mini|hochkant=1.4|Schloss Saint-Germain-en-Laye von Nordwesten (2006) mini| Das Schloss Saint-Germain-en-Laye [] ist eine Schlossanlage in der französischen Stadt Saint-Germain-en-Laye im Département Yvelines, etwa 19 Kilometer westlich von Paris. Seit seiner Errichtung als Burg im 13. Jahrhundert diente es bis in das 17. Jahrhundert als Residenz der französischen Könige, ehe Ludwig XIV. 1682 mit seinem Hof nach Versailles umzog.

Die seit 1862 als Monument historique eingetragene Anlage beherbergt heute das Musée d’Archéologie Nationale.

Beschreibung Die Schlossanlage erhebt sich auf einer Anhöhe entlang der Seine. Sie besteht aus dem sogenannten (deutsch: Altes Schloss), wenigen Resten des (deutsch: Neues Schloss) und einem Barockgarten, dem sich der anschließt. Mit 3533 Hektar Grundfläche ist dies das zweitgrößte Waldgebiet Yvelines’.

Château vieux mini|Modell des Alten Schlosses mini|Südwest-Ansicht des

Das im Stil der Renaissance besitzt einen unregelmäßigen, fünfeckigen Grundriss und ist von einem breiten, trockengelegten Graben umgeben. Als Baumaterial kamen Kalksteinquader und Backstein zum Einsatz. Sein Dach ist mit Schieferschindeln gedeckt und weist an einigen Stellen italienische Dekorformen wie Terrassen und Balustraden auf.

Die dreistöckigen Flügel des Gebäudes umschließen einen Innenhof, der in drei seiner Ecken runde Treppentürme besitzt. Die nordwestliche Ecke des Schlosses bildet ein viereckiger Donjon aus dem 13. Jahrhundert, der baulich in den später entstandenen Baukörper integriert wurde. Ihm schließt sich östlich die an, eine gotische Kapelle, welche die älteste Bausubstanz der Anlage beinhaltet. Sie besitzt einen 24 × 10 Meter messenden Grundriss und ist unter ihrem Gewölbe, das von schmalen Säulen getragen wird, 17 Meter hoch.

Im ersten Stock des befanden sich früher die Appartements der königlichen Familie. Die Gemächer des Königs fanden sich im östlichen Teil des Nordflügels. An sie grenzten die Zimmer der Königin, die im nördlichen Teil des Ostflügels untergebracht waren. Die Räume der Prinzen und Prinzessinnen befanden sich im südlichen Schlossflügel.

Der Westflügel weist einen der größten Räume des Schlosses auf: den Ball- bzw. Festsaal, heute genannt. Er besitzt eine Grundfläche von etwa 40 × 12 Metern. An seiner nördlichen Stirnseite steht ein monumentaler Kamin aus roten Backsteinen mit dem Emblem Franz’ I., dem Salamander.

Château neuf mini|, Stich, nach 1570, mit dem 1777 abgerissenen im Vordergrund. Das war eine im Auftrag von Heinrich II. östlich des Château vieux errichtete und unter Heinrich IV. vergrößerte zweite Schloss- und Gartenanlage in Saint-Germain-en-Laye. Der Herzog von Artois, künftiger König Karl X. ließ den heruntergekommenen Bau im Jahr 1777 abreißen. Er baute mangels Geld (siehe Französische Revolution#Finanznöte als Dauerproblem) kein neues Schloss und ging 1789 nach dem Beginn der französischen Revolution ins Exil. Von der Anlage des Château neuf erhalten sind heute nur noch die oberste Gartenterrasse mitsamt ihrer Stützmauer, die in diese Mauer eingelassenen künstlichen Grotten und der kleine Pavillon Henri IV.

