mini|hochkant=0.8|Walther Funk (1942)
Walther Immanuel Funk (* 18. August 1890 in Trakehnen, Ostpreußen; † 31. Mai 1960 in Düsseldorf) war ein deutscher Journalist, Wirtschaftsexperte und Politiker (NSDAP).
In der Zeit des Nationalsozialismus war Walther Funk seit Januar 1933 Reichspressechef, von März 1933 bis Ende 1937 Pressechef der Reichsregierung, Adolf Hitlers privater Pressesprecher und Staatssekretär im Reichspropagandaministerium bei Joseph Goebbels. Seit Februar 1938 war er Reichswirtschaftsminister, dazu ab Januar 1939 Präsident der Reichsbank. Als Mitglied des Ministerrates für die Reichsverteidigung war Funk ab 1939 für die Kriegswirtschaft verantwortlich.
Funk gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher Angeklagten. Am 1. Oktober 1946 wurde er von den Richtern des Internationalen Militärgerichtshofs zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 16. Mai 1957 wurde er aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen.
Leben Herkunft und Ausbildung 1890 wurde Walther Funk als Sohn eines Unternehmers in Trakehnen geboren. Sein Onkel war der Pianist Alfred Reisenauer.Ernst Hanfstaengl: 15 Jahre mit Hitler. Zwischen Weißem und Braunen Haus. 2. Auflage. Piper, München 1980, ISBN 3-492-02622-2, Kapitel 12.
Ab 1908 studierte Funk Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Literatur und Musik in Leipzig und Berlin. 1912 schloss er sein Jurastudium mit einer Promotion ab. Anschließend nahm der 22-jährige eine Tätigkeit als Börsenjournalist auf.Ludolf Herbst: Walther Funk. Vom Journalisten zum Reichswirtschaftsminister. In: Ronald Smelser, Enrico Syring, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die braune Elite. Teil II: 21 weitere biographische Skizzen. Darmstadt 1993, ISBN 3-534-80122-9, S. 91–102, hier S. 92.
1915 zum Kriegsdienst eingezogen, wurde er bereits 1916 wegen eines Blasenleidens entlassen.
Funk, der wahrscheinlich homosexuell war,Helmut Heiber: Joseph Goebbels. dtv, München 1965, S. 133. Marion Gräfin Dönhoff: Die Fritsch-Krise war ganz anders. In: Die Zeit, Nr. 5/1984; zeit.de Angela Hermann: Der Weg in den Krieg 1938/39. Quellenkritische Studien zu den Tagebüchern von Joseph Goebbels. Oldenbourg, München 2011, ISBN 978-3-486-70513-3, S. 56 mit Anm. 142, die eine Tarnehe für denkbar hält. degruyter.com (PDF). heiratete 1919 Luise Schmidt-Sieben, Tochter eines Remscheider Unternehmers.
Berufsanfänge Ab 1916 war Funk Redakteur, später Ressortleiter des Handelsteils der Berliner Börsen-Zeitung und war von 1921 an deren Chefredakteur, wobei er parallel selbst weiter den Handelsteil führte. Er veröffentlichte zudem Artikel in zahlreichen Fachzeitschriften, war Sachverständiger für Wirtschaftsfragen und hielt Vorträge auf internationalen Kongressen und Wirtschaftstagungen.
Mit einer 1920 erschienenen Schrift, die die Rolle der Banken bei Konzernbildungen analysierte, erregte Funk zum ersten Mal Aufmerksamkeit in Finanzkreisen. Nach der Veröffentlichung einer Broschüre zur Währungsreform folgte Funk 1923 einer Einladung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, seine Arbeit vor Finanzminister Hans Luther und Hjalmar Schacht zu präsentieren. Während der Hyperinflation 1923 warf er dem parlamentarischen System Versagen vor und forderte eine Diktatur. Trotz seiner erkennbaren Distanz zur Demokratie war er kein entschiedener Gegner der Weimarer Republik, sondern äußerte konstruktive Kritik. Seine Ablehnung des Dawes-Plans 1924 und des Young-Plans 1929 führte ihn dann näher an das konservativ-rechte Lager heran.Ludolf Herbst: Walther Funk. Vom Journalisten zum Reichswirtschaftsminister. In: Ronald Smelser et al. (Hrsg.): Die braune Elite. Teil II: 21 weitere biographische Skizzen. Darmstadt 1993, S. 91–102, hier S. 93 f.
