mini|hochkant|Das Collier de la Reine, Kopie in Zirkonia, Schloss Breteuil, Frankreich
Die sogenannte Halsbandaffäre (; im Deutschen früher auch als Halsbandgeschichte bezeichnet) war ein Betrugsskandal am französischen Hof in den Jahren 1785 und 1786, in den auch die Königin Marie-Antoinette verwickelt wurde.
Überblick Kardinal Louis de Rohan, seit 1772 Botschafter in Wien, erregte infolge seines luxuriösen und lockeren Lebenswandels das Missfallen von Maria Theresia. Daher wurde er 1774 auf deren Druck von seinem Posten abberufen. Ohnehin am französischen Hof in Ungnade gefallen, wollte de Rohan um jeden Preis die Gunst des französischen Königspaares zurückgewinnen. Hierbei wollte die raffinierte Schwindlerin Gräfin de La Motte (Jeanne de Saint-Rémy) dem leichtgläubigen Kardinal angeblich behilflich sein. Sie händigte ihm gefälschte Briefe der Königin aus und lieh von ihm in deren Namen Geld. Zwei Juweliere hatten zu dieser Zeit Marie-Antoinette vergeblich ein kostbares Diamantenhalsband angeboten; der König hatte wegen des hohen Preises einen Kauf abgelehnt. Nun redete die Gräfin dem Kardinal ein, er könne das Herz der Königin endgültig zurückerobern, wenn er ihr beim Erwerb des Schmuckstückes behilflich sei. Nachdem de Rohan sich für den Kaufpreis verbürgt und das Halsband von den Juwelieren erhalten hatte, händigte er es der Gräfin aus. Diese gab es jedoch nicht wie versprochen an die Königin, sondern an ihren Mann weiter, der die Steine herausbrach und verkaufte.
Verlauf
Das Halsband Die Pariser Juweliere Charles Auguste Boehmer und Paul Bassenge hatten einige Jahre lang Diamanten von außergewöhnlicher Größe und Reinheit für ein Collier im Wert von 1,8 Millionen Livres gesammelt, das sie zuerst an Madame Dubarry, die Mätresse von Ludwig XV., zu verkaufen hofften. Nach dem Tod des Königs wurde das ungewöhnliche Schmuckstück in ganz Europa bekannt, doch überall schreckte man vor dem Preis zurück.
1778 schlug Ludwig XVI. der Königin vor, ihr das Collier zu schenken, doch sie lehnte des hohen Preises wegen ab. Nachdem die Juweliere vergeblich versucht hatten, das Collier außerhalb Frankreichs zu veräußern, traten sie 1781 nach der Geburt des Dauphins Louis-Joseph-Xavier-François (1781–1789) erneut an den König heran, der nach einiger Zeit des Bedenkens wiederum ablehnte.
mini|Kardinal Louis de Rohan mini|Comtesse de la Motte mini|Louis Auguste Le Tonnelier de Breteuil
Der Verkauf Ende 1784 machten Böhmer und Bassenge sich auf die Suche nach einem Vermittler, der den König oder die Königin zum Kauf bewegen könnte. Ein gewisser Sieur Achet sagte ihnen, sein Schwiegersohn, der Advokat Laporte, wisse von einer Gräfin de La Motte, die mit der Königin vertraut sei. Die Juweliere besuchten die Dame, die ihnen versprach, mit der Königin über die Angelegenheit zu reden. Drei Wochen später, am 21. Januar 1785, versicherte die Gräfin den Juwelieren, die Königin wolle das Halsband besitzen. Sie werde einen sehr hohen Herrn damit beauftragen, der mit den Anweisungen der Königin zu ihnen kommen werde.
Am 24. Januar 1785 erschien Madame de La Motte in Begleitung ihres Ehemanns bei den Juwelieren und kündigte ihnen den baldigen Besuch des hohen Herrn an. Etwas später traf der angekündigte Besuch ein. Es handelte sich um den Kardinal Louis de Rohan. Der Kardinal verhandelte über den Preis und erreichte, dass dieser auf 1,6 Millionen Livres herabgesetzt wurde.
Am 29. Januar rief Rohan die Juweliere zu sich. Er las ihnen ein Papier vor, das alle Bedingungen des Kaufes enthielt. Der Kaufpreis von 1,6 Millionen sollte innerhalb von zwei Jahren in vier Raten von 400.000 Livres alle sechs Monate beglichen werden, die erste Rate war am 1. August fällig. Die beiden Juweliere unterzeichneten den Vertrag.