Der , ein im frühen klassizistischen Barockstil mit Eckquaderung und polygonaler Haube ausgeführter kleiner Backsteinbau, beherbergte früher im unteren Geschoss eine der vorgenannten, mit Muschelwerk ausgestalteten Grotten, im oberen das frühere Oratorium Heinrichs IV. Ein Unternehmer namens Planté kaufte 1833 den in sehr schlechtem Zustand befindlichen, seit 1825 als Wohnhaus dienenden Pavillon, musste ihn aber, als er in Konkurs ging, gemeinsam mit dem inzwischen nahtlos daran angebauten klassizistischen Gebäude verkaufen. Nächster Eigentümer war die Eisenbahngesellschaft . Heute befindet sich in dem Pavillon und in dem angrenzenden Gebäude ein gehobenes Hotel.www.pavillonhenri4.fr (mit Restaurant und Aussichtsterrasse auf die Skyline von Paris)

Der sogenannte , manchmal fälschlich ebenfalls genannt, wurde erst im 19. Jahrhundert errichtet. Das Gebäude erhielt seine Bezeichnung aufgrund eines ehemaligen Pavillons gleichen Namens, der an diesem Platz bis in das 18. Jahrhundert stand. Auf dem zum Gebäude gehörigen Gelände gibt es noch einige Reste des ehemaligen Schlosses.

Unter ihm steht östlich davon der . Das Gebäude wurde 1851 von Joseph Victor Ferdinand Sénateur Goupil, einem Vorfahren des Sammlers Eugène Goupil und des Künstlers Jean Charlot, erworben. Er züchtete dort ab 1853 aus dem Gebiet des einstigen Tacuba importierte Agavenpflanzen. Der Pavillon diente lange als Gärtnerhaus.

Park und Gärten

Die Schlossgärten gehen auf Pläne des französischen Landschaftsgestalters André Le Nôtre aus dem 17. Jahrhundert zurück. Die einstigen, in mehreren aufwändig gestalteten Terrassen zur Seine abfallenden Gärten des sind heutzutage aber vollkommen verschwunden.

mini|Die Grande Terrasse (2003)

Nördlich des liegen drei Gartenparterres im barocken Stil. Das westliche bildet gemeinsam mit einer sich nördlich daran anschließenden langen Allee eine der heutigen drei Achsen der Anlage. Den östlichen Teil der Barockgärten bildet der sogenannte , der ehemals auch genannt wurde. Bei ihm handelt es sich um einen symmetrisch angelegten Garten mit Lindenalleen. Einen Übergang vom zum bildet das .

Der endet im Osten an der , einer 500 Meter langen zur Seine hin gelegenen Terrasse ohne Bewuchs, die im Norden von einem Rondell abgeschlossen wird. Diesem schließt sich in nordöstlicher Richtung die 2,2 Kilometer lange und 35 Meter breite an. Die mit Rasen und erst vor wenigen Jahren wieder mit jungen Linden bepflanzte Terrasse besitzt Seine-seitig ein schmiedeeisernes Geländer, das dort in den Jahren von 1857 bis 1871 installiert wurde. Die bietet dem Besucher einen Blick über das Tal der Seine bis nach Paris. Sie endet im Norden wieder in einem Rondell, das jedoch von einer achteckigen Mauer umgeben ist und deshalb genannt wird. Westlich der liegt ein Teil des , der auch genannt wird. Sein südlichster, etwa drei Hektar großer Teil, der an die barocken Gartenparterres grenzt, ist als englischer Landschaftsgarten gestaltet.

Geschichte Die Anfänge

mini|Die wurde zwischen 1230 und 1238 errichtet

Ludwig VI. ließ um 1122 eine erste wehrhafte Burg an diesem Ort errichten, die 1124 unter dem Namen erstmals urkundlich erwähnt wurde. König Philippe Auguste ließ in dem von einer Ringmauer umschlossenen Areal 1223 einen ersten Kapellenbau ergänzen, von dem heute jedoch keine Spuren mehr vorhanden sind.

Ludwig der Heilige erweiterte die Anlage durch das sogenannte und eine Kapelle, die nach ihrem Erbauer heute genannt wird. Ihre Errichtungszeit fiel in die Jahre zwischen 1230 und 1238. Als Baumeister der Kapelle wird wegen architektonischer Ähnlichkeiten mit der Sainte-Chapelle in Paris Pierre de Montreuil vermutet.

Während des Hundertjährigen Krieges fiel die Burg in die Hände englischer Truppen unter der Führung des Schwarzen Prinzen, Edward of Woodstock. Der ließ die Anlage am 15. August 1346 niederbrennen. Nur die Kapelle blieb von dem Feuer verschont. Karl V. ließ daraufhin die Ruinen abtragen und auf ihren Fundamenten von 1364 bis 1367 eine neue Burg errichten, deren Form den Verlauf der einstigen Ringmauer nachzeichnete. Der mit dem Wiederaufbau beauftragte Architekt war Raymond du Temple. Nachdem die Gebäude errichtet waren, wurden sie mit einem breiten Wassergraben gesichert. Im viereckigen Donjon, der die südwestliche Ecke der Anlage bildete, richtete Karl V. sein königliches Studierzimmer ein.

Umbau des

Nachdem die Burganlage 1420 erneut von englischen Truppen besetzt und im Jahr 1440 durch den Connétable de Richemont für die Franzosen zurückerobert worden war, befand sie sich in einem heruntergekommenen Zustand. König Franz I. ließ die ramponierten Gebäude während seiner Regierungszeit wiederherstellen und im Stil der Renaissance zu einem Schloss umbauen. Leitender Baumeister für die Arbeiten, die in der Zeit von September 1539 bis 1549 stattfanden, war anfangs Pierre Chambiges, nach dessen Plänen das Gebäude um zwei Stockwerke erhöht wurde. Die Arbeiten wurden nach seinem Tod 1544 unter Chambiges’ Schwiegersohn Guillaume Guillain und Jean Langlois fortgesetzt. Franz I. erlebte die Fertigstellung des Umbaus nicht mehr. Zum Zeitpunkt seines Todes fehlte dem Ballsaal des Schlosses (heute genannt) noch das Dach. Erst unter Franz’ Nachfolger Heinrich II. kamen die Umbauarbeiten zu einem Ende. Der Saal wurde am 19. Mai 1549 bei einem Bankett Heinrichs II. anlässlich der Taufe seines Sohnes Ludwig eingeweiht. Doch das Ereignis stand wohl unter keinem guten Stern, denn Ludwig starb nur wenige Monate später im Jahr 1550, und Heinrich ließ den Ballsaal zu einem Theater umbauen, das anschließend den Namen trug.

Bau des Château neuf

Heinrich II. führte aber nicht nur das Vorhaben seines Vorgängers zu Ende, sondern startete in Saint-Germain-en-Laye ein eigenes, ehrgeiziges Bauvorhaben. Am 11. Februar 1556 unterschrieb der Architekt Philibert de l’Orme einen Vertrag zum Bau eines neuen Schlosses östlich der bisherigen Anlage. Der Bau sollte später unter dem Namen in die Geschichte eingehen. De l’Orme baute von 1557 bis 1559 einen viereckigen und symmetrisch gestalteten Pavillon, der den Namen trug. Dies wurde der zentrale Baukörper eines Schlosses, das durch ständige Erweiterungen enorme Ausmaße annahm.

Während das beständig wuchs, wurde auch die alte Schlossanlage – ab diesem Zeitpunkt genannt – vervollständigt. 1559 besaß es auf seinen mehreren Stockwerken insgesamt eine Grundfläche von etwa 8000 Quadratmetern. Diese beinhalteten 55 Appartements, den , sieben Kapellen, eine Küche und ein Gefängnis, das sich im Keller des alten Donjons befand.

mini|Das 1637 auf einer Zeichnung von Auguste Alexandre Guillaumot