Werner Mauss, alias Claus Möllner, Dieter Koch oder Richard Nelson (* 11. Februar 1940 in Essen), ist ein ehemaliger deutscher Privatdetektiv, der für verschiedene Unternehmen und ab 1965 auch als ziviler Mitarbeiter für Polizeibehörden und Geheimdienste tätig war. Im Zusammenhang mit verschiedenen Konflikten und Affären wurde sein Name der breiten Öffentlichkeit bekannt.
Tätigkeiten Seine Tätigkeiten als Ermittler und V-Mann für das Bundesministerium des Innern ermöglichten Mauss gute Kontakte zu verschiedenen Polizeibehörden, dem Bundeskriminalamt und zum Bundesnachrichtendienst. In den 1990er Jahren reichten seine Kontakte bis ins Bundeskanzleramt. Sein direkter Ansprechpartner dort war der langjährige Geheimdienstkoordinator der Regierung Kohl, Staatsminister Bernd Schmidbauer. In einem Brief an den ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes Hansjörg Geiger (1996–1998) schrieb Mauss: „Insgesamt konnten durch meine Einsätze nachweisbar mehr als 1600 Personen einer Festnahme zugeführt werden.“
Mauss arbeitet wohl seit 2000 nicht mehr im staatlichen Auftrag, trotzdem wurde der Reisepass auf seine Tarnidentität Claus Möllner 2014 von der Verbandsgemeinde-Verwaltung Simmern/Hunsrück offiziell verlängert. Gemeldet ist Möllner unter der Adresse der Anwaltskanzlei Hansen in Simmern/Hunsrück. Auch seine Tarnidentität Nelson wurde von der Verwaltung in Zell (Mosel) verlängert.
Berufliche Laufbahn Ende der 1950er Jahre sollte Werner Mauss aus seinem familiären Umfeld einen landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen und begann eine Ausbildung zum Landwirt, die er 1960 mit Diplom abschloss. Die Übernahme des Betriebs kam nicht zustande, sodass sich Mauss auf eigene Kosten zum Detektiv umschulen ließ. Wegen fehlender eigener Mittel zur Finanzierung der Lehrgänge und verschiedener Privatlehrer arbeitete er als Hilfsjournalist in der Nachtschicht bei zwei Tageszeitungen im Ruhrgebiet, als Staubsaugervertreter, als Nachtarbeiter im Duisburger Hafen sowie in einem Kohlebergwerk. 1961 gründete Werner Mauss in Essen eine Detektei. Parallel dazu machte er den Flugschein und bot seine Tätigkeiten mit dem Zusatz „Eigener Flugeinsatz in ganz Europa“ an.
Nach ersten Erfolgen gegen das organisierte Verbrechen begann Mauss Ende der 1960er Jahre, nicht mehr ausschließlich für private Auftraggeber zu arbeiten, auch die Versicherungswirtschaft sicherte sich seine Dienste.Karl-Ludwig Günsche, Hans-Werner Loose: Das System Mauss. In: Die Welt, 31. Juli 1998. Er ermittelte zusätzlich (und manchmal gleichzeitig) für verschiedene Sicherheitsbehörden verdeckt im kriminellen Milieu, mit Informationen versorgt durch Polizeibehörden, bezahlt durch Versicherungsverbände.
Kriminalfälle, Terrorismusbekämpfung, Geiselbefreiungen Der Name Mauss wird mit einer Reihe von spektakulären Kriminalfällen, bei der Terrorismusbekämpfung und mit Geiselbefreiungen in Verbindung gebracht. Die genauen Abläufe und seine Beteiligung sind allerdings nur zum Teil geklärt, was zur Legendenbildung beiträgt.
Ab 1969 arbeitete Werner Mauss erstmals im Auftrag der damals neu eingerichteten Ermittlungsgruppe des Bundeskriminalamts (BKA). Unter Mitwirkung von Mauss wurden unter anderem die mehrfach aus dem Gefängnis ausgebrochenen Schwerverbrecher Alfred Lecki und Helmut Derks in Alicante bzw. Marbella aufgespürt und von der Polizei gefasst.werner-mauss.de Aus dem Dokumentarfilm von Stephan Lamby im Auftrag des MDR: Der Top Agent „Das geheime Leben des Werner Mauss“, ausgestrahlt von ARD am 17. Februar 1999, NDR am 4. September 2000 und von Phoenix am 12. Februar 2002
So wird der Name Mauss in Zusammenhang mit der Festnahme des RAF-Terroristen Rolf Pohle 1976 in Athen und mit der Festnahme der Täter sowie Rückführung des geraubten Kölner Domschatzes 1976 genannt. Die Rolle im Fall des geraubten Domschatzes erläutern Mauss und die damals leitende Oberstaatsanwältin Mösch in der WDR Dokumentation „Der Raub des Kölner Domschatzes“.
