Ernst Schläpfer (* 7. Dezember 1955 in Appenzell Ausserrhoden; heimatberechtigt in Wolfhalden) ist einer der erfolgreichsten Schweizer Schwinger. Er wurde zweimal Schwingerkönig. Von 2000 bis 2004 war er Schaffhauser Kantonsrat.

Sportliche Laufbahn Schläpfer begann schon als Jugendlicher mit Schwingen und errang mit 13 Jahren bereits eine Spitzenklassierung an einem Jungschwingertag. Seinen ersten Kranz als Aktiver gewann er mit 17 Jahren, sein erstes Kranzfest 1976, beide am Thurgauer Kantonalen Schwingfest.

Er nahm zwischen 1974 und 1986 an fünf Eidgenössischen Schwingfesten teil, gewann 1977 seinen ersten eidgenössischen Kranz und wurde zweimal Schwingerkönig: 1980 in St. Gallen und 1983 in Langenthal. In St. Gallen gewann er alle acht Gänge, was zuvor nur Max Widmer 1958 und Ruedi Hunsperger 1969 gelungen war. 1986 in Sion verpasste er den dritten Königstitel nur knapp mit einer Niederlage im Schlussgang gegen den Innerschweizer Harry Knüsel, der einzigen Niederlage der Saison.Karl Duss: Von 1979 bis 1987 die dominierende Figur. In: Bauernzeitung. 25. Mai 2007, S. 13 (Porträt).

Schläpfer gewann auch den Kilchberger Schwinget sowie je zweimal die Bergfeste auf der Rigi, dem Brünig, dem Stoos und am Schwarzsee. Zudem gewann er alle fünf Teilverbandsfeste mindestens einmal, den Nordostschweizerischen Schwingertag zwischen 1979 und 1987 sechsmal. Er gewann in seiner Karriere insgesamt 49 Kranzfeste und 88 Kränze.

Er gehörte zum Nordostschweizer Schwingerverband. Er ist 182 cm gross und hatte ein Kampfgewicht von 115 kg. 1987 beendete er seine Karriere als aktiver Schwinger.

Wichtigste Siege Schwingerkönig: 1980, 1983 Kilchberg: 1984 NOS: 1979, 1981, 1982, 1984, 1986, 1987 Berner Kantonales: 1985 ISV: 1981 NWS: 1987 SWS: 1978 Brünig: 1982, 1987 Rigi: 1979, 1986 Schwarzsee: 1980, 1986 Stoos: 1984, 1985 Appenzeller: 1977, 1979, 1980, 1981, 1982, 1985, 1986, 1987 Bündner-Glarner: 1980, 1984, 1987 Glarner-Bündner: 1984, 1985 St. Galler: 1979, 1981, 1983, 1984, 1985 Schaffhauser: 1980, 1986, 1987 Thurgauer: 1976, 1980, 1981, 1983, 1985, 1987 Zürcher: 1979, 1986

Verbandstätigkeit Nach seinem Rücktritt als Aktiver führte Schläpfer als Technischer Leiter im Nordostschweizerischen Schwingerverband Thomas Sutter, Arnold Forrer und Jörg Abderhalden – seinen Neffen und Göttibuben – zu eidgenössischen Königstiteln. Er war zudem auch Technischer Leiter im Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) und Vorsitzender der Abgeordnetenversammlung. Er erwarb sich Verdienste in der Nachwuchsförderung; u. a. geht die Aufnahme des Schwingens in das Sportförderprogramm Jugend und Sport auf seine Initiative zurück.

Als Vorsitzender der Abgeordnetenversammlung war Schläpfer designiert für die Nachfolge von Hans Pauli als Obmann des ESV. 2008 wurde er in Schwyz zum Obmann gewählt.Ernst Schläpfer neuer Schwinger-Obmann. In: 20 Minuten. 1. März 2008 (Archiv). Schläpfer wollte eine Steuer einführen: Schwinger sollten einen gewissen Prozentsatz ihrer Einnahmen dem Verband abtreten. Abderhalden, der erste Schwinger, der eine Marketingfirma engagierte, weigerte sich. Der Zentralvorstand des Verbands einigte sich gegen Schläpfers Willen auf einen Vergleich mit Abderhalden, worauf Schläpfer sofort zurücktrat.Kevin Brühlmann: Schläpfers letzter Kampf. In: Schaffhauser AZ. 27. Juni 2019. Später wollte er doch bleiben, falls die Abgeordnetenversammlung auf den Vergleich zurückkomme.Eklat im Schwingverband. John kontert Schläpfer. In: Blick. 22. Dezember 2011 (nicht mehr abrufbar). Bei einer regionalen Vorauswahl im Januar 2012 scheiterte er jedoch, worauf er endgültig auf das Amt verzichtete. Gewählt wurde in Aigle VD Anfang März 2012 als neuer Obmann Mario John,Mario John neuer Schwinger-Obmann. In: 20 Minuten. 3. März 2012 (Archiv). Schläpfer wurde zum Ehrenmitglied des ESV ernannt.Empfang für Ernst Schläpfer. In: St. Galler Tagblatt. 24. März 2012.

Der Dokumentarfilm von Kuno Bont Königstreffen thematisiert u. a. die Problematik der Werbung im Schwingsport und die Behandlung des Problems durch Ernst Schläpfer als Obmann des ESV.Packender Hosenlupf hinter den Kulissen. In: Jungfrau Zeitung. 23. Juli 2010.

Berufliche Laufbahn 1988 doktorierte Schläpfer nach einem Studium der Agronomie an der ETH Zürich mit einer Dissertation mit dem Titel Bewertung und Einschätzung von Schlachttieren der Kategorien Kühe, Jungbullen und Kälber unter schweizerischen Verhältnissen.Ernst Schläpfer: Bewertung und Einschätzung von Schlachttieren der Kategorien Kühe, Jungbullen und Kälber unter schweizerischen Verhältnissen. ETH Zürich (Dissertation, 1988). 1989 zog er nach Neuhausen am Rheinfall um und übernahm dort die Leitung der Landwirtschaftsschule Charlottenfels. 1993 wurde er zum Rektor des kantonalen Berufsbildungszentrums (BBZ) Schaffhausen ernannt.

Es kam bald zu Unstimmigkeiten. 1995 warf ihm Kantonsrat Max Baumann u. a. «selbstherrliche Entscheide» vor. Nach einer Umfrage der Aufsichtskommission unter den Lehrern über Schläpfers Führungsstil, den ein grosser Teil von ihnen als «unzeitgemäss» erachtete, ordnete der Regierungsrat eine externe Untersuchung an, die die Hauptvorwürfe nicht entkräften konnte. Bei einer neuen Umfrage im Januar 2016 wurden ihm «Mängel in Sachen Transparenz und Kritikfähigkeit» zur Last gelegt. Nach einer Auseinandersetzung mit Erziehungsdirektor Christian Amsler, dem Schläpfer Einmischung in seine Kompetenzen vorwarf, stellte ihn der Schaffhauser Regierungsrat per sofort als Rektor des BBZ frei wegen «Verhaltensweisen, die eine weitere Zusammenarbeit verunmöglichen», und entliess ihn auf Ende Januar 2020. Schläpfer focht die Kündigung beim Obergericht an, das die Parteien zu einer aussergerichtlichen Einigung einlud. Während Schläpfer bereit war, darauf einzugehen, weigerte sich der Regierungsrat.Regierungsrat verzichtet auf Vergleich mit ehemaligem BBZ-Rektor. In: Schaffhauser Nachrichten. 25. Oktober 2019.

Ernst Schläpfer wurde dennoch 2019 im BBZ Schaffhausen mit dem Spezialpreis des von der Familie Peyer initiierten Prix Vision für Leistungen in der Berufsbildung geehrt. Er war selbst seit 1999 Jury-Mitglied des Preises.Zeno Geisseler: Ehrenpreis für entlassenen BBZ-Rektor. In: Schaffhauser Nachrichten. 22. Juni 2019, S. 19 (PDF; 96 kB; Archiv).

Als Nachfolger Schläpfers ernannte der Regierungsrat des Kantons Schaffhausen Marc Kummer mit Amtsantritt am 1. Juni 2020 zum neuen Rektor des BBZ Schaffhausen.Neuer Rektor 2020. Berufsbildungszentrum des Kantons Schaffhausen (Archiv).

Politische Laufbahn Obwohl aus einer SVP-Familie stammend – sein Vater war fünfzehn Jahre lang Gemeindepräsident für die SVP in Wolfhalden, sein jüngerer Bruder Eugen gründete eine Sektion der SVP in Wolfhalden und war ihr Präsident – trat Ernst Schläpfer der SP bei. Bis zu seinem Umzug nach Neuhausen im Jahr 1989 war er Mitglied des Herisauer Einwohnerrats.Patrik Kobler, Bruno Eisenhut: «Ich würde kandidieren». In: St. Galler Tagblatt. 28. Oktober 2016. Im Jahr 2000 wurde er in den Schaffhauser Kantonsrat gewählt, trat aber bereits 2004 wieder zurück, weil Chefbeamte nach einer Verfassungsänderung nicht mehr im Kantonsrat sein durften. Im gleichen Jahr wollte er Regierungsrat werden. Da ihn seine Partei nicht nominierte, kandidierte er auf eigene Faust, fuhr aber das schlechteste Resultat aller Kandidaten ein.

2002 wurde er in den Neuhauser Einwohnerrat gewählt. Als er 2008 Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbands wurde, trat er zurück. 2009 trat er aus der SP aus, weil «eine Partei das Denken vernebelt». 2016 brachte die Appenzeller Zeitung seinen Namen für die Regierungsratswahlen ins Spiel, Schläpfer bestätigte sein Interesse, wurde aber von keiner Partei oder Gruppierung nominiert und kandidierte schliesslich nicht. Im gleichen Jahr kandidierte er erfolglos als Parteiloser auf der SP-Liste wieder für den Neuhauser Einwohnerrat. Im Dezember 2019 rückte Schläpfer für den zurücktretenden Renzo Loiudice für den Rest der Amtsperiode 2017–2020 in den Einwohnerrat nach.Ex-BBZ-Rektor ist jetzt im Neuhauser Einwohnerrat. In: Radio Top. 1. Oktober 2019 (Archiv). Bei den Wahlen 2020 und 2024 wurde er als Parteiloser auf der SP-Liste wiedergewählt.Wahlzettel Rapport. Einwohnerrat Neuhausen 2020. In: Neuhausen.ch, abgerufen am 28. Mai 2026 (PDF).SP gewinnt in Neuhausen einen Sitz. In: Radio Munot, 24. November 2024. Er ist SP-Fraktionspräsident (Stand: 2026).Die SP im Einwohnerrat. Abgerufen am 28. Mai 2026.

Leben Schläpfer ist zusammen mit vier Geschwistern auf einem Bauernhof in Wolfhalden aufgewachsen. Vor seinem Studium an der ETHZ absolvierte er eine Primarlehrerausbildung. Er war Präsident des Handballclubs Pfader Neuhausen.Bea Hauser: Ernst Schläpfer. In: Schaffhauser AZ. 30. Oktober 2014, S. 16 (PDF; 1,5 MB; Archiv). Der Sohn seiner Schwester und sein Göttibub ist der frühere Schwingerkönig Jörg Abderhalden.

Literatur Karl Duss: Von 1979 bis 1987 die dominierende Figur. In: Bauernzeitung. 25. Mai 2007, S. 13 (Porträt).

Weblinks Ernst Schläpfer auf schlussgang.ch 1980 – Ernst Schläpfer. In: SRF Sport-Clip. 21. Juli 2010 (Video; 5:24 min) 1983 – Ernst Schläpfer. In: SRF Sport-Clip. 21. Juli 2010 (Video; 2:49 min)

Einzelnachweise

Kategorie:Schwinger (Schweiz) Kategorie:Kantonsrat (Schaffhausen, Person) Kategorie:Kommunalpolitiker (Kanton Schaffhausen) Kategorie:Kommunalpolitiker (Kanton Appenzell Ausserrhoden) Kategorie:Politiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Politiker (20. Jahrhundert) Kategorie:SP-Mitglied (Schweiz) Ernst Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1955 Kategorie:Mann