoagentin Hermi Mertens (1916–2010). Er war in den 1950er Jahren vor allem auf Berliner und Münchner Bühnen zu sehen, daneben in Bochum, Münster, Basel, Hamburg und 1963 bis 1964 bei den Salzburger Festspielen. Von 1958 bis 1959 leitete er das Theater am Kurfürstendamm. Daneben gab er mehrere Gastinszenierungen.
Steckel war in den 1950er Jahren häufig in kleinen Filmrollen vertreten, wo er meist Respektspersonen wie Ärzte und Professoren verkörperte. Er wirkte auch bei Hörspielen mit, so beispielsweise 1959 in einer sechsteiligen Reihe als Kommissar Maigret, die der SWF unter der Regie von Gert Westphal produzierte. Seine Mitspieler waren u. a. Heinz Schimmelpfennig und Annedore Huber-Knaus. Einmal übernahm er die Regie. mini|hochkant=1.3|Proben zu Der Meteor, v. l. im Vordergrund: Friedrich Dürrenmatt, Leopold Lindtberg und Leonard Steckel, Foto: Jack Metzger, Comet Photo, Bildarchiv der ETH Zürich, 1966 1966 feierte Steckel am Schauspielhaus Zürich in Friedrich Dürrenmatts Der Meteor in der Hauptrolle des Wolfgang Schwitter unter der Regie von Leopold Lindtberg einen letzten großen Erfolg als Theaterschauspieler.
mini|Ehrengrab von Leonard Steckel auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend Tod 1971 plante Steckel mit Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti eine viermonatige Welttournee durch 16 Länder, die im Juni beginnen sollte. Am 9. Februar jedoch verlor Leonard Steckel, kurz nach seinem 70. Geburtstag, beim Eisenbahnunfall von Aitrang sein Leben.
Sein Grab befindet sich auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend.Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1. S. 495. Auf Beschluss des Berliner Senats ist die letzte Ruhestätte von Leonard Steckel (Grablage: II-W-C-34) seit 1997 als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet. Diese Widmung wurde im August 2021 um die übliche Frist von zwanzig Jahren verlängert.Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: August 2021) (PDF; 2,3 MB), S. 16. Auf: Webseite der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Abgerufen am 14. Oktober 2021. Anerkennung, Verlängerung und Nichtverlängerung von Grabstätten als Ehrengrabstätten des Landes Berlin (PDF; 196 kB). Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 18/3959 vom 4. August 2021, S. 6. Abgerufen am 14. Oktober 2021.
Filmografie 1927: Gewitter über Gottland (Kurzfilm) 1929: Phantome des Glücks 1931: M 1931: Die Abenteurerin von Tunis 1931: Der Draufgänger 1931: Der Hauptmann von Köpenick 1931: Die Nächte von Port Said 1932: Der Geheimagent 1932: Die verliebte Firma 1932: Gitta entdeckt ihr Herz 1932: Ich will nicht wissen wer du bist 1932: Mieter Schulze gegen alle 1932: Spione im Savoy-Hotel 1932: Kampf um Blond 1933: Salon Dora Green 1933: Ein Lied für Dich 1933: Hände aus dem Dunkel 1933: Unsichtbare Gegner 1940: Fräulein Huser (nur Regie) 1941: Bider der Flieger (Co-Regie) 1952: Palast Hotel (Palace Hotel) (Co-Regie) 1953: Zwiespalt des Herzens (Die Venus vom Tivoli) (Regie) 1953: Südliche Nächte 1954: Meines Vaters Pferde I. Teil Lena und Nicoline 1954: Meines Vaters Pferde II. Teil Seine dritte Frau 1954: Die sieben Kleider der Katrin 1954: Viktoria und ihr Husar 1954: Der letzte Sommer 1954: Frühlingslied 1954: Ewiger Walzer 1955: Geliebte Feindin 1955: Liebe ohne Illusion 1955: Du mein stilles Tal (auch Regie) 1956: Rosen für Bettina 1956: Der Hauptmann von Köpenick 1956: Ohne Dich wird es Nacht 1956: Stresemann 1957: Madeleine und der Legionär 1958: Der Arzt von Stalingrad 1958: Die grünen Teufel von Monte Cassino 1958: Das Mädchen vom Moorhof 1958: Majestät auf Abwegen 1958: Romarei, das Mädchen mit den grünen Augen 1959: Unser Wunderland bei Nacht 1959: Ja, so ein Mädchen mit 16 1959: Marili 1960: Liebling der Götter 1960: Das Haus voller Gäste 1962: Das Geheimnis der schwarzen Koffer 1962: Golden Boy 1962: Nachts ging das Telefon 1962: Affäre Blum 1963: Zwei Whisky und ein Sofa 1963: Der Besuch 1964: In einem Garten in Aviamo 1966: Herr Puntila und sein Knecht Matti 1966: Pontius Pilatus 1966: Grieche sucht Griechin 1967: Anastasia 1968: Der Meteor 1968: Der zehnte Mann 1968: Graf Öderland 1970: Der Tag des Krähenflügels 1970: Einladung ins Schloß 1971: Chopin-Express