Mit dem Auffinden des Seveso-Gifts 1983 verhinderte er wohl eine der größten Umweltkatastrophen der neueren Zeit.
1987 gelang Werner Mauss die Freilassung von Rudolf Cordes und Alfred Schmidt, die im Libanon als Hisbollah-Geiseln festgehalten wurden. Die Geiselnahme sollte verhindern, dass der Terrorist Mohammed Ali Hamadi an die USA ausgeliefert wurde, weil ihn dort die Todesstrafe erwartet hätte.
Die „Institution M“, wie Mauss beim BKA genannt wurde,Wochenspiegel, 10. Juni 1998; auf werner-mauss.de kam immer dann ins Spiel, wenn staatliche Organe nicht mehr weiterkamen, sich nicht „die Finger dreckig machen“ wollten oder eine Operation aus juristischen oder völkerrechtlichen Aspekten heraus nicht durchführen konnten.detektiv-report.de Kritiker werfen Mauss vor, dabei die Grenzen des Rechtsstaats überschritten zu haben und als „Agent provocateur von Staats wegen“ aufgetreten zu sein, also zu Straftaten angestiftet zu haben, deren Aufklärung er sich später zuschreiben ließ.
Ein Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtags versuchte 1984 zu klären, ob und inwiefern Mauss wann, von wem und wozu mit Legenden ausgestattet worden war, ob er unter Decknamen ausschließlich Landes- oder auch privatwirtschaftlichen Interessen gedient, ob er als Agent provocateur gearbeitet und gemeinsam mit Beamten Rechtsverletzungen begangen oder vertuscht hatte. Mauss ließ sich allerdings erst 1988 – nach mehreren erfolglosen Vorladungen – vernehmen, berief sich dabei allerdings auf eine eingeschränkte Aussagegenehmigung oder sagte aus, sich an Einzelheiten nicht erinnern zu können.
Der Fall Düe und das erste Foto in der Presse Im Jahre 1983, im Zuge des Gerichtsverfahrens gegen den Juwelier René Düe,Juwelenraub Düe Auszug aus einem Hörfunkinterview von Joachim Hagen, NDR vom 18. Juli 2006 mit Werner Mauss. gelangte das erste Foto von Werner Mauss an die Presse. Mauss ermittelte damals in Zusammenarbeit mit einer Sonderkommission wegen mutmaßlichen Betrugs zum Nachteil einer Versicherung gegen den verdächtigen Düe. Er kontaktierte Düe, der angab, ausgeraubt worden zu sein, unter Decknamen und übernahm als Hehler Stücke, die Düe als gestohlen gemeldet hatte. Daraufhin wurde René Düe am 5. August 1982 festgenommen und am 4. Januar 1984 vom Landgericht Hannover zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach Aufhebung des Urteils in der Revisionsinstanz wurden im neuen Prozess die konspirativ erlangten Beweismittel verworfen, das Landgericht rügte den verdeckten Einsatz Mauss’ und sprach Düe am 13. März 1989 aus Mangel an Beweisen frei.
1984 setzte der Niedersächsische Landtag einen Untersuchungsausschuss ein (Siehe auch: Liste der Untersuchungsausschüsse des Niedersächsischen Landtags). Er beschäftigte sich unter anderem mit den Methoden Mauss’ im Fall Düe. Dieser blieb dem Ausschuss trotz mehrfacher Ladung fern.
Die Zivilkammer des Landgerichts Hannover verurteilte Düe trotz des strafrechtlichen Freispruchs wegen arglistiger Täuschung und grober Fahrlässigkeit. Dabei wurde auch sein Antrag auf Prozesskostenhilfe für eine Schadensersatzklage gegen die Versicherung in Höhe von 73 Millionen DM abgelehnt. Der Bundesgerichtshof bestätigte später dieses Urteil.Urteile nach werner-mauss.de
Fast 20 Jahre später (im Juni 2000) wurden im früheren Geschäft des Vaters von René Düe 10,8 Kilogramm des damals als geraubt gemeldeten Schmucks – teilweise noch original etikettiert – sichergestellt. Zu diesem Zeitpunkt war eine mögliche Strafverfolgung jedoch bereits verjährt.
Tätigkeiten in Südamerika Mitte der 1980er Jahre wurde Mauss verstärkt in Südamerika tätig, vor allem in Kolumbien. Hier war er – zunächst im Auftrag der Mannesmann AG – eingesetzt, um den Bau einer Pipeline gegen den Widerstand der Guerillagruppe ELN durchzusetzen und vier entführte Manager der Firma zu befreien.