1927 wurde Funk Vorsitzender des „Sachverständigenausschusses für Presseangelegenheiten“ des Berliner Börsenvorstandes und der Berliner Industrie- und Handelskammer. Im April 1927 nahm er an einer Journalistenreise nach New York City auf der Jungfernfahrt des Dampfschiffs New York teil.German Group Takes Mayden Voyage on New Steamsphip. In: Editor & Publisher, Jg. 59, 23. April 1927, S. 9; . Von 1928 bis 1930 war er geschäftsführendes Vorstandsmitglied der „Gesellschaft für deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik“.
Karriere im Nationalsozialismus 1930 musste Funk seinen Posten als Chefredakteur aufgeben und versuchte sich selbstständig zu machen. In dieser Zeit der Umorientierung kam er in Kontakt mit der Reichsorganisationsleitung der NSDAP. Im Frühjahr 1931 lernte er Adolf Hitler kennen, dessen Persönlichkeit ihn nach eigenen Angaben tief beeindruckte. Hitler versicherte dem zunächst skeptischen Funk, dass die damalige wirtschaftspolitische Programmatik der Nationalsozialisten, die sich vor allem auf Ideen von Gottfried Feder stützte, im Fall einer Regierungsübernahme nicht mehr maßgeblich sein würde. Hitler lud ihn ein, an der Gestaltung der NS-Wirtschaftspolitik mitzuwirken.Henry Ashby Turner: Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers. Berlin 1985, S. 178. Funk trat am 1. Juni 1931 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 551.712), in der er wegen seiner guten Kontakte zu Kapital und Industrie schnell in wichtige Positionen aufstieg. Bei der Wahl am 31. Juli 1932 wurde er in den Reichstag gewählt, für die Reichstagswahl März 1933 wurde er nicht mehr aufgestellt.Ludolf Herbst: Walther Funk. Vom Journalisten zum Reichswirtschaftsminister. In: Ronald Smelser, Enrico Syring, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die braune Elite. Teil II: 21 weitere biographische Skizzen. Darmstadt 1993, S. 91–102, hier S. 93. Ab Mai 1931 war er Herausgeber des Wirtschaftspolitischen Diensts der Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz.
Auf Empfehlung Schachts berief Hitler Funk im Juli 1931 zu seinem persönlichen Wirtschaftsberater. 1932 übernahm Funk den zweiten Vorsitz des Reichswirtschaftsrats in der Reichsleitung der NSDAP und war bis 1933 Leiter der Kommission Wirtschaftspolitik in der Politischen Zentralkommission der NSDAP. In dieser Zeit bemühte sich Funk, die Vorbehalte der Großindustriellen gegen den Nationalsozialismus abzubauen, denen er wegen seiner Tätigkeit für die Börsen-Zeitung als vertrauenswürdig galt. Dazu nutzte er auch seine Mitgliedschaft in der Gesellschaft zum Studium des Faschismus. Am 16. Oktober 1931 bekannte er sich zum Beispiel vor dem Deutschen Herrenklub zur Erhaltung des Privateigentums, zum Kampf gegen den Marxismus und zur Lockerung der Tarifbindung. Er erklärte, der Nationalsozialismus würde Arbeitsplätze schaffen, konnte aber nicht erklären, wie das finanziert werden würde. In der Frage der staatlichen Lenkung des Außenhandels machte er rasch einen Rückzieher, als er auf Widerspruch stieß.Henry Ashby Turner: Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers. Siedler Verlag, Berlin 1985, S. 236. Im Juli 1932 entschuldigte er gegenüber Tilo von Wilmowsky vom Mitteldeutschen Wirtschaftsverband sozialistische Töne in der NS-Propaganda mit Notwendigkeiten des Wahlkampfs.Reinhard Neebe: Großindustrie, Staat und NSDAP 1930–1933. Paul Silverberg und der Reichsverband der Deutschen Industrie in der Krise der Weimarer Republik (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 45). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981 (PDF (PDF); 6,9 MB), S. 132. Kurz zuvor hatte er in der Zeitschrift Unser Wille und Weg den Aufsatz Die Lüge von der Wirtschaftsfeindlichkeit des Nationalsozialismus veröffentlicht.Bernward Dörner: Unser Wille und Weg (1931–1941). In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Band 6: Publikationen. De Gruyter Saur, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-025872-1, S. 713. Ähnlich wie Gregor Strasser und Hermann Göring, die wie er als wirtschaftsfreundlich galten, erhielt Funk Spenden aus der Großindustrie, die er aber zu einem guten Teil nicht an die Partei weiterleitete, sondern für eigene Zwecke verwandte.Henry Ashby Turner: Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers. Siedler Verlag, Berlin 1985, S. 181–185, 314 und 321.
