mini|Von den LTTE genutzte Flagge für Tamil Eelam
Die Liberation Tigers of Tamil Eelam (kurz LTTE, auch Tamil Tigers; ) waren eine paramilitärische Organisation, die von 1983 bis 2009 im Bürgerkrieg in Sri Lanka für die Unabhängigkeit des von Tamilen dominierten Nordens und Ostens Sri Lankas vom Rest der Insel kämpften, in dem mehrheitlich Singhalesen leben. In dem von ihnen bis 2009 kontrollierten Gebiet übten sie die alleinige Staatsgewalt aus. Oberster Kommandant war Velupillai Prabhakaran.Armee erklärt Kämpfe mit Rebellen für beendet. In: Spiegel Online – Ausland. 18. Mai 2009.
Die LTTE wurde von 31 Staaten u. a. wegen Menschenrechtsverletzungen und Anschlägen als terroristische Organisation eingestuft, darunter von Indien, den USAfbi.gov und der Europäischen Union. Im Oktober 2014 urteilte das Gericht der Europäischen Union jedoch, dass die zugrundeliegenden Rechtsakte des Rates der Europäischen Union aus verfahrenstechnischen Gründen nichtig seien.Gericht der Europäischen Union. PRESSEMITTEILUNG Nr. 138/14. Urteil in den verbundenen Rechtssachen T-208/11 und T-508/11. Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) / Rat. Abgerufen am 23. Oktober 2014. Die LTTE führte rund 240 Selbstmordattentate aus.
Geschichte des tamilisch-singhalesischen Konflikts mini|hochkant|Von den tamilischen Separatisten beanspruchte Gebiete Sri Lankas (grün)
Konflikte zwischen Tamilen und Singhalesen auf Sri Lanka gab es schon vor Beginn unserer Zeitrechnung. Diese waren meist solche zwischen den singhalesischen Königreichen im Süden Sri Lankas und tamilischen Königreichen im Norden Sri Lankas.
Durch die Jahrtausende siedelten die Singhalesen hauptsächlich im Süden und in der Mitte Sri Lankas, während die Tamilen den Norden und Osten bewohnten. Es gab über lange Zeiträume intensive nicht-feindliche Kontakte zwischen den beiden Gruppen. Lange Zeit bestanden getrennte Königreiche, die von den Portugiesen und Niederländern in der Zeit ihrer Herrschaften als getrennte Einheiten behandelt wurden. Als Sri Lanka zur britischen Kolonie wurde, wurden die Bereiche zusammengefasst. Die besser ausgebildeten Tamilen wurden im Stile einer Teile-und-herrsche-Politik mit Verwaltungsposten betraut.
Der tamilische Wunsch nach Unabhängigkeit entstand als Reaktion auf die Sinhala-only-Politik, die nach der Unabhängigkeit Sri Lankas 1948 von der singhalesisch dominierten SLFP-Regierung seit 1956 betrieben wurde. So wurden Gesetze erlassen, die den Tamilen höhere Positionen in der Regierung sowie Posten in Militär und Polizei verweigerten. Für tamilische Studenten wurde die Zulassung zu den Universitäten stark eingeschränkt. Dies führte zu blutigen Zwischenfällen zwischen Polizeitruppen und Tamilen, was wiederum zu landesweiten Pogromen gegen Tamilen führte.
Geschichte der LTTE In den 1960er Jahren begannen Tamilen, zunächst überwiegend Studenten, sich zu organisieren und, anfangs mit friedlichen Mitteln (Demonstrationen, Zeitungen), gegen die Unterdrückung zu kämpfen. Während dieser Zeit entstanden schätzungsweise 30 Kleingruppen, darunter auch die LTTE, die sich bis zu ihrem Zusammenschluss mit einer anderen größeren militanten Gruppierung 1976 TNT (Tamil New Tigers) nannte.
1979 schloss sich Anton Balasingham der LTTE an und wurde im Folgenden der Chefideologe. Er fügte dem alleinigen Ziel der tamilischen Unabhängigkeit weitere, marxistisch beeinflusste Ideen im Bereich der Sozialpolitik hinzu, was die Politik der Gruppe dauerhaft prägte.
Der Aufstieg der LTTE mini|Frauen der LTTE, 2002 Die LTTE war deutlich effizienter als die anderen militanten Gruppen, was auf ihre Disziplin zurückzuführen ist, die durch die Führungsstärke des als charismatisch angesehenen Prabhakaran und die feste Ideologie bedingt ist. Die Tötung von 13 sri-lankischen Soldaten durch die LTTE im Juli 1983, und die darauf folgenden Pogrome gegen die tamilische Minderheit mit 1000 bis 5000 Toten gelten gemeinhin als Beginn des Bürgerkriegs in Sri Lanka. Im Krieg kämpfte die LTTE erfolgreich gegen die Regierungstruppen und konnte die Kontrolle über den tamilisch dominierten Norden und Teile des Ostens Sri Lankas erlangen. Das kulturelle Zentrum der Tamilen, Jaffna, wurde jedoch 1996 von der sri-lankischen Armee zurückerobert.