Am 1. Februar rief der Kardinal die Juweliere wieder zu sich und bat sie, das Halsband mitzubringen. Er zeigte ihnen den Vertrag, der nun auch die Unterschrift „Marie-Antoinette von Frankreich“ enthielt, außerdem ein von der Königin an ihn gerichtetes Schriftstück. Zugleich offenbarte der Kardinal, er habe der Königin vom Kauf abgeraten, aber ihr Wunsch, das Halsband zu besitzen, sei stärker gewesen. Böhmer und Bassenge verabschiedeten sich, das Halsband blieb bei Kardinal Rohan.
Am 10. Juli ließ Rohan die Juweliere kommen und eröffnete ihnen, die Königin verlange einen Preisnachlass von 200.000 Livres. Außerdem würden sie nicht wie vereinbart am 1. August 400.000 Livres erhalten, sondern einige Tage später 700.000. Die Juweliere willigten ein. Anschließend diktierte ihnen der Kardinal einen Dankesbrief an die Königin.
Am 12. Juli überbrachte Böhmer der Königin einen Schulterschmuck und ein Paar Diamantohrringe, die der König anlässlich der Geburt des gemeinsamen zweiten Sohnes für sie bestellt hatte. Dabei überreichte er ihr den Brief, in dem er seine Freude darüber ausdrückte, dass sie den schönsten Diamantschmuck der Welt tragen wolle. Einige Tage später fragte ihn die Kammerfrau Marie-Antoinettes, Madame Jeanne Louise Henriette Campan, was es mit diesem Brief auf sich habe, die Königin habe nichts damit anfangen können.
Rohan riet nun den Juwelieren dringlich, unbedingt mit der Königin selbst zu sprechen. Als die Juweliere später aussagen mussten, vermieden sie jeden Hinweis auf ein Gespräch mit der Königin. Abbé Georgel, der Großvikar und Vertraute von Kardinal Rohan, schrieb in seinen Memoiren jedoch, dieses Gespräch habe tatsächlich stattgefunden, und die Juweliere hätten der Königin alles erzählt, was sie wussten.
Am 31. Juli ließ der Kardinal die Juweliere erneut rufen. Er teilte ihnen mit, die Königin könne nicht die ganzen 700.000 Livres aufbringen, aber Anfang Oktober würden sie die volle Summe gewiss bekommen. Dann gab er ihnen 30.000 Livres aus der eigenen Tasche als Entschädigung für die Verzögerung.
Einige Stunden danach suchte der Bankier Saint-James um ein Gespräch mit Abbé Vermond, dem Berater Marie-Antoinettes, nach. Er teilte ihm mit, dass der Kardinal die Absicht habe, im Namen der Königin einen Kredit in Höhe von 700.000 Livres aufzunehmen. In Anbetracht der Höhe der Summe bitte er um genaue und direkte Anweisungen.
Am 3. August bat Madame de La Motte Bassenge zu sich. Sie klagte, man wolle den Kardinal verderben, er habe festgestellt, dass das angebliche Schriftstück der Königin falsch sei. Die Juweliere sollten unverzüglich eine Vereinbarung wegen der Bezahlung des Halsbandes treffen.
In ihrer Aussage gaben die Juweliere an, sie hätten am 9. August der Königin nun alles erzählt. Abbé Georgel hingegen schreibt, dies sei eine von den Lügen gewesen, zu denen die Juweliere auf Druck von Minister Breteuil gezwungen wurden, um zu vertuschen, dass er und die Königin bereits seit mindestens einem Monat auf dem Laufenden waren.
Rohans Festnahme mini|Königin Marie-Antoinette im Jahr 1786, Gemälde von Elisabeth Vigée-Lebrun
Marie-Antoinette hegte eine große Abneigung gegen Kardinal Louis de Rohan, ehemals Gesandter in Wien, von wo er 1774 abberufen worden war, nachdem er das Missfallen der Kaiserin Maria Theresia wegen seines leichten, oberflächlichen Lebensstils erregt hatte. Marie-Antoinette hielt ihn offenbar für den Zuträger, der ihrer Mutter Maria Theresia von ihrem verschwenderischen Lebenswandel als Gattin des Dauphins berichtet hatte, wofür sie mehrmals Tadel hatte einstecken müssen. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich war der Kardinal bemüht, die Gunst der inzwischen Königin gewordenen Marie-Antoinette wiederzugewinnen. Motivation dafür könnte der Wunsch gewesen sein, die Stellung des Premierministers zu erlangen.
Breteuil hingegen sah in Rohan einen Rivalen. Er überzeugte die Königin, Rohan habe ihren Namen für einen gigantischen Betrug missbraucht. Am 14. August unterbreitete Breteuil dem König zusammen mit dem Bericht der Juweliere ein Dossier, das Rohans Verhalten als Majestätsbeleidigung darstellte.
