Preetz ist eine Kleinstadt südöstlich von Kiel im Kreis Plön in Schleswig-Holstein. Preetz ist aufgrund der einstmals bedeutenden Berufsstände der Schuhmacher auch als „Schusterstadt“ bekannt und mit rund 16.000 Einwohnern die größte Stadt im Kreis.

Geografie Nachbargemeinden Nachbargemeinden von Preetz sind im Uhrzeigersinn Rastorf, Lehmkuhlen, Wahlstorf, Schellhorn, Kühren, Postfeld, Pohnsdorf und Schwentinental.

Seen Der Postsee, nordwestlich von Preetz gelegen, wird von der Alten Schwentine durchflossen, der Kirchsee im Zentrum und der Lanker See südlich von der Schwentine. Der Kirchsee ist eigentlich nur eine Verbreiterung der Schwentine. Diese fließt vom Lanker See durch den Kirchsee weiter in Richtung Kiel.

Flüsse Durch das Gebiet von Preetz fließen Schwentine und Mühlenau (auch Postau oder Alte Schwentine). Die Mühlenau mündet auf Höhe des Harderparks in die Schwentine.

Naturschutzgebiete Die Naturschutzgebiete „Halbinseln und Buchten im Lanker See“, „Kührener Teich und Umgebung“ liegen südlich, das Naturschutzgebiet „Altarm der Schwentine“ nördlich von Preetz. Der Nordteil des Lanker Sees liegt im Gemeindegebiet. Dieser Teil gehört zu den beiden europäischen NATURA-2000-Schutzgebieten FFH-Gebiet Lanker See und Kührener Teich und zum europäischen Vogelschutzgebiet „Lanker See“.

Landschaftsschutzgebiet Im Gemeindegebiet befindet sich das Landschaftsschutzgebiet „Schwentinetal im Kreis Plön im Verlauf vom Stadtgebiet Preetz bis an die Stadtgrenze von Kiel“. Es umfasst unter anderem den Rosensee, den Weiher Unterprobstenteich und einen Altarm der Schwentine.

Geschichte links|mini|300px|Preetz um 1895 mini|Rathaus von 1871 Von der vorgeschichtlichen Besiedlung der Region zeugen die nördlich von Preetz gelegenen Grabhügel bei Preetz.

Zwischen 1167 und 1173 (keine genaue Datierung möglich) trugen in der Nähe des Ortes der südjütländische Herzog Christoph, unehelicher Sohn des dänischen Königs Waldemar I., und der Graf von Schauenburg und Holstein Adolf III. – wegen Minderjährigkeit vertreten durch den Holsteiner Overboden Marcrad I. sowie den Holsteiner Bruno – eine Schlacht aus. Sie ist im Kontext einer Schwächephase des Heiligen Römischen Reiches als erster Versuch Dänemarks zu verstehen, sein Territorium nach Süden auszudehnen. Das Gefecht endete unentschieden.Petersen, Georg Peter: Neue Schleswig-Holsteinische Provinzialberichte. Dritter Jahrgang, C. F. Mohr, Kiel, 1813, Seite 132. 1185 wird die Gemeinde Poretz erstmals von Ecbrecht Procensis in den Versus de Vicelino erwähnt. Der Name der Stadt entwickelte sich ab 1216 aus dem Wendischen von po rece (am Fluss) über Poretzie (1221) und Pretze (1442) zu dem heutigen Preetz.

Bereits zu der Zeit der Wenden gab es hier eine Furt über die Schwentine, die eine Verbindung zwischen Wagrien und Holstein herstellte.

1210 entstand eine erste Kirche. 1211 gründete Graf Albrecht von Orlamünde das Kloster Preetz des Benediktinerinnenordens. Er sorgte damit für den entscheidenden Impuls für die Entwicklung des Ortes im Mittelalter. 1226 erneuerte Adolf IV. von Schauenburg und Holstein die Stiftung des Klosters und schenkte es den Nonnen. 1268 entstand die Klosterkirche. Bis 1867 stellte das Kloster die höchste Verwaltungsinstanz dar und übte die Rechtsprechung aus.

Der Flecken Preetz entwickelte sich mehr und mehr zu einem ländlichen Zentrum des Handwerks mit dem Schwerpunkt Schuhherstellung. Um 1850 waren in der Stadt 160 selbständige Schuhmachermeister, 360 Schuhmachergesellen und 160 Schuhmacherlehrlinge tätig.