Hörspiele Regie 1954: Anna Christie 1956: Caesar und der Phönix 1956: Küss mich, Kätchen! (Theatermitschnitt) 1956: Die Brüder Rico 1956: Keine Angst, sie kriegen sich (Theatermitschnitt) 1959: Die Pariserin (Theatermitschnitt) 1960: Fräulein Julie (nach August Strindberg)
Sprecher 1953: Carl Zuckmayer: Ulla Winblad oder Musik und Leben des Carl Michael Bellmann – Regie: Walter Ohm (Hörspiel – BR/RB/SWF) 1953: Pilatus – Regie: Ludwig Cremer 1953: Merlin – Regie: Wilhelm Semmelroth 1953: Heute Nacht in Samarkand – Regie: Heinz-Günter Stamm 1953: Der falsche Schutzengel – Regie: Heinz-Günter Stamm 1953: Affäre Blum – Autor und Regie: Robert Adolf Stemmle 1954: Der Toupetkünstler – Regie: Fränze Roloff 1954: Mein Herz ist im Hochland – Regie: Ludwig Cremer 1954: Beatrice und Juana (von Günter Eich) – Regie: Gert Westphal 1954: Lob der Verschwendung – Regie: Ludwig Cremer 1954: Zwischenstation – Regie: Gert Westphal 1954: Der Passagier vom 1. November – Regie: Karl Peter Biltz 1955: Die Hinschlachtung der Unschuldigen – Regie: Gert Westphal 1955: Das kalte Licht (nach dem gleichnamigen Theaterstück von Carl Zuckmayer) – Regie: Gert Westphal 1955: Erinnerungen – Regie: Ludwig Cremer 1955: Der Priester und die Räuber – Regie: Peter Hamel 1955: Kritische Ereignisse im Staate Pelargonien – Regie: Ludwig Cremer 1956: Schmutzige Hände – Regie: Ludwig Cremer 1956: Die Rückreise – Regie: Gert Westphal 1956: John Every oder Wieviel ist der Mensch wert – Regie: Werner Finck 1956: Wer ist der Dieb? – Regie: Ludwig Cremer 1956: Jugendgericht – Regie: Heinz Schimmelpfennig 1957: Der Roßdieb zu Fünsing – Regie: Otto Kurth 1957: Frau Maigret als Detektiv – Regie: Otto Kurth 1957: Das Geheimnis – Regie: Wilhelm Semmelroth 1958: Jahrmarkt des Lebens (4 Teile) – Regie: Gert Westphal 1959: Brandenburger Tor (nach Hans Scholz) – Regie: Gert Westphal 1959: Maigret und die Groschenschenke – Regie: Gert Westphal 1959: Maigret und seine Skrupel – Regie: Gert Westphal 1959: Maigret und sein Revolver – Regie: Gert Westphal 1959: Maigret und die Unbekannte – Regie: Gert Westphal 1959: Maigret und der gelbe Hund – Regie: Gert Westphal 1960: Maigret und die Bohnenstange – Regie: Gert Westphal 1960: Der Tanz aus der Reihe – Regie: Edward Rothe 1960: Thomas G. Masaryk: Die Wahrheit ist einsam – Regie: Ludwig Cremer 1960: Protokolle – Regie: Gert Westphal 1961: Major Barbara – Regie: Walter Knaus 1961: Fahnen brauchen Lügen – Regie: Alexander Pestel 1961: Die Kette – Regie: Wolfgang Spier 1963: Ein Herrenabend ohne Sokrates – Regie: Gert Westphal 1963: Treffpunkt Vergangenheit – Regie: Ulrich Gerhardt 1964: Vittoria Accorombona – Regie: Otto Kurth 1964: Trommeln in der Nacht (nach Bertolt Brecht) – Regie: Günter Bommert 1964: Symptome – Regie: Günther Sauer 1964: Ich, der Priester und die Sargträger – Regie: Raoul Wolfgang Schnell 1970: Geburtstagsparty – Regie: Fritz Schröder-Jahn
Synchronrollen (Auswahl) Quelle: Deutsche Synchronkartei SchauspielerFilm/SerieRolleCharles LaughtonSpiel mit dem Tode (1. Synchro)Earl JanothHugh GriffithBen HurScheich IlderimLeon AskinEins, zwei, dreiPeripetchikoffRonald AdamEine Stadt hält den Atem anPremierminister
Literatur
Franz Rueb: Leonard Steckel. Schauspieler und Regisseur. Eine Theater-Monographie. Innaron, Zürich 2001, ISBN 3-906527-04-2 C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 671. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 7: R – T. Robert Ryan – Lily Tomlin. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 450 f.