Corporate Social Responsibility (CSR) oder gesellschaftliche Unternehmensverantwortung, auch Unternehmerische Sozialverantwortung, bezeichnet die Integration von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren in die Unternehmenstätigkeit auf freiwilliger und manchmal auch rechtlicher Basis. Die Aktivitäten der Unternehmen werden hier im weitesten Sinne verstanden: wirtschaftliche Aktivitäten, interne Interaktionen (Arbeitnehmer, Manager, Aktionäre) und externe Interaktionen (Lieferanten, Kunden).
Die CSR entwickelte sich ursprünglich aus Forderungen der Zivilgesellschaft (religiöse, ökologische, humanitäre Gruppen und Verbände) nach einer besseren Berücksichtigung der ökologischen und sozialen Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit, die sich insbesondere aus den seit den 1970er Jahren auftretenden globalen Umweltproblemen ergaben. Die CSR wird in Europa häufig als die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung im Unternehmen verstanden, die die drei Säulen Umwelt, Soziales und Wirtschaft umfasst. Diese Verknüpfung wurde durch die Teilnahme multinationaler Unternehmen am Erdgipfel von Rio 1992 und am Weltgipfel von Johannesburg 2002 verdeutlicht.
CSR und nachhaltige Entwicklung sind Gegenstand zahlreicher Debatten.
Definition Die Corporate Social Responsibility wird zunächst in Bezug auf den Begriff der Verantwortung definiert. Sie besteht also sowohl in der „Pflicht, über seine Handlungen Rechenschaft abzulegen“ (es geht um Berichterstattung, Audits usw.) als auch „die Konsequenzen zu tragen“ (es geht um Wiedergutmachungs- und Präventionsmaßnahmen).
Diese Definition ist jedoch erst dann wirksam, wenn geklärt ist:
gegenüber welchen gesellschaftlichen Akteuren diese Pflicht besteht und welcher Art die Handlungen und Konsequenzen sind, die das Unternehmen zu tragen hat.
Daher kommt die Bedeutung, die die Norm ISO26000 (in Anlehnung an die Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien) der Stellung der Stakeholder in der Unternehmensführung und dem „Dialog“ mit den Stakeholdern beimisst, mit denen sich die CSR-Pflicht eines jeden Unternehmens – je nach Fall auf kooperative oder konfliktträchtige Weise – herausbildet.
Folglich ist der für CSR-Maßnahmen geforderte oftmals „freiwillige“ Charakter nur im Gegensatz zu regulatorischen Anforderungen zu verstehen: In der Praxis investiert ein Unternehmen auch häufig unter wirtschaftlichem Zwang (z. B. durch seine Kunden oder Auftraggeber) in die Verbesserung seiner CSR.
Im europäischen Raum hat sich die im Grünbuch der Europäischen Kommission verankerte CSR-Definition als gemeinsames Verständnis etabliert: KOM (2001) 366 endgültig, Brüssel 2001.
Die Definition der Europäischen Kommission nennt soziale Belange und Umweltbelange als zwei zentrale Punkte für CSR. Erweitert man diese um die ökonomischen Belange, erhält man die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (vgl. auch Drei-Säulen-Modell).Grünbuch Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen. KOM (2001) 366 endgültig, Brüssel 2001, S. 29 ff. In einem neueren Dokument (COM(2011) 681 final) wird die CSR-Definition etwas verkürzt:.
und soll nun mit internationalen Definitionen besser übereinstimmen.
Sozial verantwortlich zu handeln bedeutet nicht nur, die geltenden rechtlichen Verpflichtungen vollständig zu erfüllen, sondern auch darüber hinauszugehen und „mehr“ in Humankapital, Umwelt und die Beziehungen zu den Stakeholdern zu investieren;
Die soziale Verantwortung der Unternehmen sollte jedoch nicht als Ersatz für die Regulierung oder Gesetzgebung in Bezug auf soziale Rechte oder Umweltstandards gesehen werden, einschließlich der Entwicklung geeigneter neuer Gesetze. Auch wenn die soziale Verantwortung der Unternehmen hauptsächlich von großen oder multinationalen Unternehmen gefördert wird, ist sie für alle Arten von Unternehmen und alle Wirtschaftszweige von Bedeutung, von KMU bis hin zu multinationalen Unternehmen. Eine Reihe von Unternehmen, die gute Ergebnisse im sozialen Bereich oder im Umweltschutz erzielen, deuten darauf hin, dass diese Aktivitäten zu einer besseren Leistung führen und mehr Gewinne und Wachstum generieren können. Finanzinstitute greifen zunehmend auf soziale und ökologische Kriterien zurück, um das Kredit- oder Investitionsrisiko gegenüber Unternehmen zu bewerten.
