Die Independence-Klasse war eine Klasse von neun leichten Flugzeugträgern der United States Navy. Sie wurden aus bereits begonnenen Kreuzern der Cleveland-Klasse umgebaut und 1943 als schneller Ersatz für die 1942 verlorengegangenen Flottenträger in Dienst gestellt. Die Träger wurden am pazifischen Kriegsschauplatz eingesetzt, wobei ein Schiff versenkt wurde. Während des Koreakrieges befand sich ein Träger im Einsatz, während zwei Schiffe an Frankreich und eines an Spanien verliehen wurden. Letzteres, die Cabot, diente 22 Jahre als Dédalo, bevor sie 1989 außer Dienst gestellt wurde. Die übrigen Schiffe blieben bis Ende der 1950er-, teilweise auch 1960er-Jahre in der Reserveflotte, wo sie vereinzelt als Flugzeugtransporter Verwendung fanden.
Geschichte mini|links|hochkant|Stapellauf der Princeton am 18. Oktober 1942.
Planung und Bau Die angespannte politische Lage mit einem möglichen Krieg mit dem Kaiserreich Japan und die Tatsache, dass die Fertigstellung der ersten im Bau befindlichen Flugzeugträger der neuen Essex-Klasse nicht vor dem Jahr 1944 erwartet wurde, waren im August 1941 für den damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt Anlass genug, die Flugzeugträgerflotte so schnell wie möglich auszubauen. Aus Zeitnot sollten Rümpfe von bereits im Bau befindlichen Kreuzern zu Trägern umgebaut werden. In Auftrag gegebene Studien kritisierten die aufgrund der Kreuzerabmessungen im Vergleich zu bisherigen Flugzeugträgern weitaus geringere Anzahl der möglichen mitzuführenden Kampfflugzeuge, was die Admiralität zu Zweifeln an diesem Programm veranlasste.
Überzeugungsarbeit des damaligen Marineministers Frank Knox veranlasste die oberste Marineleitung zur Realisierung dieses Bauprogramms. Der wenig später darauf erfolgte japanische Angriff auf Pearl Harbor, der schließlich zum befürchteten Krieg führte, veranschaulichte die von Trägerkampfgruppen ausgehende Schlagkraft und bestätigte die Admiralität in diesem Vorhaben.
Die Marine beschleunigte daraufhin die Fertigstellung im Bau befindlicher Flugzeugträger und wählte Kreuzerrümpfe der Cleveland-Klasse zum Umbau aus. Der erste Independence-Klasse-Träger wurde im Januar 1942 genehmigt, während weitere Aufträge in den Monaten Februar (zwei Einheiten), März (drei) und Juni (drei) erfolgten. Somit befanden sich bereits ein Jahr nach den ersten Überlegungen insgesamt neun Einheiten im Bau. Alle Independence-Träger wurden bei der am Delaware River gelegenen New York Shipbuilding Corporation in Camden, US-Bundesstaat New Jersey, gebaut und im Laufe des Jahres 1943 am Philadelphia Naval Shipyard von der US-Marine in den aktiven Dienst gestellt.
Die ersten Kriegsmonate brachten erhebliche Verluste für die US Navy. Während sich zum Zeitpunkt des amerikanischen Kriegseintritts noch sieben Flugzeugträger in Dienst befanden, war die Enterprise zeitweilig der einzige einsatzbereite Träger, den die Alliierten gegen die Kaiserlich Japanische Marine aufbieten konnten.
Einheiten Alle neun Schiffe entstanden als Umbauten aus vorhandenen Rümpfen von Leichten Kreuzern der Cleveland-Klasse (Kennung CL; siehe Tabelle). Die ersten fünf Einheiten wurden als Flugzeugträger mit der Kennung CV („Cruiser, Heavier-than-air“) in Dienst gestellt, jedoch mit 15. Juli 1943 zum leichten Flugzeugträger mit der Kennung CVL („Cruiser, Heavier-than-air, light“) umbezeichnet. Die noch im Bau befindlichen Schiffe erhielten von Beginn an die Kennzeichnung CVL.
Im Gegensatz zu den Schlachtschiffen oder Zerstörern hatte die US Navy damals kein einheitliches System für die Benennung ihrer Flugzeugträger. Das wurde auch bei diesen neun Schiffe ersichtlich. Angefangen mit dem historischen Ereignis der Unabhängigkeit („Independence“) über vergangene Schlachten des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges („Princeton“, „Cowpens“), Texanischen Unabhängigkeitskrieges („San Jacinto“), Mexikanisch-Amerikanischen Krieges („Monterey“), Ersten Weltkrieges („Belleau Wood“, englisch für „Bois Belleau“) und des Zweiten Weltkrieges („Bataan“), sowie nach dem italienischen Seefahrer Giovanni Caboto und dem US-amerikanischen Flugpionier Samuel Langley.
