Der Biss der Schlangenfrau ist ein britischer Horrorfilm des Regisseurs Ken Russell aus dem Jahr 1988. Der Film beruht auf dem Roman Das Schloss der Schlange (Lair of the White Worm) von Bram Stoker.

Handlung Der schottische Archäologie-Student Angus Flint entdeckt bei Ausgrabungen auf dem Gelände der Schwestern Mary und Eve Trent – in der englischen Grafschaft Derbyshire – einen ungewöhnlichen großen Schädel, der dem einer Riesenschlange zu gehören scheint. Die Trent-Schwestern laden Angus zu einem Fest ein, das auf dem Anwesen von Lord James D’Ampton veranstaltet wird. Ein Folk-Rock-Sänger erzählt dort mit musikalischer Begleitung eine Geschichte, die im Dorf anlässlich des Todes des Wurms gefeiert wird. Durch die Bekanntschaft mit James erfährt Angus vom „Wurm von D’Ampton“: nach einer Legende soll die Riesenschlange durch John D’Ampton – einem Vorfahr von James – in der Stonerigg-Höhle mit einem Schwert getötet worden sein.

Als in der Stonerigg-Höhle eine Taschenuhr gefunden wird, kommt James zu der Überzeugung, dass der Wurm vielleicht mehr als nur eine Legende ist. Die Uhr gehörte Joe, dem Vater der Trent-Schwestern, der ein Jahr zuvor in der Nähe von Temple House verschwunden war, dem herrschaftlichen Anwesen der mysteriösen Lady Sylvia Marsh – die Höhle befindet sich in der Nähe des Temple House. Zur gleichen Zeit wird die dörfliche Einsamkeit durch das Erscheinen von Sylvia Marsh, die früher als erwartet das Templeton House bezieht, unterbrochen. Lady Sylvia, so stellt sich im Laufe des Films heraus, ist eine unsterbliche Priesterin des uralten Schlangengottes Dionin. Sie schleicht sich auf dem Anwesen der Trent-Schwestern und stiehlt den Schlangenschädel. Beim Verlassen des Anwesens fletscht sie ihre schlangenartige Fangzähne und spuckt Schlangengift auf ein an der Wand hängendes Kruzifix. Eve berührt später das Kruzifix, nimmt etwas von dem Gift auf und hat einen verstörenden Traum, in der ein ans Kreuz genagelter Jesus von einer riesigen Schlange umschlungen wird, während ringsum Nonnen von römischen Soldaten vergewaltigt werden.

Auf dem Rückweg nimmt Lady Sylvia einen jungen Anhalter namens Kevin mit und bringt ihn zum Temple House, wo sie ihn verführt, bevor sie ihn mit Schlangengift tödlich lähmt. Als James kurz darauf das Temple House besucht, bittet Lady Sylvia ihn herein. Sie erzählt James, dass sie große Angst vor Schlangen und der Legende vom D’Ampton-Wurm habe. In dieser Nacht hat James einen surrealen Traum, in dem er als Pilot ein Flugzeug besteigt, in dem Eve, Mary und Lady Sylvia als Stewardessen arbeiten.

Am nächsten Morgen erkundet James zusammen mit Angus, Eve und Mary die Stonerigg-Höhle. Als Eve beschließt, vor den anderen nach Hause zukehren, wird sie im Wald von Lady Sylvia entführt, die beabsichtigt, sie als das jüngste Opfer in einer langen Reihe von Menschenopfern ihrem Schlangengott darzubringen. James ahnt währenddessen, dass eine riesige Schlange durch das Höhlensystem streift, die mit dem Temple House verbunden ist. James lässt abends von seiner Residenz über große Lautsprecher türkische Musik für Schlangenbeschwörer abspielen und fordert damit Lady Sylvia auf, ihn zu besuchen. Unterdessen brechen Angus und Mary in das Temple House ein, wo sie Eve und Marys Mutter Dorothy in einem tranceähnlichen Zustand vorfinden. Dorothy fletscht plötzlich ihre Zähne und beißt Mary in den Hals, bevor sie flieht, was bei Mary eine halluzinatorische Vision auslöst. Angus gelingt es jedoch, das Gift abzusaugen. Dorothy betritt daraufhin James’ Anwesen und beißt seinem Butler Peters in den Hals, bevor James sie mit einem Schwert in zwei Hälften teilt.