1932 verfasste Funk gemeinsam mit Feder das Wirtschaftliche Aufbauprogramm der NSDAP, das zwar einen „deutschen Sozialismus“ propagierte, doch der privaten Unternehmerinitiative einen großen Spielraum einräumte. Statt eines Rechts auf Arbeit, höheren Steuern für große Einkommen, Investitions- und Preiskontrollen forderte die Partei nun Steuer- und Zinssenkungen. Die produktive Kreditschöpfung, mit der man Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanzieren wollte, wurde auf drei Milliarden Reichsmark beschränkt.Reinhard Neebe: Großindustrie, Staat und NSDAP 1930–1933. Paul Silverberg und der Reichsverband der Deutschen Industrie in der Krise der Weimarer Republik (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 45). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981 (PDF (PDF); 7 MB), S. 165; Ludolf Herbst: Walther Funk. Vom Journalisten zum Reichswirtschaftsminister. In: Ronald Smelser, Enrico Syring, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die braune Elite. Teil II: 21 weitere biographische Skizzen. Darmstadt 1993, S. 91–102, hier S. 95.
Nach der Machtergreifung verlor Funk seine Verantwortung für die NS-Wirtschaftspolitik und wurde Reichspressechef. Im März 1933 wurde er zum Staatssekretär ins Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) ernannt unter Joseph Goebbels, der ihn förderte.Ingo Loose: Das Reichswirtschaftsministerium und die nationalsozialistische Judenverfolgung 1933–1945. In: Albrecht Ritschl (Hrsg.): Das Reichswirtschaftsministerium in der NS¬Zeit. Wirtschaftsordnung und Verbrechenskomplex (= Wirtschaftspolitik in Deutschland 1917–1990, Bd. 2). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2016, ISBN 978-3-11-046526-6, S. 357–529, hier S. 358. Als Staatssekretär war Funk für die Abteilungen IV (Presse) und I (Verwaltung) des RMVP zuständig. In dieser Funktion war er für die Gleichschaltung der Presse zuständig, spielte dabei aber keine herausragende Rolle. Seine eigentliche Funktion bestand darin, dem greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg Bericht zu erstatten, der dem bürgerlich wirkenden Funk vertraute. Am 15. November 1933 wurde er zum stellvertretenden Präsidenten der Reichskulturkammer berufen. Auf seinen Vorschlag hin entstand der F-Kreis. Mit Hindenburgs Tod im August 1934 wurde Funk praktisch überflüssig. Hitler holte sich wirtschaftspolitischen Rat seitdem nicht mehr bei ihm, sondern bei Otto Dietrich, der ihn 1937 als Reichspressechef und Staatssekretär ablöste.Ludolf Herbst: Walther Funk. Vom Journalisten zum Reichswirtschaftsminister. In: Ronald Smelser, Enrico Syring, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die braune Elite. Teil II: 21 weitere biographische Skizzen. Darmstadt 1993, S. 91–102, hier S. 95 f.
mini|Funk (rechts) im August 1944 bei der Auszeichnung seines Staatssekretärs Franz Hayler mit dem Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz