Graf Anton Bossi-Fedrigotti von Ochsenfeld (* 6. August 1901 in Mutters-GärberbachChristoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti – der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Band 3, Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 49., Österreich-Ungarn; † 9. Dezember 1990 in Pfaffenhofen a.d.Ilm) bzw. mit Pseudonym Toni Herbstenburger war ein österreichischer Diplomat, Autor und Journalist sowie ein Verfasser von Jugend- und Kriegsromanen.
Leben miniatur|Die Herbstenburg, Besitz des Vaters Seine Eltern waren Alfons Graf Bossi-Fedrigotti di Campobove (* 1873; † 1940) und Itha von und zu Goldegg und Lindenburg (* 1864; † 1951), Tochter der Philomena Putzer von Reibegg und des K.K. Rittmeisters Hugo Ritter von und zu Goldegg und Lindenburg. Die Mutter war SchriftstellerinGoldegg-Lindenburg, Itha Maria von und zu; Itha Maria Bossi Fedrigotti, Portal DNB. und der Vater Gutsbesitzer auf Herbstenburg in Südtirol.
Anton Graf Bossi-Fedrigotti verbrachte seine Jugendjahre in Toblach, wo sich die Stammburg Herbstenburg der Bossi-Fedrigotti befindet, und in Feldkirch.
Er lebte von 1920 bis 1923 in Norddeutschland, von 1923 bis 1925 in Südtirol und Italien, und von 1930 bis 1938 in Berlin.
Im Rahmen seiner 1931 begonnenen Tätigkeit für den VDA (Verein/Volksbund für das Deutschtum im Ausland) in Berlin diente Bossi-Fedrigotti als Vermittler zwischen NSDAP und seiner Heimat Südtirol.Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti – der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3, Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 54. Er sah seine Aufgabe darin, für eine Integration Südtirols „in die territorialen Forderungen der NSDAP“Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti - der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3, Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 58. zu sorgen.
Zeit des Nationalsozialismus Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten trat er zum 1. Mai 1933 der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.875.708)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/3980714 und im Juli desselben Jahres der SA bei.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 70.Gerald Steinacher, Leopold Steurer: Gottgläubig und führertreu. Anton Graf Bossi-Fedrigotti. In: Günther Pallaver, Leopold Steurer (Hrsg.): Deutsche! Hitler verkauft euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol. Raetia, Bozen 2011, S. 229. Mit großer Wahrscheinlichkeit waren die Kontakte zu Rosenberg, Hofer und Hinkel für die NS-Karriere des Grafen sehr hilfreich.
Als Mitarbeiter im Außenpolitischen Amt der NSDAP (seit 1933) war es seine Aufgabe, sich „um die aus der ‚Ostmark‘ geflüchteten Nazis zu kümmern, nachdem die Partei dort im Juni 1933 verboten worden war.“Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti – der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bd. 3, Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 59; vgl. Anton Graf Bossi-Fedrigotti: Anton Graf Bossi-Fedrigotti. In: Kurt Ziesel (Hrsg.): Krieg und Dichtung. Soldaten werden Dichter – Dichter werden Soldaten. Ein Volksbuch. Wien, Leipzig: Luser 1940, S. 59 und Leopold Steurer: Im Dienste Hitlers. In: ff – Das Südtiroler Wochenmagazin, 50 (2010), S. 41.
mini|hochkant|Werbeschaltung für die Filmaufführung „Standschütze Bruggler“ Ende Dezember 1944 in Bozen und Meran 1934 erschien sein erster Roman Standschütze Bruggler, der bis 1943 mit 125.000 Exemplaren 18 Auflagen erreichte.Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti – der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bd. 3, Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 65. Aus der Ich-Erzählung des Protagonisten Anton Bruggler erfährt der Leser, wie dieser zur Zeit des Ersten Weltkriegs eine Wandlung durchmacht vom „nachdenkliche[n] Priesteranwärter […] zum entschlossenen Kämpfer.“ Durchgehend lassen sich Elemente völkischer Ideologie ausmachen:„Wir sind nichts anderes, als, wie man so sagt, Treuhänder der großen Nation von der Nordsee bis zur Etsch und weil wir das sind, gehen uns Tschechen, Polen, Ruthenen und Slowaken nichts an, sondern nur wir gehen uns selbst etwas an und wenn wir kämpfen, hat’s kämpfen [sic!] nur dann einen Sinn, wenn wir für’s Deutsche kämpfen. Denn deutsch für alle Deutschen muß das Landl bleiben, ja deutsch und nichts anderes!“Anton Graf Bossi-Fedrigotti: Standschütze Bruggler. Berlin: Zeitgeschichte 1934, S. 335, zitiert nach Penning (2015), S. 64.Abgesehen von den Deutsch-Österreichern werden alle anderen auftretenden Volksgruppen als ethnisch minderwertig angesehen und beschrieben.Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti - der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3, Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 62 f. Die Verfilmung (1936) des Krieg und Heimatboden verherrlichenden Romans wurde Ende September 1944 erneut als Farbfilm auf die Leinwand gebracht, um das Sterben der Volkssturmmänner „ideell zu untermauern und historisch zu legitimieren.“Helmut Alexander: Der Dolomitenkrieg im „Tiroler“ Film. In: Klaus Eisterer & Rolf Steininger (Hrsg.): Tirol und der Erste Weltkrieg. Innsbruck: Österreichische Studien 1995, S. 242.Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti – der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3, Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 66.
Spätestens 1935 trat Bossi-Fedrigotti der Österreichischen Legion der SA (1934 in Hilfswerk Nord-West umbenannt) bei,Hans Schafranek: Söldner für den „Anschluss“. Die Österreichische Legion 1933–1938. Czernin, Wien 2010, S. 34f. innerhalb derer er zwischen 1935 und 1936 Leiter der SA-Sammelstelle in Berlin wurde und bis März 1938 zum SA-Sturmbannführer (Major) aufstieg.Maria Keipert, Peter Grupp & Historischer Dienst des Auswärtigen Amtes (Hrsg.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 1, Schöningh, Paderborn 2000, S. 236.Vgl. Bruno Berger & Heinz Rupp (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-Bibliographisches Handbuch. Bd. 1. 3. Auflage, Francke, Bern, München 1968, Sp. 825. Zu diesem Zeitpunkt war Graf Bossi bereits MitgliedJahrbuch der Deutschen Adelsgenossenschaft 1938. Landesabteilung Berlin / 2, Schlieffen-Verlag, Berlin 1938, S. 103. der Landesabteilung Berlin der Deutschen Adelsgenossenschaft.
Im Oktober 1936 besuchte Bossi-Fedrigotti das „Erste Deutsche Kriegsdichtertreffen“ in Berlin, woraufhin er von der NS-Kulturgemeinde zu mehreren Lesungen eingeladen wurde. 1938 nahm er am Reichsfrontdichtertreffen in Guben teil. Nach dem „Anschluss Österreichs“ wurde er 1938 zum Landesleiter der Reichsschrifttumskammer (RSK) Tirol-Vorarlberg ernannt, trat 1939 das Amt des Kulturreferenten beim Landeshauptmann von Tirol an und übernahm die Landesleitung der Reichskulturkammer.Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti – der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3, Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 67.Vgl. Gerald Steinacher, Leopold Steurer: Gottgläubig und führertreu. Anton Graf Bossi-Fedrigotti. In: Günther Pallaver, Leopold Steurer (Hrsg.): Deutsche! Hitler verkauft euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol. Raetia, Bozen 2011, S. 212, S. 230. Hofer hatte sich persönlich bei Goebbels für den Südtiroler starkgemacht.Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti - der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3 Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 67. 1941 wurde Bossi-Fedrigotti zum Oberregierungsrat ernannt.Maria Keipert, Peter Grupp & Historischer Dienst des Auswärtigen Amtes (Hrsg.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 1, Schöningh, Paderborn u. a. 2000, S. 237.
Ende der 1930er JahreGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1939. 112. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 70. hatte er den militärischen Dienstrang eines Leutnants d. R., nach den Gothas erworben erst nach 1920, eine DienststellungGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1921. Vierundneunzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1920, S. 150. als aktiver Offizier ist nicht nachweisbar. 1939 bis 1945 leistete er dann als Vertreter des Auswärtigen Amtes Kriegsdienst, unter anderem 1941 in Weißrussland bei Mogilew, worüber er beim Armeeoberkommando 2 berichtete.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 71. Zu seinen Aufgaben zählte es, die Gräueltaten der Sowjets „für die deutsche Propaganda zu instrumentalisieren.“Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti – der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bd. 3, Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 68. Dabei gründeten seine Ausführungen auf der völkisch-rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus: „Das Wichtigste z. Zt. ist, dass der Russe in seiner Widerstandskraft erlahmt, dass er zersetzt wird und dass damit deutsches Blut gespart wird. […] und wenn man unsere prächtigen deutschen Jungens reihenweise daliegen sieht, erschossen von diesem Unmenschentum, dann frägt man sich, warum [Unterstr. im Original] wird nicht jedes Mittel angewandt, um diese Asiaten zu zersetzen. […] Der heutige Russe ist diese deutschen Opfer nicht wert und deshalb muss man die wirksamste Gegenpropaganda einsetzen.“Bericht Nr. 6 des V.A.A. beim A.O.K. 2, Oberleutnant Bossi-Fedrigotti, vom 24. Juli 1941 aus Mohilew [Mogilew]. BArch-MA RH 20-2-1091, zitiert nach Penning (2015), S. 69. eSeinen letzten Einsatz hatte Bossi-Fedrigotti als Stabsoffizier für Propaganda in Italien, wo er seit 1944 mit Edmund Theil einen Wehrmacht-Propagandasender betrieb.Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti – der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3, Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 70; vgl. Edmund Theil: Kampf um Italien. Von Sizilien bis Tirol 1943-1945. Langen-Müller, München, Wien 1983, S. 205. Kurz nachdem er im April 1945 von Partisanen entführt worden war, befand er sich zuerst in amerikanischer, dann in französischer Kriegsgefangenschaft.Christoph Penning: Anton Graf Bossi-Fedrigotti – der Südtiroler. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das "Dritte Reich". Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Bd. 3, Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 71; vgl. Edmund Theil: Kampf um Italien. Von Sizilien bis Tirol 1943-1945. Langen-Müller, München, Wien 1983, S. 312; vgl. Maria Keipert, Peter Grupp & Historischer Dienst des Auswärtigen Amtes (Hrsg.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 1, Schöningh, Paderborn 2000, S. 237.
Nach dem Krieg 1947 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück und galt nun als Oberregierungsrat a. D. und Landwirt. Weitere Stationen seines Lebens waren Südtirol, Bayern, Berlin, Rom, Ischia, USA. Als Schriftsteller lebte er in Rom, München und Innsbruck.