Im Morgengrauen trifft der Polizeibeamte Ernie auf dem Anwesen der Trent-Schwestern ein, nachdem James ihn angerufen hatte. Mary begleitet Ernie in der Annahme, sie seien auf dem Weg zur Polizeiwache, doch Ernie verrät ihr, dass sie zum Temple House fahren, um die Ereignisse der vergangenen Nacht zu untersuchen. Bei ihrer Ankunft entdeckt Mary, dass Ernie gebissen wurde und unter dem Bann der Schlange steht. Angus lockt Ernie mit seinem Dudelsack weg und tötet ihn, während Mary im Temple House flieht. Angus folgt ihr und wird von Lady Sylvia gebissen und außer Gefecht gesetzt, die sich in ihrer unterirdischen Kammer bereits teilweise in eine Schlange verwandelt hat. Mary wurde von Lady Sylvia aufgespürt und gefesselt, während Lady Sylvia mit der Zeremonie beginnt, Eve ihrem Schlangengott Dionin zu opfern, der am Grund einer Grube wartet. Angus vereitelt die Opferung, indem er Lady Sylvia in das Loch stößt, wo Dionin sie verschlingt, bevor er die Riesenschlange mit einer Granate in die Luft sprengt. Währenddessen leitet James eine Gruppe, die die Stonerigg-Höhle erkundet und ausräuchert.

Angus verwendet ein Gegengift, das er zuvor im Krankenhaus besorgt hat, um zu verhindern, dass Lady Sylvias Biss bei ihren Opfern Wirkung zeigt. Nachdem Eve und Mary zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht wurden, besucht Angus James. Ihr Treffen wird durch einen Anruf einer Assistenzärztin aus dem Krankenhaus unterbrochen, die Angus mitteilt, dass das Gegengift, das er erhalten hat, in Wirklichkeit ein Gegenmittel für Arthritis war. Entsetzt betrachtet Angus sein Gesicht im Spiegel. Wenige Augenblicke später nimmt Angus James’ Einladung zu einem Essen an. Im Auto lächelt Angus, bevor er die Bisswunde an seinem Bein enthüllt.

Hintergrund Produktion, Drehbuch und Dreharbeiten Der Film entstand im Rahmen eines Vertrags über drei Filme, den Ken Russell nach dem Erfolg seines Horrorfilms Gothic (1986) mit der US-amerikanischen Produktionsfirma Vestron Pictures abgeschlossen hatte. Mit Salomes letzter Tanz (1988) erschien bereits der erste Film von Russell unter der Ägide von Vestron Pictures. Vestron Pictures forderte nun einen zweiten Film von Russell. Der Geschäftsführer von Vestron Pictures, Dan Ireland, war ein Bewunderer von Ken Russells Arbeiten, und versprach ihm, ein Budget in Millionenhöhe für seine beiden nächsten Filmprojekte bereitzustellen. Bedingung war jedoch, dass Russell diesmal einen Horrorfilm zu konzipieren sollte – in der Hoffnung, einen ähnlichen Erfolg wie mit Gothic zu erzielen. Mit dem Versprechen, dass ihm 1 Million US-Dollar für sein Wunschprojekt Der Regenbogen – das schließlich 1989 verfilmt wurde – zur Verfügung gestellt wird, nahm er den Vertrag an.Ken Russell, Lisi Russell, Matthew Melia, Christoph N. Kellenbach und Tom Burgas. Audio-Kommentare für den Film Der Biss der Schlangenfrau [Blu-ray, 2019]. Lions Gate Entertainment.

mini|links|hochkant|Russell hat Elemente der englischen Volkssage vom Lindwurm von Lambton in das Drehbuch einfließen lassen.

Russell war von den Werken des irischen Schriftstellers Bram Stoker fasziniert und hatte bereits ein Drehbuch von Dracula verfasst – das Projekt wurde jedoch verworfen. Nachdem er auf Anraten eines Freundes den Roman Das Schloss der Schlange (Originaltitel: Lair of the White Worm) von Stokers gelesen hatte, beschloss er an einer Filmadaption zu arbeiten, obwohl er den Roman nicht so überzeugend fand wie Dracula: „Dracula ist ein meisterhafter Roman: Das psychologische Spiel, das das Buch treibt, ist sehr interessant, und die freudianischen Elemente sind sehr tiefgründig, aber diese Aspekte sind in [Lair of the White] Worm nicht vorhanden. Was ich stattdessen fand, war etwas anderes, das gewissermaßen an ihre Stelle trat, und zwar, dass man ausnahmsweise einmal nicht nach Transsilvanien reisen musste, um den Schrecken zu erleben – er spielte sich gleich um die Ecke in Derbyshire ab.“ Beim Verfassen des Drehbuchs griff Russell das Kernkonzept des Romans auf, in dem es um einen Schlangenkult geht, stellte jedoch stattdessen die mysteriöse Priesterin in den Mittelpunkt, die dabei hilft, Menschen zu fangen, um den Wurm zu füttern. Das Drehbuch orientiert sich zwar an Stokers Romanvorlage, doch Russell hat die englische Volkssage vom Lindwurm von Lambton stark in die Handlung einfließen lassen. Anstatt den Film im frühen 20. Jahrhundert anzusiedeln, entschied sich Russell dafür, ihn in der Gegenwart spielen zu lassen. Laut Aussage von Dan Ireland soll Russell etwa eine Woche an dem Drehbuch gearbeitet haben.