Am 15. August 1785 (Mariä Himmelfahrt) erwartete der gesamte Hofstaat gegen Mittag den König und die Königin, um in die Kapelle zu gehen, wo Kardinal Rohan die feierliche Messe zelebrieren sollte. Stattdessen rief der König den Kardinal zu sich. Dieser bestätigte nach kurzer Befragung in Gegenwart der Königin, dass er das Halsband für sie gekauft habe. Sie selbst habe ihm den Auftrag erteilt. Nachdem der Kardinal entlassen worden war, wurde er nach weiteren Beratungen unter großem Aufsehen festgenommen und in die Bastille abgeführt. Er war noch in der Lage, seine Korrespondenz mit der vermeintlichen Königin vernichten zu lassen; es ist nicht bekannt, ob dies unter dem stillschweigenden Einverständnis der Beamten erfolgte, die es jedenfalls nicht verhinderten. Jeanne de La Motte wurde erst am 18. August verhaftet, nachdem sie ihre Aufzeichnungen vernichtet hatte. Ihr Ehemann machte sich auf den Weg nach England.
Die Befragung Rohans mini|Charles Gravier, Comte de Vergennes mini|Charles Eugène Gabriel de La Croix de Castries
Die amtliche Untersuchung des Falles übernahmen die Minister Vergennes und Castries, da Rohan Breteuil als voreingenommen ablehnte und der König dies akzeptierte.
Rohan berichtete ihnen, wie er im September 1781 ein mittelloses junges Mädchen kennenlernte, das behauptete, es stamme von einem illegitimen Sohn Heinrichs II. ab. Im März 1784 besuchte sie ihn wieder. Jeanne de Valois hatte nach vielen Abenteuern einen selbsternannten Comte de La Motte geheiratet und lebte von einer kleinen Pension, die ihr der König gewährte. Sie überzeugte den Kardinal, dass sie von der Königin empfangen worden sei und ihre Gunst genieße. Rohan beschloss, sie zu benutzen, um das Wohlwollen der Königin wiederzuerlangen. Die Comtesse de La Motte versicherte dem Kardinal, sich für ihn bei der Königin einzusetzen.
Dies war der Anfang einer vorgeblichen Korrespondenz zwischen Rohan und der Königin, in der die Comtesse auf Rohans Briefe an Marie-Antoinette gefälschte Antworten lieferte, von denen sie versicherte, dass sie von der Königin kämen. Der Tonfall der Briefe wurde sehr warmherzig, und der Kardinal – überzeugt davon, dass die Königin ihn liebe – verfiel ihr leidenschaftlich. Er bat die Comtesse, ein geheimes Gespräch mit der Königin zu arrangieren, und im August 1784 fand im Garten von Versailles in einem Hain ein mitternächtliches Treffen zwischen dem Kardinal und einer Frau mit einer schwarzen Haube, die der Kardinal für die Königin hielt, statt. Rohan bot ihr eine Rose an, und sie versprach ihm, die Vergangenheit zu vergessen. Später erklärte eine gewisse Marie Lejay – die Marie-Antoinette ähnelte –, dass sie für die Rolle der Königin in dieser Komödie verpflichtet worden war. Nach Bekanntwerden der Affäre flüchtete Marie Lejay sofort außer Landes, zunächst nach Belgien, wo sich ihre Spur verlor. Sie wurde wegen der Affäre nie juristisch belangt.
In jedem Fall profitierte die Comtesse von der Überzeugung des Kardinals. Sie erbat und erhielt von ihm zunächst 50.000 Livres und im November 100.000 Livres, die angeblich für wohltätige Werke der Königin bestimmt waren. Mit diesem Geld konnte sie eine achtbare Rolle in der Gesellschaft einnehmen, und viele glaubten an die Echtheit ihrer engen Beziehung zu Marie-Antoinette, mit der sie öffentlich prahlte.
Am 21. Januar 1785 erklärte die Comtesse, dass die Königin das Collier kaufen wolle, wobei sie aber wünsche, dass der Kauf über den Kardinal Rohan abgewickelt werden solle. Rohan ging darauf ein und verhandelte wie gewünscht mit den Juwelieren. Sie behielt den Kaufvertrag zwei Tage und brachte ihn dann mit der Unterschrift „Marie-Antoinette, Königin von Frankreich“ zurück. Am 1. Februar händigte Rohan ihr das Schmuckstück in ihrer Wohnung aus, wo es ein schwarzgekleideter Mann in Empfang nahm, den er für einen Kammerdiener der Königin hielt.