Mauss gründete zusammen mit der katholischen Kirche eine Hilfsorganisation und erhielt dafür vom Apostolischen Vikariat von Arauca am 9. September 1985 den Friedenspreis von Sarare in Kolumbien. Die Kontakte aus dieser Zeit griff er in den 1990er Jahren wieder auf, als er einen vom Kanzleramtsminister Bernd Schmidbauer unterstützten Friedensprozess anstieß. Dieser machte zur Bedingung, dass die in Kolumbien festgehaltenen entführten europäischen Geiseln ohne Zahlung von Lösegeld freigelassen werden sollten. Mauss verhandelte daraufhin in Kolumbien noch in mehreren Fällen die Freilassung europäischer Geiseln aus der Hand der ELN.Brief vom aus dieser Zeit amtierenden Präsidenten Ernesto Samper, Bogotá, Kolumbien, 29. November 2005 auf werner-mauss.de Die genauen Umstände und seine Rolle dabei blieben aus Sicherheitsgründen geheim.
Geiselbefreiung 1990 im Irak Zu Beginn des Zweiten Golfkriegs verweigerte das Regime von Saddam Hussein tausenden westlichen Ausländern im Herbst 1990 die Ausreise aus dem Irak. Altkanzler Willy Brandt flog am 5. November 1990 in den Irak, um sich für die festgehaltenen Geiseln einzusetzen. Es durften 50 Deutsche und 20 zusätzliche Ausländer ausreisen. Einige Härtefälle kamen noch hinzu und so durften insgesamt 138 Deutsche, 51 andere Europäer und fünf Kanadier am 9. November 1990 mit Willy Brandt ausreisen.
Laut eigenen Aussagen von Werner Mauss führte er in dieser Zeit direkte Verhandlungen mit Saddam Hussein zur Befreiung von 35 deutschen Technikern, die als Geiseln an Raketenstellungen gefesselt waren. Für die Freilassung der Geiseln überließ er dem Regime Antibiotika im Wert von 12.000.000 Euro. Getarnt als Siemens-Vorstandsmitglied, konnte Mauss die Geiseln am 24. November 1990 von Bagdad nach Nürnberg mit einer DC-8 ausfliegen.
Geiselbefreiung 1996 in Kolumbien Werner Mauss und seine damalige Ehefrau wurden am 17. November 1996 von der kolumbianischen Polizei in Medellín verhaftet, als sie mit einer zuvor von örtlichen Kriminellen entführten und von der Guerillabewegung ELN zur Freilassung verhandelten deutschen Geisel das Land verlassen wollten. Er und seine damalige Ehefrau blieben neun Monate in Untersuchungshaft, da man ihnen vorwarf, in Lösegeldzahlungen verwickelt zu sein. Das Ermittlungsverfahren wurde am 20. Mai 1998 eingestellt und das Ehepaar Mauss in allen Punkten freigesprochen. Das Gericht erklärte die Verhaftung für rechtswidrig.
Gegen Medienberichte, die behaupteten, es seien Lösegelder geflossen, ging Mauss erfolgreich gerichtlich vor. Schmidbauer erklärte, die Kontakte des Ehepaars Mauss zur ELN, die er veranlasst habe, seien aus Sicht der Bundesregierung transparent und mit dieser abgestimmt verlaufen.werner-mauss.de
Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft im Juni 1997 setzte Mauss, unterstützt vom damaligen Staatspräsidenten der Republik Kolumbien Ernesto Samper, der nationalen Friedenskommission Kolumbiens, der deutschen Bischofskonferenz und der deutschen Bundesregierung, seine Verhandlungen im kolumbianischen Urwald fort. Mit Genehmigung der Konfliktparteien führte Mauss den damaligen militärischen Chef der kolumbianischen ELN, Pablo Beltrán, im Juli 1998 zu Friedensverhandlungen nach Deutschland.
Tätigkeiten nach 1999 Eigenen Aussagen zufolge beschäftigte Mauss sich seit 1999 mit dem Abbau der von ihm geschaffenen Strukturen in Kolumbien. In Malaysia ermittelte er gegen die Terrororganisation Abu Sayyaf und in Nicaragua wegen einer ETA-Zelle sowie in Kolumbien bezüglich der FARC und verschiedener Drogenkartelle. Diverse Delikte bearbeitete er in Thailand, in Kambodscha setzte Werner Mauss sich bei der Drogenbekämpfung ein.
Geiselbefreiung 2000 auf den Philippinen Auf den Philippinen wurde am 23. April 2000 Familie Wallert zusammen mit 19 weiteren Personen und am 2. Juli 2000 der Spiegel-Journalist Andreas Lorenz von den muslimischen Abu-Sayyaf-Rebellen entführt.
Am 18. Juli 2000 wurde Werner Mauss vom damaligen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust beauftragt, sofortige Maßnahmen zur Befreiung Andreas Lorenz’ einzuleiten. Die Terroristen hatten angedroht, dem Spiegel-Journalisten beide Hände zu amputieren.