# Name Geordert Kiellegung Stapellauf Indienst- stellung Außerdienst- stellung CVL-22 IndependenceAmsterdam (CL-59)a) 10. Jan 1942 1. Jul 1940 1. Mai 1941 22. Aug 1942 14. Jan 1943 28. Aug 1946 CVL-23 PrincetonTallahassee (CL-61)a) 16. Feb 1942 1. Jul 1940 2. Jun 1941 18. Okt 1942 25. Feb 1943 am 24. Oktober 1944 versenkt CVL-24 Belleau WoodNew Haven (CL-76)a) 16. Feb 1942 9. Sep 1940 11. Aug 1941 6. Dez 1942 31. Mär 1943 13. Jan 1947 CVL-25 CowpensHuntington (CL-77)a) 21. Mär 1942 ? 17. Nov 1941 17. Jan 1943 28. Mai 1943 13. Jan 1947 CVL-26 MontereyDayton (CL-78)a) 21. Mär 1942 9. Sep 1940 29. Dez 1941 28. Feb 1943 17. Jun 1943 15. Sep 1950 11. Feb 1947 16. Jan 1956 CVL-27 LangleyCrown Point (CV-27)b) Fargo (CL-85) a) 13. Nov 1942 18. März 1942 ? 11. Apr 1942 22. Mai 1943 31. Aug 1943 11. Feb 1947 CVL-28 CabotWilmington (CL-79)a) 11. Jul 1942 ? 16. Mär 1942 4. Apr 1943 24. Jul 1943 27. Okt 1948 11. Feb 1947 21. Jan 1955 CVL-29 BataanBuffalo (CL-99)a) 11. Jul 1942 16. Dez 1940 31. Aug 1942 1. Aug 1943 17. Nov 1943 13. Mai 1950 11. Feb 1947 9. Apr 1954 CVL-30 San JacintoReprisal (CV-30) Newark (CV-30)b) Newark (CL-100) a) 11. Jul 1943 23. Jun 1942 2. Jun 1942 ? 26. Okt 1942 26. Sep 1943 15. Dez 1943 1. Mär 1947 a): ursprünglicher Name des Kreuzers, auf dessen Rumpf der leichte Flugzeugträger basierte b): zuerst vorgeschlagener Name des Flugzeugträgers
Einsatz und Verbleib mini|Der Leichte Kreuzer Birmingham unterstützt die Feuerbekämpfung an Bord der brennenden Princeton. Der Kreuzer wurde später durch die Magazinexplosion auf dem Flugzeugträger schwer beschädigt.
Die neun Schiffe wurden zwischen Januar und Dezember 1943 in Dienst gestellt, zusammen mit den ersten Einheiten der Essex-Klasse, deren Fertigstellung nach dem Kriegseintritt der USA massiv beschleunigt werden konnte. Sie dienten mit den großen Flugzeugträgern innerhalb der Fast Carrier Task Forces.
Gemeinsam mit den Geleitflugzeugträgern bildeten sie eine bedeutende Streitmacht innerhalb der US Navy. Independence-Träger beteiligten sich an den Feldzügen gegen die Gilbert- und Marshallinseln. Im Juni 1944 nahmen acht der Schiffe am sogenannten Marianen-Truthahnschießen teil, wo sie alleine 40 % aller alliierten Jagd- und 36 % aller Torpedoflugzeuge stellten. Unerlässlich waren sie auch im Golf von Leyte und an den Landungen auf Iwojima und Okinawa. In Leyte bildete die Independence gemeinsam mit dem Flottenträger Enterprise den ersten Flugzeugträgerverband, der mit nachtjagdfähigen, also mit Radar bestückten Flugzeugen ausgerüstet war. Im Zuge der Leyte-Operationen kam es am 24. Oktober 1944 zum einzigen Totalverlust eines Independence-Trägers, der Princeton. Die durch nur einen einzelnen japanischen Bombentreffer ausgelösten Brände brachten Munition zur Explosion. Fünf Stunden nach dem Treffer zerriss die Detonation eines Magazins schließlich das gesamte Achterschiff. Dies verdeutlichte die Verwundbarkeit dieser Schiffsklasse, in der aus größenbedingtem Platzmangel die Munitionslager direkt auf oder unter dem Hangardeck lagen und nicht, wie bei den größeren Flottenträgern, tief im Inneren des Schiffes unterhalb eines gepanzerten Decks.