Zu Beginn habe sich die LTTE laut Peter Achten hohes Ansehen erworben „in der tamilischen Bevölkerung und auch international“; im Westen seien sie als Befreiungskämpfer respektiert worden. Das habe sich jedoch aufgrund ihrer „brutalsten Terrormethoden“ rasch geändert.
Anfangs arbeitete die LTTE mit den anderen militanten Gruppierungen zusammen. Ab 1986 bekämpfte sie die TELO (Tamil Eelam Liberation Organisation) und ermordete deren gesamte Führung und mehrere hundert Kämpfer, bis diese Gruppierung ihren Einfluss völlig verloren hatte. Einige Monate später griff die LTTE Lager der EPRLF (Eelam People’s Revolutionary Liberation Front) an und verdrängte diese von der Jaffna-Halbinsel.
Warum die LTTE die anderen Gruppen bekämpfte, ist umstritten. Deren eigene Begründung lautete, dass jene zu stark mit Indien zusammenarbeiteten und teilweise vom indischen Geheimdienst RAW unterwandert seien. Die anderen Gruppierungen waren nicht so radikal wie die LTTE und man befürchtete dort, dass sie, vor allem durch indische Einflussnahme, einer Lösung des Konflikts unter zu großen Zugeständnissen zustimmten. Das Ergebnis der Angriffe war die Festigung der Position der LTTE als der vorherrschenden militärischen Gruppierung im Kampf für Tamil Eelam.
Länger als die internationale Meinung standen die 55 Millionen indischen Tamilen hinter den LTTE, das endete nach 1991 mit der Ermordung Rajiv Gandhis.Peter Achten: Endkampf der Terror-Tiger, Weltwoche 8.09, S. 24
mini|Frauen der LTTE, 2002 Bombenanschläge wurden international zur Kenntnis genommen. Am 31. Januar 1996 war die Zentralbank Sri Lankas Ziel eines Attentats. Ein mit Sprengstoff beladener Lastkraftwagen durchbrach die Tore, die folgende Explosion und eine weitere in einem Hochhaus des Geschäftsviertels in Colombo kostete 88 Menschen das LebenRP online vom 24. Juli 2001: und verursachte etwa 1.000 Verletzte.FAZ vom 1. Februar 1996: (26. März 2007)
Jüngere Entwicklung
Die LTTE forderte nach dem 2002 erzielten Waffenstillstand als Übergangslösung bis zu einem Frieden eine selbstbestimmte Verwaltung (interim self-governing authority, ISGA). Dies wurde von der sri-lankischen Regierung strikt abgelehnt. Eine Einigung zeichnete sich nicht ab, da beide Seiten nicht von ihren Positionen abrücken wollten.
Im März 2004 sagte sich der Kommandeur Vinayagamurthy Muralitharan alias Oberst Karuna zusammen mit den ihm unterstehenden rund 6000 LTTE-Kämpfern von Prabhakaran los. Als Grund wurden interne Machtkämpfe zwischen den östlichen und nördlichen Tamilen genannt, was angesichts Karunas Herkunft aus dem Norden umstritten ist. Heftige Kämpfe zwischen der LTTE und seinen Truppen folgten, die aber zu keiner Veränderung der Lage führten. Einer der Hauptvorwürfe der LTTE gegen die sri-lankische Regierung war, dass sie Karuna unterstütze, um der LTTE zu schaden. Ein Angebot für einen separaten Frieden mit der Karuna-Gruppierung hatte die Regierung aber abgelehnt.
Die auf den Tsunami im Dezember 2004 folgenden Hilfslieferungen führten zu einer erneuten Zuspitzung des Konflikts, da die Hilfsländer und die Spender die Hilfsgüter nur in Kooperation mit der LTTE übergeben wollten, um ihre sachgemäße Benutzung auch im Osten der Insel zu gewährleisten. Es wurde nach langen Verhandlungen ein Kompromiss erzielt, der aber die Regierung Sri Lankas in eine schwere Krise stürzte, da singhalesisch-nationalistische Parteien sie der indirekten Anerkennung der Hoheit der LTTE über den Norden und Osten Sri Lankas bezichtigten.
