mini|Übersichtskarte Frohnau Frohnau ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Reinickendorf.

Lage Frohnau ist der nördlichste Ortsteil des Bezirks Reinickendorf und liegt am nordwestlichen Rand Berlins. Der nördlichste Punkt befindet sich in der Invalidensiedlung, die an der Grenze zu Hohen Neuendorf in Brandenburg liegt. Die benachbarten Berliner Ortsteile sind im Südwesten Heiligensee, im Süden Tegel und im Südosten Hermsdorf. Im Westen, Norden und Osten grenzt der Ortsteil an den Landkreis Oberhavel in Brandenburg. Im Norden grenzt Frohnau an die Stadt Hohen Neuendorf. Der zu dieser Stadt gehörende Ortsteil Stolpe liegt nordwestlich von Frohnau. Im Osten schließt sich die Gemeinde Glienicke/Nordbahn an, deren Wohnbebauung in die des Berliner Ortsteils übergeht. Nordöstlich liegt die zur Gemeinde Mühlenbecker Land gehörende Bieselheide.

Naturräumlich bildet Frohnau (gemeinsam mit dem angrenzenden Hohen Neuendorf) den westlichen Zipfel der Hochfläche des Barnim. Das Ortsgebiet liegt jenseits des Berliner Urstromtals und somit bis zu 30 m höher als die Umgebung südlich des Entenschnabels.

Teiche und Pfuhle mini|Hubertussee

Zur Regenwasserversickerung wurden bei der Anlage Frohnaus zahlreiche Teiche geschaffen. Auch natürliche Pfuhle eigneten sich dafür. Die Gewässer sind zumeist Bestandteile von geschützten Grünanlagen, deren ökologische Funktion jedoch eingeschränkt ist.Hans-Jürgen Stork: Rettet die blauen Augen von Frohnau. NABU, Landesverband Berlin. In Frohnau befinden sich 18 solcher Teiche und Pfuhle, die größtenteils nach der jeweils anliegenden Straße benannt sind.Liste der Gewässer in bezirklicher Zuständigkeit. (PDF; 21 kB) Stadtentwicklung Berlin

Geschichte mini|links|Struktur von Frohnau, um 1908

Die im Jahr 1905 vom oberschlesischen Fürsten Guido Henckel von Donnersmarck gegründete Berliner Terrain-Centrale realisierte das Projekt einer Villen- und Landhaussiedlung im Grünen ab 1908. Als Baufläche diente ein 1907 von der Familie von Veltheim in Schönfließ angekauftes Waldgelände links und rechts der Berliner Nordbahn. Die neue Siedlung orientierte sich an der damals entstehenden Gartenstadtbewegung und bekam den Namen Gartenstadt Frohnau. Der Landschaftsarchitekt Ludwig Lesser erarbeitete für die Grünflächen und die Pflanzung von Straßenbäumen ein Gesamtkonzept. Den städtebaulichen Wettbewerb 1907/1908 zur Ausgestaltung der neuen Gartenstadt gewannen die Architekten Joseph Brix und Felix Genzmer. Die Gartenstadt wurde rund um das neue Bahnhofsgebäude der Berliner Vorortbahn angelegt, das nach Plänen der Architekten Gustav Hart und Alfred Lesser im Jugendstil erbaut worden war. Die radialen Haupterschließungsstraßen nehmen ihren Ausgangspunkt an der Doppelplatzanlage des Ludolfinger- und Zeltinger Platzes und verlaufen – der bewegten Topografie folgend – zumeist gekrümmt. Das Gelände wurde parzelliert und an Bauwillige verkauft.

hochkant=1.2|mini|Blick auf den Ludolfingerplatz (mit Casinoturm und Kirchengebäude)

Am 7. Mai 1910 feierten die Beteiligten die Einweihung der Gartenstadt. In der kurzen Zeit bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 wurden nur wenige Häuser errichtet. Der größte Teil wurde erst zwischen den beiden Weltkriegen bebaut. Eine Besonderheit war die Anlage des Poloplatzes, auf dem seit 1913 Polospiele stattfanden. Bis 1932 konnten sich die Frohnauer beim Polospiel vergnügen.Betreten erlaubt, aber wie lange noch. In: Der Tagesspiegel, 24. Februar 2003

Kommunalrechtlich war Frohnau zunächst ein Teil des Gutsbezirks Stolpe, wurde dann von diesem abgetrennt und bildete seit 1. Oktober 1910 einen eigenen Gutsbezirk.gemäß Allerhöchstem Erlaß vom 2. Juli 1910. In: Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin, Stück 33/1910, 816., S. 389 Das nördlich der Schönfließer Straße gelegene Gebiet des Gutsbezirks wurde 1916 eigentumsrechtlich durch eine Schenkung des Fürsten von Donnersmarck an den Kaiser abgetrennt. Erschüttert über die Schrecken des Ersten Weltkriegs stellte der Fürst dieses Gebiet für eine Heil- und Pflegeanstalt für verwundete oder erkrankte Soldaten sowie für ein militärärztliches Forschungsinstitut zur Verfügung. Weder die ursprünglich geplante Wohnbebauung dieses Gebiets noch die geplanten Einrichtungen wurden realisiert, obwohl dort bereits die Straßen gepflastert und Gehwege mit Straßenbäumen angelegt worden waren und ein fertiger Bebauungsplan existierte. So blieb ein Teil des Frohnauer Forstes mit gepflasterten Straßen erhalten und kann durchwandert werden. Pläne von 1917, dieses Gebiet als einen neuen Gutsbezirk Kaiserlich Frohnau einzurichten, wurden ebenfalls nicht mehr verwirklicht.Carsten Benke: Wettbewerbe, Wettbewerbe, Wettbewerbe – Wie Frohnau geformt wurde. Bürgerverein in der Gartenstadt Frohnau, 2021; researchgate.net

Am 1. Oktober 1920 wurde der Gutsbezirk Frohnau aus dem Kreis Niederbarnim der Provinz Brandenburg nach Groß-Berlin eingegliedert und bildet seitdem einen Ortsteil des Bezirks Reinickendorf.

Der in den 1930er Jahren entstandene Plan, den nördlichen Teil des Berliner Autobahnringes durch den Wald im Norden Frohnaus zu führen, wurde nicht realisiert.Gescheitertes Bauprojekt: Die Reichsautobahn in Frohnau. mittendrin.fdst.de; abgerufen am 15. September 2021. Im äußersten Norden Frohnaus entstand 1938 die Invalidensiedlung auf einem hufeisenförmigen Grundriss. Ihr Haupteingang war nach Norden zum brandenburgischen Hohen Neuendorf hin orientiert.

hochkant=0.5|mini|Wappen von Frohnau

Am 22. April 1945 besetzten sowjetische Truppen den Ortsteil. Vom 12. August 1945 bis zum 2. Oktober 1990 gehörte er zum Französischen Sektor Berlins. Im Westen, Norden und Osten umgab den Ortsteil das ab Juni 1952 abgesperrte Territorium der SBZ/DDR. Die Oranienburger Chaussee im Verlauf der B 96 war durch den Entenschnabel, einen zur SBZ/DDR gehörenden Geländestreifen der Straße Am Sandkrug, von der südlich weiterführenden Berliner Straße abgeriegelt. Am 25. Dezember 1952 ereignete sich in Frohnau ein schwerer Grenzzwischenfall, bei dem Sowjetsoldaten den West-Berliner Polizisten Herbert Bauer erschossen. Frohnau war bis zur Öffnung der F 96 im Februar 1990 infolge des Mauerfalls im Wesentlichen nur über drei Straßen vom südlich gelegenen Ortsteil Hermsdorf her erreichbar. Die Rote Chaussee, die Frohnau durch den Tegeler Forst mit Heiligensee verbindet, wurde von den französischen Streitkräften angelegt.

Die neuzeitliche Stadthymne Frohnau-Lied wurde 1986 im Rahmen eines Wettbewerbs nach einem Text des Reinickendorfers Fritz Eckardt vertont. Das Wappen von Frohnau entstand 1987 ebenfalls im Rahmen eines Wettbewerbs.

Am 19. und 20. Juni 2010 feierte Frohnau sein 100-jähriges Bestehen.

Bevölkerung Jahr Einwohner1910–1919: Gross-Berlin: Geographie der Weltstadt. Friedrich Leyden, 1933.1930–1987: Statistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre) 1910 220 1919 1.191 1930 3.746 1938 10.023 1946 12.320 1950 13.085 1960 13.311 1970 14.104 1987 16.644 2000 17.114 Jahr EinwohnerStatistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre) 2007 17.049 2010 16.565 2015 16.723 2020 16.689 2021 16.540 2022 16.582 2023 16.399 2024 16.371 2025 16.309

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Bauwerke

Kirchen mini|links|Johanneskirche mini|Ehemalige evangelische Kirche, nun St. Hildegard

Die evangelische Johanneskirche wurde 1935–1936 zusammen mit dem Gemeindehaus nach einem Entwurf der Brüder Walter und Johannes Krüger erbaut (Erbauer des Tannenberg-Denkmals). Der Turm erinnert in seiner Gestaltung an romanische Westwerke mittelalterlicher Wehrkirchen. Der Vorbau vor dem Kircheneingang wird von vier Eichenstämmen aus dem Tegeler Forst getragen. In diese hat der Bildhauer Karl Sylla die Symbole der vier Evangelisten und weitere christliche Sinnbilder geschnitzt. Den Altar mit Leuchter gestaltete der Bildhauer Fritz Thiel. Die 1967 von Götz Löpelmann geschaffenen abstrakten Bleiglasfenster stellen die Schöpfungsgeschichte dar.

Die evangelische Gemeinde Frohnau wurde 1922 von der Gemeinde Stolpe abgetrennt. Vor dem Bau der Johanneskirche hatten die Gottesdienste in einem Gebäude in der Senheimer Straße stattgefunden, das ursprünglich als Turnhalle erbaut worden war. Diese Turnhalle war im Ersten Weltkrieg ein Lazarett und wurde schließlich von der katholischen Gemeinde Frohnaus erworben. Seitdem befindet sich dort die katholische Kirche St. Hildegard. Sie ist Hildegard von Bingen geweiht und beherbergt eine Reihe von bemerkenswerten Kunstgegenständen.

Buddhistisches Haus Bauherr des Buddhistischen Hauses war der Arzt Paul Dahlke, der auf seinen Asienreisen den Buddhismus kennengelernt hatte. Als ein Zentrum dieser Religion ließ er von 1923 bis 1924 durch den Pankower Architekten Max Meyer ein villenartiges Wohnhaus mit einem dahinter gesetzten, im japanischen Stil gehaltenen Tempelbau errichten. Hier leben seitdem buddhistische Mönche, halten regelmäßig Vorträge und organisieren Diskussionen.

Umspannwerk und ehemalige Straumerbrücke Eine der historischen Zufahrten von der Oranienburger Chaussee aus nach Frohnau befindet sich am Fürstendamm. Der dort verlaufende Höhenzug aus Pfingstberg und Krugberge musste hierfür durchbrochen werden. Der durch den Fürstendamm gebildete Einschnitt wurde entlang des Höhenzugs durch eine hölzerne Fußgängerbrücke überspannt, die gleichzeitig als Aussichtsplattform diente. Die Entwürfe lieferte 1907 der Architekt Heinrich Straumer. Im Jahr 1944 brannte die Brücke ab. Erhalten blieb das steinerne nördliche Brückenwiderlager, in dem sich ein Umspannwerk befand. Dieses Gebäude wurde nach 2011 saniert und beherbergt heute ein Weinlokal.

S-Bahnhof Frohnau

mini|Bahnhofsgebäude Frohnau

Das Bahnhofsgebäude mit dem tiefgelegenen Bahnsteig ließ die Eisenbahndirektion Berlin 1908–1910 ebenfalls nach einem Entwurf der Architektengemeinschaft Gustav Hart & Alfred Lesser errichten. Die Berliner Terrain-Centrale, die damals Frohnau als neues Siedlungsgebiet erschloss, leistete einen Baukostenzuschuss von 30.000 Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund Euro) und übernahm die Betriebskosten für vier Jahre. Schon lange vor der Gründung Frohnaus verkehrte hier seit 1877 die Berliner Nordbahn zwischen Berlin und Stralsund. Bei der Anlegung der Frohnauer Brücke im Jahre 1909 legte man die Bahngleise tiefer, schüttete die Umgebung auf und baute die Straßenbrücke als Verbindung der beiderseits der Bahn gebauten Ortsteile.

Am 1. Mai 1910 wurde der neue Bahnhof Frohnau eingeweiht; es wurden 1640 Besucher gezählt. Zwischen 1984 und 1986 wurde der Bahnhof renoviert. Im Jahr 2010 wurde das Bahnhofsgebäude im Rahmen des Konjunkturpaketes I der Bundesrepublik Deutschland energetisch saniert, der Energieverbrauch wird dadurch um 41 Prozent gesenkt.

Wasserturm Der auf dem städtischen Friedhof Hermsdorf auf einem natürlichen Hügel befindliche Wasserturm steht auf Frohnauer Gebiet. Er wurde 1908/1909 nach Plänen und unter Leitung des Bremer Architekten Carl Francke erbaut. Der seinerzeit in Hermsdorf wohnende Maler Max Beckmann hat ihn in zwei Gemälden abgebildet, unter anderem in der Phase der Erbauung, das zweite Gemälde zeigt den Turm zwar noch unfertig, der war aber nachweislich 1913 bereits fertig. Der Friedhof entstand erst nach Fertigstellung des Turmes.Der Wasserturm am Friedhof Hermsdorf. In: Tom Wolf, Manuel Roy, Roberto Sassi: Verborgenes Berlin. Jonglez Verlag, 2021, ISBN 978-2-36195-371-3, S. 366–367.

Der Turm, mit hellem Sandstein verkleidet, ist 30 Meter hoch und versorgte ursprünglich Hermsdorf, Frohnau, Waidmannslust und Lübars mit dem notwendigen Wasserdruck. Der Wasserbehälter konnte maximal 500 m³ fassen, war aber nur etwa 20 Jahre in Betrieb. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Turm als Beobachtungsposten für Polizei und Luftwaffe.

Casinoturm mini|links|hochkant|Casinoturm