Als der Platz um die Stadtkirche für Begräbnisse zu knapp wurde, stiftete der Apotheker Gotthilf Pabst 1835 den heutigen Alten Friedhof westlich außerhalb der Ortschaft; die später gebaute Bahnstrecke Kiel–Lübeck wurde zwischen der Ortschaft und dem Friedhof gebaut, sodass es in der Straße zum Friedhof direkt vor der 1876 erbauten Friedhofskapelle einen Bahnübergang gibt.Ev.-luth. Kirchengemeinde Preetz: Gemeindebrief 04/2024, S. 4/5, Durch Tod zu Leben - die Preetzer Friedhofskapelle in neuem Glanze

1852 erhielt Preetz die erste Straßenbeleuchtung. Nach dem Bau des Bahnhofs 1864 wurde 1871 das Rathaus gebaut, vor dem noch heute die 1871 gepflanzte Eiche steht.

Am 17. Mai 1870 schließlich bekommt Preetz eingeschränkte Stadtrechte, 1901 dann die vollen Stadtrechte.

In Preetz waren die Nationalsozialisten ab dem 28. Januar 1930 in einer Ortsgruppe organisiert. Während die Stadt bis dahin als „rot“ galt, errang die NSDAP bei der Reichspräsidentenwahl 1932 hier 47 % der Stimmen, wozu auch die schwierige wirtschaftliche Lage beitrug; so waren Anfang 1933 50,8 % der Preetzer Bürger auf staatliche Hilfe angewiesen. Eine Woche nach den Reichs- und Landtagswahlen vom 5. März 1933 wurden in Preetz die Stadtverordneten gewählt, wobei eine Liste aus NSDAP und bürgerlichen Kandidaten sieben und die SPD fünf Mandate erhielt. Drei SPD-Stadträte wurden abgesetzt, da sie sich dem Hissen der Hakenkreuzflagge über dem Rathaus widersetzten. Anfang 1934 wurde NS-Kreisleiter Schalow Bürgermeister, der zuvor zusammen mit zwei Parteigenossen einen regimekritischen Lehrer mit einer Reitpeitsche verprügelt hatte. In der Stadt lebte zu Beginn der NS-Herrschaft nur eine jüdische Person, Ella Hirsch, deren Deportation vor allem durch die Zivilcourage des Firmeninhabers Otto Brumm verhindert wurde, der sie nach dem Krieg heiratete; die Ella-Brumm-Straße in Preetz erinnert an sie. Der Zweite Weltkrieg kostete etwa 700 Preetzer Bürger das Leben.

Konfessionsstatistik Gemäß Zensus 2022 waren 44,0 % der Einwohner evangelisch, 4,8 % römisch-katholisch und 50,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.

Politik Bürgermeister

Stadtvertretung

Die Stadtvertretung besteht aus 27 Stadtvertreterinnen und Stadtvertretern, die sich nach dem Ergebnis der Gemeindewahl vom 14. Mai 2023 wie folgt zusammensetzt: CDU: 8 Sitze SPD: 6 Sitze FDP: 2 Sitze Bürgergemeinschaft Preetz (BGP): 2 Sitze GRÜNE: 6 Sitze Freie Wählergemeinschaft (FWG): 3 Sitze

Wappen Blasonierung: „Durch einen goldenen Wellenbalken geteilt von Blau und Rot. Oben ein silberner Fisch, unten das silberne holsteinische Nesselblatt.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]

Der im oberen Teil des Wappens befindliche Fisch soll die frühere hauptsächliche Ernährungsgrundlage der Bewohner dieses Gebietes darstellen. Dazu wurde der wehrhafte Barsch gewählt, da er die Verteidigungsbereitschaft der Einwohner bekunden soll. Beim in früheren Zeiten wahrscheinlich höheren Wasserspiegel, der die Seen und Flüsse in und um die Stadt Preetz vergrößerte und den Ort mit Sümpfen umgab, dürfte Preetz die Rolle einer Fluchtburg gespielt haben.

Das blaue Feld steht stellvertretend für das die Stadt Preetz umgebende Wasser.

Das Mittelfeld deutet auf die in der Gegend einzige und wichtige Furt in Preetz durch die Schwentine. Die Furt sowie die Eignung als Fluchtburg haben dem Ort die frühere Bedeutung gegeben und ließen ihn geeignet erscheinen, im Jahre 1226 das „Marienfelder Kloster“ an diesen Platz zu verlegen.

