Die Osram Licht AG ist ein deutsches Technologieunternehmen mit Sitz in München und heute Teil der Ams-Osram-Gruppe. Das Unternehmen war historisch führend im Bereich der Glühlampen und ist aktuell tätig in den Bereichen Halbleiter und Leuchtmittel. Das Geschäft mit LED-, Halogen- und Energiesparlampen zur Allgemeinbeleuchtung wurde im April 2016 unter dem Namen Ledvance an ein chinesisches Konsortium verkauft, das aus dem Investor IDG Capital, dem LED-Verpackungshersteller MLS und Yiwu bestand.

Der übrige Konzern, mit der Halbleiter- und Automotive-Sparte, wurde im Jahr 2020 vom österreichischen Unternehmen Ams übernommen, das seither als Ams-OSRAM firmiert.

Geschichte mini|Teilschuldverschreibung über 1000 Mark der Osram GmbH vom Januar 1922

Anfänge Zu den am schnellsten wachsenden Bereichen der Elektroindustrie vor dem Ersten Weltkrieg gehörte die Glühlampenherstellung. Zu dieser Entwicklung trug die seit 1905 produzierte Glühlampe mit einem Glühfaden aus Wolfram bei, für deren Vertrieb Carl Auer von Welsbach den Phantasienamen Osram kreierte. Dieses Kofferwort aus Osmium (OS) und Wolfram (RAM) verwies auf die beiden wegen ihres hohen Schmelzpunktes von über 3000 bzw. 3400 Grad Celsius für Glühfäden verwendeten Metalle. Am 10. März 1906 meldete die Deutsche Gasglühlicht-Anstalt das Warenzeichen Osram für die Waren „Elektrische Glüh- und Bogenlichtlampen“ beim damaligen Kaiserlichen Patentamt in Berlin an; am 17. April 1906 wurde es unter der Nummer 86.924 in die Warenzeichenrolle des Patentamtes aufgenommen.

Unabhängig von der Entwicklung in Deutschland gründete die Österreichische Gasglühlicht-Elektrizitätsgesellschaft, die ebenfalls zur kommerziellen Verwertung der Auer-Patente entstanden war, in Wien-Atzgersdorf in einer aufgelassenen Bandweberei im Jahr 1904 die Osmium-Licht-Unternehmung, Patente Dr. Carl Freiherr Auer von Welsbach. Im Jahr 1906 gelangte dieses Unternehmen in den Einflussbereich des US-amerikanischen Konzerns Westinghouse Electric. An der umgewandelten Westinghouse Metallfaden Glühlampenfabrik Gs.m.b.H waren George Westinghouse, Mitarbeiter Auers und österreichische Industrielle beteiligt. Bis zum Ersten Weltkrieg hatte das Unternehmen etwa 1.800 Beschäftigte. mini|Bahnhof Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain mit Osram-Werk D (Drahtwerk) im Hintergrund (1930) mini|Berlin-Moabit, Sickingenstraße 70/71;als AEG-Glühlampenfabrik 1907–1912 gebaut (im 21. Jhd. denkmalgeschützt); 1920–1939: Osram Glühlampenwerk A1939: Telefunken – Werk für Elektronenröhren und von 1952 bis 1960 Unternehmenssitz;seit 2005 JobCenter Berlin-MitteFoto: Juni 2008 mini|Bozener Werbung für Osram-Lampen aus dem Jahr 1925 Im Jahr 1921 stieß Westinghouse seine Produktionsgesellschaften in Europa ab. Auch das Werk in Atzgersdorf, das in der Zwischenzeit Vertex Elektrowerk Ges.m.b.H. hieß, ging in den Besitz des niederländischen Philips-Konzerns und Osrams über. Osram gründete in Österreich noch eine eigene Vertriebsniederlassung, die 1931 alle Anteile an Vertex erwarb und zur Osram Österreichische Glühlampenfabrik Ges.m.b.H. umbenannt wurde. von Franz Mathis Seite 219, 1987.

Die Deutsche Gasglühlicht AG gliederte im Oktober 1918 ihr Glühlampengeschäft in die Osramwerke G.m.b.H. mit Sitz im Berliner Ortsteil Friedrichshain (seit den 1990er Jahren „Oberbaum City“) aus. Nach dem Verlust der Auslandsmärkte durch den Ersten Weltkrieg erschien es den drei führenden deutschen Glühlampenherstellern AEG, Siemens & Halske (S & H) und Deutsche Gasglühlicht sinnvoll, die gemeinsamen Interessen zu bündeln. Ziel war die Stärkung gegenüber der ausländischen Konkurrenz durch Firmen wie Philips und General Electric sowie die Rückgewinnung von verlorengegangenen Marktanteilen. Erleichtert wurde der Entschluss durch die Tatsache, dass bereits im Jahr 1911 die Lampenformen und -typen vereinheitlicht worden waren. Am 5. Februar 1920 wurden S & H zusammen mit der AEG Kommanditisten der Osramwerke und übertrugen ihre Glühlampenfertigung in die neue Kommanditgesellschaft Osram GmbH & Co. KG. Gründungsdatum und Beginn des ersten Geschäftsjahres wurden rückwirkend auf den 1. Juli 1919 festgesetzt.

In den Staaten, in denen Osram die Nutzung des eigenen Namens aufgrund des Versailler Vertrags untersagt war, wurden die Marken AEG und WOTAN benutzt.

Im Jahr 1924 gründete Osram zusammen mit anderen Glühlampenherstellern das Phoebuskartell, welches die Lebensdauer der Glühlampen künstlich und unter Strafandrohung auf 1000 Stunden begrenzte.Dokumentarfilm von Cosima Dannoritzer, Kaufen für die Müllhalde, 75 Minuten, 2010. bei Vimeo Da es sich bei dem Kartell auch um ein Gebietskartell handelte, konnte Osram nicht nur den Umsatz künstlich erhöhen, sondern auch seine Glühlampen aufgrund der Konkurrenzbeschränkung zu weitaus höheren Preisen verkaufen. Neben dem Stammwerk in Berlin-Friedrichshain besaß Osram die beiden Werke von S & H und der AEG in der Charlottenburger Helmholtzstraße (Werk S; Siemens) sowie in der Moabiter Sickingenstraße (Werk A; AEG). Im Bezirk Spandau ließ der Konzern bis 1927 ein Glaswerk an der Nonnendammallee (Ortsteil Siemensstadt) errichten. Hier werden seitdem aus den Rohstoffen Sand und Quarz alle benötigten Glaskörper für die Glühlampen hergestellt. Die Glashütte arbeitete ganzjährig ohne Unterbrechungen und war mit acht Brennöfen ausgestattet. In der Hochzeit der Glühlampenproduktion waren hier mehrere Tausend Mitarbeiter beschäftigt.Jochen Knoblach: Das neue Leuchten. In: Berliner Zeitung. 18. Dezember 2017, S. 3. Bereits in den 1930er Jahren zählte Osram zu den weltweit größten Herstellern von Leuchtmitteln. Der Marktanteil belief sich in Deutschland auf gut 70 %. Im Osram-Glühlampenwerk A (früher AEG) in Berlin-Moabit wurden ab 1920 die Verstärkerröhren für Telefunken hergestellt; der Standort ging 1939 komplett an Telefunken. In Österreich fiel der Personalstand in der Zwischenkriegszeit ständig und betrug im Jahr 1930 nur mehr 500 Mitarbeiter.

NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg Im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten mussten der Architekt der Osram-Gründung William Meinhardt und die weiteren jüdischen Vorstandsmitglieder die Geschäftsführung verlassen. Unter seinem Nachfolger, Geheimrat Hermann Schlüpmann, gewannen NSDAP-nahe Organisationen wie die DAF größeren Einfluss über die Arbeiterschaft. Im März 1933 beteiligte sich Osram mit 40.000 Reichsmark an einem geheimen Fonds deutscher Großindustrieller, um den Wahlkampf der NSDAP zu unterstützen.

1941 wurde das Kartell aufgelöst und 1942 folgten Prozesse gegen seine Mitglieder wegen illegaler Preisabsprachen und unlauteren Wettbewerbs., Verbraucherzentrale Sachsen, 3. Mai 2012.

Teile der Produktion der Glaskolben wurden später nach Weißwasser/Oberlausitz (Werk W) verlagert. Die „Lampenstadt“, das Stammwerk Friedrichshain, wurde zum Osram-Werk D (Drahtwerk) und war bis 1945 Firmensitz. Osram eröffnete 1935 zusätzlich eine Fertigung in der ehemaligen Fabrik der Bergmann Electricitäts-Werke an der Seestraße im Wedding (Werk B; Bergmann). Wegen der anhaltenden Bombardierungen Berlins im Zweiten Weltkrieg wurde die Fertigung von als kriegswichtig eingestuften Produkten ab 1942 teilweise in ostdeutsche Städte verlagert. So kam z. B. die Produktion von Molybdän und Wolframvorprodukten nach Plauen. Nach Absprache zwischen Osram und der SS wurden am Standort zwei KZ-Außenlager eingerichtet, um die Fabriken mit Häftlingen, die dafür unter anderem aus Auschwitz deportiert wurden, als Zwangsarbeiter zu versorgen. Im KZ-Außenlager Leitmeritz sollten im Rahmen des Geheimprojekts Richard unterirdische Produktionsräume für Osram entstehen, die aber bis zum Kriegsende nicht mehr zum Einsatz kamen.

In Berlin-Friedrichshain setzte Osram in der Kriegszeit Zwangsarbeiterinnen und Kriegsgefangene in der Produktion ein.

Zur Erschließung der Auslandsmärkte wurden zahlreiche Verkaufsstützpunkte in Form von Gesellschaften unter Beteiligung von Auslandskapital gegründet. So gab es zu dieser Zeit schon Verkaufsniederlassungen in Shanghai und Rio de Janeiro. Die führende Stellung auf dem Weltmarkt hielt Osram nicht zuletzt durch intensiven Erfahrungsaustausch mit Herstellern auf internationaler Ebene aufrecht.

Von 1945 bis 2000 mini|hochkant=1.3|Oberbaum City von Norden mit dem Eierkühlhaus (rechts oben) am Osthafen

Nach 1945 wurden die Osram-Werke in Ost-Berlin und Weißwasser/O.L. auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) enteignet und teils demontiert. Das ehemalige Osram-„Drahtwerk“ in Berlin-Friedrichshain ging 1949 in Volkseigentum über. Es entstand der VEB Berliner Glühlampenwerk „Rosa Luxemburg“, der 1969 mit anderen Leuchtmittel-Produzenten zum DDR-Kombinat „Narva“ zusammengeschlossen wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren am Standort Friedrichshain über 5000 Menschen beschäftigt. Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde dort die Glühlampenproduktion 1992 eingestellt und der Gebäudekomplex in die Denkmaldatenbank aufgenommen. Das ehemalige Narva-Gelände wird seit 1999 unter dem Namen „Oberbaum City“ vermarktet.

Osram konnte nach 1945 in Großbritannien nicht unter eigenem Namen auftreten, weil dieser 1945 „enteignet“ worden war. Die Lampen wurden seit 1967 unter dem Markennamen Wotan vertrieben. Dieser Name wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts von Siemens & Halske als Kofferwort aus Wolfram (WO) und Tantal (TAN) verwendet. In der DDR wurden die Lampen ursprünglich in Verpackungen mit dem weiß-orangefarbenen Osram-Design und dem Namen Berliner Glühlampenwerk vertrieben, ab 1963 unter der Marke NARVA. Wegen der Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte der Osram-Konzern im Jahr 1954 seinen Firmensitz von Berlin nach München.

1956 wurde Osram aus steuerlichen Gründen in eine GmbH umgewandelt und in Osram GmbH Berlin/München umbenannt. Zu diesem Zeitpunkt besaßen Siemens 43 %, die AEG 36 % und die International General Electric Company 21 % der Anteile.

Das Werk in Wien, das durch Bomben stark beschädigt worden war, wurde aus dem Osram-Konzern herausgelöst und der USIA unterstellt. 1958 wurde das Unternehmen unter dem alten Namen Osram Österreichische Glühlampenfabrik GmbH von AEG, Siemens und General Electric neu gegründet. Seit 1988 besteht die Produktion in Atzgersdorf nicht mehr.100 Jahre Osram (PDF; 4,7 MB) von 2006, abgerufen am 14. Mai 2020. Auf den sogenannten Osram-Gründen entstand eine Wohnhausanlage. abgerufen am 11. Dezember 2010

1976 verkaufte die AEG ihre Anteile an Siemens. Ab 1978 war Osram vollständig im Besitz von Siemens und wurde ab 1989 als Bereich mit eigener Rechtsform geführt. Ebenfalls 1989 folgte in einem Joint-Venture mit Mitsubishi der Eintritt in den japanischen Markt. Ab 2008 war die Osram GmbH Teil des Unternehmenssegments „Industry“ der Siemens AG.

Am 1. Januar 1999 gründeten die Siemens Semiconductor Division (seit 1. April 1999 Infineon Technologies AG) und Osram das Joint-Venture Osram Opto Semiconductors GmbH & Co. OHG mit Hauptsitz in Regensburg. Osram Opto Semiconductors wurde eine 100-prozentige Tochter der Osram GmbH, nachdem diese im August 2001 alle Anteile von Infineon übernommen hatte.

21. Jahrhundert Um 2005 begann im Spandauer Glaswerk ein drastischer Stellenabbau. Im Jahr 2017 waren dort noch etwa 800 Menschen tätig. Die Konzernleitung reagierte auf den technischen Wandel, normale Lampenglaskolben – also die ohne Quarzglas – wurden gar nicht mehr hergestellt, dafür entstanden Xenon-Leuchten für Autoscheinwerfer. Unter Berücksichtigung der Ersatzteilversorgung werden diese noch einige Jahre nachgefragt werden. Die letzte Entwicklung geht jedoch zu LED-bestückten Scheinwerfern.

In Regensburg besteht eine Osram-Filiale, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Produktion von Lichtchips für Autoscheinwerfer aufnahm.