mini|hochkant|Blick aus dem Inneren von Thor’s Cave

Der Film wurde von Februar bis April 1988 über einen Zeitraum von sieben Wochen in den Shepperton Studios sowie an verschiedenen Drehorten in England gedreht. Die Stocker’s Farm in Rickmansworth diente als das Anwesen der Trent-Schwestern. In Wetton in der Grafschaft Staffordshire befindet sich unweit davon die Höhle Thor’s Cave, die für die Höhlenszenen genutzt wurde. Das Knebworth House in Knebworth in der Grafschaft Hertfordshire diente als das Anwesen von Lord James D’Ampton. Das Gaddesden Place in Hemel Hempstead in der Grafschaft Hertfordshire diente wiederum als Anwesen von Lady Sylvia Marsh. Das Peak-District-Nationalpark diente für weitere Außenaufnahmen. Laut Russell seien die Dreharbeiten wegen den Spezialeffekten schwierig gewesen, da sie eine lange Planung und viele Drehtage benötigten. Zum Teil drehten zwei Drehteams gleichzeitig in den Shepperton Studios.

Besetzung Russell wollte ursprünglich Tilda Swinton für die Rolle der Lady Sylvia Marsh engagieren, doch sie lehnte die Rolle ab, nachdem sie das Drehbuch gelesen hatte. Stattdessen wurde Amanda Donohoe engagiert. Donohoe zufolge schickte Russell ihr sein Drehbuch mit einer Notiz, auf der geschrieben stand: „Ich weiß nicht, ob dich dieser kleine Unsinn interessieren wird, aber bitte lies ihn trotzdem.“ Sie las ihn und erklärte sich bereit, Lady Sylvia zu spielen, weil es ihr „die Gelegenheit bot, eine Frau zu spielen, die im Grunde eine Fantasiefigur ist. Es gibt keine Grenzen. Deshalb konnte ich mit dieser Lady genau das machen, was ich wollte. […] Ich wollte nicht, dass sie eine Art vampirhaftes Flittchen ist (Original: „I didn't want her to be some sort of vampire bimbo“). Ich wollte wirklich, dass sie eine unglaublich kultivierte und zeitlose Frau ist.“

Laut Russell wollte Vestron Pictures einen bekannten US-amerikanischen Schauspieler in dem Film haben und schlug ihm Catherine Oxenberg vor, die durch die Fernsehserie Der Denver-Clan Berühmtheit erlangte, in der sie von 1984 bis 1986 die Rolle der Amanda Carrington spielte. Russell stimmte den Vorschlag zu. Oxenberg soll sich jedoch verweigert haben, in der Schlussszene nackt zu sein, und bestand darauf, diese in Unterwäsche zu drehen. Russell bemerkte später über Oxenberg, die die Tochter der ehemaligen Prinzessin Elisabeth von Jugoslawien ist, folgendes: „Da sie von königlichem Geblüt war, entschied sie sich für Seide von Harrods, aber da wir einen Low-Budget-Film drehten, musste sie sich mit Baumwolle von Marks & Spencer begnügen – und sie sah dabei auch noch sehr bezaubernd aus.“

Es war einer von Hugh Grants ersten Filmen, und laut Dan Ireland schämte sich Grant in späteren Jahren dafür. „Ich bin mir nicht sicher, ob der Film gruselig oder lustig sein sollte“, sagte Grant kurz nach den Dreharbeiten. „Als ich ihn sah, habe ich mich kaputtgelacht. Wie immer spiele ich eine Art jungen Mann aus der Oberschicht.“

Sonstiges Ken Russell hat zwei kurze Cameo-Auftritte: Zu Beginn des Films läuft er am Anwesen der Trent-Schwestern vorbei und grüßt dabei Mary Trent. Etwa 10 Minuten später spielt er (nur als Stimme) den Polizisten Charlie, der sich per Funkgerät mit seinem Kollegen Erny streitet.

Als Lady Sylvia Marsh das Brettspiel in den Kamin wirft, flüstert sie „Rosebud“ und spielt damit auf die Schlussszene von Citizen Kane an.

Lady Sylvia Marsh fährt ein Jaguar E-Type (Baujahr 1963), während Lord James D’Ampton ein Morgan 4/4 (Baujahr 1984) fährt. Der Streifenwagen von P.C. Erny ist ein Morris Minor 1000 (Baujahr 1971).

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