Städtepartnerschaften Blandford (Großbritannien) seit 1979 Stavenhagen (Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland) seit 1990 Tapa (Estland) seit 1990/1991 Neman, deutsch: Ragnit, (Oblast Kaliningrad, Russland) seit 1991, Patenschaft seit 21. Juni 1953 Schilino, deutsch: Schillen, (Oblast Kaliningrad, Russland), Patenschaft seit 21. Juni 1953

Kultur und Sehenswürdigkeiten Filmtheater mini|Capitol Preetz Capitol Cine Center Preetz (Verzehrkino, Nichtraucher)

Theater Niederdeutsche Bühne Preetz

Museen Erstes Circus-Museum in Deutschland Das Erste Circus-Museum in Deutschland eröffnete am 15. Oktober 1974 und zeigte auf einer Fläche von 316 m² eine Sammlung von Bildern, Plakaten, Kostümen, Requisiten und Circus-Modellen. 1990 wurde der Verein der Freunde und Förderer des Circus-Museums Preetz gegründet. Wegen des Mangels an größeren Räumlichkeiten für die wachsenden Bestände schloss das Museum im Jahr 2010 und zog nach Magdeburg.

Heimatmuseum Preetz Das Heimatmuseum Preetz wurde im Januar 1993 eröffnet. Die Sammlung umfasst die drei Schwerpunkte regionale Archäologie, Stadtgeschichte und örtliches Handwerk und befindet sich im ehemaligen Circus-Museum.

Holzschuhmuseum Preetz mini|Holzschuhmuseum Preetz mini|Schusterfigur auf dem Marktplatz Das Preetzer Holzschuhmuseum eröffnete am 18. Mai 2008. In der renovierten Werkstatt eines Holzschuhmachers werden der Herstellungsprozess sowie die Historie der Preetzer Holzschuhe präsentiert.

Heimatstube Tilsit-Ragnit Die Heimatstube des Kreises Tilsit-Ragnit in Ostpreußen verfügt über zwei Räume. Aufbewahrt werden Flur- und Kreiskarten, Grafiken und Bernsteinbilder sowie weitere Heimatandenken. Ergänzt wird die Sammlung durch Fotografien, einer Bibliothek mit etwa 500 Büchern und weiteren Archivalien.

Freizeit, Sehenswürdigkeiten und Tourismus Das Adelige Kloster mit der Klosterkirche Die Preetzer Stadtkirche Der Wohnwasserturm mit Jugendzentrum Die Schusteracht als Kultur- und Naturerlebnispfad Der Preetzer Schusterjunge von Ursula Hensel-Krüger (1964), auf dem Feldmannsplatz Der Holzpantoffel als wahrscheinlich größter Holzpantoffel der Welt Der Schuster mit Hund auf dem Preetzer Marktplatz

Regelmäßige Veranstaltungen Jeden Mittwoch und Samstag findet auf dem Marktplatz der Wochenmarkt statt. Jeweils am 3. Samstag im August findet auf dem Preetzer Markt ein Kunsthandwerkermarkt statt. Seit 1988 findet im September das Preetzer Papiertheatertreffen, die größte internationale Zusammenkunft von Papiertheaterspielern in Europa statt. Seit 1977 ist das Preetzer Schusterfest Veranstaltungshöhepunkt der Stadt. Dieses in der Innenstadt durchgeführte Stadtfest findet traditionell im Mai statt. Künstlerische Darbietungen und Musik sorgen für Unterhaltung während des Festes. Während tagsüber hauptsächlich Aktionen für und mit Kindern stattfinden, wird abends ein Musikprogramm mit unterschiedlichsten Gruppen geboten. Seit 1984 wird im September der 10-Meilen-Schusterlauf rund um den Lanker See sowie ein Kurzstreckenlauf über 5 km in der Stadt veranstaltet. Seit 2011 wird in den Sommerferien ein „Domino-Day“ von der Gruppe „Domino-Preetz“ veranstaltet, bei der die größte Kettenreaktion Schleswig-Holsteins aufgestellt wird.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straßen Bis zum 14. Juni 2004 verlief die Bundesstraße 76 in Nord-Süd-Richtung durch Preetz, heute verläuft die Straße östlich der Stadt. Ausgehend von der alten Bundesstraße 76 an der Schwentine-Brücke verläuft die Landstraße 211, die weiter östlich an die Bundesstraße 202 (Rastorfer Kreuz) anschließt.

Von der Landstraße 211 gelangt man heute zwischen der Stadt und dem Gewerbegebiet Preetz-Wakendorf auf die Bundesstraße 76. Südlich von Preetz ist die alte Trasse der Bundesstraße 76 im Bereich des Sophienhofer Kreuzes ebenfalls an dieselbe angeschlossen.

In westlicher Richtung führt die Landstraße 49 zur Bundesautobahn 21, die in Nord-Süd-Richtung verläuft.

Bahn mini|Eine 2009 erbaute Unterführung für Fußgänger und Radfahrer unter der Bahnstrecke Kiel-Lübeck im Norden des Preetzer Stadtgebietes (September 2023)