Im modernen Verständnis wird CSR zunehmend als ein ganzheitliches, alle Nachhaltigkeitsdimensionen integrierendes Unternehmenskonzept aufgefasst, das alle „sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge eines Unternehmens zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen (Compliance) hinausgehen“, beinhaltet.Heribert Meffert, Matthias Münstermann: Corporate Social Responsibility in Wissenschaft und Praxis: eine Bestandsaufnahme. Arbeitspapier Nr. 186, Wissenschaftliche Gesellschaft für Marketing und Unternehmensführung e. V., Münster 2005, S. 20 f.Oliver Herchen: Corporate Social Responsibility. Wie Unternehmen mit ihrer ethischen Verantwortung umgehen. Norderstedt 2007, ISBN 978-3-8370-0262-1, S. 25 f.
Verwandte Begriffe Vor allem im angloamerikanischen Sprachgebrauch, zunehmend aber auch im deutschsprachigen Raum, werden in der Diskussion um die Rolle und die Verantwortung von Unternehmen in der Gesellschaft auch verwandte Begriffe wie Corporate Responsibility oder Corporate Citizenship (CC) verwendet.F. Dubielzig, S. Schaltegger: Corporate Social Responsibility. In: M. Althaus, M. Geffken, S. Rawe (Hrsg.): (PDF; 147 kB) Lit Verlag, Münster 2005, S. 240–243.
Während die Begriffe CSR und Corporate Citizenship in der unternehmerischen Praxis oftmals als Synonym verwendet werden, hat sich in der deutschsprachigen Literatur eine klare Position zum Verhältnis der beiden Konzepte herausgebildet: Corporate Citizenship (CC) stellt demnach nur einen Teil der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen dar und bezeichnet das über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehende Engagement von Unternehmen zur Lösung sozialer Probleme im lokalen Umfeld des Unternehmens. Somit reduziert sich CC im Wesentlichen auf Sponsoring, Spenden und Stiftungen.Thomas Loew, Kathrin Ankele, Sabine Braun: Bedeutung der internationalen CSR-Diskussion für Nachhaltigkeit und die sich daraus ergebenden Anforderungen an Unternehmen mit Fokus Berichterstattung. Münster/Berlin 2004.
Marketinginstrumente und -maßnahmen, die das Ziel haben, CSR auszudrücken, werden auch Corporate Social Initiatives (CSI) genannt.
Environment, Social and Governance (ESG) bezeichnet eine Reihe von Bewertungsmaßstäben für CSR-Aktivitäten in den drei Kernbereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Die Maßstäbe können von Kapitalgebern oder Stakeholdern genutzt werden, um die CSR-Konformität der Unternehmen zu bewerten.
Geschichte
Vielfältige Ursprünge mini|Max Weber verdanken wir die Einsicht, dass es eine enge Verbindung von Religion und der Entwicklung des modernen Kapitalismus gibt Die Frage sozialer Verantwortung von Unternehmen ist eng mit der Religion im Allgemeinen und der protestantischen Religion im Besonderen verbunden. Max Weber zeigt auf, wie die protestantische Religion eine strukturierende Rolle bei der Entwicklung des Kapitalismus gespielt hat. Der Begriff der sozialen Unternehmensverantwortung (CSR) ist dabei ein wichtiger Bestandteil des Kapitalismus.
Man geht davon aus, dass die soziale Verantwortung der Unternehmen ihre Wurzeln unter anderem auch im utopischen Sozialismus des deistischen Briten Robert Owen hat, der als Gründervater der Genossenschaftsbewegung und des britischen Sozialismus bekannt ist. Owen gründete zwischen 1820 und 1860 Genossenschaften auf beiden Seiten des Atlantiks. Der amerikanische Geschäftsmann Francis Cabot Lowell und seine Partner gründeten in Waltham bei Boston die Boston Manufacturing Company, eine Spinnerei, die als Geburtsstätte der amerikanischen industriellen Revolution gilt. Lowell setzte dabei einen sozialen Ansatz um, der sich an Owens Genossenschaftsmodell orientierte, und entwickelte ein neues Industriesystem, ohne dabei ein Proletariat im europäischen Wortsinn zu schaffen.