Beschädigungen der Independence-Klasse-Flugzeugträger während des Pazifikkrieges Schiff Datum Operation Ursache Werftzeit Bemerkung Independence 20. Nov 1943 Gilbert-Inseln 1 Flugzeug-Torpedo 24 Wochen 3 Propellerwellen zerstört beträchtlicher Wassereinbruch Princeton 24. Okt 1944 Leyte 1 Flugzeug-Bombe schwere Brände am Hangardeck Versenkung durch eigene Kräfte; 108 Todesopfer Belleau Wood 30. Okt 1944 Patrouille östl. Leyte 1 Kamikaze 4½ Wochen Beträchtliche Brände 92 Todesopfer Cabot 25. Nov 1944 Patrouille östl. Luzons 2 Kamikaze 2 Wochen geringfügige Brände und Teilbeschädigungen Wiederaufnahme des Flugbetriebes nach 1 h 62 Todesopfer Langley 21. Jan 1945 südchin. Meer 1 Flugzeug-Bombe 9 Tage mittlere Beschädigungen durch Druckeinwirkung geringfügige Brände Wiederaufnahme des Flugbetriebes nach 2½ h San Jacinto 6. Apr 1945 Okinawa Kamikaze geringfügige Beschädigungen
Nach Kriegsende und nach Abschluss der letzten „Magic Carpet“-Fahrten (Rücktransport der im Pazifik eingesetzten US-Soldaten) wurden alle Einheiten außer Dienst gestellt und der Reserveflotte zugeteilt. Das Typschiff Independence wurde 1946 Testobjekt bei der ersten Atomwaffentestserie in Friedenszeiten (Operation Crossroads). Das dabei nicht gesunkene, aber radioaktiv kontaminierte Schiff endete schließlich am 29. Januar 1951 als Zielschiff bei den Farallon-Inseln vor der Küste von Kalifornien. Belleau Wood und Langley wurden im Rahmen des Mutual Defense Assistance Program Anfang der 1950er-Jahre an die Marine Nationale verliehen, wo sie als Bois Belleau (R97) und Lafayette (R96) am Indochinakrieg teilnahmen. Die Belleau Wood kehrte 1960 in die Vereinigten Staaten zurück und wurde im selben Jahr zur Verschrottung verkauft. Ebenso wurde drei Jahre später mit der Langley verfahren.
Monterey und Bataan wurden 1950 reaktiviert. Die Monterey wurde als Schulungsflugzeugträger in NAS Pensacola, Florida, eingesetzt und leistete 1954 in Honduras nach dem Hurrikan Gilda Katastrophenhilfe, bevor sie zwei Jahre darauf in Philadelphia wieder außer Dienst gestellt wurde. Die Bataan wurde anfangs als Transportschiff für Personal und Gerät der US Air Force nach Japan genutzt, nahm aber später mit Marine Corps-Staffeln aktiv am Koreakrieg teil. Sie wurde 1959 vom Naval Vessel Register gestrichen und 1961 verschrottet.
Cowpens und San Jacinto verblieben in der Reserveflotte und wurden 1959 gemeinsam mit den Schwesterschiffen Monterey und Cabot, die zwischen 1948 und 1955 in der Atlantikflotte Dienst versahen, als AVT (Auxiliary Aircraft Transports) umregistriert. Dennoch konnte nur die Cabot eine weitere Karriere beginnen, da Cowpens (1960), San Jacinto (1971) und Monterey (1971) verschrottet wurden.
mini|Cabot 1995 in New Orleans.
Nach zwölf Jahren und einer zweijährigen Überholung und Modernisierung im Philadelphia Naval Shipyard wurde die Cabot als Dédalo (R-01) 1967 von der Spanischen Marine in Dienst gestellt. Zuerst als reiner Hubschrauberträger genutzt, wurde das Schiff später der erste Flugzeugträger, der mit Senkrechtstartern vom Typ Harrier ausgerüstet wurde. Die Dedalo fungierte bis zur Indienststellung der Príncipe de Asturias als Flaggschiff. 1989 erfolgten die Außerdienststellung und die Überführung nach New Orleans, wo sich eine Gesellschaft bemühte, den Träger als Museum zu erhalten, was schließlich vergebens war. Nach einer Zwischenstation in Port Isabel, Texas endete der letzte Leichte Flugzeugträger aus dem Zweiten Weltkrieg in Brownsville, Texas, wo er von Oktober 2000 bis März 2003 abgewrackt wurde.
Diese neun Schiffe konnten auf eine beachtliche Ordensammlung zurücksehen. Sie erhielten alleine im Zweiten Weltkrieg 81 Battle Stars, drei Presidential Unit Citations und eine Navy Unit Commendation. Die Bataan wurde für ihren Koreakrieg-Einsatz mit zusätzlichen sieben Battle Stars ausgezeichnet.
Der spätere US-Präsident George H. W. Bush diente als jüngster Navy-Pilot des Zweiten Weltkriegs an Bord der San Jacinto.
Modifikationen mini|USS Bataan mit Guardian-U-Jagd-Flugzeugen im Mai 1953.