Am 27. Februar 2007 griff die LTTE einen Luftwaffenstützpunkt in Batticaloa an, während sich dort eine Delegation aus Diplomaten und Regierungsvertretern aufhielt. Dabei wurden der italienische Botschafter Pio Mariani und der US-amerikanische Botschafter Robert Orris Blake Jr. verletzt; der ebenfalls anwesende deutsche Botschafter Jürgen Weerth blieb unverletzt. Dieser Vorfall sorgte für internationales Aufsehen.
Das Waffenstillstandsabkommen zwischen der LTTE und der Regierung wurde am 2. Januar 2008 von der Regierung aufgekündigt. Regierungstruppen eroberten das gesamte von der LTTE kontrollierte Gebiet. Wie Präsident Mahinda Rajapaksa bekannt gab, habe die Armee Sri Lankas die LTTE-Hochburg Kilinochchi im Norden von Sri Lanka nach einer Offensive am 1. Januar 2009 eingenommen. Er sprach von einem „historischen Sieg“ gegen die LTTE-Rebellen.
Am 25. Januar 2009 wurde auch Mullaitivu von der sri-lankischen Armee eingenommen. Die LTTE verlor damit die letzte von ihr kontrollierte Stadt. Im Kampfgebiet waren nach Angaben der Vereinten Nationen rund 250.000 Zivilisten eingeschlossen.Sri Lankas Armee weiter auf dem Vormarsch. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. Januar 2009Zivilpersonen zwischen den Fronten. Amnesty International, 6. Februar 2009 Im Mai konnte das Militär auch den letzten von der LTTE kontrollierten Küstenstreifen einnehmen.Armee erobert letzten Küstenstreifen Sri Lankas zurück. In: Neue Zürcher Zeitung. 16. Mai 2009. auf: tagesschau.de Der Machtbereich der LTTE beschränkte sich nur noch auf eine wenige Quadratkilometer große Region im Nordosten der Insel.
Die Kämpfe zwischen der LTTE und der sri-lankischen Armee forderten im Frühjahr 2009 tausende von Todesopfern unter der Zivilbevölkerung. Bis zu 200.000 Menschen mussten die von den Rebellen gehaltene Region verlassen und konnten nur unzureichend versorgt werden. Angesichts der humanitären Situation formulierte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 13. Mai 2009 erstmals eine offizielle Stellungnahme zum Bürgerkrieg in Sri Lanka und forderte die Konfliktparteien auf, sich für die Sicherheit der eingeschlossenen Bevölkerung einzusetzen und die Flüchtlinge zu versorgen.«Menschliche Schutzschilde» in Sri Lanka. In: Neue Zürcher Zeitung. 14. Mai 2009.
Ende des Bürgerkriegs Angesichts der Geländegewinne im Mai 2009 erklärte der sri-lankische Präsident Mahinda Rajapaksa am 16. Mai 2009 die LTTE für besiegt und den Bürgerkrieg für beendet. Die verbleibenden Rebellen seien vom Militär eingekesselt, über das Schicksal des Rebellenführers Velupillai Prabhakaran war zunächst nichts bekannt.Sri Lanka erklärt Tamilen-Rebellen für besiegt. In: Die Welt. 16. Mai 2009. Über die Website Tamilnet erklärte die LTTE, die Waffen ruhen zu lassen, um die Zivilbevölkerung nicht weiter zu gefährden.S. Pathmanathan: We have decided to silence our guns. Auf Tamilnet. 17. Mai 2009.Rebellen legen die Waffen nieder. In: Die Zeit. Nr. 21/2009. Nach bestätigten Angaben der sri-lankischen Armee wurde Velupillai Prabhakaran, wie auch die gesamte Führungselite der LTTE, bei der Flucht vor Regierungstruppen von einer Sondereinheit am 18. Mai 2009 erschossen.
Brad Adams, der Asien-Direktor von Human Rights Watch, bezeichnete die LTTE 2014 als erloschen (defunct).Sri Lanka’s Terrorist List Is A Modern Version Of McCarthyism – Brad Adams, Colombo Telegraph, 8. April 2014. Der Terrorismusbericht des U.S. State Department erwähnte im Jahr 2016 lediglich Befürchtungen der sri-lankischen Regierung vor einem erneuten Auftauchen von Sympathisanten der LTTE, nicht aber Aktivitäten der Organisation selbst.Country Reports On Terrorism, Bureau of Counterterrorism, United States Department of State Publication, Juli 2017, S. 265: Sri Lanka Overview. Der schweizerische NDB erwähnte im Jahr 2017 Mitglieder der LTTE, die versuchten, sich neu zu orientieren und tamilische Veranstaltungen besuchen, sie stellten aber keine Bedrohung für die Sicherheit der Schweiz dar.Sicherheit Schweiz 2017, Nachrichtendienst des Bundes NDB 2017, , S. 46, 51
„Separatismus“