Der Gesellschaftsvertrag des unternehmerischen Paternalismus Einer der wichtigsten amerikanischen Vertreter des Paternalismus, Samuel D. Warren, setzte im 19. Jhd. in seinem Unternehmen, der S.D. Warren Company, einem damals führenden Unternehmen in der Papierindustrie, ein paternalistisches Management durch, das Gewerkschaften in einem stark gewerkschaftlich organisierten Sektor ablehnte. Er propagierte stattdessen ein System des Gebens und Nehmens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, in dem wirtschaftliche Sicherheit und sozialer Schutz im Gegenzug für Loyalität und den Verzicht auf jede Form von gewerkschaftlicher Aktivität gewährleistet wurden. Dieses Modell bestand bis in die späten 1960er.
Spätes 19. Jhd. und frühes 20. Jhd. Die soziale Verantwortung ist ein Thema, mit dem sich Führungskräfte in den USA seit dem Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen philanthropischer Aktivitäten auseinandersetzen. Einer der Hauptvertreter dieser Bewegung war Andrew Carnegie, der in Das Evangelium des Reichtums, die Verantwortung reicher Geschäftsleute untersuchte und argumentierte, dass reiche Unternehmer ein bescheidenes Leben führen und jeglicher überschüssiger Reichtum der Gesellschaft zugeführt werden sollte.
Unter den Protestanten entwickelten sich neue Ideen über die Beziehung zwischen Unternehmen und Gesellschaft. Diese Theorien gingen davon aus, dass Eigentum kein absolutes Recht ist und nur in dem Sinne gerechtfertigt werden kann, insofern privates Kapital das Wohlergehen der gesamten Gemeinschaft steigert. Wichtige Vertreter dieser Theorien waren Chester Barnard, Henry Ford, Alfred P. Sloan, Thomas Edison und Charles Coffin.
Die Katholische Religion wiederum nahm mit Leo XIII. und der Enzyklika Rerum novarum (1891) Stellung: Reiche und Arbeitgeber dürfen Arbeiter keinesfalls wie Sklaven behandeln; es ist wichtig, ihre Würde zu achten. Pius XI. nahm diese Frage in der Enzyklika Quadragesimo anno (1931) wieder auf. Johannes Paul II. begann in seiner Enzyklika Centesimus annus (1991) das Thema Ökologie anzusprechen, da er der Ansicht war, dass der Mensch die Ressourcen des Planeten in übermäßiger und planloser Weise verbraucht.
In den Vereinigten Staaten, wo die Religion eine weitaus größere Rolle spielt als in Europa, entwickelten sich mit der sozialen Verantwortung der Unternehmen (corporate social responsibility) auch andere Formen wie das sozialverantwortliche Investieren (SRI), das ursprünglich von verschiedenen religiösen Konfessionen wie den Quäkern getragen wurde.
Entstehung des Begriffs: Howard Bowen (1953) Der explizite Begriff der Corporate Social Responsibility taucht in den 1950er und 1960er Jahren in der englischsprachigen Unternehmensliteratur mit Howard Bowens Social Responsibilities of the Businessman‚ (1953) und George Goyders The Responsible Company (1961) auf. Diese Ansätze wurden von diversen Forschern theoretisch weiterentwickelt (siehe insbesondere die Arbeiten der Schule von Montréal und Arbeiten, die sich auf die Regulationstheorie beziehen).
Akademische Entwicklungen Ab Ende der 1950er Jahre hielt die soziale Verantwortung von Unternehmen Einzug in die akademische Welt der USA. Im Folgenden einige Schlüsseldaten:
1959: Bericht der Ford Foundation, in dem neue Kurse für Business Schools empfohlen werden, die sich mit dem rechtlichen, sozialen und politischen Umfeld von Unternehmen befassen; 1967: Die American Association of Collegiate Schools of Business (AACSB) führt das Thema Beziehungen des Unternehmens und der Umwelt ein; 1971: Die Academy of Management schafft die Abteilung Social Issues in Management; 1980: Gründung der Society for Business Ethics (SBE) mit Unterstützung der American Philosophical Association.